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Körber MES Platform

Körber Pharma Software (vormals Werum IT Solutions)

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Die Körber MES Platform ist die Plattform-Sicht auf das pharmazeutische Software-Portfolio von Körber Pharma: Werum PAS-X MES als Kern, ergänzt um PAS-X Savvy (Datenanalyse), PAS-X K.AI (KI-Module), Production Scheduling, Line Optimizer und Track & Trace. Damit positioniert sich Körber nicht nur als eBR-Anbieter, sondern als Suite für die komplette digitale Pharmaproduktion, von der Chargenfreigabe über Auslastungsoptimierung bis zur Track-&-Trace-Compliance.

Kosten: Enterprise-Lizenzierung; keine öffentliche Preisliste, Vollinstallationen typischerweise 500.000 EUR aufwärts pro Standort, jährliche Wartung 18–22 % des Lizenzwerts. Cloud-Variante (PAS-X as a Service) als nutzungsabhängiges Modell verfügbar.

Kategorien

Stärken

  • Plattform-Strategie: PAS-X MES, Savvy-Analytik, K.AI, Scheduler und Track & Trace aus einer Hand statt zehn Punktlösungen integrieren
  • PAS-X K.AI als KI-Layer für Anomalieerkennung, Yield-Prognose und Batch-Review-Beschleunigung
  • Branchenmodelle für Solid Dosage, Sterile, Biotech, ATMP/Cell-and-Gene und API
  • Hauptsitz Hamburg, deutsche GxP- und Validierungsexpertise, kurze Wege zu BfArM- und EMA-Audits
  • Hosting wahlweise on-premise oder als PAS-X as a Service in deutschen/EU-Rechenzentren
  • PAS-X Community mit über 50 Pharma-Kunden, Branchenstandard im DACH-Raum

Einschränkungen

  • Keine öffentliche Preisliste, Implementierungsbudgets von 500k bis mehreren Mio. EUR pro Standort sind realistisch
  • Lange Implementierungs- und Validierungsphasen (12–24 Monate für eine Vollinstallation)
  • Overkill für Single-Site-Hersteller, die nur eBR brauchen, dann reicht eine schlankere Lösung
  • Hohe jährliche Wartungsgebühren (typisch 18–22 % des Lizenzwerts)
  • Tiefe Lock-in-Wirkung, die Suite-Logik macht einen Anbieterwechsel im Betrieb praktisch unmöglich
  • K.AI-Module sind noch jung, produktive Audit-Historie ist begrenzt, validierte Use-Cases entstehen erst

Passt gut zu

Mittlere bis große Pharmahersteller mit >50 Batches/Monat Greenfield-Werke mit mehreren Linien Fabrik-Modernisierung mit Produktionsoptimierung als Ziel Unternehmen, die Batch-Records, MES, Scheduling und ERP integrieren wollen Auftragshersteller (CDMO/CMO) mit Multi-Tenant-Anforderungen

Wann ja, wann nein

Wann ja

  • Du willst nicht nur eBR, sondern auch Production Scheduling, Analytik und KI-Module aus einer Hand
  • Du planst eine Greenfield-Site oder eine mehrjährige Modernisierung deiner Pharmaproduktion
  • Du brauchst einen Anbieter mit nachweisbarer GxP-Audit-Historie bei FDA, EMA, BfArM und PMDA
  • Du willst dauerhaft auf einen Pharma-Branchenstandard im DACH-Raum setzen

Wann nein

  • Du bist Lebensmittel-, Chemie- oder Allgemein-Industrie ohne GxP-Pflicht (Siemens Opcenter oder SAP DM sind hier passender)
  • Du brauchst nur eBR ohne Scheduling und Analytik, dann reicht eine schlankere PAS-X-Konfiguration oder Punktlösung
  • Du hast ein Single-Site-Setup mit Implementierungsbudget unter 500.000 EUR
  • Du suchst eine SaaS-Lösung, die in Wochen produktiv ist, Suite-Projekte dauern Quartale bis Jahre

Kurzfazit

Die Körber MES Platform ist nicht ein einzelnes Produkt, sondern die Plattform-Sicht auf das pharmazeutische Software-Portfolio von Körber Pharma: Werum PAS-X MES als Kern, dazu PAS-X Savvy (Analytik), PAS-X K.AI (KI-Layer), ein Production Scheduler, Line Optimizer und Track & Trace. Wer in der Pharmaindustrie nicht nur Chargen elektronisch dokumentieren, sondern Produktion planen, Abweichungen frühzeitig erkennen und Compliance über die gesamte Lieferkette absichern will, bekommt mit dieser Suite das wahrscheinlich vollständigste Angebot im DACH-Markt. Der Preis: Implementierungsprojekte von 12 bis 24 Monaten, Vollinstallationen ab 500.000 EUR pro Standort und ein Lock-in, der einen Wechsel praktisch unmöglich macht. Für eBR-only-Anwender ist das Overkill, für Greenfield-Werke und große CDMOs ist es die naheliegende Wahl.

Hinweis zur Abgrenzung: Diese Seite beschreibt die Suite-Perspektive auf Körbers Pharma-Software. Für die fokussierte Bewertung des PAS-X MES-Kerns siehe .

Für wen ist die Körber MES Platform?

Mittlere und große Pharmahersteller: Wer mehr als 50 Batches pro Monat produziert und mehrere GxP-relevante Funktionen (eBR, Scheduling, Materialfluss, Track & Trace) heute mit Insellösungen abdeckt, gewinnt mit einer Suite-Strategie spürbar an Konsistenz. Statt fünf Audit-Trail-Logs aus fünf Systemen zusammenzuführen, läuft alles in derselben validierten Plattform.

Greenfield- und Modernisierungsprojekte: Wenn ein Werk neu gebaut oder über mehrere Jahre umgebaut wird, ist die Plattform-Entscheidung der wichtigste IT-Hebel der nächsten zehn Jahre. Körber liefert in solchen Projekten standardisierte Branchenmodelle (Solid Dosage, Sterile, Biotech, ATMP/Cell-and-Gene, API), die als Beschleuniger gegenüber generischen MES-Plattformen wirken.

Auftragshersteller (CDMO/CMO): Multi-Tenant-Setups mit unterschiedlichen Mandanten, Validierungsanforderungen und Kunden-Workflows lassen sich in PAS-X sauber abbilden. Track & Trace und Packaging Solution decken die regulatorischen Pflichten (EU-FMD, DSCSA) gleich mit ab.

ATMP und Cell & Gene Therapy: Die Werum PAS-X Cell & Gene Solution ist eines der wenigen MES-Angebote, das den Spagat zwischen patientenindividueller Produktion und GxP-Disziplin in den Griff bekommt, relevant für Standorte, die personalisierte Therapien produzieren.

Pharma-IT mit Anspruch auf Branchenstandard: Wer aktiv ein BfArM- oder EMA-Audit erwartet und nicht möchte, dass die Auditoren erstmal das MES kennenlernen müssen, profitiert von Körbers etablierter Audit-Historie. PAS-X kennt jeder Inspector.

Weniger geeignet für: Lebensmittel- und Chemiehersteller ohne GxP-Pflicht (für die ist oder die naheliegende Wahl), Single-Site-Hersteller mit kleinem Budget, kleine Biotech-Startups in frühen Phasen und alle, die nur Batch-Records ohne Suite-Komplexität brauchen.

Preise im Detail

PlanPreisWas du bekommst
PAS-X MES on-premiseab ca. 500.000 EUR pro Standort (Vollinstallation)Werum PAS-X MES, eBR, Equipment- und Materialverfolgung, Branchenmodelle, Validierungs-Templates
PAS-X as a ServiceNutzungsabhängig, keine öffentlichen ListenpreiseManaged Cloud-Variante in deutschen/EU-Rechenzentren, inkl. Wartung und Updates
PAS-X SavvyModulpreis on top der MES-LizenzDatenmanagement, Visualisierung und Analyse über Batches hinweg
PAS-X K.AIAdd-on, Preisgestaltung individuellKI-gestützte Anomalieerkennung, Review-Beschleunigung, Yield-Prognose
PAS-X Production SchedulingModulpreis on topKapazitätsplanung, Linien-Scheduling, Auslastungsoptimierung
PAS-X Track & TraceModulpreisSerialisierung, EU-FMD- und DSCSA-konforme Aggregation
Wartung18–22 % des Lizenzwerts pro JahrSupport, Patches, regulatorische Updates

Einordnung: Körber gibt keine öffentliche Preisliste heraus, alle Angaben in dieser Tabelle stammen aus Branchenerfahrungswerten und Implementierungspartner-Kalkulationen. Die belastbare Realität: Vollinstallationen liegen typisch zwischen 500.000 EUR (kleiner Standort, eBR + Basismodule) und mehreren Mio. EUR (großes Werk, alle Suite-Module). Hinzu kommen Implementierungspartner-Kosten (Cognizant, Accenture, Capgemini, Reply liegen bei einem Tagessatz zwischen 1.200 und 1.800 EUR), die in einem 12–24-Monatsprojekt schnell den Lizenzwert spiegeln oder übertreffen. Die jährliche Wartung von 18–22 % ist Branchenüblich, aber nicht zu unterschätzen, bei 1 Mio. EUR Lizenz bedeutet das 180.000–220.000 EUR Folgekosten pro Jahr. Wer nur eine eBR-Komponente braucht, sollte ehrlich prüfen, ob die Suite das richtige Werkzeug ist.

Stärken im Detail

Plattform-Logik statt Punktlösungs-Stack. Der eigentliche Hebel der Körber MES Platform ist nicht ein einzelnes Modul, sondern die Tatsache, dass eBR, Scheduling, Analytik, KI und Track & Trace im gleichen Datenmodell und unter dem gleichen Validierungs-Framework laufen. Wer heute drei oder vier verschiedene Systeme verheiratet (z. B. eBR von einem Anbieter, Scheduling von einem zweiten, Track & Trace von einem dritten), kennt den Pflegeaufwand für Schnittstellen, Audit-Trails und Validierungs-Updates. Eine Suite-Lösung reduziert diesen Aufwand spürbar, vorausgesetzt, die Mehrkosten der Suite werden durch eingesparte Integrationskosten kompensiert.

PAS-X K.AI als ernsthafte KI-Schicht. K.AI ist Körbers Bezeichnung für die KI-gestützten Funktionen innerhalb der Suite. Konkret heißt das: Anomalieerkennung in Batch-Daten (welche Charge weicht statistisch von der Norm ab?), Vorhersagen über Yield und OEE, automatisierte Vorab-Sichtung von Batch-Records vor dem Quality-Review (bekannte Abweichungstypen werden automatisch geflaggt). Für ein regulatorisch enges Umfeld ist das ein interessanter Hebel, der Mensch bleibt entscheidungsverantwortlich, aber das Modell macht den Erstdurchlauf. Wichtig: Der Reifegrad der K.AI-Module variiert, und nicht jede Funktion ist bereits in produktiven Audit-Settings durchgespielt.

Branchenmodelle als Validierungsbeschleuniger. Werum hat über Jahrzehnte Standard-Konfigurationen für die typischen Pharma-Produktionsformen entwickelt: Solid Dosage (Tabletten/Kapseln), Sterile (Injektabilia, Fill-Finish), Biotech, ATMP/Cell-and-Gene, API. Diese Modelle sind nicht einfach Vorlagen, sondern validierte Bausteine, die in einem Projekt erheblich Zeit sparen. Wer ein Solid-Dosage-Werk neu auf PAS-X bringt, hat eine deutlich kürzere Validierungsphase als jemand, der ein generisches MES anpassen muss.

Tiefes regulatorisches Know-how. ISA-95-Strukturierung, ISA-88-Batch-Modell, FDA 21 CFR Part 11, EU-GMP Annex 11, Datenintegrität nach ALCOA+, das sind die Pflichtthemen einer Pharma-IT-Validierung, und Körber-Teams sind hier seit Jahrzehnten unterwegs. In Audits ist das ein nicht zu unterschätzender Vorteil: Auditoren kennen das System, die Validierungsdokumentation hat etablierte Strukturen, Findings rund um „unbekannte Plattform” entfallen.

Hosting-Flexibilität. Drei realistische Optionen: on-premise im eigenen Rechenzentrum (klassischer Pharma-Default), private Hosting beim Implementierungspartner oder „PAS-X as a Service”, die von Körber selbst gemanagte Cloud-Variante in deutschen und EU-Rechenzentren. Letztere ist für Standorte interessant, die nicht die IT-Kapazität haben, ein hochverfügbares MES selbst zu betreiben, aber trotzdem DSGVO- und GxP-konform bleiben müssen.

Community-Effekt. Mit über 50 Pharma-Kunden in der PAS-X Community gibt es einen funktionierenden Erfahrungsaustausch, User Groups, gemeinsame Roadmap-Sessions, Best Practices. Für IT-Leiter, die ein neues MES einführen, ist das oft wichtiger als ein offizielles Feature-Set: Welche Realität haben andere Pharma-Kunden mit dieser Plattform erlebt?

Schwächen ehrlich betrachtet

Keine Preistransparenz. Wer öffentliche Listenpreise sucht, findet keine. Alle hier genannten Beträge sind Branchen-Schätzwerte. Für Mittelständler ist das ein realer Nachteil: Eine seriöse Budgetierung erfordert mehrere Wochen Pre-Sales mit Körber und Implementierungspartner, bevor ein belastbares Angebot vorliegt. Wer einen schnellen Marktvergleich machen will, ist hier auf Geduld angewiesen.

Lange Projektlaufzeiten. 12 bis 24 Monate für eine Vollinstallation sind realistisch, bei Multi-Site-Rollouts auch deutlich länger. Das liegt nicht primär an Körber, sondern an der Validierungspflicht: Jedes neue MES in einer GxP-Umgebung muss inklusive Risikoanalyse, IQ/OQ/PQ und Change-Control validiert werden. Wer eine schnelle Produktivität in Wochen erwartet, ist in der falschen Branche und mit dem falschen Werkzeug unterwegs.

Overkill für eBR-only-Bedarfe. Wenn der eigentliche Schmerz „wir wollen unsere papierbasierten Batch-Records elektronisch machen” lautet und nicht „wir bauen unsere Produktion über zehn Jahre neu auf”, dann ist die Suite zu groß gedacht. Für reine eBR-Use-Cases ist es ehrlicher, entweder die schlankere PAS-X-Konfiguration zu wählen (was Körber kann) oder eine Punktlösung zu evaluieren. Die Suite-Logik rechtfertigt sich nur, wenn mehrere Module wirklich produktiv genutzt werden.

Hohe jährliche Wartungsquote. 18–22 % Wartungsgebühr ist Pharma-Industriestandard, aber bei einem Lizenzwert von 1 Mio. EUR sind das eben 200.000 EUR Folgekosten, jedes Jahr. Über zehn Jahre Lebensdauer summiert sich das auf das Doppelte der ursprünglichen Lizenzinvestition. Cloud-Modelle (PAS-X as a Service) verlagern diese Kosten in OpEx, aber netto wird es nicht billiger.

K.AI-Module noch jung. Die KI-Funktionen sind real, aber die produktive Audit-Erfahrung ist begrenzt. Wer K.AI als entscheidendes Differenzierungsmerkmal in seine Beschaffungs-Entscheidung einbaut, sollte sich konkrete Referenzkunden und Validierungs-Beispiele zeigen lassen, nicht nur Demos. Insbesondere die Frage „Was passiert, wenn das Modell einen Fehler übersieht?” muss vor der Einführung in einem regulatorisch verbindlichen Workflow beantwortet sein.

Total Lock-in. Ist eine Suite einmal eingeführt, ist ein Wechsel im laufenden Betrieb praktisch ausgeschlossen. Daten, validierte Workflows, Audit-Historie, Personal-Know-how, alles ist auf PAS-X zugeschnitten. Das macht die Plattform-Entscheidung zur strategischen Weichenstellung für mindestens ein Jahrzehnt. Wer hier kompromisst, zahlt es jahrelang.

Englischsprachige Dokumentation als Default. Trotz deutscher Wurzeln sind viele technische Dokumentationen und API-Referenzen primär auf Englisch verfügbar. Für deutsche Bedienteams ist das in der Regel kein Hindernis (Pharma-IT spricht Englisch), aber bei Schulungen für Produktions-Personal an der Linie kann es zusätzlicher Übersetzungsaufwand bedeuten.

Alternativen im Vergleich

Wenn du……nimm stattdessen
Nur den PAS-X-Kern (eBR/MES) ohne Suite-Drumherum bewerten willst
Ein nicht-pharmaspezifisches MES für Diskret- oder Prozessfertigung suchst
Tiefe SAP-Integration bevorzugst und SAP-Standardprozesse nutzen kannst
Eine offene, Industrie-übergreifende MES-Plattform mit AVEVA-Stack willst
Schnelle, App-basierte MES-Lösung ohne Schwergewicht-Implementierung brauchst

Erwähnenswert ohne eigene Tool-Seite oder mit nur eingeschränktem Pharma-Fokus: Emerson Syncade (starke Pharma-Plattform mit DCS-Integration), Honeywell POMS (etablierter Pharma-MES-Anbieter mit US-Wurzeln), iTAC.MES.Suite (deutscher Anbieter, eher Diskretfertigung) und Critical Manufacturing CMF (portugiesischer Anbieter mit guter Halbleiter- und Medical-Device-Position). Für reine eBR-Punktlösungen ohne MES-Umfang sind außerdem MasterControl Manufacturing Excellence und Caliber CaliberBRM Optionen. Im DACH-Pharmamarkt bleibt Körber/Werum aber der naheliegende Default, wer ohne triftigen Grund eine andere Plattform wählt, muss bei Audits und Personalrekrutierung mit mehr Erklärungsbedarf rechnen.

So steigst du ein

Schritt 1: Suite-Bedarf ehrlich klären. Liste auf, welche Funktionen du in den nächsten drei bis fünf Jahren wirklich brauchst: nur eBR? Plus Scheduling? Plus Track & Trace? Plus Analytik mit KI? Wenn die Liste bei „nur eBR” endet, ist die Suite-Diskussion vorbei, dann eine schlanke PAS-X-Konfiguration oder Punktlösung evaluieren. Wenn drei oder mehr Module relevant werden, lohnt die Suite-Entscheidung den Aufwand.

Schritt 2: Scoping-Workshop mit Körber. Körber Pharma bietet strukturierte Scoping-Projekte an, in denen die relevanten Module, das Branchenmodell, die Schnittstellen zu ERP/LIMS/CDS und die Validierungs-Strategie definiert werden. Plane dafür 4 bis 8 Wochen ein. Ergebnis ist eine Modul- und Aufwandsabschätzung, mit der du intern budgetieren kannst.

Schritt 3: Implementierungspartner auswählen und Multi-Phasen-Projekt aufsetzen. Üblich sind Cognizant, Accenture, Capgemini, Reply, NNIT oder regional spezialisierte Pharma-IT-Häuser. Zwei bis drei Angebote einholen, Referenzkunden aus dem eigenen Segment (Solid Dosage / Sterile / Biotech / ATMP) zeigen lassen. Das eigentliche Projekt läuft in der Regel in Phasen: erst ein Standort als Pilot, dann Rollout. Validierungs- und Change-Control-Pfad früh definieren, das ist der größte Zeitfresser, wenn er nicht standardisiert wird.

Schritt 4 (optional, aber empfohlen): K.AI-Use-Case isoliert pilotieren. Statt K.AI gleich in den Quality-Review zu integrieren, lieber zunächst einen begleitenden Use-Case auswählen (z. B. Anomalie-Erkennung als Frühwarnsystem, das parallel zum bestehenden Prozess läuft). So entsteht ein Vergleichsdatensatz, und das Modell wird verstanden, bevor es regulatorisch wirksam wird.

Ein konkretes Beispiel

Ein deutscher Pharmahersteller (rund 800 Mitarbeitende, drei Standorte: Solid Dosage, Sterile, API) modernisiert seine Produktions-IT über fünf Jahre und entscheidet sich für die Körber MES Platform. Phase 1 (15 Monate): Pilot am Solid-Dosage-Standort mit PAS-X MES, eBR und ERP-Anbindung an das bestehende SAP. Ergebnis: Die durchschnittliche Chargenfreigabe-Zeit sinkt von vier Tagen auf einen Tag, Right-First-Time-Quote steigt von 91 % auf 97 %, die Produktions-Kapazitätsauslastung um 14 %. Phase 2 (weitere 12 Monate): Rollout an den Sterile-Standort plus Einführung von PAS-X Production Scheduling, das die Linien-Belegung über drei Schichten optimiert. Phase 3 (Pilot): PAS-X K.AI wird im Quality-Review als Vorab-Filter eingesetzt, bekannte Abweichungsmuster werden automatisch markiert, die Qualitätssicherung priorisiert Reviews. Effekt: Review-Aufwand pro Charge sinkt um geschätzte 25 %, ohne dass eine Stelle in der QS abgebaut wird, der Effekt fließt in die Bearbeitung komplexerer Fälle. Gesamtinvestition über fünf Jahre: ca. 4,2 Mio. EUR Lizenz und Implementierung plus 700.000 EUR jährliche Wartung. Amortisation laut interner Rechnung nach ungefähr drei Jahren, getrieben durch Kapazitätsgewinn und reduzierte Compliance-Risiken.

DSGVO & Datenschutz

  • Datenhosting: EU, Werum PAS-X kann on-premise in den eigenen Rechenzentren des Kunden betrieben werden oder über „PAS-X as a Service” in von Körber gemanagten Rechenzentren in Deutschland und der EU. Für GxP-pflichtige Produktionsdaten bleibt damit eine vollständig europäische Wertschöpfungskette möglich.
  • Datennutzung: Produktionsdaten verbleiben beim Kunden. Körber nutzt diese Daten standardmäßig nicht für Modelltraining oder Produktverbesserung, die Standard-Verträge legen einen klaren Trennstrich zwischen Kundendaten und Anbieter-Datenpool. Telemetrie- und Diagnosedaten können bei Bedarf separat geregelt werden.
  • Auftragsverarbeitung (AVV): Für die Cloud-Variante PAS-X as a Service vorhanden, on-premise-Installationen verarbeiten Daten beim Kunden selbst (kein AVV nötig).
  • Zertifizierungen: ISO 27001 für das Information-Security-Management-System. GAMP5-Validierung der Plattform als Standardvoraussetzung für GxP-Einsatz. SOC-2-Berichte für Cloud-Komponenten auf Anfrage.
  • Audit-Trail: Vollständiger Audit-Trail nach FDA 21 CFR Part 11 und EU-GMP Annex 11 ist Standard. Datenintegrität nach ALCOA+-Prinzipien ist Designziel der Plattform.
  • Empfehlung für Unternehmen: Für GxP-pflichtige Pharma-Produktion ist die Plattform DSGVO- und GxP-tauglich, insbesondere die EU-Hosting-Option ist im Branchenvergleich ein klares Plus gegenüber US-zentrierten Wettbewerbern. Bei K.AI-Einsatz die konkrete Datenflussarchitektur prüfen: Welche Daten verlassen den Standort, welche Modelle laufen wo, was wird zur Modellverbesserung gespeichert?

Gut kombiniert mit

  • oder ein klassisches SAP-S/4HANA-Modul für die ERP-Schicht. PAS-X liefert die Produktions-Detailsteuerung, SAP die Material- und Auftragsplanung. Die Schnittstelle ist branchenüblich und gut etabliert.
  • für komplexe Mehrlinien-Scheduling-Szenarien, in denen das PAS-X Production Scheduling an Grenzen kommt, vor allem in API-Synthese mit campaign-basierten Prozessen.
  • als detaillierte Bewertung des PAS-X-MES-Kerns, wer die Suite-Entscheidung trifft, sollte den Kern-MES-Vergleich separat lesen und nicht nur die Plattform-Sicht.

Unser Testurteil

Die Körber MES Platform verdient 4 von 5 Sternen. Für mittlere und große Pharmahersteller mit Modernisierungs- oder Greenfield-Bedarf ist sie die naheliegende Wahl, Branchenstandard, deutsche Wurzeln, EU-Hosting, vollständige Suite. Mit den K.AI-Modulen und dem Production Scheduler hat Körber das Portfolio in den letzten Jahren glaubhaft erweitert und sich von einem reinen eBR-Anbieter zur Plattform für die digitale Pharmaproduktion entwickelt. Den fünften Stern verliert die Suite an drei Punkten: die fehlende Preistransparenz (jede Budgetierung kostet Wochen Pre-Sales), die noch junge Audit-Historie der K.AI-Funktionen (Demos sind eindrucksvoll, validierte Produktiv-Cases bleiben rar) und die schiere Größenordnung der Implementierungsprojekte. Für eBR-only-Anwender ist sie überdimensioniert, diese sollten den fokussierten PAS-X-MES-Eintrag prüfen. Für die Zielgruppe (Mittel- bis Großunternehmen mit echter Plattform-Strategie) bleibt sie aber die belastbarste Wahl im DACH-Markt.

Was wir bemerkt haben

  • 2014, Körber übernimmt Werum IT Solutions aus Lüneburg. Die Marke „Werum PAS-X” bleibt im Markt erhalten, gleichzeitig wandert das Geschäft in den Körber-Pharma-Geschäftsbereich. Diese Doppel-Identität (Körber/Werum/PAS-X) sorgt bis heute regelmäßig für Verwirrung, die Plattform heißt offiziell „Werum PAS-X MES Suite”, das anbietende Unternehmen ist Körber Pharma Software.
  • 2023, Einführung der PAS-X K.AI-Module als KI-Schicht über der Plattform. Die ersten produktiven Implementierungen folgten 2024/25, eine valide Audit-Historie ist noch im Aufbau.
  • 2024, Werum PAS-X Cell & Gene Solution wird stärker beworben. Cell-and-Gene-Therapy ist die wachstumsstärkste Pharma-Disziplin, und Körber positioniert sich früh in diesem Segment, ein strategischer Schachzug, der die Plattform langfristig absichert.
  • 2025, Ausbau des „PAS-X as a Service”-Angebots als gemanagte Cloud-Variante. Damit reagiert Körber auf den Trend zu OpEx-basierten MES-Modellen, ohne den klassischen On-Premise-Pfad aufzugeben.
  • 2025/26, Die PAS-X Community wächst auf über 50 Pharma-Kunden. Der Erfahrungsaustausch zwischen Anwendern wird zum eigenen Asset der Plattform, und macht den Anbieterwechsel für Bestandskunden noch unwahrscheinlicher.
  • Mai 2026, Die Suite-Strategie (MES + Scheduler + Savvy + K.AI + Track & Trace) ist klar etabliert, aber die Preistransparenz bleibt ein Marktnachteil: Körber publiziert weiterhin keine Listenpreise, was eine schnelle Budgetierung für Interessenten erschwert.

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