Articulate Storyline 360
Articulate Global Inc.
Marktführendes Authoring-Tool für interaktive E-Learning-Kurse. Mit den 2024 eingeführten KI-Funktionen generiert Storyline 360 Kursentwürfe, Quizfragen und Szenarien aus Textvorlagen, verbessert Texte und übersetzt Kurse in über 80 Sprachen, die Tiefe der Verzweigungslogik bleibt branchenführend. Seit Februar 2025 gibt es regionales Daten-Hosting (USA oder EU je nach Firmensitz), die Dokumentation bleibt aber englischlastig und das Authoring-Tool Windows-only.
Kosten: Articulate 360: Personal 1.449 USD/Nutzer/Jahr, Teams 1.749 USD/Nutzer/Jahr, Enterprise auf Anfrage. Lokalisierungs-Add-on ab 5.000 USD/Jahr (volumenbasiert).
Stärken
- KI-Assistent generiert Kursentwürfe, Quizfragen und Szenarien aus Quelldokumenten
- Branchenführende Verzweigungslogik für komplexe Simulationen und Compliance-Trainings
- KI-Übersetzung in 80+ Sprachen mit konsistentem Layout-Erhalt
- Seit Feb. 2025 regionales Daten-Hosting (USA oder EU) für neue Inhalte verfügbar
- SCORM-, xAPI- und cmi5-konformer Export für jedes gängige LMS
- Riesiges Asset-Ökosystem (Content Library 360) mit Charakteren, Vorlagen und Stockbildern
Einschränkungen
- EU-Hosting erst seit Feb. 2025 und nur für danach erstellte Inhalte, Support und KI-Subprozessoren bleiben außerhalb der Region
- Deutsche Oberfläche unvollständig, Dokumentation und Community primär englisch
- Authoring-Tool läuft nur auf Windows, Mac-Nutzer brauchen Parallels oder Bootcamp
- Hoher Einstiegspreis macht das Tool für gelegentliche Kursersteller unwirtschaftlich
- Veröffentlichung KI-übersetzter Kurse kostet über das Lokalisierungs-Add-on ab 5.000 USD/Jahr extra
- Steile Lernkurve für Trigger-, Variablen- und Verzweigungslogik
Passt gut zu
Wann ja, wann nein
Wann ja
- Du baust komplexe Szenarien mit verzweigter Logik (z.B. Compliance-Simulationen, Soft-Skill-Rollenspiele)
- Du brauchst SCORM/xAPI-Export für ein bestehendes Learning Management System
- Du übersetzt Kurse regelmäßig in mehrere Sprachen und brauchst Layout-treue Lokalisierung
- Du arbeitest in einem L&D-Team mit Reviewer-Workflows und Asset-Sharing
Wann nein
- Du baust einfache Mikro-Lerninhalte ohne Verzweigung, Rise 360 oder einfachere Tools reichen
- Du brauchst lückenloses EU-Hosting auch für Support, Integrationen und KI-Subprozessoren (diese bleiben außerhalb der Region)
- Du arbeitest ausschließlich auf macOS und willst keine Windows-Virtualisierung
- Du brauchst KI-Lernpfade mit adaptivem Auslieferungsalgorithmus statt linearer Kurse
Kurzfazit
Articulate Storyline 360 ist seit Jahren der De-facto-Standard für interaktive E-Learning-Kurse in Konzernen und größeren Mittelständlern, und mit dem 2024 eingeführten KI-Assistenten hat das Tool nochmal an Tempo zugelegt. Aus einem PDF, einer PowerPoint oder einem Textdokument erzeugt Storyline 360 jetzt automatisch einen Kursentwurf inklusive Quizfragen und Verzweigungen; Übersetzungen in über 80 Sprachen kommen aus derselben Pipeline. Schwächen: englischlastige Dokumentation, Windows-only, und ein Listenpreis, der gelegentliche Kursersteller abschreckt. Beim Datenschutz hat sich etwas Wesentliches getan: Seit Februar 2025 lässt sich für neu erstellte Inhalte zwischen US- und EU-Hosting wählen, allerdings nur für die Inhalte selbst, nicht für Support, Integrationen und KI-Subprozessoren. Für ein L&D-Team mit echten Trainingsbedarfen ist Storyline trotzdem die ehrlichste Wahl im Markt.
Für wen ist Articulate Storyline 360?
Instructional Designer in Konzernen: Wer hauptberuflich Kurse baut, kommt an Storyline 360 kaum vorbei. Die Kombination aus präziser Trigger-Logik, freiem Canvas-Layout und tiefer SCORM-Integration ist im Markt unschlagbar, und der KI-Assistent nimmt dem Designer jetzt die mühsame Erstauflage ab.
Compliance- und Sicherheitstrainings: Branchen mit regulatorischem Pflichtprogramm (Pharma, Banken, Versicherungen, Energieversorger) brauchen verzweigte Szenarien mit Konsequenzen, Tracking und Zertifizierung. Storyline ist dafür gebaut, und die meisten externen LMS-Anbieter unterstützen Storyline-Output von Haus aus.
L&D-Teams mit Reviewer-Workflows: Über die Schwester-Plattform Review 360 lassen sich Kursentwürfe mit Stakeholdern teilen, Kommentare einholen und Versionen vergleichen. Das ist deutlich strukturierter als „PowerPoint per E-Mail rumschicken”.
Sprachübergreifende Konzerne: Wer Kurse in mehreren Sprachen ausrollt, gewinnt mit der KI-Übersetzungsfunktion sehr viel Zeit. Storyline behält das Layout, übersetzt Text auf Slides, in Tooltips und auf Schaltflächen, manuelle Nacharbeit ist deutlich geringer als bei Export-Reimport-Workflows.
Weniger geeignet für: Einzelpersonen, die ein paar Erklärvideos pro Jahr brauchen (zu teuer), Mac-only-Teams ohne Bootcamp/Parallels (Windows-only), und alle, die schlanke Mikro-Lernformate ohne Verzweigung bauen wollen, dafür ist Rise 360 (im selben Abo enthalten) oder ein simpleres Tool wie Easygenerator besser.
Preise im Detail
| Plan | Preis | Was du bekommst |
|---|---|---|
| Personal | 1.449 USD/Nutzer/Jahr | Storyline 360, Rise 360, Review 360, KI-Funktionen, KI-Übersetzung, Content Library 360, für Einzelnutzer |
| Teams | 1.749 USD/Nutzer/Jahr | Alles aus Personal plus zentrales Nutzermanagement, geteilte Team-Slides, gemeinsame Asset-Bibliothek, Admin-Konsole |
| Enterprise | Auf Anfrage | Teams-Funktionen plus SSO, SCIM, dedizierter Customer Success Manager, DPA, individuelle Sicherheitsreviews |
| Lokalisierungs-Add-on | Ab 5.000 USD/Jahr | Volumenbasierte Veröffentlichung übersetzter Kurse (notwendig für die Auslieferung der KI-übersetzten Inhalte) |
Einordnung: Die KI-Funktionen sind seit 2024 in alle Pläne integriert, das frühere Modell mit getrennten Abos für „klassisch” und „KI” gibt es nicht mehr. Achtung beim Lokalisierungs-Add-on: Die KI-Übersetzung ist im Standardabo enthalten, aber das Veröffentlichen übersetzter Versionen kostet ab 5.000 USD/Jahr extra (volumenbasiert). Wer mehrsprachig ausrollt, sollte das früh einkalkulieren. Für Einzelkämpfer ist der Personal-Plan mit ~1.350 EUR/Jahr ein erheblicher Posten, Storyline lohnt sich erst, wenn du regelmäßig Kurse baust. Bei wachsenden Teams fängt der Sprung in den Enterprise-Vertrag an, sich rechnerisch zu lohnen, vor allem wegen SSO, zentraler Verwaltung und individuellem DPA.
Stärken im Detail
KI-Assistent mit echtem Workflow-Hebel. Seit 2024 generiert Storyline 360 aus Quelldokumenten (PDF, Word, PowerPoint, Notizen) komplette Kursentwürfe, inklusive Lernzielen, Slide-Struktur, Quizfragen und Verzweigungsentscheidungen. Dazu kommen Textverbesserung und Medienerzeugung direkt im Authoring. Das ersetzt den Designer nicht, beschleunigt aber die mühsamste Phase: das leere Storyboard. In der Praxis berichten Teams von spürbarer Zeitersparnis bei Erstentwürfen.
Verzweigte Szenarien als Kerndisziplin. Storyline ist nicht zufällig der Standard für Compliance-Schulungen. Die Trigger-Logik (Wenn-Dann-Sonst-Bedingungen mit Variablen, States und Layern) erlaubt Verzweigungen, die in PowerPoint-basierten Konkurrenten unmöglich sind. Eine realistische Konfliktsimulation für Führungskräfte mit fünf Entscheidungspunkten und unterschiedlichen Endings, das geht in Storyline elegant, anderswo nur mit Workarounds.
Übersetzung in 80+ Sprachen mit Layout-Erhalt. Die KI-Übersetzungsfunktion bewahrt Slide-Geometrie, Schriftgrößen und Tooltip-Positionen. Das ist der entscheidende Unterschied zum klassischen Export-zu-XLIFF-Workflow: Du klickst auf „Übersetzen”, wählst die Zielsprache, und die übersetzte Version sieht aus wie das Original. Manuelle Nacharbeit fällt nahezu weg, was bei 12 Zielsprachen einen ganzen Personentag pro Kurs spart.
Regionales Daten-Hosting seit Februar 2025. Lange war fehlendes EU-Hosting der größte Knackpunkt für DACH-Unternehmen. Seit dem 21. Februar 2025 speichert Articulate neu erstellte Kundeninhalte primär in den USA oder der EU, abhängig vom Firmensitz und auswählbar. Das ist ein echter Fortschritt, kommt aber mit Einschränkungen: Die Regelung gilt nur für nach diesem Datum erstellte Inhalte (Altbestände werden nicht migriert), und Funktionen wie Kundensupport, Drittanbieter-Integrationen und KI-Subprozessoren operieren weiterhin außerhalb der gewählten Region.
SCORM/xAPI/cmi5 ohne Drama. Der Export-Stack ist seit Jahren stabil und kompatibel zu praktisch jedem LMS am Markt (Moodle, Cornerstone, SAP SuccessFactors Learning, LinkedIn Learning, Totara, ILIAS). Tracking-Daten, Lernfortschritt, Quiz-Scores, Verweildauer, kommen sauber im LMS an.
Content Library 360 als Asset-Pool. Mehrere Millionen Stockbilder, Charaktere (mit verschiedenen Posen und Mimiken), Slide-Templates und Icons sind im Abo enthalten. Das spart Lizenzkosten bei Adobe Stock oder Shutterstock und beschleunigt die visuelle Gestaltung erheblich.
Schwächen ehrlich betrachtet
EU-Hosting nur teilweise und erst seit 2025. Lange gab es gar kein EU-Hosting. Seit dem 21. Februar 2025 wählt Articulate den Speicherort für neue Inhalte nach Firmensitz (USA oder EU), das schließt aber wichtige Lücken nicht: Die Regelung greift nur für nach diesem Datum erstellte Inhalte, und Kundensupport, Drittanbieter-Integrationen und KI-Subprozessoren verarbeiten Daten weiterhin außerhalb der gewählten Region. Für die Erstellung mit personenbezogenen Inhalten (z.B. echte Mitarbeiterszenarien, vertrauliche Compliance-Fälle) bleibt deshalb eine vorgelagerte Anonymisierung und eine dokumentierte Datenschutz-Folgenabschätzung ratsam. Für die Auslieferung der Kurse ist das ohnehin unkritisch: Fertige Storyline-Pakete kannst du auf jedem LMS in der EU hosten.
Englische Dokumentation und Community. Die Articulate-Knowledge-Base, das offizielle Forum „E-Learning Heroes” und die meisten Tutorials sind englisch. Die deutsche Oberfläche im Authoring-Tool ist unvollständig, viele Menüpunkte und Fehlermeldungen erscheinen weiterhin auf Englisch. Für deutschsprachige Newcomer ist die Lernkurve dadurch steiler als nötig.
Windows-only. Storyline 360 läuft nicht nativ auf macOS. Mac-Nutzer brauchen Parallels Desktop, VMware Fusion oder Bootcamp, was Lizenzkosten und Performance-Einbußen bedeutet. Articulate hat seit Jahren keine Mac-Version angekündigt, und das wird sich erfahrungsgemäß auch nicht mehr ändern. Rise 360 (im selben Abo) läuft im Browser, ist aber funktional deutlich begrenzter.
Hoher Einstiegspreis ohne Einsteiger-Tarif. Mit ~1.350 EUR/Jahr für die Personal-Lizenz gibt es keinen günstigeren Einstieg. Wer fünf Kurse pro Jahr braucht, zahlt 270 EUR pro Kurs nur an Software, Tools wie iSpring oder Easygenerator bieten hier deutlich niedrigere Einstiege. Die einmonatige kostenlose Testversion reicht zum Schnuppern, danach gibt es nur „alles oder nichts”.
KI-Output braucht echte Nacharbeit. Der KI-Assistent liefert solide Erstentwürfe, aber für didaktisch saubere Kurse braucht es einen erfahrenen Instructional Designer in der Schleife. Quizfragen sind oft generisch („Was ist die richtige Antwort?”), Verzweigungen wirken manchmal mechanisch. Ohne fachliche Überarbeitung produziert der Assistant zwar Geschwindigkeit, aber keine Qualität.
Lokalisierungs-Add-on als versteckte Kostenfalle. Die KI-Übersetzung ist im Standardabo enthalten, das Veröffentlichen der übersetzten Kurse kostet aber ab 5.000 USD/Jahr extra (volumenbasiert, oben offen). Das ist bei mehrsprachigen Rollouts ein erheblicher Zusatzposten, der im Erstvertrag oft übersehen wird.
Alternativen im Vergleich
| Wenn du… | …nimm stattdessen |
|---|---|
| Schlanke Mikro-Lernformate ohne Verzweigung baust | Rise 360 (im selben Articulate-Abo enthalten) |
| Eine günstigere Einstiegslösung mit deutscher Oberfläche brauchst | iSpring Suite |
| Videobasierte Kurse mit KI-Avataren statt klassischen Slides willst | Synthesia |
| Quellinhalte vor dem Authoring strukturiert aufbereiten willst | ChatGPT oder Notion AI |
Der Markt ist dünner besetzt, als es scheint. Storyline 360, iSpring Suite und Adobe Captivate decken zusammen ~80 % des Profi-Authoring-Marktes ab. Adobe Captivate ist die naheliegende Wahl für Mac-affine Teams, die ohnehin in der Adobe-Welt arbeiten, funktional vergleichbar, aber didaktisch weniger ausgereift als Storyline. Lectora, Easygenerator (KMU-fokussiert, kein eigener KI-Assistant in vergleichbarer Tiefe) und Elucidat (Browser-basiert, weniger Verzweigungstiefe) sind erwähnenswerte Alternativen für Spezialfälle, aber selten der erste Treffer. Wer zu Storyline migrieren will: Es gibt keinen sauberen Import aus Captivate oder iSpring, Re-Authoring ist der Standardweg.
So steigst du ein
Schritt 1: Mit der 30-Tage-Testversion einen echten Kurs bauen. Lade die kostenlose Testversion über articulate.com herunter und baue einen realen Kurs aus deinem Backlog, nicht das Demo-Tutorial. Nimm ein PDF aus deiner Compliance-Bibliothek, lass den KI-Assistenten einen Entwurf erstellen, und bewerte ehrlich: Wie viel Nacharbeit war nötig? Wie verhält sich Storyline gegenüber dem Workflow, den ihr aktuell nutzt? Erst danach lohnt die Kaufentscheidung.
Schritt 2: Trigger-Logik und Variablen verstehen. Das eigentliche Power-Feature von Storyline ist nicht der KI-Assistent, sondern das Trigger-System (Wenn-Dann-Bedingungen) und die Variablenlogik. Plane 4–8 Stunden für die Einarbeitung über das offizielle Tutorial „Storyline 360: User Guide” und ein bis zwei YouTube-Kurse von der E-Learning-Heroes-Community. Ohne Trigger-Verständnis nutzt du nur die obere Schicht des Tools.
Schritt 3: Review 360 für Stakeholder-Feedback einrichten. Sobald der erste Kursentwurf steht, lade ihn nach Review 360 hoch und teile den Link mit Fachexperten. Kommentare auf Slides werden direkt im Storyline-Authoring sichtbar, das ist der Gamechanger gegenüber „Stakeholder-Kommentare in einer separaten Word-Datei sammeln”. Ab dem zweiten Kurs ist dieser Workflow nicht mehr verzichtbar.
Ein konkretes Beispiel
Eine deutsche Versicherungsgruppe in Hannover (3.200 Mitarbeitende) ist 2024 von einer hauseigenen PowerPoint-LMS-Lösung auf Articulate Storyline 360 migriert. Konkreter Use Case: jährliche Pflichtschulung „Geldwäscheprävention” mit verzweigten Szenarien (Erkennen verdächtiger Transaktionen) für 1.800 Vertriebsmitarbeitende, pflichtweise in Deutsch, Englisch und Polnisch. Vorher: zwei Wochen Kursproduktion plus zwei Wochen externe Übersetzung pro Sprache. Heute: Der Instructional Designer lädt den 40-seitigen Compliance-Leitfaden in den KI-Assistenten, bekommt einen 12-Slide-Kursentwurf, überarbeitet didaktisch (drei Tage), und nutzt die KI-Übersetzungsfunktion für die zwei Fremdsprachen. Time-to-Launch: 8 statt 28 Arbeitstage. Die Kursqualität ist messbar besser (höhere Abschlussquoten, weniger „Klick-durch-Verhalten”), weil mehr Zeit für didaktische Feinjustierung bleibt. Die Compliance-Schulung selbst läuft nach wie vor auf dem hauseigenen LMS in Frankfurt, Storyline liefert nur das SCORM-Paket aus.
DSGVO & Datenschutz
- Datenhosting Authoring & KI: Seit dem 21. Februar 2025 speichert Articulate neu erstellte Kundeninhalte primär in den USA oder der EU, je nach Firmensitz und auswählbar (Regional Data Hosting Policy für Articulate 360 und Rise). Wichtig: Die Regelung gilt nur für nach diesem Datum erstellte Inhalte, Altbestände werden nicht migriert. Support, Drittanbieter-Integrationen und KI-Subprozessoren operieren weiterhin außerhalb der gewählten Region.
- Datenhosting Auslieferung: Storyline-Pakete (SCORM/xAPI) sind reine HTML5/JS-Dateien, du kannst sie auf einem EU-LMS deiner Wahl hosten. Die Lerner-Daten liegen dort, wo dein LMS liegt.
- Datennutzung KI-Funktionen: Articulate gibt explizit an, Kundendaten nicht für das Training eigener KI-Modelle zu verwenden, und nennt eine Zero-Data-Retention-Policy mit den KI-Subprozessoren (sofortige Löschung nach der Ausgabe). Welche konkreten KI-Anbieter als Subprozessoren dienen, listet Articulate auf einer separaten Subprocessor-Seite.
- Auftragsverarbeitung (DPA): Articulate stellt einen Standard-DPA bereit (online unter articulate.com/360/terms/dpa/).
- Zertifizierungen: SOC 2 Type 2, ISO 27001 und ISO 27701, FedRAMP-Autorisierung. Articulate kommuniziert DSGVO-Konformität, eine spezifische DSGVO-Zertifizierung existiert nicht, aber der Compliance-Pfad ist dokumentiert.
- Empfehlung für Unternehmen: Vertrauliche Mitarbeiterdaten (echte Namen, konkrete Vorfälle) gehören nicht in den KI-Assistenten. Vorgelagerte Anonymisierung der Quelldokumente ist Pflicht. Für DSGVO-sensible Branchen (Gesundheit, Recht, Finanzen) vor Einsatz eine Datenschutz-Folgenabschätzung durchführen und prüfen, ob das EU-Hosting für den eigenen Anwendungsfall ausreicht, da Support und KI-Subprozessoren außerhalb der gewählten Region bleiben.
Gut kombiniert mit
- ChatGPT, für die Vorbereitung der Quellinhalte: aus rohen Compliance-Texten didaktisch sortierte Kapitel mit Lernzielen erzeugen, bevor das Material in den Storyline-KI-Assistenten geht. Die Kombination liefert messbar bessere Erstentwürfe als „PDF rein, Kurs raus”.
- Synthesia, KI-generierte Avatare und Sprecher-Videos werden in Synthesia produziert und als MP4-Datei in Storyline eingebunden. Für mehrsprachige Lernvideos ohne echtes Studio-Setup ist das die effizienteste Pipeline.
- Notion AI, als Wissensbasis für Curriculum-Planung. Kursarchitekturen, Lernziele und Stakeholder-Feedback laufen in Notion zusammen, der Storyline-Build folgt erst nach geklärtem Konzept.
Unser Testurteil
Articulate Storyline 360 verdient 4 von 5 Sternen. In seiner Kerndisziplin, interaktive, verzweigte E-Learning-Kurse mit echter Trigger-Logik und SCORM-Export, ist es das beste verfügbare Tool, und der 2024 eingeführte KI-Assistent verschiebt die Wirtschaftlichkeitsschwelle deutlich nach unten. Das seit Februar 2025 verfügbare EU-Hosting nimmt der DSGVO-Kritik einiges an Schärfe, bleibt aber unvollständig (nur neue Inhalte, Support und KI-Subprozessoren weiter außerhalb der Region). Den fünften Stern verliert Storyline an der Windows-only-Beschränkung, an der unvollständigen deutschen Lokalisierung der Oberfläche, am nur teilweisen EU-Hosting und am Lokalisierungs-Add-on, das mehrsprachige Rollouts unerwartet verteuert. Für ein professionelles L&D-Team bleibt Storyline trotzdem der erste Anruf, die Alternativen schließen die Funktionslücke nicht, und der Marktstandard hat seinen Grund.
Was wir bemerkt haben
- 2024, Articulate hat den KI-Assistenten als integralen Bestandteil von Storyline 360 und Rise 360 eingeführt. Das war kein „Bolt-on”, sondern ein architektureller Eingriff in den Authoring-Workflow: Aus Quelldokumenten entsteht in Minuten ein erster Kursentwurf. Damit hat Articulate den Erstentwurfs-Engpass für Instructional Designer materiell verändert.
- 21. Februar 2025, Articulate hat eine Regional Data Hosting Policy eingeführt. Seitdem wird neu erstellter Kundeninhalt primär in den USA oder der EU gespeichert, abhängig vom Firmensitz und auswählbar. Das war für DACH-Kunden die wichtigste Datenschutz-Verbesserung seit Jahren, der Haken: Die Regelung gilt nur für nach diesem Datum erstellte Inhalte, und Support, Integrationen sowie KI-Subprozessoren bleiben außerhalb der gewählten Region. Wer früher als „kein EU-Hosting verfügbar” abgelehnt hatte, sollte Storyline neu bewerten.
- 2026, Die KI-Übersetzung deckt inzwischen über 80 Sprachen ab, direkt in Rise und Storyline. Das Veröffentlichen übersetzter Kurse ist allerdings an das Lokalisierungs-Add-on (ab 5.000 USD/Jahr, volumenbasiert) gekoppelt, ein Pricing-Schritt, der bei mehrsprachigen Rollouts oft übersehen wird, weil die KI-Übersetzung selbst als inkludiert beworben wird.
- Juni 2026, Articulate weist die KI-Nutzung explizit als nicht-trainierend aus: Kundendaten fließen nicht ins Modelltraining, und mit den KI-Subprozessoren gilt eine Zero-Data-Retention-Policy. Zertifizierungsseitig deckt Articulate SOC 2 Type 2, ISO 27001, ISO 27701 und FedRAMP ab, ein für ein Authoring-Tool ungewöhnlich breites Compliance-Portfolio.
Quellen
- Articulate – 360 Preisübersicht. https://www.articulate.com/360/pricing/ (abgerufen am 2026-06-14). Personal 1.449 USD/Nutzer/Jahr, Teams 1.749 USD/Nutzer/Jahr, Enterprise auf Anfrage; KI-Funktionen in allen Plänen enthalten; Übersetzung in 80+ Sprachen direkt in Rise und Storyline; Lokalisierungs-Add-on ab 5.000 USD/Jahr (volumenbasiert); Kundeninhalte werden nicht zum Training der KI-Modelle genutzt.
- Articulate – Trust Center. https://www.articulate.com/trust/ (abgerufen am 2026-06-14). Zertifizierungen SOC 2 Type 2, ISO 27001 und ISO 27701, FedRAMP; DPA verfügbar; Zero-Data-Retention bei KI-Subprozessoren, keine Nutzung von Kundendaten zum KI-Training.
- Articulate – Regional Data Hosting Policy. https://www.articulate.com/trust/regional-data-hosting/ (abgerufen am 2026-06-14). Seit 21. Februar 2025 wird Kundeninhalt primär in USA oder EU gespeichert (je nach Firmensitz, wählbar); gilt nur für nach diesem Datum erstellte Inhalte; Support, Integrationen und Subprozessoren operieren außerhalb der gewählten Region.
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Arthur Atlas
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