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Metrohm Vision Air

Metrohm AG

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Vision Air ist die NIR-Spektroskopie-Software von Metrohm AG (Schweiz). Sie steuert die hauseigenen NIRS-Geräte (DS2500, XDS, Mira-Handgeräte), baut über das Method-Wizard-Verfahren chemometrische Modelle (PLS, PCA) auf und führt im Routinebetrieb automatisierte Klassifikation und Quantifizierung von Rohstoffen, Zwischen- und Endprodukten durch. Standard-Edition für Routine-Labore, Pharma-Edition mit 21 CFR Part 11 Audit-Trail und elektronischen Signaturen.

Kosten: Software-Lizenz im Instrumenten-Paket enthalten (NIRS-Geräte ab ca. 25.000 €), Vision Air Pharma als Aufpreis-Edition, Service- und Wartungsverträge separat — keine öffentlichen Listenpreise

Stärken

  • Tief integriert mit Metrohm-NIRS-Hardware (DS2500, XDS, Mira-Familie) — keine Drittanbieter-Treiber, kein Adapter-Frickeln
  • Method Wizard reduziert klassischen Chemometriker-Workflow auf eine geführte Klick-Strecke
  • Vision Air Pharma erfüllt 21 CFR Part 11 inkl. Audit-Trail, elektronischer Signatur und Nutzer-Rollen
  • Routine-Modus für ungeschulte Bediener: ein-Klick-Messung, klare Pass/Fail-Anzeige
  • Lokale Datenhaltung (Windows-Client oder Site-Server) — DSGVO-unkritisch, da keine Cloud im Standardpfad
  • Hersteller-Support aus dem DACH-Raum, deutschsprachige Anwendungslabore

Einschränkungen

  • Kein Cloud-SaaS — Multi-Site-Synchronisation erfordert separate Vision Air Complete oder eigene IT-Infrastruktur
  • Vendor-Lock-in: Software unterstützt ausschließlich Metrohm-Spektrometer, keine Drittgeräte
  • Pricing intransparent — keine Listenpreise, Verhandlung über Metrohm-Vertrieb oder lokalen Händler
  • Modellqualität hängt weiterhin von ausreichend Referenzproben ab — die Software nimmt der Chemometrie die Wissenschaft nicht ab
  • Pharma-Edition deutlich teurer als Routine — Aufpreis wird nicht öffentlich kommuniziert
  • UI-Generationen unterscheiden sich (Vision Air 1.x vs. Vision Air 2.x) — bei älteren Bestandsinstallationen muss vor einem Upgrade die Methoden-Migration geprüft werden

Passt gut zu

Pharmaproduktion mit GMP-Anforderungen Lebensmittel- und Futtermittel-QC Chemie und Polymere mit Rohstoff-Identitätsprüfung Multi-Site-Hersteller mit Metrohm-Bestand Wareneingangskontrolle in regulierten Branchen

Kurzfazit

Vision Air ist die Standard-Bedienoberfläche für Metrohms NIR-Spektrometer — vom Tisch-Routinegerät DS2500 über das XDS-Hochdurchsatzsystem bis zu den Mira-Handscannern. Die Software übernimmt zwei Aufgaben gut: Erstens senkt der Method Wizard die Hürde zum Bau chemometrischer Modelle (PLS, PCA, Klassifikation) so weit, dass auch Labore ohne dediziertes Chemometrik-Team produktiv werden. Zweitens trennt sie sauber zwischen dem Method-Builder für den QC-Verantwortlichen und dem reduzierten Routine-Modus für den Bediener am Gerät. Vision Air Pharma bringt 21 CFR Part 11, was die Software für regulierte Produktion qualifiziert. Schwächen: Es ist keine offene Plattform, sondern ein klassisches Hersteller-Ökosystem mit Lizenz-Bundling, intransparenten Preisen und Vendor-Lock-in auf Metrohm-Hardware.

Für wen ist Metrohm Vision Air?

Pharma-Qualitätskontrolle (Wareneingang & Freigabe): Vision Air Pharma ist auf 21 CFR Part 11 und EU GMP Annex 11 ausgelegt — Audit-Trail, elektronische Signaturen, Nutzer-Rollen, lückenlose Protokollierung. Für die Identitätsprüfung von API, Hilfsstoffen und Excipients ist das das Standard-Werkzeug, das auch durch Inspektionen kommt.

Lebensmittel- und Futtermittel-Labore: Feuchte, Fett, Protein, Stärke — die klassischen NIR-Größen lassen sich mit Vision Air in Routine bringen. Der Method Wizard erleichtert es, eigene Modelle aus Referenzdaten zu bauen, statt Metrohms vorkalibrierten “PreCal”-Modellen blind zu vertrauen.

Chemie und Polymerverarbeitung: Rohstoff-Identitätsprüfung, Reinheits-Screening, Eingangskontrolle. Vision Air liefert in Sekunden ein Ergebnis ohne Lösungsmittel und ohne Probenpräparation — der größte Vorteil von NIR gegenüber HPLC oder Titration.

Multi-Site-Hersteller mit Metrohm-Bestand: Wer mehrere Werke mit DS2500- oder XDS-Instrumenten betreibt, kann Methoden zentral pflegen und an alle Standorte verteilen. Das hält die Modelle konsistent — wichtig, wenn eine Charge an einem Werk gemessen und an einem anderen freigegeben wird.

Wareneingang & Logistik (Handheld-Einsatz): Mit den Mira- und Mira-P-Handgeräten lässt sich Vision Air für mobile Identitätsprüfungen direkt am Tankwagen oder im Lager nutzen. Das verkürzt Sperrzeiten beim Wareneingang erheblich.

Weniger geeignet für: Wer einen offenen, cloudbasierten Daten-Hub für gemischte Spektrometer-Flotten sucht (Bruker, Thermo Fisher, Agilent neben Metrohm), wer einen reinen SaaS-Workflow ohne lokale Installation erwartet, oder wer ein günstiges, transparent bepreistes Tool für gelegentliche Messungen will. Vision Air ist Teil eines Premium-Hersteller-Pakets — die Lizenzfrage wird mit der Geräte-Investition mitentschieden.

Preise im Detail

KomponenteRichtwertWas du bekommst
Vision Air Routineim Geräte-Paket enthalten (DS2500: ab ca. 25.000 €)Standard-Bedienoberfläche, Method Wizard, Quantifizierung, Klassifikation, Datenbank
Vision Air PharmaAufpreis (typisch 5.000–15.000 € einmalig, plus Wartung)21 CFR Part 11, Audit-Trail, elektronische Signaturen, Nutzer-Rollen, Validierungs-Dokumentation
Vision Air Complete / Servernach KonfigurationMehrplatz-Setup, zentrale Datenbank, Multi-Site-Methodenverteilung
PreCal-Modelle (vorkalibriert)je nach Anwendung 2.000–10.000 €Fertige Kalibrationen z. B. für Pharma-Excipients oder Futtermittel-Standards
Service-Vertrag (IQ/OQ, Wartung)typisch 8–12 % des Gerätepreises p. a.Vor-Ort-Service, Software-Updates, Re-Qualifizierung

Einordnung: Metrohm veröffentlicht keine Listenpreise — alle Zahlen oben sind Erfahrungswerte aus dem DACH-Markt und schwanken stark je nach Konfiguration, Mengenrabatt und Händler. Wer Vision Air evaluiert, sollte direkt Metrohm Deutschland (Filderstadt) oder den regionalen Schweizer Vertrieb anfragen und zwei bis drei Angebote verhandeln. Achtung beim Pharma-Aufpreis: Die Validierungs-Dokumentation (IQ/OQ-Templates, Risiko-Analyse) ist häufig nicht inklusive und wird als separate Dienstleistung verkauft — bei GMP-Projekten kann das mehrere Tausend Euro zusätzlich kosten. Wer ein einzelnes Tischgerät betreibt, kommt mit Routine aus; sobald ein zweiter Standort oder ein zweiter Bediener hinzukommt, wird die Lizenz-Architektur (Einzelplatz vs. Server) zu einer relevanten Kostenfrage.

Stärken im Detail

Hardware-Software-Integration aus einer Hand. Vision Air ist nicht „eine NIR-Software” sondern die Software für Metrohm-NIRS. Treiber, Firmware-Updates, Diagnose und Kalibrationen kommen aus demselben Haus. In der Praxis bedeutet das: Wenn ein Spektrometer ausgetauscht wird, übernimmt Vision Air die Standardisierung automatisch — bei Drittanbieter-Setups ist das ein eigenes Projekt. Für Routine-Labore ist diese Friktionsfreiheit der eigentliche Wert.

Method Wizard senkt die Chemometrie-Hürde. Klassische PLS-Modellentwicklung verlangt Kenntnisse in Spektren-Vorbehandlung (SNV, MSC, Derivative), Outlier-Detection und Cross-Validation. Vision Air führt den Anwender durch diese Schritte, schlägt sinnvolle Defaults vor und visualisiert die Modellgüte (R², RMSEP, RPD). Erfahrene Chemometriker behalten die volle Kontrolle, Einsteiger kommen über den Wizard zu brauchbaren Ergebnissen — ohne eigene Skripte in R oder Python.

Pharma-Edition mit echter Compliance-Tiefe. Audit-Trail, elektronische Signatur, Vier-Augen-Prinzip, Nutzer-Rollen, Datenbank-Hashes — Vision Air Pharma erfüllt die formalen Anforderungen aus 21 CFR Part 11 und EU GMP Annex 11. Metrohm bietet zusätzlich Validierungspakete (IQ/OQ/PQ) und unterstützt bei Inspektionen mit Dokumentation. Das ist kein „Aufkleber-Compliance”, sondern wird seit Jahren in Pharma-Audits regelmäßig akzeptiert.

Klare Trennung Builder vs. Routine. Der Method-Builder ist nur für berechtigte Anwender sichtbar; am Gerät selbst läuft eine reduzierte Routine-Oberfläche mit Probe-ID, Messen-Knopf und Pass/Fail-Anzeige. Das ist eine entscheidende Stärke für regulierte Produktion: Der Bediener kann keine Methodenparameter ändern, alles wird über das zentrale Methoden-Repository gesteuert. Diese Architektur-Trennung sucht man bei manchen kleineren NIR-Anbietern vergeblich.

Lokale Datenhaltung — DSGVO-unkritisch. Vision Air läuft im Standardpfad auf einem Windows-PC oder einem lokalen Server im Werk. Es findet keine Übertragung von Spektren oder Methoden an einen externen Hoster statt. Für viele Pharma- und Chemie-Kunden ist genau das ein Argument: Die proprietären Modelle bleiben in der eigenen IT, regulatorische Risiken durch Drittlandtransfer entstehen nicht. Wer Multi-Site-Synchronisation will, baut die Verteilung über die hauseigene IT-Infrastruktur (Datei-Replikation, VPN, ggf. Citrix).

Handheld-Integration für mobile Einsätze. Die Mira-Familie (Mira P, Mira XTR DS) bringt NIR-Messung in den Wareneingang, an die Maschine oder in das Lager. Vision Air synchronisiert die Methoden zwischen Labor-Gerät und Handheld, sodass die Identitätsprüfung am Tankwagen mit derselben Methode läuft, die im Labor entwickelt wurde. In Branchen mit hoher Wareneingangs-Frequenz (Pharma-Excipients, Lebensmittel-Rohstoffe) ist das ein spürbarer Effizienzhebel.

Schwächen ehrlich betrachtet

Vendor-Lock-in ist real. Vision Air spricht ausschließlich mit Metrohm-Hardware. Wer schon eine NIR-Flotte von Bruker, Thermo Fisher oder Agilent betreibt, kann diese Geräte nicht über Vision Air bedienen — es bleibt nur der Parallelbetrieb mit den jeweiligen Hersteller-Suiten. Ein offener Datenstandard wie ASTM E1655 hilft nur eingeschränkt, weil Modell-Definitionen proprietär bleiben.

Pricing ist eine Black Box. Es gibt keine veröffentlichte Preisliste. Alles läuft über regionale Vertriebsteams, was bei Geräte-Investitionen üblich, für die Software-Auswahl im Vorfeld aber unangenehm ist. Vergleiche mit Wettbewerbern wie Bruker OPUS oder Foss WinISI sind nur über konkrete Angebote möglich — und die holt man sich erst, wenn die Geräte-Vorauswahl praktisch schon getroffen ist.

Cloud-Funktionen sind kein erstklassiges Produkt. Wer eine moderne SaaS-Anwendung mit Web-UI, Multi-Tenant-Synchronisation und API-Erstanbindung erwartet, bekommt das hier nicht. Vision Air ist klassische Desktop-Architektur mit optionalem Server-Modus. Multi-Site-Workflows sind möglich, aber sie sind ein IT-Projekt — nicht ein Häkchen in den Einstellungen.

Die Software nimmt der Chemometrie die Arbeit nicht ab. Method Wizard ist gut, aber kein Ersatz für gute Referenzdaten und einen verantwortlichen Chemometriker. Wer 20 schlechte Referenzspektren hochlädt und einen Knopf drückt, bekommt ein schlechtes Modell — die Software warnt davor, kann es aber nicht verhindern. Das ist keine Schwäche der Software im engeren Sinn, aber eine häufige Erwartungsfalle in Projekten.

UI-Generationen brechen Workflows. Vision Air 1.x und Vision Air 2.x sind nicht identisch — wer in den letzten Jahren ein Upgrade gefahren hat, kennt Methoden-Migrationen, neu zu validierende Konfigurationen und Schulungsbedarf für Anwender. Bei GMP-Installationen ist jedes Upgrade ein eigenes kleines Change-Control-Projekt.

Pharma-Edition spürbar teurer. Der Aufpreis für die Pharma-Edition ist nicht öffentlich kommuniziert, in der Praxis aber substanziell. Wer eine GMP-relevante Anwendung plant, sollte die Pharma-Edition von Anfang an einkalkulieren — nachträglicher Wechsel von Routine zu Pharma ist aufwendig, weil bestehende Methoden neu validiert werden müssen.

Alternativen im Vergleich

Wenn du……nimm stattdessen
Eine offene KI/ML-Plattform für eigene Pipelines suchst
Allgemeine Datenanalyse- und Statistik-Plattform brauchst
Bestehende Bruker-, Thermo- oder Agilent-Geräte einbinden willstHersteller-eigene Suiten (OPUS, OMNIC, MicroLab) — keine eigene KI-Syndikat-Seite
Eigene chemometrische Modelle in Python bauen willstscikit-learn / Eigenentwicklung — keine eigene KI-Syndikat-Seite

Erwähnenswert ohne eigene Tool-Seite: Bruker OPUS (vergleichbare Marktstellung im FT-NIR-Segment, ähnliches Lizenzmodell), Foss WinISI / Mosaic Solo (klassisch stark in Agrar/Lebensmittel, sehr branchen-spezifisch), Thermo Scientific OMNIC mit TQ Analyst (FT-NIR/FT-IR, breiter aufgestellt), Eigen.ai / Eigen Insight für Multi-Hersteller-Setups, sowie Camo Unscrambler als reines Chemometrie-Werkzeug ohne Hardware-Bindung. Vision Air ist kein offenes System — die richtige Frage ist nicht „welches NIR-Tool nehmen wir”, sondern „welches Hersteller-Ökosystem nehmen wir”. Wer Metrohm-Hardware kauft, bekommt Vision Air; wer offen bleiben will, sollte vor der Geräte-Entscheidung über das Software-Ökosystem nachdenken.

So steigst du ein

Schritt 1: Anwendungsfall sauber definieren, bevor du Geräte einkaufst. Welche Substanzen werden gemessen? Identität (qualitativ) oder Gehalt (quantitativ)? Wie viele Proben pro Tag, an wie vielen Standorten? Für reine Wareneingangs-Identitätsprüfung reicht oft ein DS2500 mit Routine-Edition; für GMP-Produktionsfreigabe brauchst du Pharma-Edition plus Validierungspaket. Diese Klärung im Vorfeld spart Lizenz- und Re-Validierungskosten.

Schritt 2: Pilot mit Metrohm-Anwendungslabor fahren. Metrohm betreibt Anwendungslabore (u. a. in Filderstadt für DACH), die kostenlos Vor-Probemessungen und Modell-Machbarkeitsstudien durchführen. Diesen Schritt nicht überspringen: Manche Anwendungen (z. B. dunkle Proben, sehr ähnliche Materialien) scheitern an NIR-Physik, nicht an der Software. Ein 1-Tages-Workshop dort verhindert teure Fehlinvestitionen.

Schritt 3: Referenzdatenbank aufbauen. Plane 30–100 Referenzproben pro zu bestimmender Substanz mit Labor-Referenzwerten (HPLC, Titration, Karl-Fischer). Das ist der größte Aufwand bei jeder NIR-Einführung — die Software-Bedienung selbst ist in zwei Tagen erlernt. Wer hier abkürzt, bekommt ein Modell, das im Method Wizard gut aussieht, aber in der Routine Fehlfreigaben produziert.

Schritt 4: Methoden zentral pflegen, Bediener-Rollen sauber trennen. In Vision Air sollten Method-Builder-Rechte auf wenige Personen beschränkt sein; alle anderen Anwender sehen nur den Routine-Modus. Bei GMP-Installationen sind Audit-Trail und elektronische Signaturen von Anfang an zu aktivieren, nicht erst kurz vor der ersten Inspektion.

Ein konkretes Beispiel

Ein mittelständischer Hilfsstoff-Hersteller (Excipients für Pharma) mit Sitz in Baden-Württemberg betreibt zwei Werke und prüft im Wareneingang täglich 30–50 Chargen Laktose, Magnesiumstearat, Cellulose und ähnliche Substanzen. Bisheriger Stand: HPLC und FT-IR im Zentrallabor, mittlere Durchlaufzeit pro Charge zwei Tage, Sperrlager-Bindung entsprechend hoch. Nach einer Pilotphase mit dem Metrohm-Anwendungslabor wird ein DS2500 mit Vision Air Pharma in jedem Werk installiert, dazu ein Mira-P-Handgerät pro Werk für die Tankwagen-Identitätsprüfung. Modell-Entwicklung dauert vier Monate inkl. Referenzanalytik (etwa 60 Proben pro Substanz). Nach Go-Live liegt die Identitätsprüfung in unter 90 Sekunden vor; nur Chargen mit Auffälligkeiten gehen weiter ins HPLC. Ergebnis: durchschnittliche Sperrlager-Bindung von 2 Tagen auf 4 Stunden, HPLC-Aufkommen um 70 % reduziert, ROI nach 14 Monaten erreicht (gerechnet auf etwa 90.000 € Hardware + Pharma-Lizenzen). Audit-Trail und elektronische Signaturen aus der Pharma-Edition wurden bei der nächsten GMP-Inspektion ohne Findings akzeptiert.

DSGVO & Datenschutz

  • Datenhosting: Standardmäßig lokal auf Windows-PC oder Site-Server im Werk des Anwenders. Keine Cloud-Übertragung im Default-Betrieb — Spektren, Methoden und Audit-Trails bleiben in der eigenen IT.
  • Datennutzung: Metrohm hat im Standardpfad keinen Zugriff auf Anwender-Daten. Bei Service-Einsätzen oder Remote-Support werden nur explizit freigegebene Daten übermittelt.
  • Cloud-Optionen: Vision Air Complete bzw. dedizierte Server-Setups werden vom Kunden selbst gehostet — meist in der eigenen Produktions-IT oder einer privaten Cloud. Es gibt keine öffentliche Metrohm-SaaS-Plattform, der die Daten gehören würden.
  • Auftragsverarbeitung (AVV): Da im Standardpfad keine Auftragsverarbeitung stattfindet, ist auch kein AVV nötig. Sobald Service- oder Remote-Support-Verträge greifen, sollte ein AVV mit Metrohm Deutschland abgeschlossen werden.
  • Regulatorisches: Vision Air Pharma erfüllt 21 CFR Part 11 (FDA) und EU GMP Annex 11. Audit-Trail, elektronische Signaturen und User-Management sind eingebaut, Validierungs-Dokumentation (IQ/OQ/PQ) wird als Dienstleistung angeboten.
  • Empfehlung für Unternehmen: Für Pharma- und Lebensmittelproduktion ist Vision Air Pharma die Standardwahl. Routine-Edition ist akzeptabel, wo keine regulatorische Pflicht zur lückenlosen Protokollierung besteht. Die lokale Datenhaltung ist ein klares Argument für Kunden mit strengen Drittland- oder IP-Schutz-Anforderungen.

Gut kombiniert mit

  • LIMS (z. B. LabWare, STARLIMS, Labvantage) — Vision Air liefert das NIR-Messergebnis, das LIMS übernimmt die Chargenfreigabe-Logik, Probenverwaltung und Anbindung an ERP. Über entsprechende Konnektoren oder OPC-UA-Schnittstellen lassen sich Messergebnisse automatisch in den Freigabe-Workflow überführen.
  • ERP/MES (SAP S/4HANA, SAP QM) — Für die durchgehende Chargenfreigabe von Wareneingang bis Produktionsstart wird Vision Air typischerweise indirekt (über LIMS oder Middleware) an SAP QM angebunden. Bestandsperren werden so automatisch aufgehoben, sobald ein Pass-Ergebnis vorliegt.
  • — Wer chemometrische Modelle wissenschaftlich tiefer untersuchen oder mit anderen Datenquellen (Prozessdaten, Sensorik) kombinieren will, exportiert Spektren aus Vision Air und führt die Analyse in einer offenen ML-Plattform durch. Vision Air bleibt dann das produktive Werkzeug, Dataiku die Forschungs-Sandbox.

Unser Testurteil

Vision Air verdient 4 von 5 Sternen. In seinem Marktsegment — NIR-Spektroskopie für regulierte Produktion und Routine-QC — ist es eine durchdachte, im DACH-Raum gut etablierte Lösung, die das schwierigste Problem (Chemometrie für Nicht-Spezialisten) glaubwürdig angeht. Die Pharma-Edition ist ein echtes Compliance-Werkzeug, kein Marketing-Anstrich. Die lokale Datenhaltung ist in Zeiten von DSGVO-Sorgen ein unterschätzter Vorteil. Den fünften Stern kostet es vor allem die intransparente Preispolitik, der harte Vendor-Lock-in auf Metrohm-Hardware und die Tatsache, dass moderne SaaS- und Multi-Site-Workflows nicht zu den Stärken gehören. Für die Zielgruppe — Pharma-QC, Lebensmittel-Labore, Chemie-Wareneingang mit Metrohm-Bestand — ist Vision Air dennoch oft die richtige Wahl. Für offene, hersteller-übergreifende Setups oder reine ML-Forschungs-Use-Cases gibt es bessere Alternativen.

Was wir bemerkt haben

  • 2024–2026 — Metrohm baut die Mira-Handgeräte-Familie konsequent aus und positioniert NIR-Handhelds als ernsthafte Alternative zum stationären Labor-Workflow. Vision Air spielt dabei die Rolle der gemeinsamen Methoden-Plattform zwischen Tisch- und Handgerät — strategisch wichtig, weil mobile Wareneingangs-Prüfung in Pharma und Logistik deutlich an Volumen zulegt.
  • 2025 — Im Pharma-Segment ist die Akzeptanz von NIR-basierten Freigabeverfahren (“Real-Time Release Testing”, RTRT) durch FDA und EMA weiter gewachsen. Vision Air Pharma profitiert davon, weil regulatorische Vorbehalte gegen NIR als Freigabe-Methode messbar abnehmen — die installierte Basis wächst entsprechend.
  • Mai 2026 — Eine native Cloud-/SaaS-Version mit Multi-Tenant-Architektur existiert weiterhin nicht. Wer Multi-Site-Workflows automatisieren will, baut sie weiterhin über eigene IT-Infrastruktur (Replikation, VPN, Citrix). In einem Markt, der zunehmend in Richtung Cloud-Analytik geht, ist das eine Lücke — Metrohm setzt aber bewusst auf On-Premise als Vertrauens-Argument.
  • Keine wesentlichen Strukturänderungen bekannt — Metrohm ist als unabhängiges Schweizer Familienunternehmen (Metrohm-Stiftung) anders aufgestellt als die börsennotierten Wettbewerber. Produktstrategie und Releasezyklen sind entsprechend gleichmäßig, ohne die typischen Eigentümerwechsel-Brüche der Branche.

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