ColVisTec Inline Spectroscopy
ColVisTec AG
ColVisTec AG (Berlin) entwickelt Inline-Spektrometersysteme für die kontinuierliche Prozesskontrolle in der Kunststoffverarbeitung — direkt im Extruder, an der Schmelze oder am Granulatstrom. Der KI-Kern sind chemometrische Modelle (PLS, PCA) zur Echtzeiterkennung von Fremdpolymeren, Feuchtigkeit, Viskositätsabweichungen und Rezyklat-Anteilen. Referenzprojekt RecyQuant (2022–2024) mit dem Kunststoff-Zentrum SKZ: Nachweis der PE-Erkennung in PP-Rezyklat mit automatischer Dosierskalen-Nachregelung.
Kosten: Projekbasiert; Preise auf Anfrage. Inline-Schmelzsensoren für Extruder und Spritzgussmaschinen werden als Hardware-Software-Paket geliefert — typische Investition 20.000–80.000 EUR je Messpunkt inklusive Chemometrie-Modell und Integration. Wartungsverträge separat.
Stärken
- Inline-Messung direkt am Schmelzefluss — keine Probennahme, keine Laborverzögerung
- Spezialisiert auf Polymerschmelzen und Rezyklate: validiert für PE-in-PP-Erkennung (RecyQuant-Projekt)
- Kosteneffektive Breitbandsonde für UV-VIS-NIR-Spektralbereich — günstiger als Vollspektrometer
- Software-Integration mit Extruder-SPS möglich: automatische Dosierungskorrektur bei Grenzwertüberschreitung
- Deutschen Hersteller, EU-Datenhaltung, DACH-Support
- Erprobt für schwach reflektierende Rezyklate bei realistischer Einfärbung
Einschränkungen
- Keine öffentlichen Listenpreise — Projektkalkulation erforderlich
- Modellaufbau braucht Referenzproben aus dem eigenen Produktionsprozess — typisch 30–80 Chargen
- Wie alle NIR-Systeme: eingeschränkte Leistung bei schwarzen/dunkel pigmentierten Kunststoffen (Carbon Black absorbiert NIR-Signal)
- Kein Self-Service: Implementierung, Kalibrierung und Erstvalidierung durch ColVisTec-Techniker
- Geringe öffentliche Bekanntheit außerhalb der Kunststoffrecycling-Fachszene
Passt gut zu
Kurzfazit
ColVisTec AG ist ein Berliner Spezialist für Inline-Spektroskopie direkt an der Polymerschmelze — kein Labor, keine Probennahme, sondern kontinuierliche Messung im laufenden Prozess. Was sie von größeren Spektrometer-Herstellern unterscheidet: Fokus auf kosteneffektive Breitband-Sonden für die Extrusion und nachgewiesene Erfahrung mit Rezyklaten. Das RecyQuant-Projekt (2022–2024) mit dem SKZ hat gezeigt, dass PE-Anteile in PP-Schmelze auch bei eingefärbtem Recyclingmaterial mit ausreichender Sensitivität erkannt werden können. Die Technologie ist sinnvoll, wenn der Prozess stabilisiert werden soll und manuelle Probennahme zu langsam reagiert. Für Betriebe mit einem klaren Rezyklat-Problem — schwankende Chargen, regelmäßige Ausschussschübe — ist ColVisTec ein realistischer Gesprächspartner.
So steigst du ein
Schritt 1: Kontaktiere ColVisTec AG direkt (colvistec.de) und schildere die Applikation: welches Polymer, welche Fremdpolymere oder Qualitätsprobleme du erkennen willst, wie die Anlage aussieht (Extruder-Typ, Düsenbereich, Durchsatz). ColVisTec führt auf dieser Basis eine Machbarkeitsbewertung durch.
Schritt 2: Kläre, ob Referenzproben aus deiner Produktion verfügbar sind — du brauchst mindestens 30–50 Chargen mit bekannter Zusammensetzung für die Modellentwicklung. Wenn kein eigenes Referenzmaterial vorhanden ist, lohnt sich vorab ein Labortest beim SKZ oder einem NIR-Dienstleister.
Schritt 3: Nach Pilotmessung und Modellaufbau wird die Sonde in deinen Extruder oder die Dosierwaage integriert und die SPS-Schnittstelle programmiert. Plane dafür 2–4 Wochen Integrationsaufwand und eine Validierungsphase von 4–8 Wochen, in der Inline-Ergebnis und Referenzanalytik parallel laufen.
Ein konkretes Beispiel
Ein Compoundeur mit Sitz in Nordrhein-Westfalen verarbeitet täglich 3 Tonnen PP-Rezyklat aus Post-Consumer-Sammlungen und kämpft mit PE-Einschlüssen von bis zu 8 % — oberhalb des internen Toleranzwerts von 3 %. Die bisherige Wareneingangskontrolle per Laborspektrometer erfasst nur Stichproben; problematische Chargen landen erst im Produktionsprozess. Nach Installation einer ColVisTec-Breitbandsonde am Extruder-Einzug misst das System kontinuierlich den PE-Gehalt in der Schmelze. Übersteigt der Wert 3,5 %, korrigiert die Software automatisch die Dosierskala und mischt mehr Reinmaterial bei. Ergebnis nach sechs Monaten: Ausschussrate durch PE-Einschlüsse von durchschnittlich 4,2 % auf 0,9 % gesenkt, Maschinenstopps durch Überlastung der Entgasungszone nahezu eliminiert.
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Kunststoff & Gummi
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OPUS ist die etablierte Spektroskopie-Software von Bruker Optik (Ettlingen) für FT-IR, NIR und Raman. Sie steuert die Messung an Bruker-Spektrometern und trainiert chemometrische Modelle — PLS-Regression (QUANT 2), Hauptkomponentenanalyse, Clusteranalyse und Bibliotheks-Suche (SEARCH, IDENT) — für automatisierte Rohstoff-Identifikation, Quantifizierung und Prozessüberwachung. Der KI-Kern ist klassische, validierte Chemometrie: erprobt, modellbar, GMP-tauglich — kein generatives Modell, sondern statistisch geprüfte Pattern Recognition.
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