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GE Digital Predix

GE Vernova (vormals GE Digital, seit 2024 Spin-off der General Electric)

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Industrial-IoT- und Asset-Performance-Management-Plattform — historisch als General-Purpose-IIoT-Cloud lanciert, heute primär als eingebettete Analytics-Schicht innerhalb der GE-Vernova-APM- und Proficy-Suite vermarktet. KI-Funktionen für Anomalieerkennung, Predictive Maintenance und Digital Twins sind etabliert, aber die Plattform leidet unter strategischer Unschärfe seit der GE-Aufspaltung 2024.

Kosten: Enterprise-Lizenzierung auf Anfrage — kein öffentliches Preismodell. Typische Größenordnung: ab sechsstelligem Jahresvolumen pro Standort, je nach Asset-Anzahl, Modulen (APM Health, APM Reliability, APM Strategy) und Cloud- oder On-Premises-Variante. Implementierungsprojekte regelmäßig im siebenstelligen Bereich

Stärken

  • Tiefe Domänenmodelle für Energie, Schwerindustrie und Aviation — entstanden aus jahrzehntelanger GE-OEM-Erfahrung mit Turbinen, Generatoren und Triebwerken
  • Reife Asset-Performance-Management-Suite (APM Health, Reliability, Strategy) mit eingebetteten ML-Modellen für Failure Prediction und RUL-Schätzung (Remaining Useful Life)
  • Digital-Twin-Bibliothek mit vorgefertigten Modellen für GE-Aggregate (Gasturbinen, Windkraftanlagen, Lokomotiven) — schneller Time-to-Value bei GE-Equipment
  • On-Premises- und Hybrid-Deployment möglich — wichtig für kritische Infrastruktur und OT-Netze ohne Cloud-Anbindung
  • Integration in GE-Bestandssoftware (Proficy Historian, GridOS, CIMPLICITY) — für Bestandskunden mit GE-Steuerungstechnik nahtlos
  • Enterprise-Support mit Branchenexpertise — Implementierungspartner kennen Kraftwerks-, Netz- und Produktionsumgebungen

Einschränkungen

  • Markenidentität nach GE-Aufspaltung 2024 unklar — Predix als eigenständige PaaS-Marke ist faktisch verblasst, die Funktionen leben in APM und Proficy weiter
  • Kein öffentliches Pricing — Evaluation und Vergleich mit Wettbewerbern sind nur über aufwändige RFP-Prozesse möglich
  • Historische Strategiewechsel: Der Anspruch der General-Purpose-IIoT-Plattform (2015–2018) wurde nach milliardenschweren Verlusten zurückgefahren — Bestandskunden haben mehrere Roadmap-Korrekturen erlebt
  • Lock-in-Risiko durch proprietäre Asset-Modelle und APM-Datenstrukturen — Migration auf Wettbewerbsplattformen entsprechend aufwändig
  • Implementierungsdauer typischerweise 9–18 Monate für produktiven APM-Einsatz an einem Standort — kein Self-Service-Tool
  • Außerhalb der GE-Equipment-Welt deutlich weniger differenziert — wer keine GE-Turbinen oder GE-Steuerungen betreibt, hat geringeren Mehrwert

Passt gut zu

Energieversorger Großanlagenbauer Schwerindustrie Asset-Performance-Management GE-Bestandskunden

Wann ja, wann nein

Wann ja

  • Du betreibst GE-Equipment (Gasturbinen, Windkraftanlagen, Generatoren, Lokomotiven) und willst die OEM-eigenen Digital-Twin-Modelle nutzen
  • Du brauchst APM-Software für kritische Infrastruktur mit On-Premises- oder Hybrid-Deployment-Anforderung
  • Du hast bereits Proficy Historian oder andere GE-Software im Einsatz und willst die Predictive-Maintenance-Schicht ergänzen
  • Du arbeitest in regulierten Umgebungen (Stromnetz, Kraftwerk, Bahn) mit langen Beschaffungszyklen und Bedarf an Branchenreferenzen

Wann nein

  • Du suchst eine schlanke, schnell evaluierbare IIoT-Plattform mit transparentem Pricing — dann sind Cloud-native Lösungen einfacher zugänglich
  • Dein Equipment-Portfolio kommt nicht von GE — der Domain-Vorteil entfällt, andere Plattformen sind oft günstiger
  • Du willst eine zukunftssichere Marken- und Roadmap-Klarheit — die strategische Position seit GE-Spin-off ist noch nicht stabilisiert
  • Du brauchst eine Self-Service- oder No-Code-Lösung — Predix-basierte Software ist Implementierungsgeschäft mit Beratern

Kurzfazit

GE Digital Predix war einmal das ehrgeizigste IIoT-Plattformprojekt der Welt — ab 2015 mit Milliarden-Investitionen als „operating system for industrial internet” angetreten, sollte es Predix in der Industrie das werden, was AWS für die Web-Welt geworden ist. Diese Vision ist gescheitert. Nach erheblichen Verlusten und mehreren Strategiekorrekturen ist Predix heute keine eigenständige General-Purpose-IIoT-Cloud mehr, sondern die eingebettete Analytics-Schicht innerhalb der GE-Vernova-APM- und Proficy-Suite. Mit der GE-Aufspaltung 2024 in GE Aerospace, GE Vernova und GE HealthCare ist die Marke „Predix” weitgehend in den Hintergrund gerückt — die Technologie lebt weiter, der Name verblasst. Wer GE-Turbinen, -Windkraftanlagen oder -Lokomotiven betreibt, bekommt mit der APM-Suite ausgereifte Predictive-Maintenance-Modelle und Digital Twins. Wer keinen GE-Equipment-Bezug hat, findet bei Siemens Insights Hub (vormals MindSphere), AWS IoT SiteWise oder PTC ThingWorx oft schneller eine moderne Antwort.

Für wen ist GE Digital Predix?

Energieversorger und Netzbetreiber: Wer Gasturbinen-Kraftwerke, Wind-Onshore- und Offshore-Parks oder Netzinfrastruktur betreibt, profitiert von den OEM-Digital-Twins. GE-Vernova-APM kann mit Werks- und Equipmentdaten die Restlebensdauer (Remaining Useful Life) prognostizieren, anstehende Wartungsfenster optimieren und Ausfallrisiken einzelner Komponenten quantifizieren — eine Disziplin, in der GE durch jahrzehntelange Field-Service-Erfahrung tatsächlich tiefe Modelle besitzt.

Schwerindustrie mit GE-Equipment: Stahlwerke, Petrochemie, Bergbau — überall, wo GE-Aggregate als Hauptantrieb laufen, ist die Integration der proprietären Asset-Modelle ein realer Vorteil gegenüber generischen IIoT-Plattformen. Sensorströme aus GE-Steuerungen lassen sich oft ohne aufwändige Mapping-Arbeit anschließen.

Bahn und Mobilität: GE Transportation (heute teilweise an Wabtec verkauft) hat tiefe Lokomotiven- und Schienenfahrzeug-Modelle bei Predix hinterlassen. Eisenbahnverkehrsunternehmen mit GE-Loks finden hier Predictive-Maintenance-Modelle, die Wettbewerber nicht abbilden.

APM-Schwergewichte und Beratungsprojekte: Wer in einem Großkonzern eine standortübergreifende Asset-Performance-Strategie aufsetzt — typischerweise begleitet von einem System-Integrator — und einen reifen, branchenerprobten APM-Stack braucht, findet bei GE Vernova einen etablierten Anbieter mit Referenzen in regulierten Branchen.

OT-Sicherheits-Sensitive: On-Premises-Deployment ist möglich. Für Betreiber kritischer Infrastruktur (KRITIS in Deutschland), die ihre Sensordaten nicht in eine US-Cloud schicken wollen oder dürfen, ist das ein wichtiger Pluspunkt gegenüber rein Cloud-nativen Wettbewerbern.

Weniger geeignet für: Mittelständler ohne GE-Equipment (der Domain-Vorteil entfällt), Teams mit Self-Service-Erwartung (Predix ist Implementierungsgeschäft mit Beratern), Projekte mit kurzem Time-to-Value-Anspruch (typische Implementierung: 9–18 Monate), Organisationen mit kleinem Budget (sechsstellige Lizenzen aufwärts) und alle, die strategische Marken- und Roadmap-Klarheit über die nächsten Jahre brauchen — die Position nach dem GE-Spin-off ist noch nicht ausgehärtet.

Preise im Detail

KomponentePreisWas du bekommst
APM HealthAuf Anfrage (Enterprise)Echtzeit-Zustandsüberwachung, Anomalieerkennung, KPI-Dashboards
APM ReliabilityAuf Anfrage (Enterprise)Predictive-Maintenance-Modelle, RUL-Schätzung, Fehlermodusanalyse
APM StrategyAuf Anfrage (Enterprise)Wartungsstrategieoptimierung, RCM (Reliability-Centered Maintenance)
Digital Twin CatalogInklusive bzw. Asset-basiertVorgefertigte Modelle für GE-Equipment (Gasturbinen, Windturbinen, etc.)
Cloud-DeploymentAsset- oder verbrauchsbasiertHosting auf Microsoft Azure (frühere AWS-Komponenten weitgehend migriert)
On-Premises-LizenzPauschal + jährliche WartungEigenes Rechenzentrum, OT-isoliert, Wartungspauschalen typisch 18–22 %
ImplementierungProjektbasiert (extern oder GE-Vernova-Services)9–18 Monate typisch für ersten produktiven Standort

Einordnung: Predix bzw. die GE-Vernova-APM-Suite ist kein Tool, das du im Selfservice testest. Es gibt keinen Free Tier, keine Trial-Cloud-Sandbox, keine transparente Preisseite. Jede Evaluierung läuft über einen Vertriebsprozess mit Discovery-Calls, Proof of Concept und RFP. Lizenzkosten beginnen für mittelgroße Standorte typischerweise im sechsstelligen Bereich pro Jahr; mit Implementierungsaufwand sind Gesamtprojekte regelmäßig siebenstellig. Das ist nicht aus der Welt für Energieversorger oder Großanlagenbauer mit Asset-Werten in zwei- bis dreistelliger Millionenhöhe — es schließt aber praktisch alle Anwendungsfälle aus, in denen ein Mittelständler „mal IIoT ausprobieren” will. Der ROI-Hebel kommt aus vermiedenen Stillständen und optimierten Wartungsfenstern: Bei einem Gasturbinenstillstand von 100.000 Euro pro Tag rechnet sich eine Predictive-Maintenance-Lösung schnell — bei einer Förderschnecke im Werk eher nicht.

Stärken im Detail

Domänenmodelle, die die Konkurrenz schwer aufholt. GE hat über Jahrzehnte Service-Daten von zehntausenden Gasturbinen, Windkraftanlagen und Lokomotiven gesammelt — und diese Daten sind in die Digital-Twin-Bibliothek eingeflossen. Das bedeutet: Wer eine GE-Gasturbine an Predix anbindet, bekommt nicht nur generische Anomalieerkennung, sondern Modelle, die spezifische Fehlermodi (Schaufelbruch, Lagerverschleiß, Verbrennungsanomalien) erkennen. Diesen Vorsprung hat keine generische Cloud-Plattform.

Asset Performance Management mit echter Tiefe. Die APM-Suite (Health, Reliability, Strategy) ist nach Marktanalysen eine der reifsten Lösungen in ihrem Segment. RUL-Schätzungen, Fehlermodus- und Auswirkungsanalyse (FMEA), zustandsbasierte Wartungsplanung — das sind keine Buzzwords, sondern produktiv genutzte Module bei großen Energieversorgern. Wer im Mittelpunkt eines Asset-zentrierten Geschäfts steht, findet hier mehr als nur ein Dashboard.

On-Premises und OT-Isolation möglich. Anders als rein Cloud-native Wettbewerber unterstützt Predix bzw. die GE-Vernova-Software klassische On-Premises-Installationen. Für KRITIS-Betreiber in Deutschland ist das essenziell — Sensorströme aus einem Kraftwerk dürfen nicht „mal eben” in eine US-Public-Cloud fließen. Die Möglichkeit, Predix-Komponenten innerhalb der eigenen DMZ oder OT-Zone zu betreiben, ist ein echter Differenziator.

Branchenexpertise im Service. Die GE-Vernova-Implementierungspartner und das interne Service-Team kommen aus der Branche — sie kennen Kraftwerksbetrieb, Netzregulierung, Anlagenwartung. In einem Sektor, in dem ein „Cloud-Berater” mit reinem AWS-Hintergrund schnell überfordert ist, hat das spürbare Auswirkungen auf Projekterfolg und Time-to-Value.

Integration in den GE-Software-Stack. Wer Proficy Historian (das Industriedaten-Archiv von GE) oder GridOS einsetzt, profitiert von nahtloser Integration. Datenmodelle, Tag-Mappings und Authentifizierung sind aufeinander abgestimmt — was Wochen an Integrationsarbeit erspart. Außerhalb dieses Ökosystems ist die Integration deutlich aufwändiger.

Embedded-AI auch ohne eigene Data-Science-Kapazität. Die in APM eingebetteten ML-Modelle für Anomalieerkennung und Failure Prediction funktionieren out-of-the-box, sobald Sensor- und Wartungsdaten angeschlossen sind. Anwender müssen nicht selbst PyTorch-Modelle trainieren — was für Energieversorger ohne eigenes Data-Science-Team realistisch passender ist als ein „Sie bekommen die Plattform, trainieren Sie selbst”-Ansatz.

Schwächen ehrlich betrachtet

Strategische Identitätskrise — die Marke „Predix” verblasst. 2015 als General-Purpose-IIoT-PaaS gestartet, hat GE die Plattform-Strategie nach milliardenschweren Verlusten ab 2018/2019 zurückgefahren. Heute ist „Predix” als Standalone-Marke kaum noch sichtbar — die Funktionen sind in APM und Proficy aufgegangen. Mit der GE-Aufspaltung 2024 in GE Aerospace, GE Vernova und GE HealthCare wurde GE Digital weitgehend in GE Vernova überführt. Wer heute „Predix kaufen” will, landet beim Vertrieb für GE Vernova Software — und das ist eine Marken-Migration, die für viele Bestandskunden nach mehreren Strategiewechseln Verunsicherung bedeutet.

Kein öffentliches Pricing, lange Sales-Zyklen. Evaluation ist ohne RFP-Prozess praktisch unmöglich. Das schließt nicht nur Mittelständler aus — auch Großkonzerne mit kurzem Entscheidungsdruck haben es schwer. Wettbewerber mit transparenten Pay-as-you-go-Modellen (AWS IoT SiteWise, Azure IoT) sind hier strukturell schneller bewertbar.

Implementierungsdauer von 9–18 Monaten ist nicht zeitgemäß. Während Cloud-native IIoT-Plattformen Proofs-of-Concept in Wochen ermöglichen, bleibt eine vollständige APM-Implementierung ein Großprojekt mit Beratern, Workshops und Datenmigration. Für innovationsschnelle Branchen ist das zu langsam — für regulierte Schwerindustrie ist es realistisch, aber teuer.

Lock-in über proprietäre Asset-Modelle. Die Stärke der Domänenmodelle ist gleichzeitig ein Bindungsmechanismus. Wer seine Wartungshistorie, Fehlermodus-Bibliotheken und benutzerdefinierten KPIs in der GE-APM-Datenstruktur aufgebaut hat, kann nicht ohne erheblichen Aufwand wechseln. Das ist branchentypisch, aber es sollte ehrlich gesagt werden.

Außerhalb der GE-Equipment-Welt deutlich schwächer. Der Domain-Vorteil verschwindet, sobald nicht-GE-Aggregate dominieren. Eine Stahlwerk-Kette mit Siemens-Antrieben, ABB-Steuerungen und Fanuc-Robotern hat bei Siemens Insights Hub (vormals MindSphere) oder generischen Cloud-IIoT-Plattformen oft den passenderen Stack. Predix war ursprünglich als General-Purpose gedacht — diesen Anspruch hält die heutige Variante nicht mehr ein.

Cloud-Underlay ist Microsoft Azure — mit allen Implikationen. Nach der Konsolidierung läuft die Cloud-Variante primär auf Microsoft Azure. Für DSGVO-Bewertungen heißt das: Azure-Region wählen, Standardvertragsklauseln prüfen, Auftragsverarbeitung mit Microsoft regeln. Das ist kein Showstopper, aber es ergänzt die GE-Vernova-Verträge um eine zweite Provider-Schicht.

Alternativen im Vergleich

Wenn du……nimm stattdessen
Eine deutsche/europäische IIoT-Plattform mit klarer Markenstrategie suchstSiemens Insights Hub
Eine klassische APM-/EAM-Suite mit breitem Branchenfokus brauchstIBM Maximo
OEM-tiefe Asset-Modelle für ABB-Equipment statt GE-Equipment willstABB Ability
Digital Twins als Cloud-Service ohne Predix-Lizenzen aufbaustAzure Digital Twins
Eine Cloud-native Datenplattform für IIoT-Telemetrie und Analytics aufbaustDatabricks

Erwähnenswert ohne Tabellen-Verlinkung: AWS IoT SiteWise und AWS IoT TwinMaker (Cloud-native Konkurrenz mit transparentem Pay-as-you-go), Microsoft Azure IoT Hub (Komplement zu Azure Digital Twins, besonders interessant, weil Predix selbst auf Azure läuft), PTC ThingWorx (etablierter Wettbewerber im IIoT-Plattform-Markt mit ähnlichem Implementierungsprofil) und AVEVA System Platform (Schneider-Electric-Tochter mit starker Präsenz in Petrochemie und Wasserwirtschaft). Für KRITIS-Betreiber in Deutschland ist Siemens Insights Hub (vormals MindSphere) — bei vergleichbarem Reifegrad — oft die politisch und strategisch klarere Wahl, weil Siemens als deutscher OEM eine eindeutigere Positionierung bietet als ein US-Konzern mit unklarer Markenfortführung.

So steigst du ein

Schritt 1: Asset-Bestandsaufnahme — wie viel davon ist GE? Bevor du einen GE-Vernova-Vertriebler kontaktierst, klär intern den GE-Anteil deines Equipment-Portfolios. Bei mehrheitlich GE-Aggregaten (Gasturbinen, Generatoren, Windkraftanlagen) ist Predix bzw. die APM-Suite ein realer Kandidat. Bei GE-Anteil unter 30 % wird der Domain-Vorteil dünn — dann lohnt der parallele Vergleich mit Siemens Insights Hub oder generischen IIoT-Clouds zwingend.

Schritt 2: Pilot definieren — ein Standort, ein Asset-Typ. Statt „wir digitalisieren alle Werke” mit GE-Vernova zu starten, definiere einen klaren Pilot: ein Werk, eine Anlagentype, ein konkreter Use-Case (z. B. Predictive Maintenance der Gasturbine). Implementierungsprojekte mit klarem Scope laufen typischerweise in 6–9 Monaten — gegenüber 18+ Monaten für „Big-Bang”-Rollouts mit unklaren Erwartungen.

Schritt 3: AVV, Cloud-Region und OT-Sicherheit früh klären. Diese Themen kommen bei jedem industriellen IIoT-Projekt — bei Predix wegen der mehrschichtigen Anbieterstruktur (GE Vernova als Haupt-Auftragsverarbeiter, Microsoft Azure als Subverarbeiter) besonders. Klär mit deinem Datenschutzbeauftragten und CISO frühzeitig: Welche Daten dürfen wohin? Reicht Azure West Europe? Brauchst du On-Premises? Ohne diese Antworten startest du keinen Pilot.

Schritt 4: Internes Skill-Building parallel zur Beraterprojekt. Ein häufiger Fehler: Kunden verlassen sich vollständig auf den Implementierungspartner und stehen am Projektende ohne eigene Bedienkompetenz da. Plane parallel zum Pilot mindestens zwei interne Power-User ein, die APM-Konfiguration, Modellwartung und Dashboard-Anpassung selbst übernehmen können — sonst zahlst du dauerhaft externe Tagessätze für jede kleine Änderung.

Ein konkretes Beispiel

Ein deutscher Energieversorger mit zwei Gas- und einem Steinkohleblock (zusammen ca. 1,2 GW installierte Leistung, davon 60 % GE-Turbinen) führt 2025 die GE-Vernova-APM-Suite an einem Pilot-Block ein. Konkreter Use-Case: Restlebensdauer-Prognose für die Gasturbinen-Schaufeln und Optimierung der Inspektionsintervalle. Projektaufbau: Datenintegration aus dem bestehenden Proficy Historian (3 Wochen), Konfiguration der Digital-Twin-Modelle für die spezifischen Turbinentypen (6 Wochen), Schulung von zwei internen APM-Engineers (parallel), Validierung der Modellausgaben gegen historische Wartungsdaten (4 Wochen). Gesamtdauer: 7 Monate bis zum produktiven Einsatz; Lizenzkosten für den Pilot-Standort: ca. 250.000 Euro/Jahr; Implementierungsaufwand: rund 600.000 Euro extern. Spürbarer Effekt: Ein erkannter Schaufel-Frühverschleiß führt zu einer ungeplanten, aber zeitlich gut platzierten Wartung — ein vermiedener Stillstand wird intern auf rund 800.000 Euro Erlösausfall geschätzt. Das Projekt amortisiert sich durch eine einzige verhinderte Notabschaltung. Rollout auf den zweiten Block ist in der Planung — der dritte Block (Steinkohle, perspektivisch Stilllegung) bleibt außen vor.

DSGVO & Datenschutz

  • Anbieter: GE Vernova (Hauptsitz USA, EU-Niederlassungen vorhanden) als Lizenz- und Service-Vertragspartner. GE Vernova ist seit 2024 als eigenständige Aktiengesellschaft an der NYSE notiert — die Eigentümerstruktur ist von General Electric (heute GE Aerospace) entkoppelt.
  • Cloud-Underlay: Bei der Cloud-Variante läuft die Plattform primär auf Microsoft Azure. Für DSGVO-Bewertungen muss zusätzlich die Microsoft-Azure-Auftragsverarbeitung berücksichtigt werden — Standardvertragsklauseln, Region-Auswahl (West Europe für DSGVO-Konformität), Subprozessoren-Liste.
  • On-Premises-Variante: Vollständig in der eigenen Infrastruktur betreibbar — datenschutzrechtlich der saubere Weg für KRITIS- und stark regulierte Branchen. Daten verlassen die eigene Umgebung nur, wenn explizit Telemetrie an GE Vernova für Modellverbesserung freigegeben wird (optional, abschaltbar).
  • Datennutzung: Anonymisierte Telemetrie kann optional zur Verbesserung der Digital-Twin-Modelle an GE Vernova zurückfließen — das ist vertraglich regelbar und sollte bei sensitiven Daten ausgeschlossen werden.
  • Auftragsverarbeitung (AVV): Standard im Enterprise-Vertrag verfügbar. Bei Cloud-Deployment kommt der Microsoft-AVV als Subprozessoren-Vertrag dazu.
  • Empfehlung für Unternehmen: Für KRITIS-Betreiber und sensitive Industrieanwendungen ist On-Premises der unkomplizierteste Pfad. Wer Cloud nutzt, sollte explizit Azure West Europe (oder eine andere EU-Region) festlegen, Telemetrie-Rückflüsse kontraktuell ausschließen oder anonymisieren und die mehrschichtige Auftragsverarbeitung (GE Vernova + Microsoft) sauber dokumentieren.

Gut kombiniert mit

  • Databricks — wenn die rohen Sensor- und Wartungsdaten zusätzlich für ad-hoc Analytics und ML-Experimente außerhalb der APM-Suite zur Verfügung stehen sollen, lädt man sie in ein Lakehouse. Vorteil: Data Scientists arbeiten nicht in der proprietären Predix-Umgebung, sondern auf einer offenen Plattform mit voller Kontrolle.
  • LangChain — für eine LLM-gestützte Bedienoberfläche oberhalb der Predix-/APM-Daten („Welche Turbine hat das höchste Ausfallrisiko in den nächsten 30 Tagen? Erkläre warum”). RAG-Pipeline, die Asset-Daten und Wartungshistorie als Quelle nutzt.
  • Hugging Face — für eigene, ergänzende ML-Modelle (z. B. Spektralanalyse von Vibrationsdaten), die parallel zu den eingebauten APM-Modellen laufen und deren Ergebnisse zurück in die Plattform fließen. Open-Source-Hebel gegen Plattform-Lock-in.

Unser Testurteil

GE Digital Predix bzw. die heutige GE-Vernova-APM-Suite verdient 2 von 5 Sternen. Das ist nicht das Urteil über die technische Qualität — die Domänenmodelle sind nach wie vor weltklasse, und für GE-Equipment-Betreiber gibt es kaum bessere Predictive-Maintenance-Lösungen. Das Urteil reflektiert vielmehr die strategische Unschärfe der Marke, die fehlende Pricing-Transparenz, die lange Time-to-Value und die Erosion des ursprünglichen General-Purpose-Anspruchs. Wer heute eine IIoT-Entscheidung trifft, hat schlankere, transparentere und marken-stabilere Alternativen — selbst innerhalb des „Enterprise-IIoT”-Segments. Predix ist nicht tot, aber es ist auch nicht mehr der Maßstab. Bestandskunden mit bedeutendem GE-Equipment sollten den eingeschlagenen Pfad weitergehen; Neukunden sollten Siemens Insights Hub, AWS IoT, Azure IoT und ggf. PTC ThingWorx ernsthaft mit evaluieren, bevor sie sich für GE Vernova entscheiden.

Was wir bemerkt haben

  • 2018–2019 — GE schreibt milliardenschwere Verluste auf das Predix-Plattformgeschäft ab. Der ursprüngliche Anspruch eines „Operating Systems for Industrial Internet” wird leise zurückgefahren — GE Digital konzentriert sich fortan auf APM und Proficy. Die Marke „Predix” wird in Marketing und Pricing zunehmend in den Hintergrund gerückt.
  • 2020–2022 — Konsolidierung der Cloud-Infrastruktur primär auf Microsoft Azure. Frühere AWS-Komponenten werden migriert oder eingestellt. Für Bestandskunden bedeutet das eine zusätzliche Schicht in der Subprozessoren-Kette.
  • April 2024 — General Electric vollzieht die finale Aufspaltung in GE Aerospace, GE Vernova und GE HealthCare. GE Digital geht im Wesentlichen zu GE Vernova — dem Energie- und Stromnetz-Spin-off, das eigenständig an der NYSE notiert ist. Die Marke „Predix” tritt in der Außenkommunikation hinter „GE Vernova Software” zurück; die Funktionen leben in APM Health, APM Reliability und APM Strategy weiter.
  • 2024–2025 — Wabtec (Eisenbahnsparte, bereits 2019 von GE übernommen) baut eigene Asset-Performance-Lösungen für Schienenfahrzeuge auf, die Predix-Erbe nutzen, aber unter Wabtec-Marken vermarktet werden. Für Bahnverkehrsunternehmen ist die Anbieter-Landschaft dadurch fragmentierter geworden.
  • Mai 2026 — Der Zustand bleibt: Predix als Standalone-IIoT-PaaS-Marke ist faktisch nicht mehr aktiv beworben. Wer den Begriff in der eigenen Strategie-Roadmap stehen hat, sollte mit GE Vernova klären, welcher Produktname (APM, Proficy, GridOS) heute für den jeweiligen Use-Case der richtige ist — und ob der Vertrag noch unter „Predix”-Lizenzbedingungen läuft oder bereits auf neuere SKUs umgestellt wurde.

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