Kurzfazit: Für alle, die aus eigenem Lernstoff schnell ein prüfungstaugliches Karteikarten-Deck bauen wollen. ChatGPT schreibt aus deinem Kapitel 40 Karten im Format Frage;Antwort, Anki liest diese Textdatei ein und übernimmt das Wiederholen. Nach zehn Minuten lernst du deine erste Karte. Am Rechner und unter Android kostet dich das 0 €, nur die iPhone-App kostet einmalig 29,99 €. Der Preis ist deine Stichprobe: Die KI erfindet Details, deshalb prüfst du zehn Karten gegen dein Skript.
Karteikarten zu schreiben ist die langweiligste Art, produktiv zu sein. Ein Kapitel Skript, drei Stunden Abtippen, und am Ende hast du 40 Karten, von denen die Hälfte schlecht gestellt ist. Genau diese drei Stunden schenkst du dir heute. Die 10 Minuten sind Stufe 1, die 30 Minuten die ganze Anleitung.
Was das kostet
| Baustein | Preis | Ehrliche Grenze |
|---|---|---|
| ChatGPT Free | 0 USD | Konto ohne Kreditkarte, unbegrenzte Text-Chats mit Schutz gegen Missbrauch, Datei-Uploads begrenzt |
| Anki für Windows, macOS, Linux | 0 € | Open Source |
| AnkiDroid für Android | 0 € | Open Source |
| Synchronisation über AnkiWeb | 0 € | Konto nötig |
| AnkiMobile für iPhone und iPad | 29,99 € einmalig im deutschen App Store | finanziert die Entwicklung der freien Versionen mit |
Quellen: apps.ankiweb.net, AnkiMobile im App Store und die ChatGPT-Release-Notes vom 6. August 2026, abgerufen am 17. September 2026. Für dieses Tutorial zählt die Upload-Grenze: Kommt der PDF-Upload nicht durch, kopierst du den Text in den Prompt, Text-Chats sind im kostenlosen Plan nicht begrenzt.
Stufe 1: Anfänger, dein erstes Deck in 10 Minuten
Was du brauchst
- Ein Kapitel Lernstoff. Nicht das ganze Semester, ein Kapitel: ein Skript-PDF, deine Mitschrift, ein abgetipptes Buchkapitel.
- Ein ChatGPT-Konto auf chatgpt.com. Der kostenlose Plan reicht, ohne Kreditkarte.
- Anki von apps.ankiweb.net, für Windows, macOS, Linux und Android kostenlos.
Schritt 1: Material bereitlegen
Nimm dir einen Abschnitt von etwa 5 bis 15 Seiten. Wenn du das PDF hochladen kannst, umso besser. Geht der Upload im kostenlosen Plan gerade nicht oder ist dein Kontingent aufgebraucht, kopierst du den Text aus dem PDF direkt in den Prompt. Dieser Weg funktioniert immer.
Schritt 2: Den Starter-Prompt senden
Melde dich auf chatgpt.com an, starte ein neues Gespräch und sende diesen Prompt. Das Format darin sieht übertrieben streng aus, es ist der eigentliche Trick: Genau so liest Anki eine Textdatei ein. Jede Nummerierung, jeder freundliche Einleitungssatz kostet dich hinterher Handarbeit.
Die Antwort besteht aus 40 nackten Zeilen. Nummeriert ChatGPT trotzdem, antworte: “Gib die Liste noch einmal aus, ohne Nummerierung und ohne Einleitung, nur die 40 Zeilen.”
Schritt 3: Als Datei speichern
Kopiere die 40 Zeilen in einen einfachen Texteditor: Editor unter Windows, TextEdit auf dem Mac (dort vorher unter “Format” auf “In reinen Text umwandeln” stellen). Speichere sie als karten.txt, Kodierung UTF-8. Anki erwartet UTF-8, und an den Umlauten siehst du sofort, wenn die Kodierung nicht stimmt.
Schritt 4: In Anki importieren
Installiere Anki, starte es und lege über “Stapel erstellen” ein Deck an, zum Beispiel “Kostenrechnung”. Dann:
- Klick im Menü auf “Datei” und dann auf “Importieren”
- Wähle deine
karten.txt - Setze als Notiztyp “Einfach” (in englischen Versionen heißt er “Basic”) und als Stapel dein neues Deck
- Setze das “Feldtrennzeichen” von Hand auf “Semikolon”. Anki rät das Trennzeichen aus dem Dateiinhalt und liegt bei deutschen Antworten mit Komma oft daneben. Zur Wahl stehen Komma, Semikolon, Tabulator, Leerzeichen, Senkrechtstrich und Doppelpunkt
- Prüfe in der Vorschau, dass links die Frage und rechts die Antwort steht, dann importieren
Die Beschriftungen unterscheiden sich je nach Version leicht, die Reihenfolge Datei, Notiztyp, Stapel, Trennzeichen bleibt gleich. Wer das Umstellen nicht jedes Mal machen will, schreibt #separator:Semicolon als allererste Zeile in die Datei, dann übernimmt Anki das Trennzeichen laut Handbuch direkt daraus (docs.ankiweb.net). Klick anschließend auf dein Deck und auf “Jetzt lernen”. Deine erste Karte steht auf dem Bildschirm, dein Deliverable ist erreicht.
Stufe 2: Fortgeschritten, die Karten schärfen
Ein Deck aus dem ersten Durchlauf ist brauchbar, nicht gut. Vier Prompts machen daraus etwas, mit dem du in eine Prüfung gehst.
Antworten kürzen
Lange Antworten sind der häufigste Fehler. Eine Rückseite mit drei Sätzen prüft drei Sachen statt einer, und du bewertest dich jedes Mal falsch.
Lückentexte erzeugen
Frage-Antwort-Karten prüfen Wissen, Lückentexte prüfen es im Satzzusammenhang. Anki nennt diesen Notiztyp “Lückentext” (englisch: Cloze), die Lücken werden im Feld “Text” mit der Schreibweise {{c1::Lösung}} markiert. Für den Import legst du eine zweite Datei an, luecken.txt, und wählst beim Importieren den Notiztyp “Lückentext” statt “Einfach”.
Bei dieser Datei setzt du das Trennzeichen unbedingt selbst. Deine Sätze haben gar kein Trennzeichen, enthalten aber fast immer ein Komma, und genau darauf springt die Automatik an: Anki zerschneidet den Satz am ersten Komma und verwirft den Rest. Stell das Feldtrennzeichen deshalb auf “Tabulator”, ein Zeichen, das in deinen Sätzen nicht vorkommt, oder schreib #separator:Tab in die erste Zeile. In der Vorschau muss jede Zeile genau eine Spalte haben, den vollständigen Satz.
Themen-Tags ergänzen
Ein drittes Feld macht die Sammlung sortierbar. Beim Import ordnest du eine Spalte dem Tags-Feld zu, dann filterst du in Anki nach “Abschreibung” oder “Deckungsbeitrag”, statt 400 Karten am Stück durchzugehen.
Kopiere nur die Kartenzeilen in die Datei. Hängt ChatGPT die Tag-Übersicht doch an, lösch diese Zeile vor dem Speichern, sonst importiert Anki sie als zusätzliche Karte mit leerer Rückseite. Beim Import stellst du das Feldtrennzeichen wieder auf “Semikolon” und ordnest die dritte Spalte dem Tags-Feld zu, sonst landet der Tag als Text in einem Kartenfeld.
Die Stichprobe, die du nicht überspringst
ChatGPT erfindet Details, besonders bei Zahlen, Jahreszahlen und Definitionen. Der folgende Prompt lässt die KI die wackeligen Stellen selbst benennen, diese Liste prüfst du gegen dein Skript. Das kostet zehn Minuten und entscheidet, ob dir das Deck hilft oder Fehler antrainiert.
Vier Fehler, die den Import zerschießen
- Semikolon im Antworttext. Anki teilt die Zeile an jedem Semikolon. Wer es braucht, setzt das ganze Feld in Anführungszeichen, ein echtes Anführungszeichen im Feld wird dann verdoppelt.
- Zeilenumbrüche in Antworten. Eine Karte ist eine Zeile. Mehrzeilige Inhalte brauchen entweder Anführungszeichen um das ganze Feld oder ein
<br>bei aktivierter Option “HTML in Feldern zulassen”. Bei Lückentexten über mehrere Zeilen funktionieren die Anführungszeichen laut Anki-Handbuch nicht, dort brauchst du das<br>. - Falsche Kodierung. “Ãbung” statt “Übung” heißt: Datei nicht als UTF-8 gespeichert. Neu speichern, neu importieren.
- Doppelter Import. Anki gleicht über das erste Feld ab. Identische Fragen werden aktualisiert statt verdoppelt, leicht abweichende Fragen landen zweimal im Deck.
Stufe 3: Experte, aus dem Kapitel wird ein Kurs
Kapitel für Kapitel, Unterdeck für Unterdeck
Wiederhole den Starter-Prompt pro Kapitel in einem eigenen Gespräch, das hält den Kontext sauber und die Antworten beim Thema. Die Unterdecks legst du vor dem Import an: “Stapel erstellen”, als Namen Kostenrechnung::Kapitel 3 eingeben, die zwei Doppelpunkte erzeugen Oberstapel und Unterstapel in einem Schritt. Im Import-Fenster wählst du den fertigen Stapel aus der Liste, dort neu anlegen kannst du ihn nicht. Danach lernst du wahlweise das Oberdeck am Stück oder gezielt ein Kapitel.
Rechne den Lernplan durch, bevor du ihn anfängst
Anki zeigt dir jede Karte in wachsenden Abständen, das ist der ganze Sinn. Jede neue Karte erzeugt in den Wochen danach mehrere Wiederholungen. Das Anki-Handbuch rechnet es vor: Wer dauerhaft 20 neue Karten am Tag lernt, landet bei ungefähr 200 Wiederholungen täglich (docs.ankiweb.net).
Das sind bei drei Sekunden pro Karte rund zehn Minuten, bei zehn Sekunden über eine halbe Stunde. Stell die neuen Karten pro Tag unter “Optionen” so ein, dass du die Zahl auch in einer stressigen Woche schaffst. Ein Deck, das du abbrichst, ist wertlos, egal wie gut die Karten sind.
Das Deck teilen
Für die Lerngruppe exportierst du dein Deck als Paket: “Datei”, dann “Exportieren”, als Format “Anki-Stapelpaket” mit der Endung .apkg. Nimm den Haken bei “Einschließlich Zeitplanung” heraus, sonst erben deine Kommilitoninnen deinen persönlichen Lernstand statt eines frischen Stapels. Bilder oder Audio nimmst du über “Einschließlich Medien” mit. Die Datei verschickst du per Messenger oder Cloud, ein Doppelklick importiert sie beim Gegenüber.
Wenn ihr zu dritt je zwei Kapitel übernehmt, habt ihr an einem Nachmittag ein geprüftes Deck für das ganze Modul.
Die Grenzen, ehrlich benannt
Die KI erfindet Details, und zwar in flüssigen, überzeugenden Sätzen. Deshalb ist die Stichprobe aus Stufe 2 keine Kür. Der kostenlose ChatGPT-Plan begrenzt außerdem Datei-Uploads, Bilder und Werkzeuge, Text-Chats sind laut OpenAI seit August 2026 unbegrenzt, und OpenAI ändert diese Grenzen regelmäßig. Portioniere deinen Stoff in Kapitel, dann merkst du davon wenig. Und Anki ersetzt kein Verständnis: Karten prüfen, was du verstanden hast, sie erklären es nicht.
Häufige Fragen zu Karteikarten mit ChatGPT
Was kostet Anki, und was ist mit dem iPhone?
Alles außer der iPhone-App ist kostenlos, siehe Tabelle oben. AnkiMobile für iPhone und iPad kostet im deutschen App Store einmalig 29,99 €, im US-Store 24,99 USD, und finanziert die freien Versionen mit. Wer nicht zahlen will, lernt am Rechner und nutzt am iPhone den Browser über ankiweb.net.
Warum sind manche Antworten falsch?
Weil ChatGPT Sprache erzeugt und keine Fakten nachschlägt. Bei Zahlen und scharfen Definitionen ist die Fehlerquote am höchsten, und die falsche Antwort klingt so souverän wie die richtige. Deshalb der Kontroll-Prompt aus Stufe 2 und eine Stichprobe von zehn Karten gegen dein Skript. Was du falsch lernst, prägt Anki dir besonders gründlich ein.
Darf ich mein Uni-Skript überhaupt hochladen?
Zwei getrennte Fragen. Urheberrechtlich bleibt das Skript deines Professors sein Werk: Karten für dich selbst sind unproblematisch, die Weitergabe des Originaltextes oder eines Decks mit wörtlichen Passagen nicht. Datenschutzrechtlich gilt: Alles, was du eingibst, landet auf US-Servern, und in den Consumer-Plänen werden Eingaben standardmäßig zum Training genutzt, das Opt-out musst du aktiv setzen. Personenbezogene Daten oder vertrauliche Firmenunterlagen gehören dort nicht hinein.
Geht das auch mit Claude oder Gemini?
Ja, der Prompt funktioniert unverändert bei beiden. Entscheidend ist nicht das Modell, sondern die Formatvorgabe im Prompt und deine Stichprobe danach.
Wie viele Karten schaffe ich am Tag?
Realistisch neben Vorlesungen: 15 bis 20 neue Karten am Tag, in zwölf Wochen rund 1.500 Karten. Fang mit 10 an und erhöhe, wenn du zwei Wochen durchgehalten hast. Die Zahl stellst du jederzeit in den Stapel-Optionen um.
Dein nächster Schritt
Nimm dir ein Kapitel, das nächste Woche dran ist, kopiere den Starter-Prompt aus Stufe 1 und lass die 40 Karten schreiben. In zehn Minuten lernst du die erste, und du hast eine Sache verstanden, die weit über Karteikarten hinausgeht: Ein starres Ausgabeformat macht aus einem Chatverlauf eine Datei, mit der ein anderes Programm weiterarbeitet.
Karteikarten prüfen Einzelwissen ab. Wenn dir vor der Klausur zusätzlich der Überblick fehlt, verdichtet Dein erster Lernzettel aus 40 Seiten Skript denselben Stoff auf eine Seite, mit Selbsttest am Ende. Willst du dasselbe Kapitel zusätzlich hören statt lesen, macht NotebookLM aus deinem Dokument einen KI-Podcast, quellenbasiert und mit Verweisen auf die Textstellen. Dasselbe Prinzip trägt auch bei Tabellen: Deine erste Excel-Auswertung mit Claude macht aus Rohdaten eine .xlsx-Datei mit Formeln und Diagramm. Was der kostenlose ChatGPT-Plan sonst kann, steht in unserer Übersicht zu ChatGPT.
Wie gut kennst du den Weg vom Skript zur Karteikarte?
10 Fragen, vom Starter-Prompt bis zum Export für die Lerngruppe. Wer mindestens 8 richtig beantwortet, bekommt ein Zertifikat zum Teilen.