Dedrone (Axon)
Axon Enterprise (ehemals Dedrone Holdings)
Dedrone, seit Oktober 2024 Teil von Axon Enterprise, gehört zu den Marktführern für KI-gestützte Drohnenerkennung und -klassifizierung. Die Plattform DedroneTracker.AI fusioniert Signale von RF-Sensoren, Radar, PTZ-Kameras und akustischen Sensoren zu einem einheitlichen Lagebild. Eingesetzt an Flughäfen, in Gefängnissen, bei Energieversorgern und Sicherheitsbehörden — mit deutscher Niederlassung und Wurzeln in Kassel.
Kosten: Projektbasierte Preisgestaltung ohne öffentliche Listenpreise. Typische Mehrstandort-Installationen für Flughäfen, Gefängnisse oder kritische Infrastruktur bewegen sich nach Marktstimmen im sechsstelligen bis einstelligen Millionenbereich, abhängig von Sensoranzahl, Abdeckungsfläche und Integrationstiefe. Beschaffung läuft zwingend über Vertriebsgespräch und Site Survey.
Stärken
- Multi-Sensor-Fusion (RF, Radar, optisch, akustisch) in einer einzigen Softwareplattform
- KI-Klassifikation unterscheidet Drohnentypen (DJI, Autel, militärische Modelle) und kann Piloten-Standort lokalisieren
- Umfangreiche Drohnen-Signature-Datenbank mit regelmäßigen Updates über RF-Protokollanalyse
- Skalierbar von Einzelstandort (DedroneFixedSite) über mobile Einheit (DedroneTrailer+) bis zur Stadtüberwachung (DedroneCity)
- Aktive Mitigationslösung (DedroneDefender 2 Smart Jammer) ergänzt das reine Detektionsportfolio
- Deutsche Niederlassung mit deutschsprachigem Vertrieb und Support; Wurzeln als deutsches Startup (Kassel, 2014)
Einschränkungen
- Datenhaltung in den USA — DSGVO-konforme Betriebsmodi müssen vertraglich und technisch vereinbart werden
- Keine öffentlichen Listenpreise — Budgetabschätzung ohne Demo- und Site-Survey nicht möglich
- Integration in bestehende Leitstellen und ATC-Systeme erfordert mehrmonatigen Implementierungsaufwand
- Jamming-Komponente (DedroneDefender) in Deutschland nur staatlichen Stellen erlaubt — privatwirtschaftlich rechtlich begrenzt
- Sechs- bis siebenstellige Total-Cost-of-Ownership begrenzt den Markt auf zahlungskräftige Großkunden
- Axon-Übernahme schafft mögliche Abhängigkeit von Polizei-/Behördenfokus des Konzerns
Passt gut zu
Wann ja, wann nein
Wann ja
- Du verantwortest ein Schutzgut, an dem Drohnen-Vorfälle echten Schaden anrichten können
- Du brauchst zertifizierte Sensorfusion statt einzelner Insellösungen
- Du hast Budget und Beschaffungsprozess für sechs- bis siebenstellige Sicherheitsprojekte
- Du betreibst einen Standort, an dem Piloten-Lokalisation forensisch verwertbar sein muss
Wann nein
- Du suchst eine günstige Stand-Alone-Lösung für ein einzelnes Privatgrundstück
- Du brauchst aktive Abwehr ohne Behörden-Mandat (Jammen privatwirtschaftlich unzulässig)
- Du willst eine vollständig EU-souveräne Plattform ohne US-Konzern-Bindung
- Du hast weder Sicherheits- noch Leitstellen-Personal, um Alarme operativ zu verarbeiten
Kurzfazit
Dedrone ist der etablierte Marktführer für KI-gestützte Drohnenerkennung im kritischen Infrastrukturbereich — heute als Teil von Axon Enterprise mit deutlich vergrößerter Vertriebs- und Kapitalbasis. Die Stärke liegt in der Multi-Sensor-Fusion: RF, Radar, Kameras und Akustik laufen in der gemeinsamen Plattform DedroneTracker.AI zusammen, klassifizieren erkannte Objekte und lokalisieren oft sogar den Piloten-Standort. Vier Sterne, weil Funktionsumfang, Reife und Referenzen bei Flughäfen, Gefängnissen und Energieversorgern überzeugen — der fünfte Stern fällt durch das US-Hosting, die intransparente Preisgestaltung und die Bindung an einen US-Polizei-Konzern, der für europäische Beschaffer ein politisches Thema sein kann.
Für wen ist Dedrone?
Flughafenbetreiber: Spätestens seit Gatwick 2018 und mehreren ähnlichen Vorfällen in Frankfurt, München und Hamburg ist Drohnen-Erkennung am Flughafen ein anerkanntes Sicherheitsthema. Dedrone ist nach Eigenangaben an zahlreichen Flughäfen weltweit im Einsatz und gehört zu den Anbietern, die bei Ausschreibungen regelmäßig in der Endrunde stehen.
Betreiber kritischer Infrastruktur: Energieversorger, Wasserwerke, Raffinerien, Chemieparks und Telekommunikationsknoten zählen zur Kritis-Verordnung (in Deutschland NIS-2/KRITIS-Dachgesetz). Drohnenüberflüge mit Spionage- oder Sabotage-Risiko sind dort ein zunehmendes Compliance- und Versicherungsthema, das technische Detektion verlangt.
Justizvollzug: Drohnen-Schmuggel über Gefängnismauern (Drogen, Handys, Waffen) ist in den letzten Jahren ein flächendeckendes Problem geworden. Dedrone wird in zahlreichen Justizvollzugsanstalten weltweit eingesetzt, weil sich die RF-Erkennung gut mit der Gefängnis-Geometrie verträgt.
Verteidigung und Sicherheitsbehörden: Polizei, Bundeswehr, NATO-Übungseinheiten und ausländische Streitkräfte nutzen Dedrone für Aufklärung und Veranstaltungssicherheit. Die Axon-Übernahme verstärkt diese Behörden-Schiene, weil Axon (TASER, Body-Cams, Polizei-Software) tief in diesem Markt verankert ist.
Großveranstaltungen und Stadien: Olympia, WMs, Konzerte, politische Gipfel — überall, wo viele Menschen versammelt sind und ein Drohnen-Vorfall (Sprengstoff, Filmaufnahmen, Panik) katastrophale Folgen hätte, wird Drohnen-Detektion zur Standard-Vorbereitung. Dedrone bietet mit DedroneTrailer+ und DedronePortable mobile Lösungen für solche Einsätze.
Weniger geeignet für: Privatpersonen, Mittelstand ohne Sicherheitsbudget, einzelne Bürogebäude — die TCO ist nicht für KMU-Anwendungsfälle ausgelegt. Auch wer aktive Drohnenabwehr (Jammen, Übernahme) als Haupt-Use-Case sucht, stößt in Deutschland privatwirtschaftlich an enge rechtliche Grenzen.
Preise im Detail
| Komponente | Größenordnung | Anmerkung |
|---|---|---|
| RF-Sensor (DedroneSensor) | hoher vier- bis fünfstelliger Eurobetrag pro Sensor | Anzahl hängt von Abdeckungsfläche und Topographie ab |
| Radar- und Kamera-Sensoren | fünf- bis sechsstellig pro Einheit | Optional je nach Risikoprofil und Sichtbarkeitserfordernis |
| DedroneTracker.AI Software | Lizenz nach Standort/Sensor-Volumen | Jahresvertrag, Pflege- und Update-Service eingeschlossen |
| Installation, Site Survey, Kalibrierung | projektabhängig (mittlerer fünfstelliger Bereich aufwärts) | Erste Bewertung und Standort-Engineering kostenpflichtig |
| DedroneDefender 2 (Smart Jammer) | sechsstellig | Verkauf in Deutschland in der Regel nur an staatliche Stellen |
| Wartung und Support | jährliche Servicepauschale | Deutschsprachig über die EMEA-Niederlassung |
Einordnung: Dedrone veröffentlicht keine Preise — und das ist im Counter-UAS-Markt branchenüblich, weil jede Installation projektspezifisch konfiguriert wird. Realistische Total-Cost-of-Ownership für eine flughafentaugliche Installation: sechs- bis siebenstellig im ersten Jahr, danach fünf- bis sechsstellige Servicepauschale plus Erweiterungen. Wer einen einzelnen Standort schützt (z. B. ein Umspannwerk), kann mit deutlich weniger auskommen, sollte aber auch dann mit einer mindestens sechsstelligen Anfangsinvestition rechnen. Vergleichsangebote sind Pflicht: Wettbewerber wie Hensoldt (DE), Squarehead/MyDefence, DroneShield (AUS) und ECHODYNE liefern abweichende Sensor-Mixe zu unterschiedlichen Preisniveaus. Für Beschaffungsstellen lohnt sich der Aufwand, mindestens drei Angebote einzuholen.
Stärken im Detail
Multi-Sensor-Fusion als zentrales Differenzierungsmerkmal. Die meisten Counter-UAS-Anbieter spezialisieren sich auf eine Sensorklasse — RF, Radar oder Optik. Dedrone hat von Anfang an auf Fusion gesetzt: DedroneTracker.AI integriert RF-Sensoren (Erkennung von Funk-Steuersignalen), Radarsensoren (Bewegungstracking), PTZ-Kameras (visuelle Verifikation) und optional akustische Sensoren in einem einheitlichen Lagebild. Falsch-Alarm-Raten sinken signifikant, wenn mehrere Sensorklassen denselben Vorfall bestätigen — gerade in komplexen Umgebungen wie Flughäfen ist das ein operativ wichtiger Vorteil.
KI-gestützte Klassifikation und Piloten-Lokalisation. DedroneTracker.AI klassifiziert erkannte Objekte als spezifischen Drohnentyp (etwa DJI Mavic, Autel EVO, Mavic 3 Enterprise) durch RF-Protokoll-Fingerprinting und visuelle Erkennung. Bei vielen handelsüblichen Drohnen lässt sich zusätzlich der Piloten-Standort näherungsweise lokalisieren, weil die RF-Sensoren auch das Steuerungs-Signal triangulieren. Für forensische Auswertung und Strafverfolgung ist diese Lokalisations-Komponente oft der entscheidende Mehrwert.
Aktualisierte Drohnen-Signature-Datenbank. Die Erkennungs-Datenbank wird laufend gepflegt und um neue Drohnenmodelle erweitert. Das ist wichtiger als es klingt: Wer eine zwei Jahre alte Erkennungslösung einsetzt, übersieht moderne Modelle (etwa autonome Schwärme, frequenzhopping-fähige Drohnen). Dedrone investiert sichtbar in das Signature-Updating, was zu den Stärken der Marktposition zählt.
Skalierbares Produktportfolio. Das Portfolio reicht von DedronePortable (Rucksack-Lösung für Sicherheitseinsätze) über DedroneTrailer+ (mobiles Trailer-System für temporäre Events) und DedroneFixedSite (Standort-Installation) bis zu DedroneCity (städteweites Sensornetz). Diese Skalierbarkeit erlaubt Pilot-zu-Rollout-Strategien: erst mobile Lösung evaluieren, dann fest installieren — die Datenmodelle und Workflows bleiben konsistent.
Deutsche Wurzeln und Niederlassung. Dedrone wurde 2014 in Kassel gegründet und hat dort weiterhin eine Niederlassung mit deutschsprachigem Vertrieb und Support. Für deutsche Beschaffungsstellen (Bundeswehr, Bundespolizei, Landeskriminalämter, kritische Infrastrukturbetreiber) ist das ein wichtiger Vertrauensanker — auch wenn die Konzernzentrale durch die Axon-Übernahme heute in den USA liegt.
Axon-Konzern-Rückendeckung. Nach der Übernahme durch Axon Enterprise im Oktober 2024 verfügt Dedrone über deutlich größere Kapitalbasis, Vertriebskraft und Service-Infrastruktur. Für Großkunden mit Mehrjahres-Verträgen reduziert das das Anbieter-Stabilitätsrisiko erheblich.
Schwächen ehrlich betrachtet
US-Datenhaltung trotz deutscher Wurzeln. Dedrone war ursprünglich ein deutsches Unternehmen, ist heute aber Teil von Axon Enterprise (Scottsdale, Arizona). Die zentrale Datenhaltung der Plattform liegt in den USA — was bei sensiblen Behörden- und Bundeswehr-Use-Cases eine echte Hürde sein kann. Saubere DSGVO-konforme Betriebsmodi sind möglich (On-Premise-Deployment, EU-gehostete Instanzen), müssen aber explizit verhandelt werden.
Keine öffentlichen Preise — schwere Vergleichbarkeit. Der projektbasierte Vertrieb ist branchenüblich, erschwert aber die Vorab-Budgetierung. Beschaffungsstellen, die kein dediziertes Sicherheits-Investitionsbudget haben, scheitern oft schon am internen Genehmigungsprozess — weil sie keine Zahl auf den Tisch legen können.
Jamming privatwirtschaftlich rechtlich begrenzt. DedroneDefender 2 (Smart Jammer) ist die Mitigations-Komponente — aber das aktive Stören von Funkfrequenzen ist in Deutschland nach Telekommunikationsgesetz nur staatlichen Stellen erlaubt (Bundeswehr, Polizei, ggf. besondere Behörden-Genehmigung). Privatwirtschaftliche Betreiber kritischer Infrastruktur können also detektieren, aber nicht selbst mitigieren — sie müssen Behörden alarmieren und auf deren Reaktion warten. Das schmälert den End-to-End-Wert eines Dedrone-Einsatzes in der Privatwirtschaft.
Integration verlangt Sicherheits-Architektur-Erfahrung. Die Einbindung in bestehende Leitstellen, Air Traffic Control oder Sicherheitsdienstleister-Workflows ist mehrmonatige Integrationsarbeit — APIs, Datenformate, Eskalations-Workflows und SOP-Anpassungen. Wer einen kompletten Roll-out vorhat, sollte mit mindestens 3–6 Monaten Implementierungsdauer rechnen.
Axon-Übernahme schafft politische Fragen. Axon ist primär als Polizei-Ausrüster bekannt (TASER, Body-Cams, Polizei-Software-Suite). Für europäische Behörden und Bürgerrechts-sensible Kunden kann diese Markenwelt einen erhöhten Erklärungsbedarf erzeugen — gerade in Beschaffungsausschüssen mit unterschiedlichen politischen Sensibilitäten. Sachlich ändert das wenig an der Produktqualität, politisch ist es ein Thema.
Konkurrenz wird ernster. Hensoldt (DE), MyDefence (DK), DroneShield (AUS), ECHODYNE (US) und einige weitere Anbieter haben in den letzten Jahren technologisch deutlich aufgeholt. Hensoldt ist als deutsches Wehrtechnik-Unternehmen für DACH-Behörden oft die politisch und juristisch einfachere Wahl, auch wenn die KI-Komponente weniger ausgeprägt ist als bei Dedrone.
Alternativen im Vergleich
| Wenn du… | …nimm stattdessen |
|---|---|
| Eine deutsche/europäische Wehrtechnik-Lösung mit Behörden-Tradition brauchst | Hensoldt Xpeller |
| Auf reines RF-Sensing setzen willst (günstigere Einstiegsstufe) | MyDefence Wingman / Square Head |
| Mobiles Counter-UAS-System für Spezialeinheiten brauchst | DroneShield (Australien) |
| Hochwertige 4D-Radarsensorik suchst | ECHODYNE oder Indra |
| Eine umfassende Sicherheits-Plattform mit Drohnen als Teil-Use-Case willst | Genetec oder Milestone Systems (für Video-zentrierte Setups) |
Erwähnenswert ohne eigene Tool-Seite: Hensoldt Xpeller (Bestandskunde Bundeswehr/Bundespolizei, deutsch), Rohde & Schwarz (deutsche RF-Erfahrung, Behördenmarkt), MyDefence (Dänemark, RF-Spezialist), DroneShield (Australien, mobil), Squarehead (Norwegen, Akustik-Schwerpunkt), Indra (Spanien, Radarspezialist), D-Fend Solutions (Israel, Cyber-basierte Drohnen-Übernahme). Der Counter-UAS-Markt diversifiziert sich seit 2023 deutlich — wer 2026 ausschreibt, sollte mindestens drei Anbieter im Endrundenvergleich haben und genau prüfen, welche Sensorklasse für das eigene Schutzgut optimal ist.
So steigst du ein
Schritt 1: Bedrohungsanalyse und Anforderungsprofil intern klären. Vor jeder Vendor-Ansprache sollte intern dokumentiert sein: Was ist das Schutzgut? Welche Drohnen-Szenarien sind realistisch (Spionage, Schmuggel, Sabotage, Panik-Auslösung)? Welche Reaktionsketten existieren bereits? Welche Genehmigungen liegen vor? Ohne diese Hausaufgabe wird das Vendor-Gespräch produktgetrieben statt risikogetrieben — und du kaufst womöglich Funktionen, die du nicht brauchst.
Schritt 2: Demo anfragen und Site Survey vereinbaren. Über das Kontaktformular auf dedrone.com einen EMEA-Demo-Termin vereinbaren. Dedrone-Ingenieure führen eine Standortanalyse durch (Topographie, vorhandene Sensoren, Funk-Umgebung, kritische Punkte). Ergebnis ist ein vorgeschlagenes Sensornetzwerk mit Anzahl, Platzierung und voraussichtlichem Kostenrahmen. Wichtig: parallel zwei Wettbewerber (mindestens einen aus Europa) zur gleichen Site Survey einladen — sonst fehlt die Vergleichsbasis.
Schritt 3: Pilotinstallation mit klaren KPIs. Eine Pilotphase von 6–12 Wochen mit definierten Erfolgsmessgrößen: Wie viele Sichtungen pro Woche? Welche Klassifikationssicherheit? Wie viele Falsch-Alarme? Wie schnell kann die Leitstelle einen Alarm verifizieren? Diese KPIs müssen vorher schriftlich definiert sein — sonst wird die Pilot-Auswertung zu einer Bauchgefühl-Diskussion zwischen Anbieter, Sicherheitschef und Geschäftsführung. Anschließend erfolgt der eigentliche Rollout-Entscheid.
Ein konkretes Beispiel
Ein deutscher Regionalflughafen mit zwei bestehenden Überwachungsradaren integriert DedroneTracker.AI als Klassifikationsschicht über die vorhandenen Sensoren plus drei neue RF-Sensoren entlang der Start- und Landebahn. Die Software analysiert die Radar-Rohdaten on-premise, klassifiziert erkannte Objekte als Drohne / Vogel / Flugzeug / unbekannt und übergibt Alarme mit GPS-Koordinaten und Konfidenzwert an die bestehende Leitstelle des Sicherheitsdienstleisters. Bei Drohnen mit aktiver Funkverbindung steigt die Klassifikationssicherheit durch RF-Bestätigung über 95 Prozent, in mehreren Fällen konnte zusätzlich der Piloten-Standort näherungsweise lokalisiert und an die Bundespolizei übergeben werden. Investition: mittlerer sechsstelliger Eurobereich Einmalkosten, dazu jährliche Servicepauschale. Operativer Effekt: Reduktion der unbestätigten Drohnen-Verdachts-Meldungen um über 80 Prozent — und im konkreten Vorfall im Juli die Möglichkeit, die Start- und Landebahn nicht (wie früher) für 90 Minuten zu sperren, sondern gezielt nur den betroffenen Sektor.
DSGVO & Datenschutz
- Anbieter: Axon Enterprise, Inc., Scottsdale (Arizona, USA). Deutsche Niederlassung der Dedrone-Tochter weiterhin in Kassel.
- Datenhaltung: Standardmäßig in den USA. On-Premise-Deployment oder EU-gehostete Instanz für Behörden- und Kritis-Kunden auf Anfrage möglich — vertraglich explizit verhandeln.
- Verarbeitete Daten: RF-Signaturen, Radar-Tracks, Kamerabilder mit erkannten Drohnen, GPS-Koordinaten der Drohnen und ggf. der Piloten-Standorte. Kein klassischer Personendatenfluss, aber dennoch personenbezogene Auswertung (Pilotenlokalisation) möglich — DSFA empfohlen.
- Auftragsverarbeitung (AVV): Über die deutsche Dedrone-Niederlassung verfügbar. Bei Cloud-Komponenten zusätzliche Standardvertragsklauseln (SCC) und Transfer Impact Assessment notwendig.
- Bundeswehr- und Behörden-Einsatz: Für Verschlusssachen-Verarbeitung müssen On-Premise-Installation, deutsches Hosting (etwa über IONOS-Behördencloud oder STACKIT) oder spezielle Air-Gap-Setups vereinbart werden. Axon hat hier Erfahrung, aber explizite vertragliche Klärung ist Pflicht.
- Empfehlung für Unternehmen: Für privatwirtschaftliche Kritis-Betreiber ist eine kombinierte On-Premise-Erkennung mit Cloud-Reporting praktikabel; für Behörden und Verteidigung sind reine On-Premise-Setups mit ausschließlich nationalem Datenfluss der einzige saubere Pfad.
Gut kombiniert mit
- Bestehendes Video Management System (Genetec, Milestone, Bosch BVMS) — Dedrone exportiert Alarme und Tracks per offener API in vorhandene Sicherheits-Leitstands-Software. Die Bedrohungseinordnung erfolgt im Standard-Workflow der Sicherheitsdienstleister.
- SIEM- und Incident-Response-Plattform (etwa Splunk, IBM QRadar, Microsoft Sentinel) — Drohnen-Sichtungen werden mit anderen Sicherheitsereignissen korreliert. Wichtige Use Cases: gleichzeitiger Drohnen-Anflug und Cyber-Anomalie (möglicher koordinierter Angriff).
- Claude oder ChatGPT — als Analyseassistent für Forensik- und Trend-Auswertungen aus den Dedrone-Logs: „Welche Drohnentypen wurden im letzten Quartal an unserem Standort am häufigsten erkannt, zu welchen Tageszeiten?” Das beschleunigt Reporting an Geschäftsleitung und Aufsichtsbehörden erheblich.
Unser Testurteil
Dedrone verdient 4 von 5 Sternen. In der Multi-Sensor-Counter-UAS-Plattform-Kategorie gehört das Produkt zu den ausgereifteren Lösungen am Markt, mit großer Referenzbasis bei Flughäfen, Gefängnissen, Behörden und kritischer Infrastruktur. Die KI-Klassifikation und insbesondere die Piloten-Lokalisation sind im internationalen Vergleich stark. Den fünften Stern kosten das US-Hosting (mit allen DSGVO-Folgefragen), die fehlende Pricing-Transparenz, die rechtliche Begrenzung der Jamming-Komponente in Deutschland und die politische Komplexität, die mit der Bindung an einen US-Polizei-Konzern (Axon) entstanden ist. Wer ein ernsthaftes Schutzgut hat und das Budget für eine sechs- bis siebenstellige Investition mitbringt, sollte Dedrone evaluieren — neben Hensoldt Xpeller, MyDefence und mindestens einem weiteren europäischen Anbieter.
Was wir bemerkt haben
- 2014 — Dedrone wurde als deutsches Startup in Kassel gegründet. Über die Jahre verlagerte sich der Vertriebsschwerpunkt zunehmend in die USA (Washington DC), die deutsche Niederlassung blieb operativ aktiv.
- 2018–2020 — Mehrere prominente Drohnen-Vorfälle (Gatwick, Heathrow, Frankfurt) haben den Counter-UAS-Markt grundlegend verändert. Drohnenerkennung wurde von Nischenthema zu Standard-Anforderung für Flughäfen — Dedrone profitierte stark.
- Oktober 2024 — Axon Enterprise hat die Übernahme von Dedrone abgeschlossen. Der Deal liegt nach Markteinschätzung im hohen dreistelligen Millionenbereich (USD). Strategisch ergänzt das Dedrone-Portfolio Axons Polizei- und Sicherheits-Ökosystem (TASER, Body-Cams, Software-Suite) um den Luftraum.
- 2025 — Erste Berichte über Project VANAHEIM-ähnliche NATO-Initiativen zur multi-nationalen Drohnenabwehr nennen Dedrone als einen der erprobten Anbieter. Solche Großübungen sind für die Vendor-Validierung im Behördenmarkt von erheblicher Bedeutung.
- 2025 — Axon hat die Sub-Marke „Dedrone by Axon” als eigenständigen Geschäftsbereich ausgebaut. Die Produktstrategie wurde nicht umgeworfen, aber das Vertriebs- und Service-Netz deutlich vergrößert — Dedrone profitiert vom Axon-Behörden-Ökosystem.
- Mai 2026 — Weiterhin kein öffentliches Pricing. Beschaffer in deutschen Behörden und Kritis-Unternehmen berichten von langen Vertriebszyklen (6–18 Monate) — typisch für den Sicherheits-Hardware-Markt, aber bemerkenswert in einer Zeit, in der Drohnen-Bedrohungen geopolitisch stark zunehmen.
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Aaronia AG (Strickscheid, Eifel) entwickelte 2013 das weltweit erste kommerzielle Drohnendetektionssystem AARTOS. Das System kombiniert breitbandige RF-Spektrumanalyse (SPECTRAN-Sensoren) mit optischer Verfolgung, akustischer Erkennung und Radar. London Heathrow, Flughäfen in Oman und Singapur zählen zu den Referenzinstallationen. Als deutsches Unternehmen bietet Aaronia vollständige On-Premise-Datenhaltung in Deutschland.
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Robin Radar Systems B.V.
Robin Radar Systems aus Den Haag entwickelt spezialisierte 3D-Radarsysteme für Vogel- und Drohnenerkennung. Das IRIS-System nutzt Deep-Neural-Network-basierte Micro-Doppler-Analyse, um Drohnen und Vögel in Echtzeit zu unterscheiden — die Technologie wurzelt in jahrzehntelanger ornithologischer Radarforschung für Flughafenvogelschlagsicherheit und ist inzwischen Standardausrüstung in der europäischen Counter-UAS-Landschaft.
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