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Bezahlt Ohne Setup 🇺🇸 US-Server Geprüft: April 2026

Casetext (CoCounsel)

Casetext, Inc. (Thomson Reuters)

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US-amerikanischer KI-Rechtsassistent von Thomson Reuters, der Recherche, Dokumentenanalyse und erste Textentwürfe in einer Oberfläche kombiniert. Für deutsches Recht kaum relevant — für US-Kanzleien mit Westlaw-Abonnement ein ernstzunehmendes Werkzeug, das jedoch seit 2023 zunehmend in die Thomson-Reuters-Produktpalette integriert wurde.

Kosten: Kein öffentliches Preismodell; seit der Thomson-Reuters-Übernahme 2023 erfolgt der Vertrieb über individuelle Angebote — typischerweise als Add-on zu Westlaw-Abonnements. Preise auf Anfrage, früher ca. 100–150 USD/Anwalt/Monat als Standalone.

Stärken

  • Vollständige Integration von Recherche und Dokumentenanalyse — kein Kontextwechsel zwischen Suche und Textarbeit
  • Trainiert auf Millionen US-amerikanischer Gerichtsentscheidungen und Rechtsdokumente
  • KI beantwortet Rechtsfragen mit Quellenangaben aus der Casetext-Datenbank (halluziniert weniger als allgemeine LLMs)
  • Contract Review: relevante Klauseln extrahieren, Risiken markieren, Vergleichsdokumente suchen
  • Thomson-Reuters-Backing: stabile Infrastruktur, professioneller Support, keine Startup-Risiken

Einschränkungen

  • Ausschließlich US-Recht und englischsprachige Dokumente — für deutsche Kanzleien praktisch unbrauchbar
  • Datenspeicherung auf US-Servern — DSGVO-Compliance erfordert aufwändige Vertragsgestaltung
  • Kein deutschsprachiges Interface, kein deutschsprachiger Support
  • Preise intransparent und nur auf Anfrage — eigenständige Abos kaum noch verfügbar, Vertrieb über Thomson-Reuters-Bundles
  • Produkt seit 2023 in Thomson-Reuters-Portfolio integriert — eigenständige Marke Casetext zunehmend aufgelöst

Passt gut zu

US-amerikanische Kanzleien und Rechtsabteilungen Common-Law-Jurisdiktionen (UK, Australien, Kanada) M&A-Teams mit hohem englischsprachigem Vertragsvolumen

Wann ja, wann nein

Wann ja

  • Du arbeitest in einer US-amerikanischen oder Common-Law-Kanzlei mit Schwerpunkt auf US-Bundesrecht oder State Law
  • Du willst einen KI-Assistenten, der Dokumente analysiert, Recherchen durchführt und erste Entwürfe erstellt — alles in einem
  • Deine Kanzlei hat bereits Thomson-Reuters-Produkte und sucht nach einer integrierten KI-Erweiterung
  • Du brauchst Contract Review in englischsprachigen Dokumenten mit hohem Durchsatz

Wann nein

  • Du arbeitest ausschließlich mit deutschem oder europäischem Recht — CoCounsel kennt das Rechtssystem kaum
  • DSGVO-Konformität und EU-Datenhaltung sind für dich nicht verhandelbar
  • Du erwartest eine deutschsprachige Oberfläche und deutschen Support
  • Dein Budget liegt unter 100 USD/Monat pro Anwalt — dann sind offene LLMs oder günstigere Alternativen besser geeignet

Kurzfazit

Casetext wurde 2023 für 650 Millionen USD von Thomson Reuters übernommen — kein Zufallskauf. Das KI-Produkt CoCounsel gilt in US-amerikanischen Kanzleien als einer der ausgereiftesten juristischen KI-Assistenten: Es recherchiert, analysiert Verträge, findet Präzedenzfälle und entwirft erste Texte auf Basis verifizierter US-Rechtsdatenbanken. Seit der Übernahme wird CoCounsel jedoch zunehmend in Westlaw integriert und verliert seinen Charakter als eigenständiges Produkt. Für deutsche und europäische Kanzleien bleibt CoCounsel nahezu irrelevant: falsches Rechtssystem, keine EU-Datenhaltung, kein deutsches Interface.

Für wen ist Casetext (CoCounsel)?

US-amerikanische Litigations-Anwälte profitieren am meisten: Der Kern von CoCounsel ist die Recherche in US-Fallrecht — Präzedenzfälle finden, Argumente prüfen, Briefs vorbereiten. Was früher Stunden dauerte, geht damit in Minuten.

M&A-Teams mit englischsprachigem Vertragsvolumen nutzen den Contract-Review-Workflow: Dutzende Dokumente gleichzeitig analysieren, Klauseln extrahieren, Abweichungen vom Marktstandard flaggen. Der Zeitgewinn bei großen Datenräumen ist erheblich.

Thomson-Reuters-Bestandskunden mit aktivem Westlaw-Abonnement erhalten CoCounsel heute typischerweise als Paket-Erweiterung. Wer bereits für Westlaw zahlt, kommt auf diesem Weg am günstigsten an das Produkt.

International tätige Kanzleien mit US-Mandaten können CoCounsel für die amerikanische Rechtsprechungsseite einsetzen — solange die US-Kollegen die Federführung haben.

Weniger geeignet für: Deutsche Kanzleien, die ausschließlich mit BGB, HGB oder deutschem Steuerrecht arbeiten; Einzelanwälte mit knappem Budget ohne bestehende Thomson-Reuters-Bindung; Kanzleien, für die DSGVO-konforme EU-Datenhaltung nicht verhandelbar ist.

Preise im Detail

Nach der Thomson-Reuters-Übernahme 2023 gibt es kein öffentliches Preismodell mehr. Vor der Übernahme lagen Standalone-Preise bei ca. 100–150 USD pro Anwalt und Monat. Heute erfolgt der Vertrieb primär über Thomson Reuters — individuelle Angebote, abhängig von Kanzleigröße, Vertragslaufzeit und bestehenden Westlaw-Abonnements.

ModellPreisInhalt
CoCounsel Standalone (historisch)ca. 100–150 USD/Anwalt/MonatEigenständiges Abo, kaum noch verfügbar
Westlaw + CoCounsel BundleAuf AnfrageIntegration in Westlaw, zusammen mit Recherche-Datenbank
Enterprise (Thomson Reuters)Auf AnfrageKanzleiweite Lizenzierung, dedizierter Support

Einordnung: Wer kein Westlaw-Abonnement hat, wird CoCounsel heute kaum als Einzelprodukt kaufen können. Die Integration in Thomson-Reuters-Bundles macht das Pricing de facto intransparent. Für US-Kanzleien, die bereits für Westlaw zahlen, lohnt sich ein Gespräch mit Thomson Reuters — Zusatzkosten für CoCounsel werden oft verhandelbar sein. Für alle anderen: Die Konkurrenz (Harvey AI, Luminance) bietet transparentere Konditionen.

Stärken im Detail

Juristische Trainingsdaten statt allgemeines Sprachmodell. CoCounsel wurde auf Millionen US-Gerichtsentscheidungen, Statute Law und juristischen Formulierungen trainiert. Das reduziert die Halluzinationsrate bei Rechtsfragen signifikant. Wenn CoCounsel eine Entscheidung zitiert, ist sie mit hoher Wahrscheinlichkeit real und korrekt referenziert — ein entscheidender Unterschied zu allgemeinen LLMs wie ChatGPT, die Gerichtsurteile erfinden.

Contract Review im Industriemaßstab. Der Dokumenten-Upload-Workflow ist speziell für juristische Due Diligence konzipiert: Klauseln werden automatisch identifiziert, mit Marktstandards verglichen und nach Abweichungsgrad sortiert. Bei einem M&A-Deal mit 30 Dokumenten im Datenraum kann ein Associate einen erheblichen Teil der mechanischen Analysearbeit delegieren.

Thomson-Reuters-Infrastruktur als Rückendeckung. Casetext hatte als Startup immer das Risiko von Finanzierungsengpässen oder Pivot-Entscheidungen. Seit der Thomson-Reuters-Übernahme ist das passé: Die Infrastruktur ist enterprise-grade, der Support professionell, und das Produkt wird aktiv weiterentwickelt — eingebettet in einen der größten Rechts-Informationsanbieter der Welt.

Nahtlose Recherche-zu-Dokument-Integration. Wer mit einem traditionellen Workflow in juris oder Westlaw recherchiert und Ergebnisse manuell in Textdokumente überträgt, versteht den Vorteil sofort: CoCounsel hält Recherche und Dokumentenarbeit in einer Oberfläche zusammen. Das spart nicht nur Zeit, sondern reduziert auch Fehler beim manuellen Übertragen von Zitaten.

Schwächen ehrlich betrachtet

Das Grundproblem für europäische Nutzer ist das Rechtssystem. CoCounsel denkt amerikanisch. Rechtsbegriffe, Systematik, Fallrecht — alles auf Common Law ausgerichtet. Wer ein deutsches BGB-Problem hat, bekommt bestenfalls eine unbefriedigende Analogie-Antwort. Für österreichisches oder Schweizer Recht sieht es kaum besser aus. Das ist keine Schwäche des Produkts, sondern ein fundamentaler Fehler-Match für europäische Nutzer.

Datenschutz bleibt ein ungelöstes Problem. Die Daten liegen auf US-Servern unter US-Recht. Für EU-Kanzleien bedeutet das: Standardvertragsklauseln (SCC) nach Art. 46 DSGVO sind erforderlich, wenn mandantenbezogene Daten verarbeitet werden. Thomson Reuters stellt zwar ein Data Processing Agreement zur Verfügung, aber ein US-Datentransfer ist und bleibt ein Compliance-Risiko — das sich nicht vollständig wegvertraglichen lässt.

Preistransparenz fehlt komplett. Seit der Thomson-Reuters-Übernahme gibt es keine öffentlichen Preislisten mehr. Das macht Budgetplanung für Kanzleien schwierig und erzeugt Verhandlungsdruck in Richtung des Anbieters. Wettbewerber wie Harvey AI oder Luminance sind in diesem Punkt transparenter.

Produktidentität im Übergang. CoCounsel ist nicht mehr das schlanke Startup-Produkt von 2022. Die Integration in Thomson Reuters bringt Stabilität, aber auch Enterprise-Bürokratie: längere Entscheidungswege, Paket-Zwänge, und eine Roadmap, die von den Interessen von Westlaw mitgeprägt wird. Wer das eigenständige Produkt kannte, muss sich auf eine veränderte Erfahrung einstellen.

Alternativen im Vergleich

Wenn du…Dann nimm stattdessen
Deutsches Recht recherchieren willstjuris KI — gleiche Grundidee, auf deutsches Rechtssystem optimiert
Kommentarliteratur zum deutschen Recht brauchstbeck-online — verlässliche Primärquellen, kein KI-Assistent, aber unschlagbar für DE-Recht
DSGVO-konformes Contract Review willstLuminance — europäischer Wettbewerber mit stärkerer EU-Ausrichtung und Mehrsprachigkeit
Einen Anwalt-KI-Assistenten für US-Recht suchst, aber ohne TR-BindungHarvey AI — unabhängig von Thomson Reuters, ähnliche Stärken bei US-Recht

CoCounsel ist die beste Wahl für US-Kanzleien, die bereits im Thomson-Reuters-Ökosystem sind. Alle anderen sollten zuerst die Alternativen prüfen.

So steigst du ein

Schritt 1: Prüfe, ob deine Kanzlei bereits ein aktives Westlaw-Abonnement hat. Wenn ja, ist CoCounsel der einfachste Einstieg — wende dich an deinen Thomson-Reuters-Account-Manager für ein Demo-Gespräch. Der Kauf läuft heute primär über diesen Kanal.

Schritt 2: Teste den Contract-Review-Workflow zuerst. Lade einen englischsprachigen Standardvertrag hoch (z. B. einen NDA oder eine M&A-LOI) und lass CoCounsel eine Checkliste häufig problematischer Klauseln erstellen. Vergleiche das Ergebnis mit deiner eigenen manuellen Durchsicht — das zeigt schnell, ob das Tool deinen Workflow ergänzt.

Schritt 3: Prüfe vor der Kaufentscheidung die Datenschutzkonfiguration. Für EU-Kanzleien: Welche Dokumente mit personenbezogenen Daten gehen auf Thomson-Reuters-Server? Ist das Data Processing Agreement mit deinen internen DSGVO-Anforderungen kompatibel? Lass die Datenschutzbeauftragte vorher einschätzen, ob SCC-Abschluss ausreicht.

Ein konkretes Beispiel

Eine US-amerikanische Kanzlei mit Büro in New York und Frankfurt begleitet einen Private-Equity-Deal mit 35 Dokumenten im Datenraum. Der zuständige Associate in New York lädt alle englischsprachigen Verträge in CoCounsel und stellt die Frage: “List all indemnification clauses and flag any that deviate from market standard for PE transactions.” CoCounsel analysiert alle Dokumente in Parallelverarbeitung, extrahiert alle relevanten Klauseln, sortiert sie nach Abweichungsgrad und erstellt eine strukturierte Übersicht. Was früher zwei bis drei Tage Anwaltsstunden gekostet hätte, ist in vier Stunden als Erstanalyse verfügbar — inklusive zwei Stunden für die inhaltliche Review. Die Frankfurter Kolleginnen nutzen für die deutsche Gesellschaftsrechtsseite des Deals parallel juris.

DSGVO & Datenschutz

  • Serverstandort: USA (Thomson-Reuters-Rechenzentren, primär US-basiert)
  • Datentransfer: Für EU-Kanzleien ist ein Transfer in ein Drittland nach Art. 44 ff. DSGVO einschlägig — Standardvertragsklauseln (SCC) gemäß Art. 46 Abs. 2 lit. c DSGVO erforderlich
  • Data Processing Agreement: Thomson Reuters stellt ein DPA bereit; muss individuell geprüft und unterzeichnet werden
  • Training-Opt-out: Vertragliche Regelungen mit Thomson Reuters können verhindern, dass Kundendaten für Modell-Training genutzt werden — im DPA prüfen
  • Mandantendaten: Besondere Sorgfalt geboten bei Dokumenten, die personenbezogene Daten von Mandanten enthalten (Verträge, Schriftsätze, Gutachten)
  • Empfehlung für EU-Kanzleien: Den Datenschutzbeauftragten vor Einsatz einbeziehen. Für Kanzleien ohne US-Mandats-Fokus sind Luminance oder europäische Alternativen die bessere Wahl.

Gut kombiniert mit

  • juris KI — Für internationale Kanzleien mit US- und Deutschland-Mandaten: CoCounsel für die US-Rechtsprechungsseite, juris für die deutsche. Beide decken jeweils das auf, was das andere nicht kann.
  • Microsoft 365 Copilot — CoCounsel-Ergebnisse in Word-Dokumente übernehmen und mit Copilot weiterbearbeiten; für EU-Datenhaltung Microsoft Cloud Deutschland als komplementäre DSGVO-konforme Umgebung.
  • Luminance — Europäisches Contract-Review-Tool als DSGVO-konforme Ergänzung für Kanzleien, die internationale Deals bearbeiten: CoCounsel für US-Recht, Luminance für europäische Verträge.

Unser Testurteil

CoCounsel ist für US-amerikanische Kanzleien eines der ausgereiftesten juristischen KI-Tools auf dem Markt — gut durchdacht, stark in der Datenqualität, sinnvoll in die Recherche integriert. Die Thomson-Reuters-Übernahme sorgt für Stabilität, bringt aber auch Preisintransparenz und Produktbürokratie. Für deutsche Kanzleien ohne internationalen US-Rechts-Fokus ist es schlicht das falsche Werkzeug: falsches Rechtssystem, falsche Sprache, ungelöstes Datenschutz-Problem. 3 von 5 Punkten — stark für US-Recht, aber für den deutschen Markt nur in Ausnahmefällen relevant.

Was wir bemerkt haben

  • August 2023 — Thomson Reuters übernahm Casetext für 650 Mio. USD. Das Produkt lief zunächst unter dem Markennamen CoCounsel weiter, wurde aber schrittweise in die Thomson-Reuters-Produktpalette integriert. Eigenständige Casetext-Abos wurden zunehmend durch Thomson-Reuters-Bundle-Angebote ersetzt.
  • 2024 — CoCounsel wurde als eigenständige Marke in “Thomson Reuters CoCounsel” umbenannt und tiefer in Westlaw integriert. Bisherige Standalone-Abonnenten mussten teils auf Thomson-Reuters-Bundles wechseln, was für einen Teil der Nutzerbasis mit Preiserhöhungen verbunden war.
  • April 2026 — Recherche ergibt: Die Thomson-Reuters-Produktseiten für CoCounsel als eigenständiges Produkt sind nicht mehr erreichbar (404). Das Produkt existiert weiterhin, ist aber faktisch nur noch als Teil von Westlaw-Paketen erhältlich. Die Marke “Casetext” bleibt auf casetext.com aktiv.

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