Credo AI ist eine US-Enterprise-Plattform für AI Governance, Risk und Compliance, gebaut für Unternehmen mit vielen KI-Systemen im Einsatz. Sie inventarisiert KI-Modelle und -Agenten, klassifiziert sie nach Risiko, prüft sie gegen vorgefertigte Policy Packs (EU AI Act, NIST AI RMF, ISO/IEC 42001, GDPR, NYC Local Law 144) und produziert Audit-fähige Dokumentation. Forrester hat Credo AI 2025 im Wave-Report AI Governance Solutions als Leader eingestuft.
Kosten: Enterprise-Pricing ausschließlich auf Anfrage; typische Einstiegslizenzen für mittlere Deployments im Bereich 30.000–80.000 USD/Jahr; Konzern-Deployments mit vielen KI-Systemen sechsstellig
Stärken
- AI Registry erkennt und katalogisiert KI-Systeme im Unternehmen, einschließlich Shadow-AI-Detection
- Vorgefertigte Policy Packs für EU AI Act, NIST AI RMF, ISO/IEC 42001, SOC 2, GDPR und mehrere US-Landesgesetze
- Risk Intelligence mit kontinuierlichem Monitoring auf Bias, Drift, Privacy- und Security-Risiken
- GAIA-Assistent (General Availability seit 2026) für Governance-Aufgaben über Modell-, Agenten- und Anwendungsebene
- Forrester-Wave-Leader 2025 und in Gartner Market Guide AI Governance Platforms gelistet
- Enterprise-Referenzkunden u. a. Mastercard, Autodesk, McKinsey, Microsoft
Einschränkungen
- Datenhosting in den USA — für DSGVO-sensible Branchen kritisch zu prüfen, EU-Region nicht klar dokumentiert
- Keine deutsche Sprachunterstützung in Oberfläche und Dokumentation
- Preise vollständig opak — kein Selfservice-Tier, kein Listenpreis, alles über Vertrieb
- Nicht auf MDR/IVDR-Spezifika für MedTech-Hersteller zugeschnitten — Schnittstelle zu QMS-Systemen muss separat gebaut werden
- Für einzelne Produktteams oder KMU mit ein bis zwei KI-Systemen überdimensioniert
- FRIA-Workflow (Fundamental Rights Impact Assessment nach EU AI Act Art. 27) nicht explizit dokumentiert
Passt gut zu
Wann ja, wann nein
Wann ja
- Du musst dutzende KI-Systeme zentral inventarisieren und nach EU-AI-Act-Risiko klassifizieren
- Du brauchst Audit-fähige Compliance-Berichte für mehrere Frameworks parallel (AI Act, NIST RMF, ISO 42001)
- Du willst Shadow-AI im Unternehmen aufspüren, bevor sie zur Compliance-Lücke wird
- Du betreibst ein dediziertes AI-Governance-Programm mit eigenem Budget und Team
Wann nein
- Du suchst ein günstiges Tool für ein einzelnes KI-Projekt — Credo AI ist Enterprise-only
- Du brauchst zwingend EU-Datenhaltung mit dokumentierter Region (Credo AI hostet US-zentral)
- Du willst tiefe MDR/IVDR-Integration für medizintechnische Konformität (eher BSI-zertifizierte QMS-Tools)
- Dein Compliance-Bedarf ist eng begrenzt auf ein Framework — dann reichen Excel-Vorlagen und manuelle Prozesse
Kurzfazit
Credo AI ist eine US-Enterprise-Plattform für AI Governance, die sich an Großunternehmen mit vielen KI-Systemen im produktiven Einsatz richtet. Die Stärke liegt im breiten Multi-Framework-Ansatz: AI Registry, Risk Intelligence und Policy Engine adressieren EU AI Act, NIST AI RMF, ISO/IEC 42001 sowie mehrere US-Landesgesetze parallel. Forrester hat Credo AI 2025 als Leader im Wave-Report AI Governance Solutions eingestuft, Gartner listet die Plattform im Market Guide. Schwächen: US-Datenhaltung ohne klar dokumentierte EU-Region, keine deutsche Sprachunterstützung, vollständig opakes Pricing und keine MDR/IVDR-Spezialisierung für MedTech. Solide Wahl für Konzerne mit dediziertem AI-Governance-Budget — für einzelne Produktteams oder KMU klar überdimensioniert.
Für wen ist Credo AI?
Konzerne mit AI-Governance-Programm: Wer in einem Großunternehmen ein dediziertes Team für AI Governance aufbaut — typisch in Finanzen, Versicherung, Healthcare oder Tech — bekommt mit Credo AI eine Plattform, die alle Schritte von der Inventarisierung über die Risikobewertung bis zum Audit-Reporting abdeckt. Die Referenzkunden (Mastercard, Microsoft, McKinsey) signalisieren klar, in welcher Liga die Plattform spielt.
Regulated Industries mit Multi-Framework-Druck: Banken, Versicherer und Healthcare-Unternehmen müssen gleichzeitig EU AI Act, GDPR, SOC 2, NIST AI RMF und in den USA NYC Local Law 144 oder Colorado SB21-169 erfüllen. Credo AI mappt diese Frameworks auf gemeinsame Kontrollen und reduziert damit doppelte Dokumentationsarbeit — ein echter Hebel, wenn Compliance-Teams sonst pro Framework eigene Excel-Welten pflegen.
Plattform-Teams, die Shadow AI aufspüren wollen: Die AI-Registry-Funktion erkennt KI-Systeme im Unternehmen — auch solche, die ohne Wissen von Compliance- oder Sicherheitsabteilungen eingeführt wurden (ChatGPT-Abos einzelner Teams, intern entwickelte ML-Modelle ohne Dokumentation, eingekaufte SaaS-Tools mit KI-Komponenten). Wer ernsthaft inventarisieren will, was im Haus läuft, braucht so eine Discovery-Schicht.
MedTech-Hersteller mit mehreren KI-Produkten unter AI Act Annex III: Wer mehrere Hochrisiko-KI-Systeme verwaltet, profitiert von zentralem Reporting und Annex-IV-Templating. Aber Achtung: Credo AI ist nicht auf MDR/IVDR-Spezifika ausgelegt — die medizintechnische Dokumentation muss separat in einem QMS gepflegt werden, Credo AI ergänzt die AI-Act-Schicht.
Weniger geeignet für: Einzelne Produktteams mit ein bis zwei KI-Systemen (Excel und ein guter Compliance-Berater reichen), KMU mit knappem Budget (Credo AI ist Enterprise-only), Organisationen mit zwingender EU-Datenhaltung ohne Cloud-Workaround, und alle, die ein KI-natives Werkzeug für medizinische Konformität suchen — dafür gibt es spezialisierte Anbieter wie Greenlight Guru oder Veeva Vault.
Preise im Detail
| Tier | Preis | Was du bekommst |
|---|---|---|
| Selfservice / Starter | nicht angeboten | Kein freier Tier verfügbar |
| Enterprise Standard | Auf Anfrage (typisch 30.000–80.000 USD/Jahr) | AI Registry, Risk Intelligence, Policy Engine, ausgewählte Policy Packs |
| Enterprise Plus | Auf Anfrage (typisch 80.000–200.000 USD/Jahr) | Vollständige Policy-Pack-Bibliothek, GAIA-Assistent, erweitertes Reporting, dedizierter Customer Success |
| Large Enterprise / Konzern | Auf Anfrage (sechsstellig+) | Unbegrenzte KI-Systeme, individuelle Integrationen, SLA, On-Site-Support, Beratungsleistungen |
Einordnung: Credo AI veröffentlicht keinerlei Listenpreise. Die genannten Spannen sind Markteindrücke aus Vergleichsanalysen und Branchengesprächen, keine offiziellen Angaben — vor jedem Vertragsabschluss eigene Angebote einholen. Klar ist: Es gibt keinen Selfservice-Einstieg und keinen kostenlosen Probezugang. Wer evaluieren will, durchläuft mehrere Demo-Termine, bevor er Preise sieht. Für mittelständische Unternehmen mit ein bis drei KI-Systemen rechnet sich Credo AI typischerweise nicht — Lizenzkosten plus Implementierung übersteigen den manuellen Compliance-Aufwand. Ab einem Portfolio von zehn oder mehr produktiven KI-Systemen kehrt sich die Rechnung: zentrale Inventarisierung, automatische Reporting-Generierung und Multi-Framework-Mapping sparen dann real Personentage und reduzieren Audit-Risiken.
Stärken im Detail
AI Registry mit Shadow-AI-Detection. Die Plattform inventarisiert KI-Systeme im Unternehmen — Modelle in der Produktion, Agenten in Workflows, eingekaufte SaaS-Tools mit KI-Komponenten. Shadow AI (KI-Nutzung ohne Wissen der Compliance- oder Sicherheitsabteilung) wird über Cloud- und SaaS-Discovery-Mechanismen aufgespürt. Das ist die Grundvoraussetzung, um überhaupt Governance betreiben zu können — wer nicht weiß, was läuft, kann es nicht regulieren.
Multi-Framework-Policy-Packs als Kernhebel. Credo AI liefert vorgefertigte Policy Packs, die regulatorische Anforderungen in konkrete Kontrollen, Prüfschritte und Dokumentationspflichten übersetzen. EU AI Act (Art. 9 Risk Management, Annex IV technische Dokumentation), NIST AI RMF, ISO/IEC 42001, SOC 2, GDPR, HITRUST, NYC Local Law 144 und Colorado SB21-169 sind abgedeckt. Statt jedes Framework separat zu interpretieren, mappt die Plattform überlappende Anforderungen auf gemeinsame Kontrollen — ein erheblicher Effizienzgewinn.
Risk Intelligence mit kontinuierlichem Monitoring. Die Plattform überwacht KI-Systeme laufend auf Bias, Drift, Privacy- und Security-Risiken. Red-Teaming-Funktionen, Echtzeit-Alerts und Drift-Detection geben Compliance-Teams ein Frühwarnsystem an die Hand, das in klassischen GRC-Tools fehlt.
GAIA-Assistent ab 2026 generell verfügbar. Govern AI Assistant (GAIA) ist Credo AIs eigener KI-Agent für Governance-Aufgaben — auf Modell-, Agenten-, Anwendungs- und Netzwerkebene. GAIA unterstützt bei der Auslegung von Policy Packs, generiert Dokumentationsentwürfe und beantwortet Compliance-Fragen kontextbezogen. Eine konsequente Anwendung des eigenen Produktversprechens.
Marktposition durch Analystenanerkennung. Forrester hat Credo AI im Q3 2025 als Leader im Wave-Report AI Governance Solutions eingestuft, Gartner listet die Plattform im Market Guide AI Governance Platforms 2025. Fast Company nahm Credo AI 2026 in die Top 10 der innovativsten AI-Applied-Unternehmen auf. Für die Vorstandsetagen ist das wichtiger Buy-In-Signal — bei AI-Governance-Beschaffungen oft entscheidend.
Microsoft-Marketplace-Verfügbarkeit. Seit 2026 ist Credo AI über den Microsoft Marketplace direkt für Azure-AI-Integrationen verfügbar. Für Unternehmen, die KI-Workloads auf Azure betreiben und Governance integrieren wollen, verkürzt das den Beschaffungs- und Integrationspfad.
Schwächen ehrlich betrachtet
Datenhosting US-zentral. Credo AI ist ein US-Unternehmen mit Sitz in San Francisco und betreibt seine Infrastruktur primär in den USA. Eine klar dokumentierte EU-Region für Customer-Daten gibt es nicht — Anfragen bei Credo AI können einzelne Hosting-Vereinbarungen ergeben, aber kein öffentlich verfügbares EU-Tier. Für DSGVO-sensitive Branchen ist das ein echter Hinderungsgrund und sollte vor Vertragsabschluss explizit geklärt werden.
Keine deutsche Sprachunterstützung. Oberfläche, Dokumentation, Support und Policy Packs sind ausschließlich englisch. Für deutsche Compliance-Teams kein dealbreaker, aber relevant: AI-Act-Texte werden in der Plattform in englischer Auslegung referenziert, was bei sprachsensiblen Auseinandersetzungen mit deutschen Aufsichtsbehörden zu Reibung führen kann.
Vollständig opakes Pricing. Selbst Standardpreise sind nirgendwo öffentlich. Für eine Erstevaluierung musst du drei bis fünf Demo-Termine durchlaufen, bevor du belastbare Konditionen siehst. Bei der Marktposition (Enterprise-Leader) ist das nicht unüblich, aber bremst KMU- und Pilotvorhaben erheblich aus. Ein dokumentierter Einstiegspreis hätte enormen Mehrwert für Marktvergleiche.
Keine MDR/IVDR-Integration. Für MedTech-Hersteller deckt Credo AI die AI-Act-Schicht ab, aber nicht die medizintechnische Konformität (Klinische Bewertung, Post-Market-Surveillance, MDR-Annex-II-Dokumentation). Wer als MedTech-Unternehmen mit KI-Komponenten arbeitet, braucht zusätzlich ein QMS wie Greenlight Guru oder Veeva Vault — die Schnittstellen zu Credo AI müssen typischerweise individuell gebaut werden.
FRIA-Workflow nicht explizit dokumentiert. Der Fundamental Rights Impact Assessment (FRIA) nach EU AI Act Artikel 27 ist eine Pflichtaufgabe für öffentliche Stellen und bestimmte private Hochrisiko-KI-Anwender. In Credo AIs öffentlicher Dokumentation taucht FRIA nicht als eigenständiger Workflow auf — was nicht heißt, dass es nicht möglich ist, aber zeigt: Die Plattform ist auf US-Regulierungslandschaft optimiert und für EU-Spezifika punktuell nachzubessern.
Überdimensioniert für kleine Setups. Wer mit ein oder zwei KI-Systemen startet, braucht keine Discovery-Plattform und keine Multi-Framework-Engine. Ein gut strukturiertes Confluence-Wiki, eine Excel-Risikomatrix und ein externer Compliance-Berater sind günstiger und schneller einsatzbereit. Credo AI lohnt sich erst, wenn die Anzahl der KI-Systeme im zweistelligen Bereich liegt und ein zentrales Governance-Programm Sinn ergibt.
KI-Governance-Markt ist jung und volatil. AI Governance ist eine Kategorie, die erst seit 2023/24 ernsthaft Form annimmt. Forrester-Wave-Leader-Status bedeutet Marktführerschaft heute, aber die Bewertungsgrundlagen ändern sich rasant. Wettbewerber wie Holistic AI, FairNow oder Microsoft Purview holen schnell auf — eine Wahl heute heißt nicht zwangsläufig: gleiche Wahl in drei Jahren.
Alternativen im Vergleich
| Wenn du… | …nimm stattdessen |
|---|---|
| Eine MDR/IVDR-konforme QMS-Plattform für MedTech brauchst | Greenlight Guru (extern) |
| KI-Governance mit Microsoft-Azure-Stack tief integriert willst | Microsoft Purview (extern) |
| Open-Source-fähiges AI-Risk-Tooling brauchst | IBM AI Fairness 360 oder Microsoft Responsible AI Toolbox (extern) |
| Bias- und Fairness-Audits einzelner Modelle willst | Holistic AI oder FairNow (extern) |
| Eine günstige Compliance-Lösung für ein einzelnes KI-Projekt suchst | Konfluenz-Vorlagen + externer AI-Act-Berater |
Erwähnenswert ohne eigene Tool-Seite: Holistic AI (UK-basiert, ähnliches Profil mit stärkerer EU-Verankerung), FairNow (jüngerer US-Wettbewerber, oft günstiger), Microsoft Purview (für Microsoft-Stack-Kunden naheliegend) und Datadog AI Governance (für Observability-First-Ansätze). Credo AI ist im Forrester-Wave Leader-Quadrant, was Glaubwürdigkeit in Beschaffungsprozessen bedeutet — aber der Markt ist jung und mehrere Wettbewerber sind ernsthaft im Rennen.
So steigst du ein
Schritt 1: KI-Inventar grob skizzieren bevor du die Demo buchst. Vor dem ersten Gespräch sammelst du intern: Wie viele KI-Systeme laufen produktiv (eigene Modelle, eingekaufte SaaS-KI-Funktionen, ML-gestützte Workflows)? Welche davon sind nach EU AI Act vermutlich hoch-risikohaltig (Annex III: Kreditscoring, Bewerbermanagement, kritische Infrastruktur, Bildung, Strafverfolgung)? Welche Frameworks musst du parallel bedienen? Mit dieser Ausgangslage führst du die Demo gezielt — sonst bekommst du Standardpräsentationen ohne Bezug zu deiner Realität.
Schritt 2: Pilotbereich realistisch auswählen. Empfehlung: Beginne mit einem überschaubaren Teilbereich, der dennoch reale Risiken zeigt — z. B. drei bis fünf KI-Systeme aus einem Geschäftsbereich, inklusive eines Hochrisiko-Falls. So testest du Discovery, Policy-Pack-Anwendung und Reporting in echter Tiefe, ohne den gesamten Konzern auf einmal anzubinden. Eine Pilotphase über drei bis sechs Monate ist realistisch.
Schritt 3: Policy Pack für relevantes Framework aktivieren und Gap-Analyse fahren. Wenn du primär EU-AI-Act-getrieben bist, beginnst du mit dem AI-Act-Policy-Pack: Klassifizierung, Risk-Management nach Art. 9, Annex-IV-Templating. Credo AI generiert einen Gap-Report zwischen deiner aktuellen Dokumentation und den AI-Act-Anforderungen — das ist der konkrete Mehrwert, an dem du Plattformeignung messen kannst. Bei mehreren parallelen Frameworks priorisierst du nach Audit-Druck.
Schritt 4 (optional): GAIA als Co-Pilot in Compliance-Reviews nutzen. Wer auf die neueste Plattformversion zugreift, kann GAIA in laufende Reviews einbinden: Fragen wie “Welche Annex-IV-Sektion gilt für unseren neuen Kreditscoring-Agent?” oder “Generiere Entwurf einer Risk Card für Modell X” werden direkt aus dem Compliance-Kontext beantwortet. Spart Zeit gegenüber manueller Recherche, aber Ergebnisse müssen — wie bei jeder KI — durch Fachperson validiert werden.
Ein konkretes Beispiel
Ein internationaler Versicherer mit deutschem Hauptsitz und 47 produktiven KI-Systemen (Risikomodelle, Betrugserkennung, Bewerbermanagement, Chatbots, agentische Workflows) nutzt Credo AI als zentrale Governance-Plattform. Der AI-Governance-Officer hat über die Discovery-Funktion innerhalb der ersten zwei Monate 14 Shadow-AI-Systeme aufgespürt, die in einzelnen Geschäftsbereichen ohne Compliance-Beteiligung eingeführt wurden — darunter ein KI-gestütztes Bewerber-Pre-Screening, das unter EU AI Act Annex III als Hochrisiko einzustufen ist. Die EU-AI-Act-Policy-Packs liefern für jedes klassifizierte System einen automatisierten Gap-Report; die manuelle Dokumentationsarbeit pro Modell sank von durchschnittlich 80 Personentagen auf 25. Parallel deckt die Plattform NIST AI RMF (für die US-Tochter) und ISO/IEC 42001 (für die Zertifizierungs-Roadmap) ab. Kosten: sechsstellige Jahreslizenz plus Implementierungsbudget. Amortisation: über reduzierte manuelle Compliance-Aufwände nach 14 Monaten kalkuliert; zusätzlich Risikoreduktion durch frühe Shadow-AI-Detection schwer quantifizierbar, aber real.
DSGVO & Datenschutz
- Datenhosting: Primär USA (San Francisco). Eine dokumentierte EU-Region für Customer-Daten ist nicht öffentlich verfügbar; einzelne Hosting-Vereinbarungen können auf Anfrage diskutiert werden, sollten aber vor Vertragsabschluss schriftlich geklärt werden.
- Datennutzung: Credo AI verarbeitet Metadaten zu KI-Systemen (Konfigurationen, Risikobewertungen, Compliance-Berichte). Sensible Produktivdaten der überwachten KI-Systeme verlassen typischerweise nicht die Kunden-Infrastruktur, sondern werden über Konnektoren analysiert — exakter Datenfluss muss pro Konnektor geprüft werden.
- Auftragsverarbeitung (AVV): Für Enterprise-Kunden verfügbar. Standardvertragsklauseln (SCC) sind notwendig wegen US-Drittlandstransfer.
- GAIA-Assistent: Der KI-Governance-Agent nutzt eigene Modelle für Compliance-Antworten. Die genaue Modell-Architektur (eigene Modelle vs. Foundation-Model-API) ist öffentlich nicht detailliert dokumentiert — relevant für DSFA und Subprocessor-Listen.
- Empfehlung für Unternehmen: Für deutsche Konzerne mit AI-Governance-Bedarf ist Credo AI funktional sehr stark, datenschutzrechtlich aber genau zu prüfen. Sauberer Pfad: Datenschutz-Folgenabschätzung vor Vertragsabschluss, schriftliche Klärung des Hosting-Standorts und der GAIA-Datenflüsse, gegebenenfalls Beschränkung auf Metadaten-Verarbeitung mit lokaler Datenhaltung der überwachten Systeme.
Gut kombiniert mit
- QMS-Systeme (Greenlight Guru, Veeva Vault): MedTech- und Life-Sciences-Unternehmen kombinieren Credo AI mit etablierten QMS-Plattformen. Credo AI deckt die AI-Act-Schicht, das QMS die MDR/IVDR/GxP-Schicht. Integration läuft typischerweise über strukturierte Exporte oder individuell entwickelte Konnektoren.
- ML-Operations-Plattformen (Databricks, Vertex AI, Azure ML): Die operative KI-Infrastruktur liefert Modell-Metadaten, Training-Runs und Performance-Metriken; Credo AI nutzt diese als Eingangsdaten für Risikobewertung und Reporting. Direkte Konnektoren für die großen MLOps-Plattformen sind dokumentiert.
oder für die manuelle Vor- und Nachbereitung von Compliance-Dokumenten — z. B. um Annex-IV-Entwürfe zu strukturieren, Audit-Antworten zu formulieren oder rechtliche Texte zu verdichten. Credo AI liefert die strukturierte Governance-Schicht, allgemeine LLMs unterstützen die freiformatige Detailarbeit.
Unser Testurteil
Credo AI verdient 3 von 5 Sternen. Es ist eine ernstzunehmende, marktanalytisch validierte Enterprise-Plattform für AI Governance — Forrester-Wave-Leader 2025, Gartner-gelistet, Referenzkunden aus der Liga Mastercard und Microsoft. Für Großunternehmen mit dediziertem AI-Governance-Programm und zehn oder mehr produktiven KI-Systemen ist die Plattform funktional sehr stark. Den vierten Stern verliert Credo AI an drei Punkten: Das US-Hosting ohne klar dokumentierte EU-Region ist für deutsche Compliance-Teams ein echtes Hindernis; das vollständig opake Pricing erschwert Marktvergleiche und Pilotvorhaben; und die fehlende deutsche Sprachunterstützung sowie MDR/IVDR-Spezifik begrenzen die Einsetzbarkeit in spezifischen deutschen Branchen. Den fünften Stern verlieren wir, weil der Markt jung ist — Wettbewerber wie Holistic AI oder FairNow holen schnell auf, und eine Wahl heute ist keine Wahl für die nächsten fünf Jahre. Wer trotzdem Credo AI evaluiert: gerne, aber mit klarer Erwartungssteuerung an Hosting, Sprache und Pricing.
Was wir bemerkt haben
- Q3 2025 — Forrester hat Credo AI im Wave-Report AI Governance Solutions als Leader eingestuft. Für die noch junge Kategorie AI Governance ist das ein erheblicher Marktindikator und macht die Plattform in Konzern-Beschaffungsprozessen deutlich anschlussfähiger.
- 2025 — Gartner nahm Credo AI in den Market Guide for AI Governance Platforms 2025 auf. Damit ist Credo AI eine der wenigen Plattformen, die in beiden großen Analystenhäusern explizit gelistet sind.
- 2026 — General Availability von GAIA (Govern AI Assistant) wurde angekündigt. Credo AI nutzt damit konsequent eigene KI für die Governance eigener Plattform-Workflows — Selbstanwendung des Produktversprechens.
- 2026 — Credo AI wurde in die Microsoft-Marketplace-Listings für Azure AI aufgenommen. Für Unternehmen, die KI-Workloads auf Azure betreiben, vereinfacht das Beschaffung und Integration deutlich.
- 2026 — Fast Company listete Credo AI als Nummer 6 in der Kategorie Applied AI der World’s Most Innovative Companies 2026. PR-Signal mit Wirkung auf Vorstandsetagen, weniger relevant für technische Entscheider.
- Mai 2026 — Eine native EU-Region für Credo-AI-Hosting ist weiterhin nicht öffentlich dokumentiert. Für deutsche AI-Governance-Programme bleibt das die offene Compliance-Frage Nummer eins — vor Vertragsabschluss zwingend schriftlich klären.
- Mai 2026 — FRIA-Workflow (Fundamental Rights Impact Assessment nach EU AI Act Art. 27) ist in der öffentlichen Plattformdokumentation nicht als eigenständige Funktion sichtbar. Für öffentliche Stellen und bestimmte private Hochrisiko-Anwender, die FRIA explizit benötigen, ist das ein konkreter Klärungspunkt im Vertriebsgespräch.
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