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Bezahlt 🇩🇪 Deutschsprachig ⚠️ Hybrid Zuletzt geprüft: 25. Juli 2026

ColVisTec Inline Spectroscopy

ColVisTec AG

3/5

Redaktionelle Einschätzung auf Basis öffentlich zugänglicher Quellen (Anbieterangaben, Preislisten, unabhängige Bewertungsplattformen), kein Hands-on-Produkttest, sofern nicht ausdrücklich anders angegeben. Die Sternebewertung ist eine Meinung der Redaktion.

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ColVisTec baut Inline-Spektrometer für die Prozesskontrolle direkt an der Polymerschmelze statt im Labor. UV/Vis, NIR und Raman messen im laufenden Extruder, wie viel Fremdpolymer, Farbe oder Feuchte im Material steckt. Der rechnerische Kern sind chemometrische Modelle, die aus dem Spektrum einen Zahlenwert vorhersagen, im Recycling etwa den PE-Anteil in PP-Rezyklat. Kein Selbstbedienungsprodukt: Modellaufbau, Kalibrierung und Anlagenintegration laufen als Projekt.

Kosten: Preise nicht öffentlich. ColVisTec veröffentlicht keine Listenpreise und keine Preisspannen, jedes System wird projektbezogen kalkuliert. Geliefert wird ein Paket aus Inline-Spektrometer (InSpectro X UV/Vis, InSpectro NIR, InSpectro R Raman oder GiANT 3-in-1), Faseroptiksonde, Anwendungsmodell und Integration. Wartung und Rekalibrierung werden separat vereinbart. Belastbare Zahlen bekommst du nur über eine Anfrage mit konkreter Applikationsbeschreibung.

Stärken

  • Inline-Messung direkt am Schmelzefluss, keine Probennahme, keine Laborverzögerung
  • Ausgewiesener Schwerpunkt auf Polymerschmelzen und Rezyklaten, mechanisches wie chemisches Recycling
  • Drei Spektralbereiche aus einer Hand: UV/Vis, NIR und Raman, dazu die 3-in-1-Plattform GiANT
  • Kostengünstige Breitbandsonde über UV/Vis und NIR aus dem RecyQuant-Projekt mit dem SKZ
  • Kopplung an die Extruderperipherie möglich, bei Grenzwertüberschreitung korrigiert die Software die Dosierwaage
  • Deutscher Hersteller mit Sitz in Berlin-Adlershof, deutschsprachiger Support, System läuft on-premise
  • Nachweislich erprobt an realistisch eingefärbtem, schwach reflektierendem Rezyklat

Einschränkungen

  • Keine öffentlichen Preise, nicht einmal eine Größenordnung, Projektkalkulation ist Pflicht
  • Modellaufbau braucht Referenzproben aus dem eigenen Prozess, realistisch mehrere Dutzend Chargen mit Laborreferenz
  • Wie alle NIR-Systeme eingeschränkt bei schwarz oder dunkel pigmentierten Kunststoffen, Carbon Black schluckt das Signal
  • Kein Self-Service: Implementierung, Kalibrierung und Erstvalidierung laufen über ColVisTec-Techniker
  • Die Website nennt weder Chemometrie noch Machine Learning, technische Details bekommst du nur im Gespräch
  • Chemometrie ist klassische multivariate Statistik, kein lernendes System, das sich im Betrieb selbst verbessert
  • Sehr geringe öffentliche Sichtbarkeit außerhalb der Kunststoffrecycling-Fachszene, kaum unabhängige Erfahrungsberichte

Passt gut zu

Extrusionsprozesse mit schwankendem Rezyklat-Anteil (PP, PE, PET) Inline-Erkennung von Fremdpolymeren in Rezyklat-Chargen Qualitätsüberwachung in der Compoundierung mit Post-Consumer-Rezyklaten Pharmazeutische Schmelzextrusion mit PAT-Anforderung Pilotanlagen und Forschungsprojekte zur NIR-basierten Prozesskontrolle

Wann ja, wann nein

Wann ja

  • Du hast ein wiederkehrendes Qualitätsproblem im Schmelzestrom, das die Laborprobe zu spät entdeckt
  • Du verarbeitest Post-Consumer-Rezyklat mit schwankender Zusammensetzung
  • Du kannst Referenzproben aus der eigenen Produktion mit Laboranalytik bereitstellen
  • Du willst die Messung mit der Dosierung koppeln, nicht nur ein Messwert-Display

Wann nein

  • Du verarbeitest überwiegend schwarz eingefärbte Kunststoffe, dann ist NIR die falsche Methode
  • Du brauchst ein Produkt mit Listenpreis, das du ohne Projektphase beschaffen kannst
  • Du willst Fremdkörper im Materialstrom aussortieren statt Anteile in der Schmelze messen
  • Du hast keine Laborreferenz für den Modellaufbau und willst keine aufbauen

Kurzfazit

ColVisTec ist ein Berliner Spezialist für Spektroskopie direkt an der Schmelze statt im Labor: Eine Sonde sitzt im Extruder, misst durchgehend, und ein Rechenmodell übersetzt das Spektrum in eine Zahl, die dein Prozess versteht. Das Portfolio deckt UV/Vis, NIR und Raman ab, dazu die kombinierte Plattform GiANT. Der Nachweis, dass das im Rezyklat funktioniert, kommt nicht nur aus Werbebroschüren: Im Projekt RecyQuant mit dem Kunststoff-Zentrum SKZ wurde ein NIR-Modell entwickelt, das PE-Anteile zwischen 0 und 10 Gewichtsprozent in PP vorhersagt, und zwar auch bei realistisch eingefärbtem, schwach reflektierendem Material. Zwei Einschränkungen gehören in denselben Absatz: ColVisTec veröffentlicht keinerlei Preise, und die Website spricht mit keinem Wort über die Rechenverfahren dahinter. Wer das Problem hat, für das dieses System gebaut ist, sollte trotzdem anfragen. Wer nur schaut, findet hier wenig zum Vergleichen.

Für wen ist ColVisTec?

Compoundeure mit Post-Consumer-Rezyklat: Der Kernfall. Wenn deine Eingangsware zwischen Chargen schwankt und du das erst merkst, wenn das Produkt aus der Linie kommt, verschiebt eine Inline-Messung den Erkennungszeitpunkt um Stunden nach vorne. Genau dieser Anwendungsfall ist bei ColVisTec belegt.

Extrusionsbetriebe mit wiederkehrendem Ausschussmuster: Nicht jeder Betrieb braucht das. Aber wenn du regelmäßige Ausschussschübe hast, deren Ursache du im Nachhinein rekonstruierst statt im Moment zu sehen, ist Inline-Messung das strukturell passende Werkzeug.

Pharmazeutische Schmelzextrusion mit PAT-Auflage: Hot Melt Extrusion unter PAT-Regime verlangt kontinuierliche Prozessüberwachung, keine Endkontrolle. ColVisTec nennt das ausdrücklich als Anwendungsfeld. Rechne hier mit deutlich höherem Validierungsaufwand als in der Kunststoffverarbeitung.

Forschungs- und Pilotanlagen: Institute und Technika, die Prozessverständnis aufbauen wollen, bekommen mit einer Breitbandsonde über UV/Vis und NIR viel Messinformation pro Investition. Die Zusammenarbeit mit dem SKZ zeigt, dass ColVisTec in diesem Umfeld zu Hause ist.

Weniger geeignet für: Betriebe mit überwiegend schwarz eingefärbtem Material, für die NIR physikalisch die falsche Methode ist. Ebenfalls unpassend, wenn du Fremdkörper aus einem Schüttgutstrom aussortieren willst statt Anteile in der Schmelze zu quantifizieren, dafür sind Sortiersysteme wie TOMRA AUTOSORT oder Metall- und Fremdstoffdetektoren die richtige Klasse.

Preise im Detail

PositionPreisAnmerkung
Inline-Spektrometer (InSpectro X / NIR / R)nicht öffentlichProjektkalkuliert, abhängig von Spektralbereich, Sondentyp und Prozessbedingungen
GiANT 3-in-1-Plattformnicht öffentlichKombiniert mehrere Verfahren in einem Gerät
Faseroptiksondennicht öffentlichColor Probe, RPMP (Reflexion), TPMP (Transmission), Combo Probe (UV/Vis plus NIR)
Modellentwicklung und Kalibrierungnicht öffentlichAufwand hängt an Zahl und Qualität deiner Referenzproben
Integration und Inbetriebnahmenicht öffentlichSondeneinbau, Anbindung an Peripherie, Erstvalidierung
Wartung und Rekalibrierungnicht öffentlichSeparat zu vereinbaren

Einordnung: Wir nennen hier bewusst keine Hausnummer. ColVisTec veröffentlicht weder Listenpreise noch Preisspannen, und jede Zahl, die wir schätzen würden, wäre geraten. Was du stattdessen wissen solltest: Bei Inline-Prozessanalytik ist der Gerätepreis selten der größte Posten. Modellentwicklung, Referenzanalytik, Anlagenumbau, Validierungsphase und laufende Rekalibrierung summieren sich, und dieser Teil hängt fast vollständig an deinem Prozess, nicht am Anbieter. Frag im Angebot deshalb getrennt nach Hardware, Modellaufbau, Integration und jährlichen Servicekosten. Ein Angebot, das nur eine Gesamtsumme nennt, macht dir den späteren Vergleich unmöglich. Sinnvoll ist außerdem, die Rechnung gegen deine dokumentierten Ausschusskosten zu stellen: Wenn du nicht beziffern kannst, was dich fehlerhafte Chargen im Jahr kosten, kannst du auch nicht beurteilen, ob sich die Investition trägt.

Stärken im Detail

Die Messung sitzt dort, wo das Problem entsteht. Klassische Wareneingangs- oder Endkontrolle nimmt Stichproben, schickt sie ins Labor und liefert das Ergebnis, wenn das Material längst durch die Anlage ist. Eine Sonde im Schmelzekanal misst durchgehend. Das ist kein gradueller Unterschied, sondern ein anderer Regelkreis: Du reagierst auf Abweichungen, statt sie zu dokumentieren.

Der Recycling-Nachweis ist belastbar. Im Projekt RecyQuant haben ColVisTec und das SKZ ein chemometrisches NIR-Modell entwickelt, das den PE-Gehalt zwischen 0 und 10 Gewichtsprozent im PP-Basispolymer vorhersagt, für Neuware wie für Rezyklat. Entscheidend ist der Zusatz: Die Empfindlichkeit wurde an realistisch eingefärbtem Recyclingmaterial bestätigt, also unter den Bedingungen, unter denen NIR-Anwendungen sonst gerne scheitern. Zur Genauigkeitssteigerung nutzt das Modell einen reduzierten Wellenlängenbereich statt des vollen Spektrums.

Messen und Eingreifen sind gekoppelt. Aus demselben Projekt stammt ein Softwarepaket zur Steuerung der Dosierwaage. Überschreitet der gemessene Fremdpolymer-Anteil den Toleranzbereich, korrigiert das System über die Kopplung an die Extruderperipherie automatisch nach. Das ist der Unterschied zwischen einem Messgerät und einem Regelungsbaustein, und er entscheidet, ob das System nachts ohne Bediener etwas wert ist.

Drei Spektralbereiche und eine kostengünstige Breitbandsonde. UV/Vis erkennt Farbe und Additive, NIR chemische Zusammensetzung und Feuchte, Raman molekulare Struktur. ColVisTec deckt alle drei ab und bietet mit GiANT eine kombinierte Plattform. Für Anwendungen, in denen die zuständige Bande noch nicht feststeht, entstand im RecyQuant-Projekt zusätzlich eine kostengünstige Breitbandsonde über den UV/Vis- und NIR-Bereich.

Deutscher Hersteller, System läuft im Haus. Sitz ist Berlin-Adlershof, der Support spricht Deutsch, und das Messsystem arbeitet in deiner Anlage, nicht in einer fremden Cloud. Für Prozessdaten, die Rückschlüsse auf Rezepturen erlauben, ist das kein Nebenaspekt.

Schwächen ehrlich betrachtet

Preisintransparenz auf ganzer Linie. Keine Listenpreise, keine Spannen, keine Konfigurator-Logik, nichts. Das ist im Anlagenbau nicht ungewöhnlich, macht dir aber die Vorbewertung unmöglich: Du kannst nicht entscheiden, ob sich eine Anfrage lohnt, bevor du sie gestellt hast. Rechne mit mehreren Gesprächsrunden, bevor überhaupt eine Zahl auf dem Tisch liegt. Wenn dein Beschaffungsprozess Vergleichsangebote verlangt, plane den Mehraufwand von Anfang an ein.

Die Website erklärt die Technik nicht. Weder auf der Startseite noch auf der Technologieseite fällt das Wort Chemometrie, PLS, PCA oder Machine Learning. Es gibt keine Angaben zu Modellarchitektur, Kalibrierverfahren, Schnittstellen oder OPC UA. Was du als Ingenieurin brauchst, um die Machbarkeit einzuschätzen, steht dort schlicht nicht. Wer bewerten will, was das System kann, muss ins Vertriebsgespräch. Belege für die eigentliche Methodik findest du eher in Projektveröffentlichungen mit dem SKZ als beim Hersteller selbst.

Chemometrie ist Statistik, kein lernendes System. Chemometrische Verfahren wie PLS und PCA sind bewährte multivariate Statistik, aber sie sind kein Modell, das im Betrieb dazulernt. Wenn sich deine Materialbasis verschiebt, neue Lieferanten, anderes Additivpaket, andere Farbcharge, verliert das Modell an Genauigkeit und muss nachkalibriert werden. Plane Rekalibrierung als wiederkehrende Aufgabe ein, nicht als einmaligen Projektschritt.

Ohne eigene Referenzproben geht nichts. Das Modell lernt aus Chargen deines Prozesses mit bekannter Zusammensetzung aus der Laboranalytik. Wer keine strukturierte Referenzanalytik hat, muss sie erst aufbauen, und das ist Arbeit, die vor dem Kauf anfällt, nicht danach. Betriebe ohne eigenes Labor sollten hier mit einem externen Dienstleister oder einem Institut wie dem SKZ vorarbeiten.

Schwarz bleibt schwarz. Carbon Black absorbiert im NIR-Bereich so stark, dass kaum verwertbares Signal zurückkommt. Das ist keine Schwäche von ColVisTec, sondern der Methode, aber es entscheidet über Machbarkeit. Wenn ein relevanter Teil deiner Produktion dunkel eingefärbt ist, kläre das im ersten Gespräch, bevor irgendetwas anderes besprochen wird.

Kaum unabhängige Erfahrungsberichte. Außerhalb der Recycling-Fachszene ist die Firma wenig sichtbar. Es gibt keine breite Nutzerbasis, in der du dich vorab umhören kannst, und kaum Vergleichstests. Verlass dich auf Referenzbesuche bei bestehenden Kunden und lass dir eine Machbarkeitsmessung mit deinem eigenen Material zeigen.

Alternativen im Vergleich

Wenn du……nimm stattdessen
Spektren im Labor auswerten willst statt inline zu messenBruker OPUS
Einen breit aufgestellten NIR-Prozessanalytik-Anbieter mit Listenprodukten suchstMetrohm Vision Air
Chemometrie-Modelle selbst bauen und verstehen willstEigenvector Solo
Fremdkörper im Materialstrom detektieren statt Anteile quantifizieren willstSesotec RAYCON
Farbe im Masterbatch- und Compoundierprozess inline überwachen willstAmpacet SpectroMetric

ColVisTecs Position ist schmal und dadurch klar: Der Anbieter konkurriert nicht mit Laborspektroskopie und nicht mit Sortiertechnik, sondern besetzt die Nische der Inline-Messung an der Polymerschmelze mit ausdrücklichem Rezyklat-Fokus. Größere Anbieter wie Bruker oder Metrohm haben mehr Produktbreite, mehr Dokumentation und mehr Servicestruktur. Für die spezifische Frage “wie viel Fremdpolymer steckt gerade in meiner Schmelze” ist die Berliner Spezialisierung aber ein realer Vorteil.

So steigst du ein

Schritt 1: Formuliere die Applikation, bevor du anfragst. Welches Basispolymer, welche Störgröße, welcher Toleranzbereich, welcher Durchsatz, welcher Einbauort, welche Schmelzetemperatur und welcher Druck. Und ehrlich: wie viel deines Materials ist dunkel eingefärbt. Auf dieser Basis kann ColVisTec eine Machbarkeitsbewertung machen, ohne sie bist du im Verkaufsgespräch statt im Engineering-Gespräch.

Schritt 2: Kläre die Referenzprobenfrage. Du brauchst Chargen aus dem eigenen Prozess mit belastbarer Laboranalytik, verteilt über den Wertebereich, den du später messen willst. Wenn du das nicht hast, ist ein vorgelagerter Labortest bei einem Institut wie dem SKZ oder einem NIR-Dienstleister der günstigere Einstieg als ein Pilotgerät.

Schritt 3: Verhandle die Validierungsphase als Teil des Projekts, nicht als Anhängsel. Sinnvoll ist ein Parallelbetrieb, in dem Inline-Ergebnis und Referenzanalytik über mehrere Wochen gegeneinander laufen, mit vorab definierten Abnahmekriterien: maximale Abweichung, Verfügbarkeit, Verhalten bei Materialwechsel. Erst danach koppelst du die Regelung an die Dosierung. Wer die Automatik zu früh scharfschaltet, korrigiert Prozesse auf Basis eines Modells, das er noch nicht kennt.

Ein konkretes Beispiel

So sieht die Rechnung typischerweise aus. Ein Compoundeur in Nordrhein-Westfalen verarbeitet täglich rund drei Tonnen PP-Rezyklat aus Post-Consumer-Sammlungen. Der interne Toleranzwert für PE-Einschlüsse liegt bei drei Prozent, tatsächlich schwanken die Chargen deutlich darüber. Die Wareneingangskontrolle läuft über Laborspektrometer und Stichproben, auffällige Chargen fallen erst auf, wenn sie bereits in der Produktion sind.

Genau dieser Bereich, PE-Anteil zwischen 0 und 10 Gewichtsprozent in PP, ist der im RecyQuant-Projekt untersuchte Anwendungsfall. Eine Sonde am Extruder misst kontinuierlich in der Schmelze, das chemometrische Modell rechnet das Spektrum in einen PE-Anteil um, und bei Überschreitung der Toleranz korrigiert die Software über die Kopplung an die Dosierwaage automatisch das Mischungsverhältnis.

Was du dafür brauchst, bevor überhaupt gemessen wird: ausreichend Referenzchargen mit Laborwerten über den ganzen Bereich, einen geeigneten Einbauort im Schmelzekanal, und mehrere Wochen Parallelbetrieb, in denen du dem Modell nicht traust. Was du im Gegenzug bekommst, ist der Übergang von “wir finden den Fehler in der Nachbetrachtung” zu “die Anlage korrigiert ihn im Lauf”. Ob sich das rechnet, hängt vollständig an deinen dokumentierten Ausschusskosten. Wer die nicht kennt, sollte sie vor dem Angebot ermitteln, nicht danach.

DSGVO & Datenschutz

Bei ColVisTec ist Datenschutz im engeren Sinn kaum ein Thema, wohl aber Datenhoheit. Das solltest du trotzdem sauber regeln.

  • Personenbezug: Das System misst Materialeigenschaften, keine personenbezogenen Daten. DSGVO-Relevanz entsteht erst, wenn Messdaten mit Schicht-, Bediener- oder Personalzuordnung verknüpft werden. Wenn dein MES das tut, gehört der Fall ins Verarbeitungsverzeichnis und in die Mitbestimmung nach § 87 BetrVG.
  • Betriebsort: Anbieter und Betrieb liegen in Deutschland, ColVisTec AG sitzt in Berlin-Adlershof. Das Messsystem arbeitet in deiner Anlage.
  • Prozessdaten sind Geschäftsgeheimnis: Spektren und Kalibriermodelle lassen Rückschlüsse auf deine Rezepturen zu. Regle vertraglich, wem die im Projekt entstehenden Kalibriermodelle gehören, ob ColVisTec sie für andere Kunden weiterverwenden darf und was bei Vertragsende mit ihnen passiert. Das ist der wirtschaftlich relevanteste Punkt dieses Abschnitts.
  • Fernwartung: Kläre vor Inbetriebnahme, ob und wie ein Fernzugriff für Service und Rekalibrierung eingerichtet wird, wer ihn auslöst, ob er protokolliert wird und ob er dauerhaft offen bleibt. Ein permanent offener Zugang in die Produktionsebene ist ein IT-Sicherheitsrisiko, unabhängig vom Anbieter.
  • NIS2 und Anlagensicherheit: Fällt dein Betrieb unter NIS2, gehört jede neue Komponente mit Netzwerkanbindung in die Risikobetrachtung, auch ein Spektrometer.

Gut kombiniert mit

  • TOMRA AUTOSORT: Sortierung und Inline-Messung greifen ineinander. Je sauberer der Materialstrom vor dem Extruder getrennt wird, desto seltener muss die Inline-Regelung nachkorrigieren. Wer beides betreibt, misst am Ende, wie gut die Sortierung vorne funktioniert hat.
  • CAMPUS Plastics: Für die Modellentwicklung brauchst du belastbare Materialkenndaten der eingesetzten Neuware als Referenzpunkt. CAMPUS liefert herstellerübergreifend genau diese Datenbasis.
  • Polymerize: Wenn die Inline-Messwerte nicht nur regeln, sondern auch die Rezepturentwicklung informieren sollen, braucht es eine Plattform, in der Versuchsdaten, Rezepturen und Messreihen zusammenlaufen. Sonst landen die wertvollsten Daten in Excel-Dateien auf Einzelrechnern.

Unser Fazit

ColVisTec bekommt 3 von 5 Sternen. Technisch ist das ein ernstzunehmendes System mit einem klaren Alleinstellungsmerkmal: Inline-Messung an der Polymerschmelze mit belegtem Rezyklat-Anwendungsfall, gekoppelt an eine Dosierregelung, entwickelt gemeinsam mit einem etablierten Institut. Für Betriebe mit genau diesem Problem gibt es wenige gleichwertige Angebote.

Drei Punkte kosten Sterne. Erstens die vollständige Preisintransparenz: Ohne jede veröffentlichte Größenordnung kannst du nicht vorbewerten, ob eine Anfrage sinnvoll ist. Zweitens die dünne technische Dokumentation im öffentlichen Raum: Eine Website, die weder Chemometrie noch Modellverfahren noch Schnittstellen erwähnt, zwingt dich für jede Machbarkeitsfrage ins Vertriebsgespräch. Drittens der Projektcharakter: Referenzproben, Modellaufbau, Integration, Validierung, Rekalibrierung, das ist kein Kauf, sondern ein Vorhaben mit interner Ressourcenbindung. Wir haben die Bewertung deshalb von vier auf drei Sterne korrigiert, ohne dass sich am Produkt etwas verschlechtert hätte. Die frühere Einstufung hat die Beschaffungshürden zu wohlwollend behandelt.

Was wir bemerkt haben

  • Juli 2026Preisangabe entfernt. Wir hatten hier eine Spanne von 20.000 bis 80.000 EUR je Messpunkt stehen. Diese Zahl ist durch keine öffentliche Quelle gedeckt, ColVisTec veröffentlicht weder Listenpreise noch Größenordnungen. Wir haben sie ersatzlos gestrichen und schreiben jetzt “nicht öffentlich”. Lieber eine Lücke als eine Zahl, nach der jemand kalkuliert.
  • Juli 2026KI-Einstufung von “kern” auf “features” korrigiert. Weder Startseite noch Technologieseite von colvistec.de erwähnen Chemometrie, PLS, PCA oder Machine Learning. Belegt ist das chemometrische Modell aus dem RecyQuant-Projekt, und Chemometrie ist klassische multivariate Statistik, kein lernendes System. Das Produkt bleibt zu Recht im Verzeichnis, aber es ist Spektroskopie-Hardware mit einem Rechenmodell, kein KI-Kernprodukt.
  • Juli 2026 – Bewertung von vier auf drei Sterne gesenkt. Grund ist nicht das Produkt, sondern die Beschaffungsrealität: keine Preise, kaum öffentliche technische Dokumentation, kein Self-Service, kaum unabhängige Erfahrungsberichte.
  • Juli 2026 – Das frühere Praxisbeispiel mit konkreten Vorher-Nachher-Ausschussquoten war eine illustrative Rechnung, las sich aber wie ein dokumentierter Kundenfall. Wir haben es als Szenario gekennzeichnet und die technischen Eckwerte an den belegten RecyQuant-Anwendungsfall angeglichen.
  • 2022 bis 2024 – Im gemeinsamen Projekt RecyQuant mit dem Kunststoff-Zentrum SKZ entstand ein chemometrisches NIR-Modell für PE-Anteile von 0 bis 10 Gewichtsprozent in PP, eine kostengünstige Breitbandsonde über UV/Vis und NIR sowie ein Softwarepaket zur Steuerung der Dosierwaage. Gestartet ist das Projekt 2022, der Abschluss wurde im August 2024 in der Fachpresse berichtet. Die Empfindlichkeit wurde ausdrücklich an realistisch eingefärbtem Rezyklat bestätigt, dem Materialtyp, an dem NIR-Anwendungen üblicherweise scheitern.

Quellen

  1. ColVisTec – Inline Spectroscopy Solutions. https://www.colvistec.de/en/ (abgerufen am 2026-07-25). Produktlinie InSpectro X (UV/Vis), InSpectro NIR, InSpectro R (Raman), GiANT 3-in-1, Faseroptiksonden (Color Probe, RPMP, TPMP, Combo Probe), Sitz Max-Planck-Str. 3, 12489 Berlin-Adlershof, Anwendungsfelder Extrusion, Recycling, Pharma-PAT, Chemie, Lacke, Lebensmittel; keine Preisangaben auf der Website.
  2. ColVisTec – Technologie und Inline-Monitoring. https://www.colvistec.de/en/technology/ (abgerufen am 2026-07-25). Echtzeit-Inline-Monitoring rund um die Uhr mit UV/Vis-, NIR- und Raman-Spektroskopie; die Seite nennt keine Chemometrie, kein PLS/PCA, kein Machine Learning und keine SPS-Schnittstellen.
  3. EUWID Recycling – Inline-Qualitätskontrolle von Kunststoff-Rezyklat (Projekt RecyQuant). https://www.euwid-recycling.de/news/forschung-praxis/inline-qualitaetskontrolle-von-kunststoff-rezyklat-080824/ (abgerufen am 2026-07-25). Gemeinsames Projekt RecyQuant von ColVisTec und dem Kunststoff-Zentrum SKZ: chemometrisches NIR-Modell zur Vorhersage des PE-Gehalts von 0 bis 10 Gewichtsprozent in PP, reduzierter Wellenlängenbereich für höhere Genauigkeit, bestätigte Empfindlichkeit auch bei realistisch eingefärbtem Rezyklat, automatische Korrektur über Kopplung an die Extruderperipherie und ein Softwarepaket zur Steuerung der Dosierwaage, dazu eine kostengünstige Breitbandsonde über UV/Vis und NIR.
  4. ColVisTec – Anwendungen Recycling. https://www.colvistec.de/en/applications/recycling/ (abgerufen am 2026-06-13). Einsatz im mechanischen und chemischen Recycling, Post-Consumer-Rezyklate (PCR), industrielle Anwendungen.

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