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KI und Recht: Was Unternehmen 2026 beachten müssen

Der EU AI Act kommt. Was bedeutet das für dein Unternehmen? Ein Überblick über die wichtigsten rechtlichen Änderungen.

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Prof. Dr. Daniel Sonnet
· · 4 Min. Lesezeit
KI und Recht: Was Unternehmen 2026 beachten müssen

Die Zeiten, in denen KI-Einsatz im Unternehmen ein rein technisches Thema war, sind vorbei. Mit dem EU AI Act tritt das weltweit erste umfassende KI-Gesetz in Kraft — und deutsche Unternehmen sind direkt betroffen. Was du wissen musst und wie du dein Unternehmen vorbereiten kannst.


Was ist der EU AI Act?

Der EU AI Act ist eine EU-Verordnung, die KI-Systeme nach ihrem Risikograd klassifiziert und entsprechende Anforderungen an Hersteller und Betreiber stellt. Das Gesetz gilt für alle Unternehmen, die KI-Systeme in der EU einsetzen — unabhängig davon, ob sie selbst entwickeln oder Drittanbieter-Tools nutzen.

Die Verordnung ist seit August 2024 formal in Kraft, wird aber schrittweise angewendet:

  • August 2024: Inkrafttreten
  • Februar 2025: Verbotene KI-Praktiken gelten
  • August 2026: Anforderungen für Hochrisiko-KI gelten vollständig

Die vier Risikoklassen

Der EU AI Act teilt KI-Systeme in vier Kategorien ein:

1. Unannehmbares Risiko (verboten)

KI-Systeme, die manipulative Techniken nutzen, Personen nach sozialen Merkmalen bewerten (Social Scoring) oder Gesichtserkennung in öffentlichen Räumen einsetzen. Diese sind ab Februar 2025 verboten.

2. Hohes Risiko

KI-Systeme in kritischen Bereichen wie Personalentscheidungen, Kreditvergabe, Strafverfolgung oder medizinischen Diagnosen. Hier gelten strenge Anforderungen: Risikobewertung, Dokumentation, menschliche Aufsicht und hohe Transparenz.

3. Begrenztes Risiko

Chatbots und andere KI-Systeme mit Nutzerkontakt müssen als KI erkennbar sein. Transparenz ist Pflicht.

4. Minimales Risiko

KI-Systeme wie E-Mail-Filter oder einfache Empfehlungssysteme — hier gibt es keine spezifischen Anforderungen.


Was bedeutet das konkret für dein Unternehmen?

Wenn du KI im HR-Bereich einsetzt (Bewerbungsfilterung, Performance-Management), fällst du wahrscheinlich in die Hochrisiko-Kategorie — mehr dazu im Usecase Bewerbersichtung mit KI. Gleiches gilt für KI-gestützte Kreditentscheidungen oder medizinische Anwendungen.

Auch wenn du “nur” Tools von Drittanbietern (wie ChatGPT, Claude oder branchenspezifische KI-Software) nutzt, bist du als Betreiber mitverantwortlich. Konkret bedeutet das:

  1. Inventar erstellen: Welche KI-Systeme setzt du ein?
  2. Risikoklasse bestimmen: Welche Kategorie trifft zu?
  3. Dokumentation aufbauen: Wie funktioniert das System? Welche Daten werden genutzt?
  4. Menschliche Aufsicht sicherstellen: Gibt es einen Prozess zur Überprüfung von KI-Entscheidungen?
  5. Mitarbeiter schulen: Wissen deine Teams, wie sie KI verantwortungsvoll nutzen?

Wer haftet, wenn etwas schiefläuft?

Eine zentrale Frage, die viele Unternehmen beschäftigt: Was passiert, wenn eine KI-Entscheidung falsch ist und Schaden verursacht? Dazu haben wir einen separaten Artikel geschrieben: Wer haftet, wenn KI Fehler macht?


Praktische Schritte für sofort

Du musst nicht warten, bis die Fristen laufen. Diese Maßnahmen kannst du jetzt angehen:

Bestandsaufnahme: Liste alle KI-Systeme auf, die dein Unternehmen nutzt oder plant zu nutzen. Kategorisiere sie nach Verwendungszweck und Risikoklasse.

Datenschutz-Check: Prüfe, ob deine KI-Anwendungen mit der DSGVO konform sind. Werden personenbezogene Daten verarbeitet? Gibt es eine Auftragsverarbeitungsvereinbarung mit dem Anbieter? Für vertragsrechtliche Aspekte bietet der Usecase Vertragsanalyse mit KI praktische Orientierung.

Governance-Struktur: Wer ist in deinem Unternehmen für KI-Compliance verantwortlich? Dieser Verantwortliche sollte früh benannt werden.

Mitarbeitertraining: Mehr dazu findest du in unserem Artikel zu KI-Schulungen für Teams.


Strafen bei Verstößen

Die Sanktionen im EU AI Act sind empfindlich:

  • Bis zu 35 Millionen Euro oder 7% des weltweiten Jahresumsatzes für Verstöße gegen verbotene KI-Praktiken
  • Bis zu 15 Millionen Euro oder 3% des Umsatzes für andere Verstöße

Das zeigt: KI-Compliance ist kein “nice to have”, sondern geschäftskritisch.


Fazit

Der EU AI Act bringt Unternehmen mehr Verantwortung — aber auch mehr Klarheit. Wer sich jetzt vorbereitet, hat einen Wettbewerbsvorteil gegenüber denen, die zu spät reagieren. Starte mit der Bestandsaufnahme, prüfe deine Risikoklassen und baue eine interne KI-Governance auf.

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Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechtsberatung. Bei konkreten rechtlichen Fragen wende dich an einen spezialisierten Anwalt.

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