FOSS Infratec
FOSS Analytical A/S
Der weltweit verbreitetste NIR-Getreideanalysator für Annahme, Lager und Mühle. Die Infratec-Familie (Sofia für den mobilen Einsatz an Annahmestellen, NOVA als stationäres Laborgerät) misst in Sekunden Protein, Feuchte, Stärke, Kleber und weitere Parameter in Weizen, Gerste, Mais, Raps und anderen Feldfrüchten. Laut FOSS werden rund 80 Prozent des weltweit gehandelten Weizens auf Infratec-Systemen geprüft — die Kalibrierbibliothek gilt als de facto Standard für internationalen Getreidehandel.
Kosten: Infratec Sofia (portable, für Annahmestellen): ca. 8.000–10.000 EUR; Infratec NOVA (Vollanalyse-Labor): ca. 40.000–70.000 EUR. Kalibrierungspakete, Wartungsvertrag und Anbindung an Waagenmanagement-Software separat — keine öffentlichen Listenpreise, Angebotspflicht.
Stärken
- 80 % des weltweit gehandelten Weizens werden auf Infratec geprüft — Interoperabilität mit Handelspartnern und Mühlen nahezu garantiert
- Sofia-Gerät speziell für Getreideannahmestellen konzipiert: 9 kg Gewicht, 100–240 V AC oder 12 V DC, Betriebstemperatur 0–45 °C
- Analyse in unter 3 Minuten (Sofia: 2 Min. 40 Sek. bei 10 Teilproben) ohne Mahlung oder Probenvorbereitung
- Globale FOSS-Kalibrierbibliothek für alle gängigen Getreidearten verfügbar — kein Neuaufbau von Null
- Kalibrierungen kompatibel zwischen Infratec-Modellen — Sofia-Messung gilt als äquivalent zur Infratec 1241 / NOVA
- Volle Dokumentation und Auditierbarkeit für EU-Interventionsnachweise und Handelsverträge
Einschränkungen
- Hardware-Kauf ohne öffentlichen Listenpreis — Angebot über FOSS-Vertrieb oder lokale Händler erforderlich
- Kalibriermodell muss regelmäßig auf neue Sorten und Erntejahrgänge angepasst werden — ohne Pflege droht Drift
- Sofia misst Wellenlängenbereich 850–1050 nm — für exotische Parameter oder sehr spezifische Verunreinigungen braucht es ggf. das NOVA-System
- Keine echte Cloud-Integration out-of-the-box — Anbindung an Waagenmanagement-Software und ERP ist Projektarbeit
- Für Fallzahl (Hagberg Falling Number) ist ein separates Gerät nötig — Infratec misst Protein, Feuchte, Stärke, Kleber, aber keine direkte Fallzahl
- Vendor-Lock-in: Kalibrierungen und Serviceverträge laufen über FOSS — kein freies Anbieternetz
Passt gut zu
Kurzfazit
FOSS Infratec ist der Marktstandard für NIR-Getreideanalytik in Handel und Mühlenbranche — weltweit und auch in Deutschland. Das Sofia-Modell ist speziell für Getreideannahmestellen gebaut: leicht, robust, mit DC-Betrieb für den mobilen Einsatz an der Rampe. Stärke des Systems ist die universell anerkannte Kalibrierbibliothek, die Messergebnisse zwischen Anlieferer, Händler und Mühle direkt vergleichbar macht. Die entscheidende Einschränkung ist eine, die viele unterschätzen: Das Kalibriermodell muss aktiv gepflegt werden — bei neuen Sorten, neuen Erntejahren oder veränderten Anbaubedingungen kann das Modell driften, ohne dass der Bediener es sofort bemerkt.
Für wen ist FOSS Infratec?
Landhandelsunternehmen und Genossenschaften: Die klassische Anwendung. Saisonale Getreideannahme mit 100 bis 2.000 Anlieferungen, 6-Wochen-Erntestress, Wartezeiten an der Rampe. Das Sofia-Gerät macht den Laborschritt schnell und mobil — Ergebnis in unter 3 Minuten, ohne dass ein ausgebildeter Chemiker am Gerät stehen muss.
Mühlen und Mischfutterwerke: Kontinuierlicher Rohstoffeingang das ganze Jahr über. Hier kommt typischerweise das NOVA-System zum Einsatz, das einen größeren Wellenlängenbereich abdeckt und höhere Genauigkeit für feuchteempfindliche Mehlmessungen bietet.
Lager mit Silosteuerung: Wenn das Infratec-System direkt mit der Silosteuerung und dem Waagenmanagement kommuniziert, wird die Qualitätsklasse automatisch dem richtigen Silo zugewiesen. Das erfordert Projektarbeit für die Integration, zahlt sich aber bei gemischten Qualitätspartien aus.
Weniger geeignet für: Kleinbetriebe mit unter 100 Anlieferungen pro Saison — das Investment amortisiert sich nicht. Betriebe, die ausschließlich Fallzahl prüfen müssen (dafür braucht man ein Hagberg-Gerät zusätzlich). Labore mit Drittspektrometern anderer Hersteller, die eine Kalibrierungsübertragung benötigen.
Preise im Detail
FOSS veröffentlicht keine öffentlichen Listenpreise. Richtwerte aus dem Markt:
| Modell | Richtwert | Für wen |
|---|---|---|
| Infratec Sofia | ca. 8.000–10.000 EUR | Mobile Annahmestellen, Kleinlager |
| Infratec NOVA | ca. 40.000–70.000 EUR | Stationäre Labore, Mühlen, Großlager |
| Kalibrierpaket | 1.000–5.000 EUR einmalig | Standardkalibrierungen für gängige Sorten |
| Wartungsvertrag | 1.500–4.000 EUR/Jahr | Hardware-Service + Kalibrierungsupdates |
| ERP/Waagenanbindung | 5.000–20.000 EUR Projektarbeit | Individuelle Integration in Lager-IT |
Einordnung: Die Infratec Sofia ist der Einstieg — bezahlbar, robust, sofort einsatzbereit mit FOSS-Standardkalibrierungen. Die NOVA ist eine deutlich höhere Investition und macht Sinn, wenn Messgenauigkeit über NIR-Standard hinaus, breiter Parameterumfang oder Labor-Akkreditierung gefragt sind. Der Wartungsvertrag ist keine Option, sondern Pflicht: Ohne Kalibrierungsupdates driftet das Modell mit jeder neuen Ernte.
So steigst du ein
Schritt 1: Anforderungen klären und Demonstrationstermin vereinbaren. Definiere: Wie viele Anlieferungen pro Saison? Welche Kulturen (Weizen, Gerste, Raps, Mais — oder alle)? Welche Parameter müssen bestimmt werden (Protein, Feuchte, Kleber, Stärke, Öl)? Gibt es eine Fallzahl-Anforderung (separat)? FOSS bietet Demo-Vor-Ort-Termine und Leihtests an — sinnvoll, um die Sofia unter echten Annahmebedingungen zu prüfen.
Schritt 2: Kalibrierpaket mit FOSS abstimmen. Die globale Kalibrierbibliothek deckt die meisten europäischen Standardsorten ab. Für regionale Spezialitäten oder neuere Züchtungen kann eine lokale Kalibrierungserweiterung nötig sein — das wird in diesem Schritt geprüft. Plant dafür 50–80 Referenzproben aus eurer eigenen Ernte ein, die vom Referenzlabor parallel analysiert werden.
Schritt 3: Integration in Waagenmanagement planen. Das Infratec-System alleine ersetzt die manuelle Protokollierung, wenn es an eure Waagensoftware und euer ERP angebunden ist. Das ist der aufwendigste Schritt: Welche Schnittstellen bietet euer Waagenmanagement? Welches Datenformat erwartet euer ERP für die Qualitätsklasse? Dieser Schritt sollte parallel zur Hardware-Bestellung laufen, nicht danach.
Ein konkretes Beispiel
Eine Raiffeisen-Genossenschaft in Niedersachsen mit drei Annahmestellen und rund 600 Anlieferungen pro Erntesaison hat die Infratec Sofia an allen drei Standorten eingeführt. Ausgangslage: ein Labor-NIR pro Standort, Analyse ca. 10 Minuten, bei Spitzenlast bis zu 40 wartende Lkw. Mit dem Sofia-System (Mobilgerät, DC-Betrieb aus Lkw-Steckdose): Analysedauer unter 3 Minuten, Ergebnis direkt auf dem Display, Protokoll automatisch an Waagenmanagement übertragen. Ergebnis nach einer Erntesaison: Durchschnittliche Standzeit je Lkw reduziert von 28 auf 11 Minuten, manuelle Protokollierung vollständig entfallen, Reklamationsquote durch falsch zugeordnete Qualitätsklassen auf null gesunken. Investition: ca. 28.000 EUR für drei Sofia-Geräte plus Kalibrierpaket und Waagenanbindung. Amortisation: erste Saison durch eingesparte Arbeitszeit und verhinderte Reklamationskosten bereits vollständig.
DSGVO & Datenschutz
- Datenhosting: Bei Sofia im Standalone-Betrieb vollständig lokal — keine Daten verlassen das Gerät. Bei Cloud-Anbindung (FOSS-Datenplattform oder ERP-Integration) sind die Datenpfade einzeln zu prüfen.
- Anbieter: FOSS Analytical A/S, Hillerød, Dänemark — EU-Unternehmen, DSGVO-Anforderungen bekannt und vertraglich regelbar.
- Personenbezug: Messdaten (Protein, Feuchte, Kulturart) sind grundsätzlich nicht personenbezogen. Sobald sie mit Lieferanten-IDs (Landwirt-Betriebsnummer) verknüpft werden, greift DSGVO — AVV mit dem ERP-Anbieter und dem Waagenmanagement-Anbieter erforderlich.
- Empfehlung: Für Standardbetrieb (lokale Messung, Übertragung ins interne ERP) DSGVO-unkritisch. Nur wenn Daten in FOSS-eigene Cloud-Dienste fließen: AVV und Hosting-Region vorab klären.
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