Zum Inhalt springen
🇺🇸 US-Server Geprüft: Mai 2026

ClearML

ClearML Inc.

4/5
Tool öffnen

Open-Source-MLOps-Plattform für Experiment-Tracking, Daten-Versionierung, Pipeline-Orchestrierung und Modell-Registry — komplett selbst hostbar oder als Managed SaaS. Reife Alternative zu MLflow und Weights & Biases mit deutlich breiterem Funktionsumfang als reine Tracking-Tools. Self-Hosting ist erwachsen, die SaaS-Variante läuft jedoch in den USA — für DSGVO-Anwender zählt fast nur die On-Prem-Option.

Kosten: Open-Source-Server kostenlos selbst hostbar (Apache 2.0). Hosted Community 0 USD (bis 3 Nutzer, 100 GB Storage, 1 GB Metrics, 1 Mio. API-Calls/Monat). Hosted Pro 15 USD/Nutzer/Monat (bis 10 Nutzer) plus Pay-as-you-go (0,10 USD/GB Storage, 0,01 USD/MB Metrics, 1 USD/100K API-Calls). Scale und Enterprise (VPC, On-Prem) auf Anfrage.

Stärken

  • Apache-2.0-Lizenz — vollständiges Self-Hosting ohne Lizenzkosten möglich (Docker-Compose oder Kubernetes)
  • Ein Tool für den ganzen ML-Lifecycle: Tracking, Datasets, Pipelines, Modell-Registry, Agenten-Orchestrierung, Hyperparameter-Sweeps
  • Auto-Magic-Logging — zwei Zeilen Python (`from clearml import Task; Task.init(...)`) reichen, um Metriken, Artefakte, Code-Diffs und Umgebung automatisch zu erfassen
  • ClearML Agents übernehmen GPU-Scheduling und Auto-Scaling auf eigener Hardware oder in der Cloud (AWS, GCP, Azure)
  • Hyper-Datasets erlauben versionierte, abfragbare Daten-Snapshots mit Lineage über alle Trainings hinweg
  • Aktive Open-Source-Community mit 6.000+ GitHub-Stars und regelmäßigen Releases

Einschränkungen

  • Hosted SaaS läuft auf US-Servern — kein offizielles EU-Region-Angebot (Stand Mai 2026)
  • Kein deutschsprachiger Support, Dokumentation und Community ausschließlich auf Englisch
  • Self-Hosting verlangt DevOps-Know-how — Docker, Kubernetes, eigene Backups, eigene Updates
  • UI ist funktional, aber im direkten Vergleich zu Weights & Biases optisch weniger poliert
  • Pay-as-you-go-Modell der Pro-Cloud kann bei intensiver Nutzung schnell teurer werden als ein flat-rate Wettbewerber
  • Marketing und Produktbenennung haben sich in den letzten Jahren mehrfach verschoben (Allegro Trains → ClearML), was alte Tutorials und Stack-Overflow-Antworten veraltet wirken lässt

Passt gut zu

ML-Engineers Data-Science-Teams MLOps-Teams Forschungsgruppen Self-Hosting-affine Unternehmen

Wann ja, wann nein

Wann ja

  • Du willst MLOps komplett selbst hosten, ohne Lizenzkosten und ohne Datenabfluss in fremde Clouds
  • Du brauchst mehr als nur Experiment-Tracking — also auch Pipelines, Daten-Versionierung und Compute-Orchestrierung in einem Tool
  • Du arbeitest mit eigenen GPU-Workern oder willst Auto-Scaling auf AWS/GCP-Spot-Instances aufbauen
  • Dein Team ist DevOps-fit und schätzt Open-Source-Stack-Kontrolle gegenüber bequemer SaaS

Wann nein

  • Du suchst eine fertige SaaS in der EU-Region ohne Self-Hosting — dann ist die Hosted-Variante DSGVO-kritisch
  • Du hast kein DevOps-Team und willst den Server nicht selbst betreiben — dann sind Managed-Wettbewerber bequemer
  • Du brauchst nur einfaches Experiment-Tracking ohne Pipelines, Agenten oder Datasets — dann ist MLflow leichtgewichtiger
  • Dir ist eine besonders polierte UI wichtiger als Funktionsbreite

Kurzfazit

ClearML ist die breiteste Open-Source-MLOps-Plattform am Markt — Experiment-Tracking, Daten-Versionierung, Pipeline-Orchestrierung, Modell-Registry und Compute-Agenten in einem Tool, vollständig unter Apache-2.0-Lizenz selbst hostbar. Wer alle MLOps-Bausteine aus einer Hand will und ein DevOps-Team mitbringt, bekommt hier die ehrlichste Alternative zu MLflow plus Airflow plus Weights & Biases plus DVC. Der Preis: die Self-Hosting-Variante setzt Kubernetes- und Datenbank-Know-how voraus, und die Managed-Cloud läuft ausschließlich in den USA — für DSGVO-sensible Branchen ist On-Prem fast die einzige saubere Option. Für Forschungsgruppen, KI-Labs und Mittelständler mit eigenem GPU-Cluster ist ClearML 2026 eine der ernstzunehmendsten MLOps-Wahlen.

Für wen ist ClearML?

ML-Engineers in Self-Hosting-fähigen Teams: Wer Python schreibt, eigene GPU-Worker betreibt und keinen Datenabfluss in US-Clouds will, bekommt mit ClearML einen vollständigen MLOps-Stack ohne Lizenzkosten. Die Open-Source-Variante deckt alle Funktionen der Hosted-Version ab — der einzige Unterschied ist, wer den Server betreibt.

Forschungsgruppen und Universitäten: Apache-2.0-Lizenz, kein Vendor-Lock-in, Community-Edition für kleine Teams kostenlos. Für akademische Labs, die mit fluktuierenden Studierenden und Postdoc-Stellen arbeiten, ist die offene Lizenz und die Möglichkeit, Setups selbst weiterzureichen, ein wesentlicher Vorteil gegenüber proprietären SaaS-Tools.

MLOps-Teams in Mittelstand und Konzern: Die Plattform vereint, was sonst aus drei bis fünf einzelnen Tools zusammengestrickt wird (MLflow für Tracking, DVC für Daten, Airflow für Pipelines, Kubeflow für Orchestrierung, Weights & Biases für Visualisierung). Wer einen einheitlichen Stack möchte, statt fünf Tools zu integrieren, profitiert sofort.

Teams mit Compliance-Anforderungen an On-Prem oder Air-Gap: ClearML lässt sich vollständig in abgeschotteten Netzwerken betreiben — ohne Internet-Anbindung, ohne Telemetrie nach außen. Für Verteidigung, Pharma-Forschung, Finanzaufsicht und kritische Infrastruktur ist das die entscheidende Eigenschaft, die viele MLOps-SaaS schlicht nicht bieten.

Datenwissenschaftler in Hyperparameter-intensiven Domänen: Der eingebaute Hyperparameter-Optimizer (HPO) skaliert über mehrere Worker und Cloud-Instances. Wer regelmäßig Sweeps mit hunderten Trainings fährt, spart durch das Auto-Scaling von Spot-Instances real Geld.

Weniger geeignet für: Einzelne Data-Scientists, die nur ein einfaches Tracking-Notebook brauchen (dann ist MLflow leichter), Teams ohne DevOps-Kapazität (Self-Hosting ist kein Plug-and-Play), Anwender mit harter EU-Hosting-Pflicht ohne Bereitschaft zum Self-Hosting (es gibt keine Hosted-EU-Region) und Nutzer, denen UI-Politur wichtiger ist als Funktionsbreite.

Preise im Detail

PlanPreisWas du bekommst
Self-Hosted Open Source0 USD (Apache 2.0)Kompletter Server-Stack, alle Kernfunktionen, unbegrenzte Nutzer, Docker-Compose oder Kubernetes-Deployment
Hosted Community0 USDBis 3 Nutzer, 100 GB Artefakt-Storage, 1 GB Metric-Events, 1 Mio. API-Calls/Monat, Community-Support
Hosted Pro15 USD/Nutzer/MonatBis 10 Nutzer, 120 GB Storage, 1,2 GB Metrics, 1,2 Mio. API-Calls. Pay-as-you-go: 0,10 USD/GB Storage, 0,01 USD/MB Metrics, 1 USD/100K API-Calls
ScaleAuf Anfrage (VPC)8–48 GPUs, Hyper-Datasets, Fine-Tuning, IDE-Launcher, Kubernetes-Integration
EnterpriseAuf Anfrage (VPC oder On-Prem)Mehrere große Projekte, Advanced Scheduling, RBAC, White-Glove-Support, air-gapped Deployment möglich

Einordnung: Das Self-Hosting ist und bleibt der wirtschaftlichste Pfad — kein Lizenzkosten-Posten, dafür Server-, Storage- und DevOps-Aufwand. Für ein typisches Mittelstandsteam mit eigenem Kubernetes-Cluster bedeutet das ein paar Hundert Euro Cloud-Kosten pro Monat plus die Arbeitszeit eines DevOps-Engineers (geschätzt ein halber Tag pro Monat im stabilen Betrieb). Die Hosted-Pro-Cloud ist mit 15 USD/Nutzer/Monat günstig im Direktvergleich zu Weights & Biases (~50 USD/Nutzer/Monat in vergleichbarem Tier), bei intensiver Nutzung kann das Pay-as-you-go-Modell jedoch unangenehme Überraschungen bringen — wer 10 GB Metrics pro Monat erzeugt, zahlt allein dafür 100 USD zusätzlich. Scale und Enterprise sind klassische Vertriebsverhandlungen mit fünfstelligen Jahresbeträgen.

Stärken im Detail

Ein Tool für den vollständigen ML-Lifecycle. Bei vielen Teams ist der MLOps-Stack ein Bastelwerk: MLflow für Tracking, DVC für Datasets, Airflow oder Prefect für Pipelines, Kubeflow für Orchestrierung, ein eigenes Modell-Registry. Jede Komponente bringt eigene Authentifizierung, eigene Backups, eigene Lernkurve. ClearML konsolidiert das in einer Plattform — mit gemeinsamer User-Verwaltung, einheitlichem UI und integrierter Lineage zwischen Daten, Code und Modellen.

Auto-Magic-Logging mit zwei Zeilen Code. Der Einstieg ist erfrischend einfach: from clearml import Task; task = Task.init(project_name="x", task_name="y") reicht, damit ClearML automatisch Hyperparameter, Metriken, Konsolenausgabe, Git-Commit-Hash, installierte Pakete, Modell-Artefakte und sogar Matplotlib-Plots erfasst. Wer schon einmal MLflow-Logging manuell in eine Trainings-Schleife eingebaut hat, weiß, wie viel Boilerplate das spart.

ClearML Agents als ernstzunehmende Compute-Orchestrierung. Ein Agent ist ein leichter Python-Worker, der auf einer GPU-Maschine lauscht und Trainings-Tasks aus einer Queue zieht. Du orchestrierst damit lokale GPUs, On-Prem-Cluster und Cloud-Auto-Scaling-Pools (AWS, GCP, Azure) aus einer einheitlichen Schnittstelle. Spot-Instance-Auto-Scaling ist eingebaut — der Agent fährt automatisch Cloud-Worker hoch, wenn Tasks in der Queue stehen, und runter, wenn sie leer ist. Für GPU-intensive Workloads ist das ein realer Kosten-Hebel.

Hyper-Datasets für versionierte Daten-Pipelines. Statt jedes Trainingsdatensatz als opaken Blob zu behandeln, erlaubt Hyper-Datasets versionierte, abfragbare Snapshots mit vollständiger Lineage: Welcher Datensatz hat welches Modell trainiert, welche Augmentierung wurde angewandt, welche Samples sind in welcher Version. Für Forschungsgruppen mit reproducability-Anforderungen oder für regulierte Branchen, in denen Datenherkunft dokumentiert sein muss, ist das ein gewichtiges Argument.

Apache-2.0-Lizenz und Self-Hosting ohne Klauseln. Anders als manche „Open Core”-Wettbewerber, die kritische Features (RBAC, SSO, Audit-Logs) nur in die kostenpflichtige Cloud auslagern, ist die selbst gehostete ClearML-Variante voll funktional — auch RBAC ist im Open-Source-Server enthalten. Erst Enterprise-Features wie Advanced Scheduling und White-Glove-Support liegen ausschließlich in den Bezahltarifen.

Eingebaute Hyperparameter-Optimierung. Bayesian Optimization, Grid Search, Random Search und Optuna-Integration sind direkt in ClearML eingebaut. Ein HPO-Sweep über 200 Trainings auf 8 GPU-Workern braucht weniger als 50 Zeilen Python — die Worker pickt der Agent aus der Queue, die Ergebnisse landen automatisch im Tracking. Wer das mit MLflow plus Optuna plus eigenem Scheduler nachbaut, schreibt deutlich mehr Code.

Schwächen ehrlich betrachtet

Keine Hosted-EU-Region. Die Managed-Cloud (Community und Pro) läuft auf US-Infrastruktur. Eine native EU-Region wurde bislang nicht angekündigt — und für DSGVO-sensible Workloads ist die SaaS damit faktisch keine Option ohne Standardvertragsklauseln, Datenschutz-Folgenabschätzung und sehr genaue Prüfung. Wer in der EU produktiv mit ClearML arbeiten will, plant Self-Hosting ein. Das ist machbar, aber muss man wollen.

Self-Hosting ist erwachsen, aber kein Spaziergang. Der Server-Stack besteht aus mehreren Komponenten (API-Server, Web-UI, Elasticsearch, MongoDB, Redis, File-Server). Ein Docker-Compose-Setup läuft auf einer Maschine in 30 Minuten, aber produktionsreif mit HA, Backups, Monitoring und sicherem TLS-Routing ist mindestens ein Tag DevOps-Arbeit — und der laufende Betrieb verlangt Updates, Datenbank-Migrationsprüfung und Disk-Management. Wer kein DevOps-Team hat, sollte realistisch Hosted nutzen oder eine Wettbewerber-SaaS evaluieren.

Kein deutschsprachiger Support, Doku und Community auf Englisch. ClearML ist ein israelisches Unternehmen mit globalem Fokus, ohne deutschsprachigen Sales- oder Support-Kanal. Tickets, Slack-Community, Dokumentation und Tutorials sind durchweg englisch — was im ML-Engineering-Umfeld kein großes Hindernis ist, aber eben erwähnt werden muss.

UI funktional, aber kein Wettbewerber zu W&B in der Politur. Die Web-Oberfläche ist sauber und übersichtlich, hat aber nicht die geschmeidigen Visualisierungen, die Weights & Biases zur Premium-Marke gemacht haben. Für gemeinsames „Rumspielen” mit Plots, eingebettete Reports und Marketing-taugliche Dashboards ist W&B vorne — ClearML ist eher Werkzeug als Showcase.

Pay-as-you-go in der Hosted-Pro-Cloud kann teuer werden. Die 15 USD/Nutzer/Monat sind nur die Eintrittskarte — Storage, Metrics und API-Calls werden ab Inklusivkontingent zusätzlich abgerechnet. Bei einem Team mit 10 Engineers und 5 GB Metrics pro Monat sind schnell mehrere Hundert USD/Monat erreicht. Wer absehbar dauerhaft in dieser Größenordnung arbeitet, sollte direkt rechnen, ob Self-Hosting oder ein Flat-Rate-Wettbewerber günstiger ist.

Produkt- und Marken-Historie verwirrt Neueinsteiger. ClearML hieß ursprünglich „Allegro Trains” — viele alte Stack-Overflow-Antworten, GitHub-Issues und Tutorials referenzieren noch den alten Namen. Auch die Modul-Struktur (clearml, clearml-agent, clearml-serving, clearml-session) ist im ersten Anlauf nicht intuitiv. Wer recherchiert, sollte explizit nach „clearml” filtern und neuere Quellen bevorzugen.

Alternativen im Vergleich

Wenn du……nimm stattdessen
Reines, leichtgewichtiges Experiment-Tracking ohne Pipelines suchstMLflow
Quelloffene Modell-Hubs mit Inferenz-API kombinieren willstHugging Face
LLM-Tracing und LLM-Evaluation statt klassisches ML-Training brauchstLangChain
KI-Anwendungen direkt in die Cloud deployen willst (Azure-Stack)Azure OpenAI Service
Visuelle Workflow-Automatisierung statt MLOps suchstn8n

Erwähnenswert ohne eigene Tool-Seite: Weights & Biases (der polierteste SaaS-Wettbewerber, US-basiert, mit deutlich höherem Preis), Neptune.ai (polnischer Anbieter mit europäischem Fokus und DSGVO-Argumentation), Comet ML (US-Wettbewerber mit ähnlichem Funktionsumfang), Kubeflow (Open-Source-Pipeline-Orchestrierung von Google, deutlich Kubernetes-zentrierter), DVC (reine Daten-Versionierung) und Determined AI (HPE-Tochter, stark in Hyperparameter-Search). ClearML bleibt 2026 die breiteste Open-Source-MLOps-Plattform — wer nur EINE der Funktionen braucht, findet leichtgewichtigere Spezial-Tools, wer ALLE braucht, hat aktuell keine bessere Open-Source-Wahl.

So steigst du ein

Schritt 1: Mit zwei Zeilen Code an die Hosted-Community-Cloud. Registriere dich auf app.clear.ml, erzeuge einen API-Key und führe pip install clearml plus clearml-init aus. In jedem Trainings-Skript reichen dann from clearml import Task; task = Task.init(project_name="MyProject", task_name="experiment-1") — alle Hyperparameter, Metriken und Konsolenausgaben landen automatisch im Web-UI. Diese ersten 30 Minuten zeigen den eigentlichen Charme von ClearML: minimaler Code, maximale Sichtbarkeit.

Schritt 2: Self-Hosting in einer VM evaluieren. Sobald klar ist, dass ClearML ins Workflow passt, lohnt der Self-Hosting-Test: Eine kleine VM (4 vCPU, 16 GB RAM, 100 GB Disk), docker compose up mit dem offiziellen Stack, eigener TLS-Reverse-Proxy davor — fertig ist eine private Instanz. Dieser Schritt ist die ehrliche Probe, ob das eigene Team Self-Hosting tragen will.

Schritt 3: Agenten und Pipelines aufsetzen. Auf einer GPU-Maschine clearml-agent daemon --queue default --gpus 0 starten — ab sofort werden Trainings, die du in der UI in die Queue legst, automatisch dort ausgeführt. Pipelines werden mit PipelineController deklarativ in Python geschrieben (add_step("train", ...), add_step("evaluate", ...)) — vergleichbar mit Airflow, aber ML-spezifischer. Wer hier ankommt, hat den eigentlichen Wert von ClearML erreicht: orchestriertes, reproduzierbares Training auf eigener Hardware.

Schritt 4: Auto-Scaling auf Spot-Instances einrichten. Für intensives Training oder HPO-Sweeps lohnt sich der Cloud-Auto-Scaler: ClearML startet auf AWS, GCP oder Azure GPU-Instances je nach Queue-Tiefe und beendet sie automatisch nach Idle-Timeout. Spot-Instance-Pricing kann die Trainingskosten um 60–80 % senken. Die Konfiguration ist YAML-basiert, dokumentiert und im stabilen Betrieb wartungsarm.

Ein konkretes Beispiel

Ein Berliner KI-Startup (12 ML-Engineers, Computer-Vision für industrielle Qualitätssicherung) betreibt MLOps komplett auf einem eigenen Kubernetes-Cluster bei einem deutschen Hoster (Hetzner, Standort Falkenstein). Stack: ClearML-Server selbst gehostet, MongoDB und Elasticsearch als Cluster-Backing, MinIO als S3-kompatibler Artefakt-Speicher. Trainings-Workflow: Datenwissenschaftler:innen entwickeln in Jupyter-Notebooks, klonen das Trainings-Skript in eine ClearML-Queue für die GPU-Worker (4 NVIDIA-A100-Knoten on-premise), beobachten Metriken live im Web-UI. Daten-Pipeline: Roh-Bilder werden täglich aus Produktionsanlagen synchronisiert, mit ClearML Hyper-Datasets versioniert, mit Augmentierungen vorprozessiert. Training: Wöchentlicher HPO-Sweep mit 80 Konfigurationen, automatisch verteilt auf alle 4 GPU-Knoten. Modell-Deployment: Best-Modell aus der ClearML-Registry wird mit clearml-serving als REST-API auf die Edge-Geräte in den Werken gepusht. Spürbarer Effekt: Reproduzierbarkeit von Trainings ist von „Hoffentlich finden wir den richtigen Notebook-Stand” auf vollständige Lineage gestiegen, monatliche Cloud-Kosten gegenüber einem hypothetischen W&B-Setup mehrere Hundert Euro niedriger, und die kritischen Trainingsdaten verlassen nie deutsches Hoheitsgebiet.

DSGVO & Datenschutz

  • Self-Hosted (Open Source): Vollständig DSGVO-kontrollierbar, weil du selbst entscheidest, wo der Server läuft. Auf deutschem oder EU-Hoster (Hetzner, IONOS, OVH, Strato, AWS Frankfurt) deploybar. Keine Telemetrie nach außen erforderlich (optionale anonyme Statistik kann deaktiviert werden).
  • Hosted Community / Pro: Server stehen in den USA. Anbieter ist ClearML Inc. (US-amerikanische Gesellschaft mit Entwicklungsstandort Israel). Für DSGVO-sensible Workloads keine Empfehlung ohne ergänzende Vertragsgestaltung und sorgfältige Risikoabwägung.
  • Datennutzung: ClearML nutzt Kunden-Trainingsdaten ausdrücklich nicht für eigene Zwecke; die Hosted-Cloud ist reine Datenverarbeitung im Auftrag. Für die Ausgestaltung relevant ist trotzdem das US-Hosting (Cloud Act, Schrems II).
  • Auftragsverarbeitung (AVV): Für Pro-, Scale- und Enterprise-Kunden auf Anfrage verfügbar. Für Hosted Community nicht standardmäßig vorgesehen.
  • Air-gapped Deployment: Im Enterprise-Plan möglich — kompletter Server-Stack ohne Internet-Anbindung, inklusive offline-Update-Pakete. Für Verteidigung, kritische Infrastruktur und besonders sensible Forschung relevant.
  • Empfehlung für Unternehmen: Für DSGVO-pflichtige Branchen (Recht, Medizin, Finanzen, Behörden, Industriedaten) ist Self-Hosting auf EU-Cloud oder On-Prem der einzige saubere Pfad. Hosted Pro/Community nur für unkritische Forschungsdaten oder als Evaluations-Sandbox.

Gut kombiniert mit

  • Hugging Face — Modelle und Datasets aus dem Hub werden direkt in ClearML-Trainings geladen, das Tracking läuft parallel. Die Kombination ist Standard für Teams, die Open-Source-Modelle feintunen und das Experiment-Management sauber versionieren wollen.
  • LangChain — wenn das trainierte Modell anschließend in eine LLM-Anwendung eingebettet wird, übernimmt LangChain die Orchestrierung der Inferenz, ClearML bleibt für Training und Modell-Registry zuständig. Saubere Trennung von Training-Time und Run-Time.
  • n8n — für nicht-MLOps-Aufgaben (Slack-Notifications bei abgeschlossenen Trainings, automatische Modell-Promotion in Staging) lässt sich ClearML per Webhook an n8n anbinden. Damit verlässt MLOps die Bubble und greift in den Geschäftsbetrieb.

Unser Testurteil

ClearML verdient 4 von 5 Sternen. Es ist die breiteste, ehrlichste Open-Source-MLOps-Plattform im Markt — Self-Hosting ist nicht nur Marketing-Versprechen, sondern voll funktional, und die Funktionsbreite (Tracking, Datasets, Pipelines, Agenten, Registry, HPO) ersetzt einen ganzen Stack einzelner Tools. Den fünften Stern verlieren wir wegen der fehlenden Hosted-EU-Region, die für viele europäische Kunden bedeutet, dass nur Self-Hosting in Frage kommt — und damit zwingend ein DevOps-Team. Hinzu kommt die UI-Politur, die hinter Weights & Biases zurückbleibt, und die kommunikative Verwirrung durch die Allegro-Trains-Vergangenheit und die zahlreichen Sub-Module. Trotzdem: Wer 2026 einen ernsthaften, kostenkontrollierten, DSGVO-fähigen MLOps-Stack bauen will, sollte ClearML mindestens evaluieren — in den meisten Fällen wird es im Stack landen.

Was wir bemerkt haben

  • 2021 — Allegro AI hat das Produkt von „Allegro Trains” in „ClearML” umbenannt und die Firma analog umbenannt. Viele alte Tutorials, Stack-Overflow-Antworten und GitHub-Issues referenzieren noch den alten Namen — beim Recherchieren explizit auf neuere Quellen achten.
  • 2023 — Mit „ClearML GenAI” wurde eine LLM-spezifische Erweiterung angekündigt (Modell-Deployment, Vector-Stores, RAG-Tooling). Die Aufnahme im Markt war verhalten — der LLM-Bereich wird stärker von spezialisierten Frameworks wie LangChain und LlamaIndex dominiert. ClearML bleibt im klassischen ML-Training (Computer Vision, Tabular, NLP-Klassifikation) am stärksten positioniert.
  • 2024 — Die Hosted-Pro-Cloud wurde von einem flat-rate-Modell auf das aktuelle „15 USD/Nutzer/Monat plus Pay-as-you-go”-Modell umgestellt. Für viele Bestandskunden bedeutete das eine spürbare Preiserhöhung bei intensiver Nutzung — die Reaktion in der Community war kritisch, der Wechsel zu Self-Hosting wurde an mehreren Stellen aktiv diskutiert.
  • Mai 2026 — Eine native EU-Hosted-Region wurde bisher nicht angekündigt. Für DSGVO-Anwender bleibt der einzige saubere Pfad Self-Hosting auf eigener EU-Infrastruktur — diese Lücke ist seit Jahren unverändert und in europäischen Sales-Gesprächen ein wachsender Diskussionspunkt.
  • Mai 2026 — Das GitHub-Repository steht stabil bei 6.000+ Stars und zeigt regelmäßige Releases im Wochenrhythmus. Anders als bei manchen Open-Source-Projekten, deren kommerzielle Träger das Open-Source-Tempo verlangsamen, hat ClearML Inc. die Apache-2.0-Linie konsequent gehalten.

Diesen Inhalt teilen:

Redaktionell bewertet · Preise und Funktionen können sich ändern.

Stimmt etwas nicht?

Preise geändert, Feature veraltet oder etwas fehlt? Wir freuen uns über Hinweise und Ergänzungen.

Feedback geben

Nicht sicher, ob ClearML zu euch passt?

Wir helfen bei der Tool-Auswahl und begleiten die Einführung in euren Arbeitsalltag — unverbindlich und kostenlos im Erstgespräch.

Erstgespräch anfragen
Kostenloser Newsletter

Bleib auf dem neuesten
Stand der KI

Wähle deine Themen und erhalte relevante KI-News, Praxistipps und exklusive Inhalte direkt in dein Postfach – kein Spam, jederzeit abmeldbar.

Was interessiert dich? Wähle 1–3 Themen — du bekommst nur Inhalte dazu.

Mit der Anmeldung stimmst du unserer Datenschutzerklärung zu. Jederzeit abmeldbar.

Kostenlos
Kein Spam
Jederzeit abmeldbar