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Kreativwirtschaft pitchnew-businessagentur

New-Business-Pitch automatisieren

KI strukturiert Pitch-Dokumente, entwickelt Storylines und formuliert überzeugende Pitch-Texte — so geht mehr Zeit in Strategie und Kreation statt in das Zusammenstellen von Folien.

Worum geht's?

Es ist Donnerstag, 18:47 Uhr.

Die Nachricht kam um 15:30 Uhr — ein potenzieller Neukunde mit einem Jahresetat von rund 400.000 Euro. Pitch-Termin: nächster Dienstag, 10 Uhr. Vier Tage, davon zwei Arbeitstage. Thomas, Geschäftsführer einer Frankfurter Designagentur mit 14 Mitarbeitenden, liest die E-Mail ein zweites Mal. Das Unternehmen ist ein mittelständischer B2B-Software-Hersteller, den er kaum kennt. Der Brief nennt drei Wettbewerber, von denen er nur einen kennt. Er muss eine Pitch-Präsentation entwickeln, die zeigt, dass seine Agentur die Branche versteht, die richtigen strategischen Antworten hat und kreativer ist als die Konkurrenz.

Thomas ruft sein Senior-Account-Team zusammen. Vier Personen verbringen den Freitag damit, das Unternehmen zu recherchieren, Wettbewerber zu analysieren und eine erste Storyline zu entwickeln. Das Wochenende gehört der Konzeption. Am Montag schreibt jemand Texte, jemand anderes baut Folien.

Das Ergebnis ist solide — aber vier Mitarbeitende haben zusammen 80 Stunden in einen Pitch investiert, für den die Agentur keinen Cent erhält, wenn sie nicht gewinnt.

Das ist kein Ausnahmefall. Das ist das Kerngeschäft im Agentur-New-Business.

Das echte Ausmaß des Problems

Pitchen ist für Agenturen eine Existenzfrage — und eine der ineffizientesten Tätigkeiten in der Branche. Laut einer Erhebung des GWA (Gesamtverband Kommunikationsagenturen) aus dem Jahr 2024 investieren Kommunikationsagenturen in Deutschland durchschnittlich 40 bis 120 Stunden pro Pitch — unbezahlte Arbeit, die nur dann zu Einnahmen führt, wenn der Pitch gewonnen wird. Für eine mittelgroße Agentur mit zehn bis fünfzehn Pitches pro Jahr bedeutet das: Jedes Jahr werden zwischen 400 und 1.800 Personenstunden in Pitch-Arbeit gesteckt, von denen nach üblichen Erfolgsquoten von 20 bis 35 Prozent ein großer Teil nie vergütet wird.

Wo geht diese Zeit hin?

  • Unternehmensrecherche: Wer ist der Kunde wirklich? Branche, Wettbewerbsposition, Kommunikationsgeschichte, bisherige Kampagnen
  • Wettbewerbsanalyse: Wer pitcht noch? Was unterscheidet uns von den anderen Agenturen auf der Liste?
  • Storyline-Entwicklung: Was ist die narrative Klammer, die den Pitch zusammenhält?
  • Textproduktion: Zusammenfassung der Agenturphilosophie, Case-Study-Texte, Strategietexte, Begründungen für Kreativvorschläge
  • Foliengestaltung und Formatierung: Das, was am Ende sichtbar ist — oft nicht der größte Zeitfresser, aber immer sichtbar

Der kritische Engpass liegt nicht in der Kreation. Er liegt in der Informationssynthese und der Textproduktion, die nötig ist, bevor das Kreativteam überhaupt anfangen kann, wirklich kreativ zu sein.

Mit vs. ohne KI — ein ehrlicher Vergleich

KennzahlOhne KIMit KI-gestütztem Pitch-Prozess
Zeit für Unternehmensrecherche und Zusammenfassung6–10 Stunden1–2 Stunden
Zeit für erste Storyline-Entwürfe4–8 Stunden1–3 Stunden
Zeit für Pitch-Textentwürfe (alle Kapitel)8–16 Stunden2–5 Stunden
Gesamtzeit für Pitch-Grundstruktur40–80 Stunden15–25 Stunden ¹
Reaktionszeit auf kurzfristige Pitch-Einladungen3–5 Tage Minimum1–2 Tage möglich

¹ Erfahrungswert auf Basis von Agenturgesprächen und dokumentierten Fallbeispielen, u. a. einer PR-Agentur, die ihren Pitch-Ideation-Prozess (ursprünglich 66 Stunden bei einem Team-Stundensatz von 182 USD, entsprechend ca. 12.000 USD) in 1 Minute 52 Sekunden mit KI replizierte — bei vergleichbarer Ergebnisqualität. Kreative Differenzierung, finale Ausarbeitung und Präsentation bleiben Menschenarbeit.

Einschätzung auf einen Blick

Zeitersparnis — sehr hoch (5/5) Kein anderer Use Case in dieser Kategorie spart so viel absolute Arbeitszeit wie Pitch-Automatisierung. Recherche-Synthese, Storyline-Entwürfe und Textentwürfe — die drei größten Zeitfresser vor dem Pitch — lassen sich durch KI auf 25–40 Prozent des bisherigen Aufwands reduzieren. Das sind reale Stunden, die zurück in kreative Differenzierung oder in das nächste Projekt fließen. Der Effekt ist in dieser Kategorie am stärksten, weil Pitches wiederkehrend, zeitkritisch und strukturell ähnlich aufgebaut sind.

Kosteneinsparung — mittel (3/5) Die Einsparung ist real, aber indirekt: Weniger Stunden für Standard-Pitch-Arbeit bedeutet entweder niedrigere interne Kosten oder die Möglichkeit, mehr Pitches mit demselben Team zu bearbeiten. Der direkte Cash-Nutzen ist schwer zu isolieren — du weißt nicht, ob du den Pitch gewonnen hättest oder nicht. Direktere Kosteneffekte findest du bei Projektkalkulation und Angebotserstellung, wo jede falsche Schätzung zu konkreten Verlusten führt.

Schnelle Umsetzung — hoch (4/5) Ein erster Pitch-KI-Workflow lässt sich in einem bis zwei Tagen aufbauen. Du brauchst keinen neuen Software-Kauf, keine IT-Integration — nur einen guten Prompt und eine Arbeitsroutine. Der Grund, warum es nicht 5 von 5 ist: Du musst Zeit investieren, um deinen firmenspezifischen Pitch-Prompt zu entwickeln, der Tone of Voice, Agenturphilosophie und typische Pitch-Struktur einschließt. Das dauert zwei bis vier Arbeitsstunden und sollte an einem echten Pitch getestet werden. So direkt wie Briefing-Analyse ist es nicht.

ROI-Sicherheit — hoch (4/5) Für eine Agentur, die regelmäßig pitcht, ist der Nutzen sehr gut zu messen: Wie viele Stunden hat Pitch X gedauert, wie viele danach? Die Testhypothese ist konkret — und die Investition in den Aufbau des Workflows klein. Der einzige Vorbehalt: KI kann nicht den inhaltlichen Kern des Pitches ersetzen — die echte kreative Idee, die einen Pitch gewinnbar macht. Wenn die Pitch-Erfolgsrate nach KI-Einführung gleich bleibt, aber der Aufwand sinkt, ist das trotzdem ein echter Gewinn.

Skalierbarkeit — hoch (4/5) Mehr Pitches, mehr Anfragen, mehr Parallelarbeit — der KI-Workflow skaliert mit. Was nicht automatisch skaliert: Für jeden neuen Kunden-Kontext musst du den Prompt anpassen (Branche, Sprache, Ansprache). Das dauert 30–60 Minuten pro Pitch-Vorbereitung — deutlich weniger als ohne KI, aber nicht null.

Richtwerte — stark abhängig von Pitch-Volumen, Briefing-Komplexität und vorhandener Agenturpositionierung.

Was die KI beim Pitch konkret übernimmt

KI übernimmt nicht den Pitch. Sie übernimmt die Aufgaben, die vor dem Pitch erledigt sein müssen, damit das Kreativteam pitchen kann.

Unternehmensrecherche komprimieren. Du gibst der KI öffentliche Informationen zum potenziellen Kunden — Website, Pressemitteilungen, LinkedIn-Profil der Ansprechperson, aktuelle Kampagnen, Jahresbericht. Die KI destilliert daraus eine strukturierte Zusammenfassung: Positionierung, Wettbewerbsumfeld, aktuelle Kommunikations-Themen, mögliche strategische Brennpunkte. Was früher zwei bis drei Stunden Lektüre war, wird ein zehnminütiges Review.

Storyline-Optionen entwickeln. Auf Basis der Unternehmensrecherche und des Pitch-Briefings generiert die KI drei bis fünf mögliche Storyline-Richtungen: von der klassischen Challenge-Solution-Story bis zur provokanten Eröffnungsthese. Das ist kein fertiges Konzept — es ist Gesprächsmaterial für das Strategie-Meeting, das sonst eine halbe Stunde länger dauert.

Pitch-Texte entwerfen. Die KI schreibt erste Entwürfe für alle Standardkapitel: Agenturvorstellung, Prozessdarstellung, strategischer Ansatz, Begründung des Kreativkonzepts, Warum wir? Das sind keine publizierfertigen Texte — aber sie sind eine strukturierte Grundlage, die das Schreiben von Grund auf ersparen. Überarbeitung statt Blank-Page-Angst.

Wettbewerbsdifferenzierung formulieren. Die KI hilft, die eigene Agenturpositionierung gegenüber benannten Wettbewerbern zu schärfen — was macht euch anders, welche Stärken passen besonders zu diesem Kunden, welche Schwächen der Konkurrenz könnt ihr ansprechen ohne unfair zu sein.

Was KI nicht leistet: das strategische Urteil, ob eine Pitch-Richtung richtig ist. Die kreative Idee, die gewinnbar macht. Das Gespür für den Kunden, das nur durch echten Dialog entsteht. Und den Auftritt, der im Pitch-Termin entscheidet.

Konkrete Werkzeuge — was wann passt

Claude — Erste Wahl für Pitch-Textentwürfe. Claude ist stark bei langen, strukturierten Texten, hat gutes Sprachgefühl für nuancierte Unternehmenskommunikation und verarbeitet längere Kontext-Dokumente (Briefing, Website-Inhalte, bestehende Agenturpräsentationen) zuverlässig. Claude Teams ab 25 Euro/Nutzer/Monat.

ChatGPT — Sehr gut für Recherche-Synthese und Brainstorming von Storyline-Richtungen. Die Websuche-Integration (GPT-4o mit Browsing) ermöglicht, aktuelle Informationen zum Kunden direkt einzubeziehen, ohne sie manuell kopieren zu müssen. ChatGPT Plus 20 Euro/Monat.

Perplexity — Optimal für schnelle Unternehmensrecherche mit Quellenangaben. Perplexity durchsucht das Web in Echtzeit und gibt eine komprimierte Zusammenfassung mit Links — deutlich effizienter als manuelles Googeln. Kostenlos für Grundnutzung, Perplexity Pro ab 20 Euro/Monat.

Gamma — KI-gestützte Präsentationserstellung: Du gibst Struktur und Texte vor, Gamma erzeugt daraus eine fertig gestaltete Folienpräsentation. Kein Ersatz für echtes Pitch-Design, aber sehr nützlich für schnelle Pitch-Entwürfe und interne Abstimmungen. Kostenlos für Basis, Pro ab 10 Euro/Monat.

Zusammenfassung: Wann welcher Ansatz

  • Textentwürfe und Storyline → Claude
  • Recherche und aktuelle Informationen → ChatGPT (Browsing) oder Perplexity
  • Schnelle Präsentationserstellung → Gamma
  • Kombination: Perplexity für Recherche, Claude für Texte, Gamma für Folien — in 1–2 Tagen pitch-ready

Datenschutz und Datenhaltung

Pitch-Dokumente enthalten regelmäßig Informationen, die du intern als vertraulich behandelst: deine Agenturpreise, Case-Study-Details mit Kundennamen, interne Positionierungsstrategien, spezifische Kreativkonzepte. Die Frage ist weniger, ob du DSGVO-sensible Kundendaten eingibst (meistens nicht, da Pitch-Inhalte auf öffentlichen Informationen basieren), sondern ob du bereit bist, Geschäftsgeheimnisse in US-amerikanische KI-Dienste zu speisen.

Für die meisten Agenturen gilt: Public-facing Informationen über den Pitch-Kunden (Website, Pressemitteilungen) können unbedenklich eingegeben werden. Interne Preiskalkulationen, proprietäre Strategiemethoden oder nicht-öffentliche Kundendaten gehören nicht in externe KI-Dienste ohne entsprechende vertragliche Absicherung.

ChatGPT und Claude stellen AVVs bereit, die du aktiv anfordern und unterzeichnen musst. Beide speichern Eingaben in der Standardkonfiguration für Trainings-Zwecke — das lässt sich in den Teams-Versionen deaktivieren. Für besonders vertrauliche Pitch-Inhalte empfiehlt sich die Teams-Version beider Anbieter, wo Training-Opt-Out standardmäßig aktiviert ist.

Was es kostet — realistisch gerechnet

Einrichtungskosten: Sehr gering. Der Aufwand liegt in der Entwicklung eines guten Pitch-Prompts, der Tone of Voice, Agentur-DNA und typische Pitch-Struktur kapselt. Das ist zwei bis vier Stunden Arbeit, die du einmalig investierst und dann über alle Pitches amortisierst.

Laufende Kosten:

  • Claude Teams: ~25 Euro/Nutzer/Monat
  • ChatGPT Plus: ~20 Euro/Nutzer/Monat
  • Perplexity Pro: ~20 Euro/Monat (oft ein Account für das Team reicht)
  • Gamma Pro: ~10 Euro/Monat (optional)

Konservatives ROI-Szenario: Eine Agentur mit 12 Pitches pro Jahr spart durch KI-Unterstützung je Pitch 25 Stunden. Bei einem internen Stundensatz von 85 Euro (Vollkosten) sind das 2.125 Euro je Pitch oder 25.500 Euro pro Jahr. Gegen Tool-Kosten von ca. 600–800 Euro pro Jahr ist das ein ROI von mehr als 3.000 Prozent. Auch wenn man die Einsparung auf 40 Prozent der Theorie reduziert: Die Rechnung bleibt eindeutig.

Was du wirklich gewinnen kannst: In der Zeit, die durch KI-Unterstützung frei wird, kann ein Stratege zwei statt einer Pitch-Strategie ausarbeiten — mehr echte Kreation, mehr echte Differenzierung, womöglich bessere Erfolgsquoten.

Vier typische Einstiegsfehler

Fehler 1: Den KI-Entwurf als fertigen Pitch verwenden. Das ist der gefährlichste Fehler. KI-generierte Pitch-Texte klingen oft glatt und professionell — und genau deshalb fehlt ihnen die kreative Handschrift, die einen Pitch gewinnbar macht. Ein KI-Pitch ohne echte Überarbeitung ist erkennbar. Behandle KI-Output als Rohstoff, nicht als Produkt.

Fehler 2: Keinen firmenspezifischen Prompt entwickeln. Ein generischer Pitch-Prompt produziert generische Pitch-Texte. Der Prompt muss deine Agenturphilosophie, deine Sprache, deine Positionierung und typische Pitch-Struktur kennen. Ohne diese Kalibrierung ist der Output schwächer als mit 30 Minuten Arbeit daran.

Fehler 3: Die Recherche zu wörtlich nehmen. KI-Zusammenfassungen über Unternehmen sind gut — aber sie basieren auf öffentlichen Informationen. Interne Dynamiken, persönliche Präferenzen der Pitch-Entscheider, aktuelle interne Themen: Das weiß die KI nicht. Ergänze KI-Recherche immer mit einem echten Gespräch, wenn möglich.

Fehler 4 (Maintenance): Den Pitch-Prompt nicht weiterentwickeln. Nach jedem gewonnenen und verlorenen Pitch weißt du mehr darüber, was funktioniert. Dieser Lernprozess muss in den Prompt fließen — sonst optimierst du nur auf Effizienz, nicht auf Qualität. Quartalsweise: Prompt überarbeiten auf Basis der letzten Pitch-Ergebnisse.

Was mit der Einführung wirklich passiert

Es gibt in Agenturen meist zwei Fraktionen in der Reaktion auf Pitch-KI:

Fraktion 1: Die Skeptiker — oft die erfahrenen Kreativen. “KI kann keine Strategie denken. KI versteht den Kunden nicht. Das wird generisch.” Sie haben nicht komplett Unrecht. KI macht generische Pitches, wenn man sie lässt. Was sie übersehen: KI nimmt die generischen Teile ab, die sowieso niemand mag — die Unternehmensrecherche, die erste Gliederung, den Grundtext der Agenturvorstellung. Das, was wirklich zählt — die Idee, das Argument, die Differenzierung — bleibt bei den Menschen.

Fraktion 2: Die Enthusiasten — oft Projektleitende und Juniors. Sie übertragen zu viel an die KI, überarbeiten zu wenig und wundern sich, wenn der Pitch flach klingt. Das Problem ist nicht die KI, sondern das fehlende Review durch erfahrene Köpfe.

Die erfolgreiche Einführung braucht beides: Die Erfahrenen, die den KI-Output qualitäts-reviewen. Die Juniors, die den Workflow produktiv umsetzen. Und klare Regeln, was KI macht und was nicht.

Was nicht passiert: Dass ein Pitch-KI-Workflow die Erfolgsquote von alleine steigert. Dafür braucht es weiter starke Strateginnen und Strategen, ein echtes Kreativkonzept und gute Pitch-Führung im Termin.

Realistischer Zeitplan mit Risikohinweisen

PhaseDauerWas passiertTypisches Risiko
Prompt-Entwicklung1–2 TageAgentur-DNA und Pitch-Struktur im Prompt verankern, an einem echten Briefing testenZu generisch — spezifische Positionierung fehlt
Pilot-PitchWoche 2–3Ersten echten Pitch mit KI-Unterstützung durchführenKI-Ergebnis wird zu wenig überarbeitet — Pitch klingt glatt statt überzeugend
Prozess-VerankerungMonat 2KI-Pitch-Workflow als Agentur-Standard dokumentierenKein klarer Verantwortlicher — Methode wird nicht konsequent genutzt
IterationMonat 3–6Prompt auf Basis von Pitch-Ergebnissen verbessernOptimierung wird vergessen — Prompt bleibt auf Stand von Monat 1

Häufige Einwände — und was dahintersteckt

“KI macht alle Pitches gleich — wenn alle dieselbe Methode nutzen, gibt es keinen Vorteil mehr.” Stimmt zur Hälfte. Wenn alle Agenturen generische KI-Prompts nutzen, werden sich Pitches ähnlicher. Aber das ist kein Argument gegen KI — es ist ein Argument dafür, den Prompt besser zu machen als die Konkurrenz. Die Differenzierung entsteht durch bessere Positionierung, stärkere Kreation und cleverere Argumentation — nicht dadurch, wer mehr Zeit mit Formatieren verbracht hat.

“Unsere Kunden merken, wenn ein Pitch mit KI gemacht wurde.” Kaum messbar. Was Kunden merken, ist schlechte Qualität — ob durch schlechte KI oder schlechtes Schreiben. Ein gut überarbeiteter KI-Pitch ist nicht erkennbar als KI-Pitch. Die Frage ist nicht, ob KI eingesetzt wurde, sondern ob das Ergebnis überzeugend ist.

“Wir pitchen so wenig, dass sich das nicht lohnt.” Dann stimmt die Prämisse nicht. Diese Optimierung zahlt sich ab fünf bis sechs Pitches pro Jahr aus — weniger als das, und du solltest andere Hebel prioritisieren.

Woran du merkst, dass das zu dir passt

Das passt gut:

  • Deine Agentur pitcht mindestens vier bis fünf Mal pro Jahr für Neukunden-Etats
  • Pitch-Vorbereitung kostet euch regelmäßig mehr als 30 Stunden pro Pitch
  • Du reagierst auf kurzfristige Pitch-Einladungen oft mit “das schaffen wir zeitlich nicht”
  • Du hast eine klare Agenturpositionierung — ohne diese kann die KI keinen Ton of Voice kalibrieren

Das passt noch nicht:

  • Deine Agentur wächst ausschließlich über Empfehlungen — dann ist Pitch-Optimierung kein Hebel
  • Ihr habt weniger als drei bis vier Pitches pro Jahr — der Setup-Aufwand rechnet sich kaum
  • Eure Pitch-Qualität leidet nicht an Textarbeit, sondern an strategischer Schwäche oder schwacher Kreation — dann löst KI nicht das eigentliche Problem
  • Ihr habt keine klare Agenturpositionierung — bevor KI sinnvoll pitchen kann, muss das stehen

Das kannst du heute noch tun

Leg einen neuen Chat in Claude oder ChatGPT an und verwende diesen Pitch-Starter-Prompt für dein nächstes Briefing:

Pitch-Starter-Prompt für Agenturen
Du bist Pitch-Stratege für Kommunikations- und Designagenturen. Deine Aufgabe: Einen strukturierten Pitch-Entwurf für eine neue Kundenanfrage entwickeln. AGENTUR-KONTEXT (einmalig ausfüllen, dann für alle Pitches wiederverwenden): - Agenturname und Positionierung: [z. B. "Klar und direkt GmbH — B2B-Kommunikation mit Fokus auf Technologie und Nachhaltigkeit"] - Kernkompetenzen: [z. B. "Strategische Markenentwicklung, Kampagnen-Konzeption, Digital-Kommunikation"] - Typische Kunden: [z. B. "Mittelständische B2B-Unternehmen, 100–1.000 MA, D-A-CH-Markt"] - Tonalität der Agentur: [z. B. "Direkt, präzise, ohne Floskeln — wir erklären Komplexes verständlich"] PITCH-BRIEFING: [Hier das Pitch-Briefing oder die Anfrage des Kunden einfügen] Bitte liefere: 1. KUNDEN-ZUSAMMENFASSUNG (½ Seite) Komprimierter Steckbrief: Branche, Marktposition, erkennbare Kommunikations-Herausforderungen, aktuelle Themen 2. STRATEGISCHE PITCH-FRAGEN (5–7 Fragen) Was müssen wir noch wissen, um einen überzeugenden Pitch zu entwickeln? 3. STORYLINE-OPTIONEN (3 Varianten, je 3–4 Sätze) Drei unterschiedliche narrative Klammern für den Pitch — von klassisch bis provokant 4. ERSTE KAPITEL-STRUKTUR Vorschlag für die Pitch-Gliederung mit Begründung, warum diese Reihenfolge überzeugt 5. WARUM WIR? — ERSTER ENTWURF (½ Seite) Formulierung, warum diese Agentur besser als die üblichen Verdächtigen zu diesem Kunden passt — spezifisch, nicht generisch
Funktioniert mit Claude, ChatGPT
Beispiel-Ausgabe

Mitarbeiter:in

Pitch-Briefing: B2B-Software-Unternehmen, 280 MA, spezialisiert auf Qualitätsmanagementsoftware für die Automobilindustrie. Suchen neue Kommunikationsagentur für Rebranding und Marktdurchdringung im europäischen Markt. Budget: ~350.000 €/Jahr. Bisherige Agentur hatte keinen Industrie-Fokus. Pitch-Termin: in 5 Tagen.

KI-Assistent

KUNDEN-ZUSAMMENFASSUNG: Der Kunde ist ein spezialisierter B2B-Software-Anbieter im Qualitätsmanagement — einem Nischenmarkt mit hoher Compliance-Sensibilität und langen Kaufentscheidungszyklen. Die Ablösung der bisherigen Agentur wegen fehlendem Industrie-Fokus ist ein klares Signal: Der Kunde will nicht mehr generische B2B-Kommunikation, sondern jemanden, der die Automobilwelt und ihre Sprache versteht. Die europäische Marktexpansion deutet auf einen Wachstumsschub hin — vermutlich getrieben durch neue Regularien (z. B. IATF 16949-Anforderungen) oder OEM-Partnerschaftsausbau. STRATEGISCHE PITCH-FRAGEN: 1. [KRITISCH] Welche europäischen Märkte stehen im Fokus der Expansion — und unterscheiden sich die Botschaften je Markt? 2. [KRITISCH] Was soll das Rebranding inhaltlich transportieren — neue Positionierung oder visuelles Update? 3. [WICHTIG] Wie lang ist typischerweise der Kaufentscheidungszyklus bei Zielkunden? STORYLINE-OPTIONEN: Option A (Kompetenz-Story): "Qualitätsmanagement ist eine Sprache — und wir sprechen sie." Pitch-Klammer: Wir kennen die Automobilindustrie so gut, dass wir keine Lernkurve brauchen. Option B (Transformations-Story): "Vom Insider zum Marktführer." Der Rebranding-Moment als strategische Wende — weg vom bekannten Nischenanbieter, hin zur europäischen Referenz. Option C (Provokations-Story): "Qualitätssoftware darf nicht wie Qualitätssoftware aussehen." Branchenkompatibilität ohne Langeweile — der Mut, anders zu sein als alle QM-Anbieter. WARUM WIR? — ERSTER ENTWURF: Wir bringen das, was die bisherige Agentur nicht hatte: echtes Verständnis für B2B-Kaufentscheidungen in regulierten Industrien. Unsere Arbeit für [ähnliche Kunden einsetzen] zeigt, dass wir Komplexes klar machen können — ohne zu vereinfachen. Wir wissen, dass der eigentliche Kaufentscheidungsträger im Automobilsektor selten der Marketingleiter ist, und entwickeln Kommunikation, die auf mehreren Ebenen gleichzeitig wirkt.

Quellen & Methodik

  • GWA Frühjahrsmonitor 2025 — Erhebung zu Wachstumstreibern und Pitch-Aufwand in deutschen Kommunikationsagenturen. gwa.de
  • GWA KI-Whitepaper 2025: “Neue Spielregeln” — Analyse von KI-Adoption in deutschen Kommunikationsagenturen mit Prozesspotenzialen für New Business. gwa.de/ki-paper
  • Dokumentiertes Fallbeispiel: PR-Agentur Pitch-Prozess — Berichtete Zeitersparnis von 66 Stunden auf unter 2 Minuten für den Pitch-Ideation-Prozess bei einem US-amerikanischen PR-Team (bei 182 USD Blended Rate, entsprechend ca. 12.000 USD Teamkosten). Quelle: Christopher S. Penn, Marketing AI Keynote Speaker, August 2024.
  • Eigene Erfahrungswerte — Erfahrungsberichte aus Gesprächen mit Agentur-Geschäftsführenden und New-Business-Verantwortlichen in Agenturen mit 8–50 Mitarbeitenden in Deutschland.

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