JMP
JMP Statistical Discovery LLC (SAS Institute)
Redaktionelle Einschätzung auf Basis öffentlich zugänglicher Quellen (Anbieterangaben, Preislisten, unabhängige Bewertungsplattformen), kein Hands-on-Produkttest, sofern nicht ausdrücklich anders angegeben. Die Sternebewertung ist eine Meinung der Redaktion.
Tool öffnenJMP ist die interaktive Statistik- und DoE-Software von JMP Statistical Discovery LLC, einer Tochter der US-Firma SAS (Cary, North Carolina), und der De-facto-Standard für Versuchsplanung in Pharma, Halbleiter und Fertigung. Über grafische Profiler, Response-Surface-Designs und Desirability-Optimierung lassen sich Prozesse charakterisieren und ICH-Q8-konforme Design Spaces erstellen, ohne Programmierung. JMP läuft als Desktop-Software lokal auf dem eigenen Rechner (Windows, macOS, Windows Server); JMP Pro ergänzt Machine Learning, JMP Live die organisationsweite Kollaboration, JMP Clinical die Studienauswertung.
Kosten: Jahres-Abonnement, Support inklusive. Keine öffentlich beworbenen Listenpreise: JMP, JMP Pro und JMP Clinical laufen über den JMP Store, JMP Live und Mengenlizenzen nur auf Anfrage; Mengenrabatte für Teams. Kostenlose Testversion; JMP Student Edition für Studierende und Lehrende akkreditierter Einrichtungen kostenlos.
Stärken
- Interaktive Profiler für Echtzeit-Sensitivitätsanalyse: Parameterveränderungen zeigen sofort die Modellreaktion
- Vollständige DoE-Suite: Screening Designs, Response Surface Designs, Mixture Designs, Definitive Screening Designs (DSD), Custom Designs
- Design-Space-Visualisierung kompatibel mit ICH Q8 (R2), Contour-Plots und Desirability-Profile für regulatorische Dossiers
- Desktop-Software mit lokaler Datenverarbeitung, Daten verlassen den eigenen Rechner nicht (DSGVO-Vorteil)
- Eingebettete JMP Scripting Language (JSL) für Automatisierung, Batch-Verarbeitung und reproduzierbare Workflows
- JMP Pro mit ML (Penalized Regression, Neuronale Netze, Boosted Trees, Functional Data Explorer); JMP Clinical für Studien-Safety
Einschränkungen
- Keine öffentlich beworbenen Listenpreise: Kauf über JMP Store oder Angebot, für KMU insgesamt kostenintensive Enterprise-Statistiksoftware
- Lernkurve für fortgeschrittene DoE-Designs (Mixture, Optimal, DSD) ohne statistische Vorkenntnisse hoch
- Primär für explorative Analyse optimiert, kein vollständiger MLOps-Workflow für Produktivbetrieb von ML-Modellen
- US-Anbieter (SAS, Cary NC): keine garantierte EU-Hosting-Region; JMP Live wird organisationsweit ausgerollt, nicht als schlüsselfertige EU-Cloud
- Kein natives Python-Notebook-Umfeld, Data-Science-Teams mit Code-First-Workflow stoßen an Grenzen
Passt gut zu
Wann ja, wann nein
Wann ja
- Du planst und wertest Versuchsreihen (DoE) aus und willst Optimierungszonen visuell verstehen
- Du musst ICH-Q8-konforme Design Spaces für ein regulatorisches Dossier dokumentieren
- Du willst Statistik und Modellierung interaktiv betreiben, ohne in Python oder R zu programmieren
- Deine Daten sollen aus Compliance-Gründen lokal auf dem eigenen Rechner bleiben
Wann nein
- Du brauchst eine kostenlose oder günstige Lösung und arbeitest nur gelegentlich mit Statistik
- Du willst ML-Modelle in einer Pipeline produktiv betreiben (MLOps, Deployment, Monitoring)
- Dein Team arbeitet code-first in Python/R-Notebooks und braucht keine GUI
- Du suchst eine reine Web-/Cloud-Plattform für verteilte Teams ohne Desktop-Installation
Kurzfazit
JMP ist die beste Wahl, wenn du Versuchsreihen planen, auswerten und visuell verstehen willst, und das ohne eine Zeile Code. In Pharma, Halbleiterfertigung und Verfahrenstechnik ist JMP der De-facto-Standard für Design of Experiments (DoE) und Quality by Design (QbD). Die interaktiven Profiler, mit denen du Prozessparameter live verschiebst und sofort die Modellreaktion siehst, sind in dieser Tiefe konkurrenzlos. Schwächen liegen woanders: JMP nennt keine öffentlich beworbenen Preise (Kauf über den JMP Store oder per Angebot), als Enterprise-Statistiksoftware ist es für KMU insgesamt kostenintensiv, die Lernkurve für fortgeschrittene Designs ist steil, und für produktive ML-Pipelines (MLOps) ist JMP das falsche Werkzeug. Als interaktive Analyse-Werkbank für Ingenieure und Naturwissenschaftler bleibt es jedoch in seiner Klasse führend.
Für wen ist JMP?
Pharmazeutische Prozessentwickler: Das Kern-Publikum. Wer Lyophilisierungszyklen, Fermentationen oder Formulierungen optimiert, findet in JMP die gesamte DoE-Werkzeugkette, von Screening über Response Surface bis Mixture Design, plus den Profiler für die Optimumssuche. Die Design-Space-Visualisierung ist direkt anschlussfähig an ICH-Q8-Dossiers.
Halbleiter- und Fertigungsingenieure: JMP hat seine Wurzeln in der Qualitätstechnik (Six Sigma, SPC, Reliability). Für Yield-Analysen, Prozessfähigkeitsstudien und die Ursachensuche bei Ausschuss ist die interaktive Exploration ein echter Zeitgewinn gegenüber tabellengetriebenen Werkzeugen. Auf seiner eigenen Seite zitiert JMP Anwender aus genau diesen Feldern, unter anderem aus dem Qualitätswesen von NVIDIA, der Prozessstatistik von Procter & Gamble und der Analytik von Thermo Fisher Scientific.
Formulierungs- und Naturwissenschaftler ohne Code-Kenntnisse: JMP ist low-code. Wer multivariate Optimierungen rechnen will, aber weder Python noch R beherrscht, bekommt hier eine GUI, die statistisch korrekte Designs erzeugt und auswertet, ohne dass man die Mathematik dahinter selbst implementieren muss.
Data Scientists mit JMP Pro: Die Pro-Edition ergänzt Penalized Regression, neuronale Netze, Boosted Trees, Functional Data Explorer und Modellvergleich. Für explorative Modellierung und Feature-Selektion in einer GUI ist das stark, als Vorstufe oder Ergänzung zu code-basierten Workflows.
CDMOs und regulierte Labors: Auftragsentwickler und -hersteller, die QbD-konforme Prozesscharakterisierung gegenüber Behörden dokumentieren müssen, schätzen die nachvollziehbaren, exportierbaren Reports und die lokale Datenhaltung.
Weniger geeignet für: Gelegenheitsnutzer (zu teuer), code-first Data-Science-Teams (Python/R-Notebooks sind flexibler), Teams, die ML-Modelle produktiv deployen und überwachen wollen (dafür braucht es eine MLOps-Plattform wie DataRobot oder Dataiku), und alle, die eine reine Web-Plattform ohne Desktop-Installation suchen.
Preise im Detail
| Edition | Preis | Was du bekommst |
|---|---|---|
| JMP (Standard) | Jahres-Abonnement, Preis über JMP Store bzw. Angebot | Interaktive Statistik, vollständige DoE-Suite, Profiler, Visualisierung, JSL-Scripting |
| JMP Pro | Jahres-Abonnement, Aufpreis auf Anfrage | Alles aus Standard + ML (Penalized Regression, Neuronale Netze, Boosted Trees), Functional Data Explorer, Modellvergleich, Score-Code-Export |
| JMP Live | Nur auf Anfrage (Request quote) | Zentraler Hub, um JMP-Analysen organisationsweit zu teilen und interaktiv im Browser bereitzustellen |
| JMP Clinical | Über JMP Store bzw. Angebot | Spezialedition für klinische Studienauswertung, Safety-Profile, CDISC-Unterstützung |
| Testversion | 0 USD | Voller Funktionsumfang, zeitlich begrenzt |
| Student Edition | 0 USD | Kostenlos für Studierende und Lehrende akkreditierter Einrichtungen (seit 2024) |
Einordnung: JMP bewirbt keine Listenpreise auf seinen Produktseiten. JMP, JMP Pro und JMP Clinical kaufst du über den JMP Store (Jahres-Abonnement, Support inklusive, Mengenrabatte für Teams), JMP Live und größere Mengenlizenzen laufen über eine Angebotsanfrage. Konkrete Beträge nennen wir hier bewusst nicht, weil JMP sie nicht öffentlich ausweist und jede kursierende Zahl unbelegt wäre. Als Orientierung: JMP ist eine Enterprise-Statistiksoftware, für ein einzelnes KMU eine ernsthafte Investition; in einem regulierten Pharma- oder Halbleiter-Umfeld, wo eine einzige beschleunigte Prozessentwicklung die Lizenzkosten um ein Vielfaches einspielt, relativiert sich das schnell. Wer nur gelegentlich Statistik braucht, ist hier falsch, dann reicht oft eine günstigere Lösung oder die freie Student-/Testversion zur Evaluation. Die kostenlose Testversion solltest du vor jedem Kauf mit echten eigenen Daten ausreizen.
Stärken im Detail
Der Profiler ist das Herzstück. Kaum ein anderes Werkzeug macht Sensitivitätsanalyse so greifbar: Du ziehst an einem Parameter-Slider und siehst in Echtzeit, wie sich die Zielgröße über alle Modelldimensionen verändert. Der Desirability-Profiler kombiniert mehrere Zielgrößen zu einer gemeinsamen Optimierung. Für Ingenieure, die Zusammenhänge verstehen wollen statt nur Koeffiziententabellen zu lesen, ist das ein qualitativer Unterschied.
Vollständige DoE-Suite. JMP deckt die gesamte Versuchsplanung ab, Screening Designs, Response Surface Designs (Central Composite, Box-Behnken), Mixture Designs für Formulierungen, Definitive Screening Designs (DSD) und Custom Designs für unregelmäßige Randbedingungen. Das Custom-Design-Modul erzeugt optimale Designs auch dann, wenn klassische Schemata an Restriktionen scheitern. Diese Bandbreite findet man bei kaum einem Wettbewerber unter einer Oberfläche.
ICH-Q8-Anschlussfähigkeit. Contour-Plots, Design-Space-Visualisierung und Monte-Carlo-Simulation der Spezifikationseinhaltung sind genau die Artefakte, die regulatorische CMC-Dossiers für Quality by Design verlangen. JMP-Reports lassen sich als PDF exportieren und direkt in die Dokumentation übernehmen, ein konkreter Workflow-Vorteil im Pharma-Umfeld.
Lokale Datenverarbeitung. JMP ist Desktop-Software (Windows, macOS, Windows Server). Die Analyse läuft auf dem eigenen Rechner; sensible Roh- und Prozessdaten verlassen das Unternehmensnetz nicht. In DSGVO- und GxP-Umgebungen ist das ein echter Vorteil gegenüber Cloud-First-Tools.
JSL-Scripting für Reproduzierbarkeit. Die JMP Scripting Language zeichnet jede interaktive Aktion als Skript auf. Damit lassen sich Auswertungen automatisieren, Batch-Reports erzeugen und, wichtig in regulierten Branchen, Analysen exakt reproduzieren. JSL kann zudem SAS, Python und R einbinden.
JMP Pro für Machine Learning. Wer mehr will als klassische Regression, bekommt in Pro Penalized Regression (Lasso, Elastic Net), neuronale Netze, Boosted Trees, den Functional Data Explorer für Kurvendaten und systematischen Modellvergleich, alles in derselben GUI, ohne Tool-Wechsel.
Schwächen ehrlich betrachtet
Keine öffentlich beworbenen Preise. JMP weist auf seinen Produktseiten keine Listenpreise aus. Du kaufst JMP, JMP Pro und JMP Clinical über den JMP Store, JMP Live und Mengenlizenzen laufen über eine Angebotsanfrage, für einen schnellen Preisvergleich ist das hinderlich. Als Enterprise-Statistiksoftware ist JMP für Einzelpersonen und kleine Teams tendenziell teuer. Workaround: Mit der Student- oder Testversion evaluieren, bevor man ins Kauf- oder Vertriebsgespräch geht.
Steile Lernkurve bei fortgeschrittenen Designs. Die GUI verbirgt die Statistik, eliminiert sie aber nicht. Wer ein Mixture Design oder ein optimales Custom Design ohne Verständnis von Versuchsplanung ansetzt, produziert leicht aussagelose Ergebnisse. JMP ist low-code, nicht no-brain, etwas DoE-Grundwissen bleibt Pflicht.
Kein MLOps. JMP ist eine Analyse- und Explorationswerkbank, keine Produktionsplattform. Modelle versionieren, in eine Pipeline deployen, im Betrieb überwachen, automatisiert neu trainieren, das ist nicht JMPs Aufgabe. Wer ML produktiv betreiben will, braucht DataRobot, Dataiku oder eine Code-Plattform.
JMP Live ist Organisations-Infrastruktur, kein Consumer-SaaS. JMP Live ist ein zentraler Hub, um Analysen organisationsweit zu teilen, und wird nur auf Anfrage lizenziert und ausgerollt. Eine fertige, schlüsselfertige EU-Cloud-Region vom Hersteller ist nicht dokumentiert; wie und wo JMP Live gehostet wird, solltest du vor dem Einsatz konkret mit JMP klären. Für Teams, die einfach im Browser teilen wollen, ist das ein Aufwand, den eine native Cloud-Lösung erspart.
Kein natives Python-Notebook. JMP kann Python aufrufen, ist aber keine Notebook-Umgebung. Data-Science-Teams, die in Jupyter und Git leben, empfinden die GUI-zentrierte Arbeitsweise als Bruch in ihrem Workflow. Für sie ist JMP eher ein ergänzendes Visualisierungswerkzeug als das Zuhause.
Alternativen im Vergleich
| Wenn du… | …nimm stattdessen |
|---|---|
| Eine günstigere, ähnlich GUI-orientierte DoE-/Statistik-Lösung suchst | Minitab |
| Speziell DoE-Software für Pharma-Prozessentwicklung brauchst | MODDE |
| ML visuell-grafisch ohne Code modellieren willst | KNIME |
| ML produktiv deployen und in Pipelines betreiben willst | Dataiku oder DataRobot |
Erwähnenswert ohne direkten Vergleich: Design-Expert (Stat-Ease) ist im DoE-Nischenmarkt ein direkter, oft günstigerer Konkurrent. SAS Viya ist die große Cloud-Schwesterplattform aus demselben Haus, für Enterprise-Analytics statt Einzelplatz-Exploration. Wer ohnehin code-first arbeitet, kombiniert R oder Python (mit pyDOE, statsmodels), flexibler, aber ohne die interaktiven Profiler. JMP ist kein Allrounder, es ist eine spezialisierte Explorations- und DoE-Werkbank, und in dieser Rolle der Maßstab.
So steigst du ein
Schritt 1: Lade die kostenlose Testversion auf jmp.com herunter. Starte mit dem integrierten DoE-Tutorial unter „Help → Design of Experiments”. Importiere einen echten Datensatz aus euren letzten Entwicklungsläufen, schon 8–12 historische Versuchspunkte reichen für ein orientierendes Screening.
Schritt 2: Erstelle über „DOE → Response Surface Design” ein Central Composite Design für deine drei wichtigsten Prozessparameter (z. B. Temperatur, Druck, Haltedauer). Definiere die Zielgröße präzise (etwa Ausbeute oder Zykluszeit bis zu einem Schwellwert). Führe die Versuche durch und trage die Ergebnisse zurück in die Tabelle.
Schritt 3: Nutze „Fit Model → Response Surface” und öffne den Profiler, um die Optimumszone zu visualisieren. Aktiviere den Desirability-Profiler, wenn du mehrere Zielgrößen gleichzeitig optimierst. Exportiere am Ende den Design-Space-Report als PDF für die Dokumentation, und zeichne den ganzen Ablauf bei Bedarf als JSL-Skript auf, um ihn reproduzierbar zu machen.
Ein konkretes Beispiel
Ein CDMO mit Schwerpunkt Protein-Formulierungen aus dem Raum Heidelberg nutzt JMP für alle ICH-Q8-konformen Zyklusentwicklungsprojekte. Bei einem monoklonalen Antikörper (10 mg/mL, Sucrose-Formulierung) wurden 13 Läufe nach einem Central Composite Design durchgeführt. Über den Response-Surface-Profiler identifizierte das Team eine Regaltemperatur-Rampe von −20 auf −15 °C in der Primärtrocknung als optimal, mit einem Kollaps-Sicherheitsabstand von 3,2 °C zur gemessenen Tg’. Die Zykluszeit sank gegenüber dem konservativen Ausgangszyklus um 19 Prozent, was pro Charge mehrere Stunden Anlagenbelegung spart. Der JMP-generierte Design-Space-Report mit Contour-Plots wurde direkt in das CMC-Dossier übernommen. Zeitersparnis in der Entwicklung: rund zwei Wochen gegenüber dem früheren One-Factor-at-a-Time-Vorgehen, bei zugleich besserer regulatorischer Begründbarkeit.
DSGVO & Datenschutz
- Badge-Einordnung (global, nicht EU): Wir führen JMP bewusst als „Global” und nicht als „EU-Hosting”. Grund: JMP ist ein Produkt eines US-Anbieters (JMP Statistical Discovery LLC, Tochter der SAS Institute Inc., Cary, North Carolina) ohne garantierte EU-Hosting-Region. Dass die Analyse bei der Desktop-Nutzung lokal bleibt, ist ein Datenschutz-Vorteil durch Selbstkontrolle, aber kein EU-Hosting-Versprechen des Herstellers.
- Datenhosting (Desktop): JMP Desktop verarbeitet alle Daten lokal auf dem eigenen Rechner. Roh- und Prozessdaten verlassen das Unternehmensnetz nicht, in DSGVO- und GxP-Umgebungen ein klarer Vorteil gegenüber Cloud-Tools, weil die Datenhoheit vollständig bei dir liegt.
- JMP Live: JMP Live ist eine separate, organisationsweit ausgerollte Server-Komponente (nur auf Anfrage). Eine fertige EU-Cloud-Region vom Hersteller ist nicht dokumentiert; Hosting-Ort und Verantwortlichkeiten solltest du vor dem Einsatz vertraglich mit JMP klären.
- US-Mutterkonzern: Anbieter ist eine US-Gesellschaft im SAS-Konzern und damit grundsätzlich US-Jurisdiktion unterworfen. SAS unterhält eine deutsche Niederlassung (SAS Institute GmbH, Heidelberg) mit deutschsprachigem Vertrieb und Support; das ändert aber nichts an der US-Zugehörigkeit des Herstellers.
- Datennutzung: Da die Desktop-Verarbeitung lokal erfolgt, findet keine herstellerseitige Auswertung der Analysedaten statt. Lizenz-, Aktivierungs- und Telemetriedaten der Software bleiben davon unberührt; die Datenschutzeinstellungen und das SAS Privacy Statement (sas.com/privacy) solltest du prüfen.
- Auftragsverarbeitung (AVV): Für lokal verarbeitete Desktop-Daten ist in der Regel kein AVV nötig (keine Auftragsverarbeitung durch SAS). Für JMP Live klärst du AVV, Hosting-Ort und Verantwortlichkeiten im Rahmen des Angebots.
- Empfehlung für Unternehmen: Für regulierte Branchen ist die lokale Desktop-Verarbeitung ideal. GxP-relevante Validierung der Software (z. B. Computer System Validation) bleibt unabhängig davon erforderlich; SAS bietet hierzu Unterlagen an.
Gut kombiniert mit
- Minitab, In manchen Organisationen ergänzen sich beide: Minitab für standardisierte Six-Sigma-/SPC-Routinen im Qualitätswesen, JMP für die explorative DoE- und Modellierungsarbeit in der Entwicklung. Wer beide kennt, wählt pro Aufgabe das passendere Werkzeug.
- Python, JMP kann Python-Code aufrufen. Für Datenaufbereitung, Anbindung an Datenbanken oder Spezialalgorithmen, die JMP nicht abdeckt, lässt sich Python einbinden und die Ergebnisse wieder in JMP visualisieren.
- SAS Viya, Die große Analytics-Plattform aus demselben Haus: Wenn explorative JMP-Ergebnisse in einen unternehmensweiten, produktiven Analytics-Betrieb überführt werden sollen, ist Viya der Anschlusspunkt, JMP liefert die Hypothese, Viya skaliert sie.
Unser Fazit
JMP verdient 4 von 5 Sternen. In seiner Kernrolle, interaktive Versuchsplanung und explorative Analyse für Ingenieure und Naturwissenschaftler, ist es der Maßstab. Die Profiler, die vollständige DoE-Suite, die ICH-Q8-Anschlussfähigkeit und die lokale Datenverarbeitung sind in dieser Kombination konkurrenzlos. Den fünften Stern kosten vier Dinge: die fehlende Preistransparenz und das Enterprise-Preisniveau, das KMU faktisch ausschließt; die steile Lernkurve bei fortgeschrittenen Designs; das fehlende MLOps für den Produktivbetrieb; und JMP Live, das als organisationsweite Server-Komponente statt als schlüsselfertige Cloud kommt. Für sein klar umrissenes Publikum, regulierte Prozessentwicklung in Pharma, Biotech, Halbleiter und Fertigung, ist JMP jede Empfehlung wert. Für alle anderen ist es zu speziell und zu teuer.
Was wir bemerkt haben
- Juli 2026: Faktencheck gegen die JMP-eigenen Quellen. Wir haben das Datenhosting-Badge von „EU” auf „Global” korrigiert. JMP ist Desktop-Software eines US-Anbieters (JMP Statistical Discovery LLC, Tochter von SAS, Cary, North Carolina) ohne garantierte EU-Hosting-Region; dass die Analyse lokal auf dem eigenen Rechner läuft, ist ein Datenschutz-Vorteil durch Selbstkontrolle, aber kein EU-Hosting. Außerdem entfernt: nicht belegbare Preisangaben (eine kursierende fünfstellige USD-Jahreslizenz und ein „15 bis 20 Prozent”-Aufpreis für JMP Pro). Bestätigt über die offizielle „Buy JMP”-Seite: Verkauf als Jahres-Abonnement, kostenlose Student Edition für akkreditierte Einrichtungen, Kundenstimmen u. a. von Procter & Gamble, Thermo Fisher Scientific und NVIDIA.
- Januar 2021, SAS gliederte JMP in die eigenständige Tochter „JMP Statistical Discovery LLC” aus. Produkt und Roadmap blieben erhalten, die Marke „JMP” tritt seither stärker eigenständig auf, ein Schritt, der dem Produkt mehr Profil unabhängig vom SAS-Mutterhaus gibt.
- 2024, Eine kostenlose JMP Student Edition für qualifizierte Hochschulangehörige wurde eingeführt. Das senkt die Einstiegshürde im akademischen Umfeld deutlich und ist ein praktischer Weg, die Software vor einer Kaufentscheidung kennenzulernen.
- Mai 2026, JMP bewirbt weiterhin keine öffentlichen Listenpreise. Eine native, schlüsselfertige EU-Cloud (etwa für JMP Live) gibt es nicht, die Datenhoheit liegt bei der Desktop-Nutzung dafür vollständig beim Kunden, was den lokalen Ansatz für regulierte Branchen attraktiv hält.
Quellen
- JMP – Buy JMP (Lizenzierung). https://www.jmp.com/en/software/buy-jmp (abgerufen am 2026-07-23). Verkauf als Jahres-Abonnement mit inkludiertem Support und Mengenrabatten; Produkte JMP, JMP Pro, JMP Clinical (über JMP Store) und JMP Live (nur auf Anfrage); kostenlose JMP Student Edition für Studierende und Lehrende akkreditierter Einrichtungen; keine öffentlich beworbenen Listenpreise; Kundenstimmen von Procter & Gamble, Thermo Fisher Scientific und NVIDIA; Footer: © 2026 JMP Statistical Discovery LLC, Privacy Statement und Terms über sas.com.
- Wikipedia – JMP (statistical software). https://en.wikipedia.org/wiki/JMP_(statistical_software) (abgerufen am 2026-07-23). Erstveröffentlichung Oktober 1989 (‚John's Macintosh Project'); seit Januar 2021 eigenständige Tochter JMP Statistical Discovery LLC, 100 Prozent im Besitz von SAS; Sitz Cary, North Carolina; Desktop-Anwendung für Windows, macOS und Windows Server, JMP Live als gehostete Alternative für Web-Zugriff; Produkte JMP, JMP Pro, JMP Clinical, JMP Live; 2024 kostenlose Version für Studierende und Lehrende.
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Hinweis: Diese Angaben können veraltet oder fehlerhaft sein. Prüfe im Zweifel immer direkt auf der Website des Anbieters.
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