DELMIA Quintiq
Dassault Systèmes
Marktführendes Advanced-Planning-&-Scheduling-System (APS) von Dassault Systèmes — 2014 durch Übernahme der niederländischen Quintiq B.V. ins DELMIA-Portfolio integriert. Bekannt für regelbasierte Optimierung bei hoch komplexen, restriktionsreichen Produktionsumgebungen: Prozessindustrie, Luft- und Raumfahrt, Stahl, Aluminium, Papier. Kernstärke ist die Modellierungstiefe für sequenzabhängige Übergänge — das, was klassische ERP-Planung nicht löst. Heute Teil der DELMIA-Plattform mit „Industrial AI” (ML für Bedarfsprognose, prädiktive Analytik); Generative AI spielt im Kernprodukt 2025/26 noch eine Nebenrolle.
Kosten: Enterprise-Lizenzierung, keine öffentlichen Preise. Erste Implementierungen typisch 150.000–500.000 € im ersten Jahr (Lizenz + Beratung + Implementierungspartner). Folgekosten: jährliche Wartung 18–22 % der Lizenz, plus Bedarf an internem APS-Know-how oder dauerhaftem Partner-Vertrag.
Stärken
- Leistungsstarke Constraint-Programmierung für sequenzabhängige Rüst- und Übergangszeitmatrizen
- Tiefe Branchenexpertise in Prozessindustrie: Papier, Chemie, Stahl, Aluminium, Lebensmittel
- Mehrere Planungsalternativen als Was-wäre-wenn-Szenarien gleichzeitig durchrechenbar
- Industrial-AI-Schicht (ML/prädiktive Analytik) ergänzt die klassische Optimierung
- DELMIA-/3DEXPERIENCE-Integration für End-to-End-Supply-Chain-Planung
- EU-Datenresidenz und starkes europäisches Partnernetz (Deutschland, Benelux, UK)
Einschränkungen
- Sehr hohe Einstiegskosten — für Unternehmen unter 500 Mitarbeitenden kaum wirtschaftlich
- Implementierung dauert typisch 6–12 Monate, erfordert erfahrene DELMIA-Partner
- Kein echter SaaS-Self-Service — On-Premise oder dedizierte Cloud über Partner
- Stammdatenqualität (Rüstmatrizen, Kapazitäten, BOMs) ist Voraussetzung, nicht Beiwerk
- Preise völlig intransparent — ausschließlich über Vertriebsgespräch zugänglich
- Generative AI / agentische Workflows stehen 2025/26 erst am Anfang — Schwerpunkt bleibt klassische Optimierung
Passt gut zu
Wann ja, wann nein
Wann ja
- Du hast sequenzabhängige Rüst- oder Übergangszeiten, die ERP-Planung nicht beherrscht
- Du planst Volumina ab niedriger zweistelliger Mio.-Euro-Wertschöpfung und 500+ Mitarbeitende
- Du arbeitest in Prozessindustrie (Papier, Chemie, Stahl, Aluminium, Lebensmittel)
- Du hast oder beauftragst APS-Know-how für 6–12 Monate Implementierung
Wann nein
- Du suchst eine SaaS-Lösung, die in wenigen Wochen läuft
- Dein Stammdaten-Bestand (Rüstmatrizen, Kapazitäten) ist noch nicht sauber gepflegt
- Du erwartest, dass Generative AI / Agents die Planung selbst übernehmen
- Dein Budget liegt im niedrigen sechsstelligen Bereich oder darunter — Quintiq ist überdimensioniert
Kurzfazit
DELMIA Quintiq ist das Schwergewicht im Advanced-Planning-&-Scheduling-Markt — niemand löst sequenzabhängige Rüstoptimierung in Prozessindustrien (Papier, Chemie, Stahl, Aluminium) so tief wie Quintiq. Wer eine Papiermaschine mit 12 Sorten und komplexen Übergangsmatrizen plant, bekommt mit Quintiq eine Constraint-Engine, die ERP-Standardplanung um Welten übertrifft. Seit der Eingliederung ins DELMIA-Portfolio (2014) ist Quintiq Teil der breiteren Dassault-Strategie rund um 3DEXPERIENCE und „Industrial AI” — Machine Learning für Bedarfsprognose und prädiktive Analytik ergänzen die klassische Optimierung. Wichtig zu wissen: Quintiqs „KI” ist primär klassische Operations Research (Constraint Programming, mathematische Optimierung), nicht Generative AI — wer GenAI-Agents für die Produktionsplanung erwartet, ist 2025/26 hier falsch. Schwächen sind systembedingt: hoher Preis (typisch 150.000–500.000 € im ersten Jahr), 6–12 Monate Implementierung, kein echter SaaS-Pfad.
Für wen ist DELMIA Quintiq?
Papier- und Kartonfabriken: Wer eine Papiermaschine mit 10+ Sorten plant, hat sequenzabhängige Übergänge (Sorte A → B kostet 45 Minuten, A → C kostet 3 Stunden, B → C kostet 20 Minuten) — und genau das ist das Brot-und-Butter-Problem, für das Quintiq gebaut wurde. Realer Hebel: Reduzierung der durchschnittlichen Umrüstzeit um 15–25 % ist in Quintiq-Implementierungen typisch.
Prozessindustrie mit komplexen Übergangskosten: Chemie, Pharma, Stahl, Aluminium, Lebensmittel — überall, wo Reihenfolgeentscheidungen massive Auswirkungen auf Rüstzeiten, Verschnitt, Energieverbrauch oder Reinigungsaufwand haben. Klassische ERP-Planung (SAP S/4HANA, Microsoft Dynamics) löst diese Probleme nicht, weil sie keine echte Constraint-Engine haben. Quintiq ist die Ergänzungs-Schicht für genau diese Lücke.
Großmittelständler und Konzerne mit MES/ERP-Stack: Wer bereits in SAP oder einem MES-System (Siemens Opcenter, AVEVA, Rockwell) verankert ist, kann Quintiq als Planungs-Layer obendrauf einsetzen. Datenintegration ist Standard, der Implementierungs-Pfad gut bekannt. Zielgröße: ab ca. 500 Mitarbeitenden und niedriger zweistelliger Mio.-Euro-Wertschöpfung im geplanten Bereich.
Luft- und Raumfahrt sowie Verteidigung: Komplexe Stücklisten, lange Vorlaufzeiten, hohe Compliance-Anforderungen — ein klassisches Quintiq-Terrain. Über die DELMIA-/3DEXPERIENCE-Integration werden Produkt- und Produktionsdaten verbunden, was in dieser Branche regulatorisch oft Pflicht ist.
Workforce Scheduling in komplexen Service-Operationen: Quintiq wird auch für Personaleinsatzplanung mit harten Restriktionen eingesetzt (Tarifregeln, Qualifikationen, Schichtmodelle, Flotteneinsatz). Finnair, KLM und mehrere europäische Fluggesellschaften nutzen Quintiq für Crew-Planung — ein anderer Use Case als Produktion, aber gleiche Constraint-Logik.
Weniger geeignet für: KMU mit weniger als 500 Mitarbeitenden (Quintiq ist überdimensioniert und unbezahlbar), Unternehmen mit einfacher Auftragsfertigung ohne sequenzabhängige Übergänge (SAP S/4HANA-Planung oder Asprova reichen oft), alle, die einen SaaS-Self-Service mit Onboarding in Wochen suchen, und Organisationen ohne dediziertes APS-Know-how (oder dauerhaften Partner-Vertrag).
Preise im Detail
| Lizenz-Block | Größenordnung (Schätzung) | Was du bekommst |
|---|---|---|
| Erstimplementierung (klein) | ca. 150.000–250.000 € im ersten Jahr | Lizenz für einen Engpass-Bereich (z. B. eine Papiermaschine), Implementierungspartner, Stammdaten-Aufbereitung, Pilot |
| Mittlere Implementierung | ca. 250.000–500.000 € im ersten Jahr | Mehrere Maschinen oder Werke, vollständige Integration mit ERP/MES, Schulungen, mehrere Planungs-Rollen |
| Konzern-Roll-out | mehrere Mio. € über mehrere Jahre | Mehrere Werke / Länder, harmonisierte Stammdaten, gemeinsamer Optimierungs-Hub, dedizierte Customer-Success |
| Jährliche Wartung | typisch 18–22 % der Lizenz | Updates, Patches, Standard-Support |
| Folgekosten | individuell | Partner-Vertrag für laufende Modellpflege (typisch 0,5–1,5 FTE Partner-Aufwand pro Jahr) oder eigenes APS-Team |
Einordnung: Dassault Systèmes veröffentlicht keine Listenpreise für DELMIA Quintiq — der Vertrieb erfolgt klassisch enterprise-orientiert über Direktvertrieb oder zertifizierte Partner (in DACH z. B. Ab Ovo, bisonaire, vereinzelte Spezialberater). Die hier genannten Zahlen sind Marktdurchschnitte aus Implementierungs-Projekten, keine offiziellen Angaben. Faustregel für die Wirtschaftlichkeit: Ein Prozent Effizienzsteigerung auf einer 50-Mio.-€-Wertschöpfung sind 500.000 € pro Jahr — die Implementierung amortisiert sich damit oft im ersten Jahr, wenn 2–4 Prozent Verbesserung erreicht werden (was in Prozessindustrie-Implementierungen typisch ist). Wer unter 10–15 Mio. € Wertschöpfung pro Jahr im geplanten Bereich liegt, sollte zuerst leichtere Lösungen prüfen.
Stärken im Detail
Constraint Programming auf höchstem Niveau. Quintiq ist eine der weltweit ausgereiftesten Engines für regelbasierte Optimierung. Komplexe Restriktionen — sequenzabhängige Übergangszeiten, Maschinen-Kompatibilitäten, Material-Verfügbarkeiten, Tarif-Bedingungen — lassen sich modellieren und gleichzeitig optimieren. Praxis-Effekt: Wo SAP-Standardplanung an einfachen Reihenfolge-Constraints scheitert, liefert Quintiq belastbare Pläne mit nachweisbarer Optimalitätslücke.
Branchentiefe in der Prozessindustrie. Quintiq wird seit den 1990er-Jahren von Papier-, Stahl-, Aluminium- und Chemiekonzernen eingesetzt. Die Modellbibliotheken und Standard-Templates für diese Branchen sind ausgereift — Übergangsmatrizen, Verschnittlogiken, Reinigungsprofile, Tank-Management lassen sich auf Bestands-Strukturen aufsetzen, statt von Null zu modellieren. Effekt: Implementierungs-Risiken sinken deutlich, weil viele Branchen-Patterns bekannt sind.
Was-wäre-wenn-Szenarien parallel rechnen. Wer eine Planungsentscheidung trifft (z. B. „nehmen wir den Eilauftrag für Kunde X an?”), bekommt mit Quintiq nicht nur einen Plan, sondern mehrere Alternativen mit quantifizierten Konsequenzen (Umrüstkosten, Liefertreue-Risiko, Energieverbrauch). Das ist im Tagesgeschäft der größte Unterschied zu klassischer ERP-Planung, die meist nur einen Plan liefert.
Industrial-AI-Schicht als Ergänzung. Seit 2023/24 ergänzt Dassault DELMIA Quintiq mit Machine-Learning-Funktionen — Bedarfsprognose aus historischen Mustern, prädiktive Wartung, Anomalie-Erkennung in Produktionsdaten. Das ist 2025/26 noch eher additiv (nicht: Generative AI, die selbst Pläne schreibt), aber konkrete ML-Beiträge für bessere Eingangs-Daten in die klassische Optimierung sind real. Effekt: Bessere Prognosen → bessere Pläne → höhere Liefertreue.
3DEXPERIENCE-Integration für End-to-End-Sicht. Wer Quintiq im Verbund mit anderen Dassault-Modulen (ENOVIA für PLM, CATIA für Konstruktion, DELMIA Apriso für MES) einsetzt, bekommt eine End-to-End-Plattform für Produktionsplanung und -ausführung. Strategischer Wert: Ein konsistentes Datenmodell von Produktdesign bis Produktionsplan — das ist in regulierten Branchen (Aerospace, Defense, Pharma) oft Pflicht.
Europäische Wurzeln und EU-Hosting. Quintiq B.V. war ursprünglich ein niederländisches Unternehmen, die DELMIA-Entwicklung erfolgt heute teils in der EU. EU-Datenhaltung ist Standard, AVV und Standardvertragsklauseln sind etabliert. Für deutsche und europäische Industrieunternehmen mit Datenschutz-Anforderungen ist das ein wesentlicher Vorteil gegenüber US-zentrierten APS-Anbietern.
Schwächen ehrlich betrachtet
Sehr hohe Einstiegskosten. Eine Quintiq-Implementierung beginnt selten unter 150.000 € im ersten Jahr und kann bei Konzern-Roll-outs in den Millionen-Bereich gehen. Für Mittelständler unter 500 Mitarbeitenden ist das fast immer überdimensioniert. Workaround: Lieber mit einem fokussierten Pilot (eine Maschine, ein Werk) starten und schrittweise ausbauen, statt einen Big-Bang zu planen.
Implementierung dauert 6–12 Monate. Quintiq ist kein Tool, das man „mal eben” einführt. Stammdaten müssen aufbereitet (besonders Rüstmatrizen — die in vielen Werken nicht sauber dokumentiert sind), Modelle aufgesetzt, Workflows getestet, Planer:innen geschult werden. Wer „in 4 Wochen produktiv” verspricht, hat das Tool nicht verstanden. Realistisch: 6–9 Monate für eine fokussierte Implementierung, 12+ Monate für eine breite.
Kein echter SaaS-Self-Service. DELMIA Quintiq läuft On-Premise oder als dedizierte Cloud-Instanz über einen Partner — kein klickbarer SaaS-Trial, kein Self-Service-Onboarding. Das ist konsequent für die Komplexität, schließt aber neugierige Bewerter:innen aus. Erste Berührungspunkte entstehen nur über Demo-Termine bei Partnern oder Konferenzen (Dassault 3DEXPERIENCE World).
Stammdatenqualität als Implementierungs-Killer. Quintiq ist nur so gut wie die eingegebenen Daten. Rüstmatrizen, Maschinen-Kapazitäten, Material-Verfügbarkeiten, BOMs — alles muss sauber sein. In vielen Werken sind diese Daten historisch gewachsen, lückenhaft oder unvollständig. Folge: 30–50 % der Implementierungszeit gehen oft für Stammdaten-Aufbereitung drauf, nicht für die eigentliche Quintiq-Konfiguration.
Generative AI / agentische Workflows stehen erst am Anfang. Dassault spricht von „Industrial AI” und hat ML-Funktionen integriert, aber Generative AI / autonome Planungs-Agenten sind 2025/26 keine Kernfunktion von Quintiq. Wer erwartet, dass eine Agentic-KI selbständig Pläne erstellt und Probleme löst, ist hier falsch — Quintiq ist primär klassische Operations Research mit modernem GUI. Workaround: Externe LLMs (ChatGPT, Claude) für Erklärung und Was-wäre-wenn-Analyse der Quintiq-Outputs einsetzen.
Preise völlig intransparent. Keine Listenpreise, individuelle Angebote, hoher Verhandlungs-Spielraum. Das macht Budget-Planung schwierig und führt zu langen Vertriebs-Zyklen (typisch 6–18 Monate vom Erstgespräch bis Vertrag). Tipp: Parallel mit Wettbewerbern (Asprova, SAP IBP, Siemens Opcenter APS, Aspen Tech) verhandeln — Wettbewerbsdruck drückt typisch 15–25 % vom Listenpreis.
Abhängigkeit von Partner-Ökosystem. Wer DELMIA Quintiq einsetzt, ist faktisch auf einen Implementierungs- und Support-Partner angewiesen (in DACH z. B. Ab Ovo, bisonaire). Wechsel des Partners ist möglich, aber aufwändig — und gute Quintiq-Berater:innen sind rar und teuer (1.500–2.500 €/Tag typisch). Strategisch wichtig: Internes Quintiq-Know-how aufbauen, statt sich dauerhaft 100 % auf den Partner zu verlassen.
Alternativen im Vergleich
| Wenn du… | …nimm stattdessen |
|---|---|
| Microsoft-365-Workflows für Berichts-Aufbereitung kombinieren willst | Microsoft 365 Copilot |
| Strategische Markt- und Wettbewerbsrecherche zu APS-Anbietern brauchst | Perplexity |
Aus unserem Tool-Verzeichnis gibt es aktuell keinen direkten APS-Peer. SAP IBP / SAP PP-DS (für SAP-Bestandskunden naheliegend), Siemens Opcenter APS (ehemals Preactor, gute KMU-Eignung), Asprova (japanischer APS-Anbieter, oft günstiger und schneller implementierbar als Quintiq, stark in diskreter Fertigung), Aspen Tech aspenONE (Spezialist für Petrochemie und Energie), PSI Software (deutscher Anbieter mit Fokus Energie und Logistik), Flexis (deutscher APS-Spezialist), Plex DemandCaster und Kinaxis Maestro (Cloud-APS mit modernerer Oberfläche, breitere SaaS-Positionierung), o9 Solutions (Cloud-Plattform mit starkem AI/ML-Anspruch) sind die wichtigsten Wettbewerber. DELMIA Quintiq bleibt in der Prozessindustrie und bei sequenzabhängigen Problemen die erste Wahl — in diskreter Fertigung lohnt sich der Vergleich mit Siemens Opcenter APS oder Asprova, in der reinen Cloud-Welt mit Kinaxis oder o9.
So steigst du ein
Schritt 1: Zertifizierten DELMIA-Partner ansprechen und Rüst-/Übergangsmatrix vorbereiten. Kontaktiere einen DELMIA-Partner im DACH-Raum (z. B. Ab Ovo, bisonaire, einzelne Spezialberater) und bereite für das Erstgespräch eine konkrete Rüst- oder Übergangszeitmatrix vor — auch wenn sie unvollständig ist. Quintiq-Partner können aus einer bestehenden Matrix sofort eine Demo mit euren realen Daten aufbauen. Parallel SAP IBP, Asprova oder Siemens Opcenter anfragen — Wettbewerbsdruck drückt den Preis.
Schritt 2: Fokussierter Pilot statt Big-Bang. Starte mit einer Maschine oder einem Maschinentyp — nicht mit dem gesamten Werk. Definiere ein messbares Erfolgskriterium (z. B. „Reduzierung der Umrüstzeit um 15 % gegenüber Status quo nach 6 Monaten Pilot”). Quintiq bietet in vielen Implementierungen einen garantierten Mindesteffizienzgewinn — diese Klausel sollte schriftlich im Vertrag stehen. Plane realistisch 6–9 Monate Pilotdauer ein.
Schritt 3: Stammdaten-Aufbau parallelisieren und internes Know-how aufbauen. 30–50 % der Implementierungszeit gehen für Stammdaten-Aufbereitung drauf — Rüstmatrizen, Kapazitäten, Material-Verfügbarkeiten. Plane dafür interne Ressourcen oder einen separaten Datenpfad ein. Gleichzeitig: 1–2 interne Mitarbeitende für Quintiq-Modellierung schulen, statt langfristig 100 % vom Partner abhängig zu sein. Die ML-/Industrial-AI-Funktionen erst in Phase 2 hinzunehmen, wenn die klassische Optimierung sauber läuft.
Ein konkretes Beispiel
Eine Papierfabrik aus Süddeutschland (120.000 t/Jahr Kapazität, 12 Sorten auf einer PM, 180 Mitarbeitende im Werk) führt DELMIA Quintiq ein. Vorher: wöchentliche Planung durch zwei erfahrene Produktionsplaner, Reihenfolgeentscheidungen nach Erfahrungswissen. Die Übergangszeitmatrix wird aus 18 Monaten Historiendaten rekonstruiert — das ist die größte Vorarbeit (ca. 3 Monate). Nach insgesamt neun Monaten Implementierung mit einem zertifizierten DELMIA-Partner ist Quintiq produktiv. Effekt nach 12 Monaten: Durchschnittliche Umrüstzeit sinkt um 18 % gegenüber Status quo, was ca. 320 zusätzliche Produktionsstunden pro Jahr freisetzt und Energieverbrauch (Trockenpartie-Wiederaufheizung) um geschätzt 6 % senkt. Investition Jahr 1: ca. 280.000 € (Lizenz + Implementierung + Partner-Aufwand) plus ca. 60.000 € jährliche Wartung. Amortisation: ca. 18 Monate über zusätzliche Produktionskapazität und Energieeinsparung. Die Produktionsplaner:innen behalten ihre Rolle — sie planen jetzt strategisch (Auftragsannahme, Was-wäre-wenn-Szenarien) statt operativ (Reihenfolge zusammenpuzzeln).
DSGVO & Datenschutz
- Datenhosting: EU-Region möglich; bei On-Premise-Implementierung in eigenem Rechenzentrum. Bei Cloud-Implementierung über Partner: typisch EU-Region (Frankfurt, Amsterdam, Paris).
- Anbieter: Dassault Systèmes SE mit Sitz in Vélizy-Villacoublay (Frankreich) — französische SE, europäisches Vertragsrecht.
- Datennutzung: Produktionsdaten verbleiben beim Kunden (On-Premise) oder beim Cloud-Partner. Keine Datennutzung zu Trainingszwecken durch Dassault.
- Auftragsverarbeitung (AVV): Standard verfügbar nach EU-Recht; Standardvertragsklauseln für Datenübermittlung (sofern relevant).
- Zertifizierungen: Dassault Systèmes hält ISO 27001 und weitere Industriezertifizierungen — Details auf Anfrage über Trust Center.
- Empfehlung für regulierte Branchen: Für Pharma, Chemie, Aerospace, Defense ist DELMIA Quintiq ein etablierter, compliance-freundlicher Anbieter. On-Premise-Setup eliminiert die meisten Datenschutz-Risiken, weil Daten das Werk nicht verlassen. Bei Cloud-Setup auf EU-Hosting bestehen und AVV nachverhandeln.
Gut kombiniert mit
- SAP S/4HANA, Microsoft Dynamics, MES-Systeme (Siemens Opcenter, AVEVA, Rockwell) — Quintiq lebt von guten Eingangs-Daten aus ERP und MES. Die Standard-Integration läuft über REST-APIs und Batch-Schnittstellen, ist seit Jahren erprobt.
- Microsoft 365 Copilot — Wenn Quintiq-Outputs (Pläne, Was-wäre-wenn-Analysen) in Geschäftsführungs-Vorlagen, Bereichs-Reportings oder Investitionsanträgen verarbeitet werden, übernimmt Copilot die Aufbereitung in PowerPoint und Excel. Quintiq liefert die Substanz, Copilot die Story.
- Perplexity — Für strategische Recherche zu APS-Trends, Wettbewerber-Strategien oder Benchmark-Daten (z. B. „wie planen andere Papierfabriken vergleichbarer Größe?”) ist Perplexity der flexiblere Recherche-Hebel neben dem operativen Quintiq-Einsatz.
Unser Testurteil
DELMIA Quintiq verdient 4 von 5 Sternen. Was es richtig macht: Es ist die unangefochtene Referenz für sequenzabhängige Planung in Prozessindustrien — keine andere APS-Lösung erreicht in dieser Disziplin vergleichbare Modellierungstiefe. Die DELMIA-/3DEXPERIENCE-Integration macht es zur strategischen Wahl für Konzerne mit bestehender Dassault-Architektur, und das europäische Anbieterprofil (Dassault Systèmes SE, EU-Hosting möglich) ist für deutsche Industrieunternehmen ein realer Compliance-Vorteil gegenüber US-Wettbewerbern. Was den fünften Stern kostet: Sehr hohe Einstiegskosten und langer Implementierungs-Pfad (6–12 Monate, 150.000–500.000 € im ersten Jahr), intransparente Preisgestaltung, faktische Partner-Abhängigkeit, fehlender SaaS-Self-Service und eine „Industrial AI”-Schicht, die 2025/26 noch klassische Operations Research mit ML-Würze ist, nicht das, was viele heute unter „AI-Plattform” verstehen. Für die Zielgruppe — Prozessindustrie mit sequenzabhängigen Problemen ab Konzern-Größe — bleibt Quintiq fast immer die richtige Wahl, aber wer einsetzt, sollte den Pilot fokussiert halten, parallel mit Wettbewerbern verhandeln und internes APS-Know-how aufbauen, statt sich 100 % auf den Partner zu verlassen.
Was wir bemerkt haben
- 2014 — Dassault Systèmes hat Quintiq B.V. übernommen und ins DELMIA-Portfolio integriert. Die niederländische Marke ist seitdem als „DELMIA Quintiq” geführt; die ursprüngliche Modellierungs-Engine (Quill, mathematische Optimierungs-DSL) blieb erhalten und ist bis heute Kern des Produkts.
- 2023/2024 — Dassault hat „Industrial AI” als Strategie-Begriff eingeführt und Machine-Learning-Funktionen in DELMIA Quintiq integriert (Bedarfsprognose, prädiktive Analytik, Anomalie-Erkennung). Ehrlich gesagt: 2025/26 ist das eher additive ML-Würze auf klassischer Optimierung, nicht der Generative-AI-Sprung, den viele Kunden erwarten. Wer Agentic-AI sucht, ist hier falsch.
- 2024/2025 — Die 3DEXPERIENCE-Integration wurde weiter ausgebaut. Quintiq lebt heute stärker im Verbund mit ENOVIA (PLM), CATIA (Konstruktion) und DELMIA Apriso (MES) — für Bestandskunden des Dassault-Stacks ein klarer Vorteil, für Quintiq-Solokäufer eher Komplexitätsfaktor.
- Mai 2026 — Eine echte SaaS-Variante (Klick-Trial, Self-Service-Setup) gibt es weiterhin nicht. Quintiq bleibt enterprise-on-premise oder dedizierte-Cloud-via-Partner. Das ist konsequent für die Komplexität, schließt aber den Mittelstand und neugierige Bewerter:innen weiterhin aus.
- Allgemein — Im DACH-Raum dominieren wenige Implementierungs-Partner (Ab Ovo, bisonaire, einzelne Spezialberater). Gute Quintiq-Berater:innen sind rar und teuer (1.500–2.500 €/Tag typisch) — wer eine Implementierung plant, sollte Partner-Verfügbarkeit als Risiko-Faktor einkalkulieren.
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