1.677 KI-Tools stehen in unserem Verzeichnis. Wirklich kostenlos, dauerhaft und ohne Deckel, sind davon genau 53. Das sind 3,2 Prozent. Der Rest verteilt sich auf reine Bezahlprodukte, auf Freemium-Modelle mit eingebauter Verkaufsschranke und auf Open Source. Das Versprechen vom kostenlosen KI-Einstieg klingt gut, am kuratierten Vollkatalog zerbricht es.
Bei allen 1.677 Einträgen haben wir Stand Juli 2026 erfasst, wie das Tool sein Kostenmodell angibt. Das ist keine Stichprobe, das ist der volle Bestand, und jede Prozentzahl in diesem Text kannst du auf diese 1.677 zurückrechnen. Ich schreibe das so offen hin, weil die Zahl sonst nach Meinung klingt, und sie ist keine.
Die vier Kostenklassen
Wir sortieren jedes Tool in eine von vier Kostenklassen. Kostenlos heißt: dauerhaft nutzbar, ohne Deckel, ohne dass am Ende doch eine Bezahlschranke steht. Freemium heißt: ein kostenloser Einstieg, aber mit Limit, das dich planmäßig in die Bezahlversion drücken soll. Bezahlt heißt: kostet ab dem ersten produktiven Einsatz Geld. Open Source steht separat, denn quelloffen ist nicht dasselbe wie betriebsfertig gratis.
So sieht die Verteilung über die 1.677 Tools aus:
- Bezahlt: 1.261 Tools, das sind 75,2 Prozent.
- Freemium: 294 Tools, das sind 17,5 Prozent.
- Open Source: 69 Tools, das sind 4,1 Prozent.
- Kostenlos: 53 Tools, das sind 3,2 Prozent.
Drei von vier Tools definieren sich also selbst als Bezahlprodukt. Nimmst du die 53 wirklich kostenlosen und die 69 Open-Source-Tools zusammen, kommst du auf 122 Einträge. Das sind 7,3 Prozent. Alles andere, mehr als neun von zehn Tools im Katalog, will früher oder später Geld sehen.
Warum Freemium der wunde Punkt ist
Der naheliegende Einwand kommt sofort, und er ist ernst gemeint: Freemium zählt doch als kostenlos genug. Man kann anfangen, ohne die Kreditkarte zu zücken, und für viele reicht der Gratis-Tier ewig. Zählt man die 294 Freemium-Tools zu den 53 kostenlosen, sieht die Welt gleich freundlicher aus.
Der Einwand hält an drei Stellen nicht.
Erstens ist der Gratis-Tier von Freemium bewusst so eng geschnitten, dass er dich im produktiven Einsatz bremst. QuillBot etwa lässt dich beim Umschreiben kostenlos exakt 125 Wörter verarbeiten, also ungefähr eine E-Mail, danach steht die Bezahlschranke (ab 8,33 USD pro Monat bei Jahreszahlung). Bei ChatGPT begrenzt der Gratis-Zugang die Zahl der Nachrichten mit dem stärkeren Modell, und seit 2026 blendet OpenAI in den USA Werbung in die kostenlose Version ein. Der Gratis-Tier ist kein Geschenk, er ist die Auslage vor dem Kassenbereich.
Zweitens hast du bei Freemium keinen vertraglichen Anspruch auf den kostenlosen Zugang. Der Anbieter kann das Limit senken, Funktionen hinter die Bezahlschranke ziehen oder den Gratis-Tier ganz streichen, wann er will. Was heute kostenlos funktioniert, ist morgen ein Testzeitraum, dessen Ende nur noch nicht angekündigt wurde.
Drittens, und das ist der ehrlichste Punkt: Bei den 1.261 Bezahl-Tools ist der Preis eine Ansage des Anbieters. Bei Freemium ist das Kostenlos-Versprechen dieselbe Verkaufsabsicht, nur freundlicher verpackt.
Dass Freemium ökonomisch ein Verkaufstrichter ist und kein Wohltätigkeitsmodell, zeigt auch der Blick von außen. Laut einer ChartMogul-Auswertung vom Januar 2026 über 200 SaaS-Anbieter lag die mediane Konversion vom Freemium-Nutzer zum zahlenden Kunden bei 8 Prozent. Diese Fremdzahl trage ich nicht als Beweis, sondern als Einordnung: Freemium ist so kalkuliert, dass die große Mehrheit gratis bleibt und die zahlende Minderheit das Modell trägt. Der kostenlose Tier ist der Köder, nicht das Produkt.
Was daraus für dein Budget folgt
Aus den Zahlen folgt keine Warnung vor KI, sondern eine nüchterne Planungsregel. Wer einen KI-Stack aufbaut und dabei erwartet, dass der große Teil davon dauerhaft gratis bleibt, plant an der Realität des Katalogs vorbei. 3,2 Prozent wirklich kostenlose Tools sind keine Basis für eine Gratis-Strategie.
Der Markt bewegt sich zudem weg vom Gratis-Einstieg. Bessemer beschreibt im AI Pricing Playbook vom Februar 2026 den Wechsel von pauschalen Gratis- und Flatrate-Modellen hin zu nutzungsbasierter Bezahllogik, bei der du pro Anfrage oder pro Token zahlst. Für dich heißt das: Selbst dort, wo der Einstieg heute noch kostenlos ist, wird die Rechnung künftig mit der Nutzung wachsen. Ein Kostenmodell, das im Pilotprojekt gratis wirkt, kann im Rollout zur variablen Position werden.
Wie du mit knappem Budget trotzdem sinnvoll startest, haben wir für Startups mit kleinem Budget durchgespielt, und wo bei quelloffenen Werkzeugen die versteckten Betriebskosten liegen, ordnet der Vergleich von Open Source und Closed Source ein. Denn Open Source ist eben nicht betriebsfertig gratis: Airflow etwa ist quelloffen und lizenzkostenfrei, aber die Server, die Wartung und das Wissen zum Betrieb zahlst du selbst.
Wer die Preisfrage zusammen mit der Hosting-Frage denkt, sieht das ganze Bild. Wir haben gezeigt, dass das Hosting-Land den deutschen Support vorhersagt, und dass gut jedes vierte Tool gar keine echte KI im Kern hat. Kostenmodell, Hosting-Land und KI-Gehalt sind die drei Angaben, die eine Auswahl tragen, bevor der erste Screenshot der Oberfläche überzeugt.
Was du konkret tust
Budgetiere KI ab Tag eins als laufende Position, nicht als Gratis-Experiment mit späterer Überraschung. Wenn wirklich kostenlos gebraucht wird, dann gezielt: Es gibt sie, die 53 dauerhaft kostenlosen Tools, etwa Semantic Scholar für die Literaturrecherche, und die 69 Open-Source-Werkzeuge, wenn du den Betrieb selbst stemmen kannst.
Setz diese 122 bewusst dort ein, wo sie tragen, statt eine Gratis-Erwartung an den ganzen Stack zu hängen, die 1.555 andere Tools nicht erfüllen. Und bei jedem Freemium-Tool stell vor dem Start die eine Frage, die den Unterschied macht: Ab welcher Nutzungsmenge kippt der kostenlose Tier in eine Rechnung? Steht die Antwort fest, triffst du eine Entscheidung. Steht sie nicht fest, triffst du sie später unfreiwillig.