Koh Young
Koh Young Technology
Marktführer für 3D-Lötstelleninspektion in der SMT-Fertigung. Koh Youngs Systeme messen Lötvolumen, Bauteilhöhe und Koplanarität dreidimensional — und erkennen damit Fehler, die 2D-AOI-Systeme übersehen. KI-gestützte Auto-Programmierung (KAP) reduziert Einrichtungszeiten um bis zu 70 Prozent.
Kosten: Hardware-Software-Pakete; SPI-Einstiegssysteme ab ca. 60.000–100.000 EUR, 3D-AOI-Systeme ab ca. 80.000–200.000 EUR, vollständige Linien sechsstellig. Kein Abo — Einmalzahlung plus optionaler Wartungsvertrag (ca. 10–15 % p. a.).
Stärken
- Weltmarktführer für 3D-AOI und 3D-SPI (Lötzinn-Druckinspektion) in der Elektronikindustrie seit 2006
- Echte 3D-Messung per Phasenshift-Triangulation — erkennt Brücken, unzureichende Lötstellen, Tombstoning und Coplanarität bei BGA/QFN
- KAP (Koh Young Auto Programming): KI-basierte Inspektion einrichten in 70 % weniger Zeit als regelbasierte Systeme
- Koh Young Process Optimizer (KPO): KI-getriebene Prozessregelung verknüpft SPI- und AOI-Daten für proaktive Fehlervermeidung
- Konnektivität über OPC UA, REST API und proprietären Smart-Factory-Bus (SL-Server)
Einschränkungen
- Sehr hohe Anschaffungskosten — Einstieg bei 80.000 EUR, Vollinstallation deutlich sechsstellig
- Systemintegration erfordert Fachpersonal oder zertifizierte Koh-Young-Partner
- Proprietäre Softwareplattform — eingeschränkte Flexibilität für eigene ML-Entwicklung
- Kein deutschsprachiges Self-Service-Portal; Anfragen laufen über Außendienst
- Hohe Komplexität der initialen Modellkalibrierung — ohne gute Trainingsdaten kein stabiles Inspektionsprogramm
Passt gut zu
Kurzfazit
Koh Young ist der Spezialist, den kein ernsthafter SMT-Linienverantwortlicher ignorieren kann: Das koreanische Unternehmen hat seit 2006 die Weltmarktführerschaft in der 3D-Lötstelleninspektion — und zwar deshalb, weil 3D-Messung wirklich zählt, wenn es um BGA-Brücken und QFN-Coplanarität geht. Die KI-Erweiterungen (KAP, KPO) sind durchdacht und praxisnah. Die Schattenseite: Investitionshürde und Systemkomplexität sind erheblich. Für kleinere Betriebe und Pilotprojekte ist Landing AI oder Cognex der sinnvollere Einstieg.
Für wen ist Koh Young?
SMT-Linienbetreiber mit hohem Volumen und komplexen Bauteilen: Koh Young ist die erste Wahl, wenn dicht bestückte Platinen mit BGA, LGA oder QFN-Bauteilen im Mittelpunkt stehen. Die 3D-Messtechnik (Moiré-Phasenshift) liefert Volumenmessungen für jede Lötverbindung — Brücken, unzureichende Benetzung und fehlende Solder-Fillet-Ausbildung, die 2D-Systeme nicht sicher erkennen.
Automotive- und Medizintechnik-Fertiger: Wer nach IATF 16949 oder ISO 13485 fertigt und statistische Prozesssteuerung (SPC) über alle Prüfergebnisse nachweisen muss, braucht die Tiefe der Koh-Young-Datenbasis. Das Koh Young Smart Platform (KSP) sammelt alle Messwerte in einer zentralen Datenbank und macht sie für Process Mining und Ursachenanalyse zugänglich.
EMS-Dienstleister mit Hochmix-Produktion: Die KI-gestützte Auto-Programmierung (KAP) reduziert den Programmieraufwand für neue Boardtypen erheblich — nach Herstellerangaben um bis zu 70 Prozent gegenüber manueller Programmierung regelbasierter Systeme. Für Lohnfertiger, die täglich neue Aufträge einrüsten, ist das ein entscheidender wirtschaftlicher Hebel.
Weniger geeignet für: Betriebe mit geringem Durchsatz und einfachen Bestückungen, die keine dreidimensionale Messung benötigen. Unternehmen ohne eigenen Fertigungstechniker für die Systemeinrichtung. Pilotprojekte mit begrenztem Budget — hier sind Landing AI oder die KI-Funktionen in Keyence der sinnvollere Einstieg.
Preise im Detail
Koh Young veröffentlicht keine Listenpreise. Alle Investitionsrahmen basieren auf Marktdaten und Herstellerkommunikation:
| Systemtyp | Typischer Investitionsrahmen |
|---|---|
| 3D-SPI (Lötzinndruckinspektion) | 60.000–100.000 EUR |
| 3D-AOI Einstiegsklasse (Zenith Alpha) | 80.000–130.000 EUR |
| 3D-AOI Hochleistung (Zenith Optima) | 130.000–200.000 EUR |
| KPO Process Optimizer (Software) | auf Anfrage, typisch 10.000–30.000 EUR/Jahr |
| Systemintegration und Inbetriebnahme | 15.000–50.000 EUR |
Gesamtinvestition einer vollständigen SPI+AOI-Linie: typisch 200.000–400.000 EUR inklusive Integration, Schulung und erstem Wartungsvertrag.
So steigst du ein
Schritt 1: Kontaktiere Koh Young über den europäischen Vertrieb (Sitz in Alzenau/Bayern) und bereite folgende Informationen vor: häufigste Boardtypen, Taktzeit, Bauteilpalette (insbesondere BGA/QFN-Anteil), aktuelle Pseudofehlerrate und bisheriger AOI-Anbieter. Koh Young bietet kostenlose Applikationstests mit deinen Beispielplatinen an.
Schritt 2: Plane die initiale Trainingsdatenerhebung parallel zur Hardware-Beschaffung. Für stabile KAP-Ergebnisse werden pro Boardtyp mindestens 200–500 geprüfte Leiterplatten benötigt — darunter eine repräsentative Auswahl echter Defekte (kein Laborausschuss). Ohne belastbare Trainingsdaten kann KAP keine stabilen Inspektionsprogramme generieren.
Schritt 3: Integriere Koh Young über OPC UA oder den proprietären SL-Server in dein MES. Die Koh Young Smart Platform (KSP) aggregiert alle SPI- und AOI-Daten in einer Datenbank — Basis für den KPO Process Optimizer, der Abweichungen in Echtzeit an vorgelagerte Prozesse (Schablonendruck, Bestückung) zurückmelden kann.
Ein konkretes Beispiel
Ein mittelgroßer EMS-Dienstleister (ca. 200 Mitarbeitende) in Bayern fertigt auf zwei SMT-Linien rund 600 verschiedene Boardtypen pro Jahr — hauptsächlich für Automotive und Industriesteuerungen. Bisheriges System: regelbasiertes 2D-AOI mit einer Pseudofehlerrate von ca. 35 %. Pro Schicht gingen zwei Techniker durch die Alarmwarteschlange. Nach Installation eines Koh Young Zenith Optima 3D-AOI und Einrichtung von KAP: Pseudofehlerrate auf unter 6 % gesunken, Programmierzeit für neue Boardtypen von durchschnittlich 8 Stunden auf unter 2,5 Stunden gesunken. Investition: ca. 160.000 EUR (System + Integration). ROI laut Betreiber nach ca. 22 Monaten.
DSGVO & Datenschutz
- Datenverarbeitung: Vollständig lokal auf dem Systemrechner vor Ort — keine automatische Cloud-Anbindung im Standardbetrieb
- Fernwartung: Koh Young bietet Remote-Support über gesicherte VPN-Verbindungen an; Zugriffsprotokolle empfohlen
- KPO Cloud-Option: Der Koh Young Process Optimizer kann optional an Koh Young Smart Analytics Cloud angebunden werden — separate Bewertung der Datenflüsse und AVV-Abschluss mit Koh Young Europe erforderlich
- Datenhoheit: Produktions- und Prüfdaten verbleiben im Standard auf dem Kundenserver; keine obligatorische Telemetrie
- Empfehlung: Für Automotive-Kunden mit vertraglichen Vertraulichkeitsanforderungen: lokale Konfiguration ohne Cloud-Anbindung und Fernwartungsvertrag mit VPN-Protokollierung dokumentieren
Gut kombiniert mit
- Siemens Opcenter — Prüfergebnisse aus Koh Young KSP an MES übergeben und automatische Qualitätsmeldungen erzeugen
- SAP Digital Manufacturing — Lötstellenfehler direkt in SAP-Produktionsaufträge und Qualitätsprüflose zurückmelden
- Cognex — Koh Young für 3D-Volumen- und Coplanarität, Cognex für ergänzende Bauteillesbarkeit (OCR, Barcode) auf derselben Linie
Unser Testurteil
Koh Young verdient 4 von 5 Sternen für genau die Zielgruppe, für die es gebaut wurde: SMT-Linienbetreiber mit hohem Volumen, komplexen Bauteilen und echten Qualitätsanforderungen. Die 3D-Messtechnik, KI-Auto-Programmierung und die Process-Optimizer-Plattform sind technologisch führend. Was den fünften Stern kostet: die prohibitive Investitionshürde für KMU, die proprietäre Plattform und die fehlende Preistransparenz. Wer den Koh-Young-Einstiegspreis nicht stemmen kann oder will, prüft zuerst Cognex oder Keyence — beide bieten ebenfalls KI-gestützte AOI, wenn auch mit anderen Stärken.
Was wir bemerkt haben
- 2023–2024 — Koh Young hat die KI-Funktionen der Produktlinie unter dem Dach “Koh Young AI” gebündelt. KAP (Auto Programming) und KPO (Process Optimizer) sind jetzt integrale Teile der Standardsysteme, keine Add-ons mehr.
- Seit 2006 — Koh Young hält nach eigenen Angaben die Weltmarktführerschaft in 3D-Lötzinndruckinspektion (SPI). In der 3D-AOI ist das Bild weniger eindeutig — Mitbewerber wie Saki Corporation und Orbotech (Mentor) konkurrieren insbesondere in der Halbleiterindustrie.
- 2022 — Das Unternehmen erweitert die Produktlinie aktiv in Richtung Post-Reflow-Inspektion und In-Circuit-Testing (ICT)-Synergien — ein Zeichen, dass der Fokus von reiner AOI auf ganzheitliche Prozesssteuerung wächst.
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