Kurzfazit: Mit einem Claude-Projekt baust du dir einen Schreib-Assistenten, der deine Anweisungen und eine Wissensdatei über dich in jeden Projekt-Chat mitnimmt und E-Mails oder Nachrichten in deinem Ton entwirft. Das ist für alle, die in jedem Chat neu erklären, wie sie schreiben, oder einen Custom GPT ersetzen wollen. Das erste Ergebnis steht nach 15 Minuten. Der kostenlose Plan kostet 0 USD und erlaubt bis zu 5 Projekte. Die ehrliche Grenze: Projekte teilen geht nur in Team- und Enterprise-Plänen.
Du tippst jede Woche dieselben Sätze in einen Chat: wer du bist, wie du schreibst, welche Floskeln du nicht willst. Dafür gab es bei ChatGPT die Custom GPTs, doch die sind ein Auslaufmodell: OpenAI hat am 11. September 2026 angekündigt, Custom GPTs über alle Pläne hinweg abzuschaffen, und ob private Konten überhaupt noch neue anlegen können, beantwortet OpenAI selbst widersprüchlich (das Hilfe-Center sagt nein, die Preisseite führt die Funktion für Go, Plus und Pro, beide abgerufen am 17. September 2026). Ein Claude-Projekt übernimmt denselben Job. Die 15 Minuten sind Stufe 1, die 45 Minuten die ganze Anleitung.
Was das kostet
| Baustein | Preis | Ehrliche Grenze |
|---|---|---|
| Claude Free | 0 USD | Bis zu 5 Projekte. Nutzungslimit pro Fünf-Stunden-Sitzung, eine feste Nachrichtenzahl nennt Anthropic nicht. Kein RAG: das Projektwissen muss ins Kontextfenster passen |
| Claude Pro (optional) | 20 USD pro Monat, 17 USD pro Monat bei Jahreszahlung | Keine Grenze von 5 Projekten, mindestens 5-mal so viel Nutzung wie Free, RAG erweitert das Wissen bis zum 10-Fachen. Teilen geht auch hier nicht |
| Textprogramm | 0 € | Editor und TextEdit sind vorinstalliert, eine Projektdatei darf 30 MB groß sein |
| ChatGPT-Konto (nur Stufe 3) | 0 USD zusätzlich | Nur für den Umzug eines bestehenden GPT. Bearbeiten erlaubt OpenAI je nach Plan und Berechtigungen |
Quellen: Claude-Preisseite (Preise ohne Steuern), Projekte, RAG, Dateien, OpenAI, alle abgerufen am 17. September 2026. Entscheidend ist die erste Zeile: fünf Projekte, also fünf Assistenten.
Stufe 1: Anfänger, dein Schreib-Assistent in 15 Minuten
Die Regel, die alles entscheidet
Ein Projekt hat drei Fächer mit je einem Job. Die Projektanweisungen legen fest, wie Claude antwortet. Die Projekt-Wissensdatenbank enthält Fakten und Beispiele. Der Chat enthält die Aufgabe. Anthropic empfiehlt, in den Anweisungen knapp Rolle, Kontext und Leitlinien abzulegen und aufgabenspezifische Anweisungen in den Chat zu schreiben (Claude Help Center, abgerufen am 17. September 2026). OpenAI rät bei GPTs zum Gleichen.
Regeln in die Anweisungen, Fakten in die Dateien, die Aufgabe in den Chat.
Was du brauchst
- Ein kostenloses Konto auf claude.ai. Anthropic verlangt ein Mindestalter von 18 Jahren.
- Einen Computer mit Browser.
- Zwei oder drei eigene Texte, etwa eine E-Mail aus deinem Postausgang und eine längere Nachricht.
- Ein Textprogramm. Claude verarbeitet laut Hilfe-Center unter anderem TXT, DOCX, ODT, RTF und PDF. TextEdit speichert von sich aus als RTF, das musst du nicht umstellen.
Schritt für Schritt: Claude-Projekt erstellen
- Öffne claude.ai/projects und melde dich an.
- Klicke oben rechts auf + Neues Projekt. Gib als Namen “Schreib-Assistent” und eine kurze Beschreibung ein. Claude sieht beides laut Hilfe-Center nicht.
- Kopiere die Vorlage unten in dein Textprogramm, fülle die eckigen Klammern aus und setze deine eigenen Texte als Stilproben ein. Speichere die Datei als
ueber-mich-und-stilproben. - Rechts auf der Projektseite liegt die Projekt-Wissensdatenbank. Klicke dort auf + und lade die Datei hoch.
- Klicke auf Projektanweisungen festlegen, füge den Starter-Prompt ein, ersetze die Platzhalter und klicke auf Anweisungen speichern.
- Schreib deinen ersten Auftrag in das Eingabefeld auf der Projektseite. Die Vorlage dafür ist der zweite Prompt unten.
Die Bezeichnungen stammen aus der deutschen Fassung des Hilfe-Artikels. Je nach Spracheinstellung heißen sie laut Original + New Project, Set project instructions und Save instructions (beide abgerufen am 17. September 2026).
Die Vorlage für deine Wissensdatei:
ÜBER MICH
So unterschreibe ich: [Vorname oder Vor- und Nachname]
Wofür ich schreibe: [z. B. Vereinsvorstand, Elternvertretung, Nebengewerbe]
Mit wem ich schreibe: [z. B. Vereinsmitglieder, Kundschaft, Vermieterin]
Anrede: [Duzen oder Siezen, je nach Empfänger]
Grußformel: [z. B. Viele Grüße]
FAKTEN, DIE STIMMEN MÜSSEN
[z. B. Trainingszeiten, Vereinsadresse. Keine Passwörter, keine Kontodaten]
STILPROBE 1
[eine eigene E-Mail, komplett eingefügt, Namen und Adressen anderer Personen durch Rollen ersetzt, z. B. Vermieterin]
STILPROBE 2
[eine eigene Nachricht, komplett eingefügt, ohne Namen und Adressen anderer Personen]
Ein guter Entwurf beginnt mit deiner Anrede, endet mit deiner Grußformel und enthält keine Wendung aus deiner Verbotsliste. Darunter steht die Zeile “Offen:” mit allem, was Claude nicht wissen konnte.
Wenn Claude mit “Gern, hier ist ein Entwurf” beginnt: Prüfe, ob deine Projektanweisungen wirklich gespeichert sind und ob du im Projekt schreibst statt auf der normalen Startseite. Anweisungen und Dateien gelten laut Hilfe-Center nur für Chats innerhalb des Projekts.
Das ist dein erstes Ergebnis: ein Assistent, der deine Regeln und Stilproben in jeden neuen Chat dieses Projekts mitnimmt.
Stufe 2: Fortgeschritten, den Assistenten nachschärfen
Manche Regel kannst du erst formulieren, wenn du einen Entwurf vor dir hast. Korrigiere im Chat, bis der Text stimmt (“kürzer”, “Hallo statt Liebe”). Danach überträgst du die Korrekturen in die Projektanweisungen, denn nur dort wirken sie im nächsten Chat.
Ersetze damit den alten Text in den Projektanweisungen, klicke auf Anweisungen speichern und teste in einem neuen Chat mit derselben Nachricht wie in Stufe 1. Wächst der Abschnitt FAKTEN in deiner Wissensdatei, etwa um Trainingszeiten und Adressen, verschiebe ihn in eine eigene Datei fakten und lösche ihn aus der alten.
Die drei Fehler, die dir garantiert begegnen
1. Der Text klingt trotzdem nach KI. Symptom: Floskeln wie “Ich hoffe, es geht dir gut” oder drei Absätze, wo du zwei Sätze schreiben würdest. Ursache: Wörter wie “locker” lassen zu viel Spielraum, die Stilproben sind zu kurz. Lösung: Floskeln wörtlich in die Verbotsliste, eine Satzzahl vorgeben, eine dritte, längere Stilprobe ergänzen. Lade die neue Datei hoch und entferne die alte, damit sich zwei Fassungen nicht widersprechen.
2. Der Assistent erfindet Fakten. Symptom: Im Entwurf steht ein Termin oder Preis, den du nie genannt hast. Ursache: Ein Sprachmodell füllt Lücken mit Plausiblem, auch gegen eine Regel. Lösung: Die Regel aus dem Starter-Prompt senkt das Risiko, sie schließt es nicht aus. Lies jede Zahl und jeden Namen vor dem Senden gegen und pflege die Datei fakten.
3. Der neue Chat hat deine Korrektur vergessen. Symptom: Gestern hast du “Sehr geehrte Damen und Herren” gestrichen, heute steht es wieder da. Ursache: Laut Hilfe-Center teilen Chats innerhalb eines Projekts ihren Kontext nicht, außer die Information steht in der Projekt-Wissensdatenbank. Claudes Gedächtnis hat zwar pro Projekt einen eigenen Bereich (abgerufen am 17. September 2026), auf feste Regeln darin verlässt du dich aber nicht. Lösung: Korrektur-Prompt schicken, Anweisungen ersetzen, speichern.
Stufe 3: Experte, Custom GPT umziehen und den Assistenten sichern
Einen bestehenden Custom GPT in ein Claude-Projekt umziehen
Bestehende GPTs bleiben laut OpenAI nutzbar, aber nicht mehr lange: Für Enterprise-Arbeitsbereiche ist die Abschaltung für den 11. Dezember 2026 geplant, andere Pläne sollen demselben Zeitplan folgen (Custom GPT retirement FAQ, abgerufen am 17. September 2026). OpenAIs eigener Nachfolger sind Plugins. Sichere die Anweisungen deines GPT deshalb jetzt.
- Öffne chatgpt.com/gpts, wähle Meine GPTs, dann deinen GPT und GPT bearbeiten. Fehlt GPT bearbeiten, lassen dein Plan oder deine Berechtigungen das Bearbeiten laut OpenAI nicht zu. Dann bleibt nur eine eigene Kopie der Anweisungen, falls du eine hast.
- Kopiere den kompletten Text aus dem Feld Anweisungen.
- Such die Dateien heraus, die du dem GPT unter Wissen gegeben hast. Einen Download aus dem GPT-Editor beschreibt OpenAIs Hilfe-Artikel nicht, nimm die Originale von deinem Rechner.
- Schick den Umzugs-Prompt in einem normalen Claude-Chat. Lege danach ein Projekt mit Anweisungen und Dateien wie in Stufe 1 an.
Die Bezeichnungen stammen aus der deutschen OpenAI-Hilfe, in englischer Oberfläche heißen sie My GPTs, Edit GPT, Instructions und Knowledge.
Teste danach mit drei Aufgaben, die du dem GPT oft gestellt hast, und einer schwierigen. Actions, also Verbindungen zu fremden Schnittstellen, kannst du nicht mitnehmen: Laut OpenAI wandern Custom Actions nicht einmal in die eigenen Plugins mit.
Deinen Assistenten sichern und weitergeben
Lege auf deinem Rechner einen Ordner schreib-assistent an, mit einer Datei anweisungen und allen Wissensdateien, und aktualisiere ihn nach jedem Korrektur-Prompt.
Teilen geht laut Preisseite in Free, Pro und Max nicht. Will jemand denselben Assistenten, gib den Ordner ohne persönliche Stilproben weiter, die Person baut das Projekt mit Stufe 1 in ihrem eigenen Konto nach.
Die Grenzen, klar benannt
- Fünf Projekte im kostenlosen Plan. Ein sechster Assistent heißt: einen alten löschen oder auf Pro wechseln.
- Kein RAG im kostenlosen Plan. RAG heißt die Technik, mit der Claude in bezahlten Plänen nur die passenden Stellen aus großen Wissensmengen lädt. Ohne sie muss der Inhalt aller Projektdateien zusammen ins Kontextfenster passen. Aus Projektdateien liest Claude in jedem Plan nur den Text, Ausnahme sind PDFs. Für einen Schreib-Assistenten reicht das, für ein ganzes Vereinsarchiv nicht.
- Datenschutz. In Free, Pro und Max nutzt Anthropic neue Chats für das Modelltraining, wenn du es erlaubst. Chats, die Sicherheitsfilter markieren, kann Anthropic auch bei ausgeschaltetem Schalter für seine Sicherheitsmodelle und Sicherheitsforschung verwenden. Den Schalter findest du laut Privacy Center in den Einstellungen unter Datenschutz, er heißt dort Helfen Sie uns, unsere KI-Modelle zu verbessern. In der englischen Fassung heißen die Stellen Privacy und Help Improve our AI models. Je nach Version kann deine Oberfläche sie anders nennen. Eine EU-Region für claude.ai nennt Anthropic nicht, selbst Business-Daten liegen laut Privacy Center in den USA (alle abgerufen am 17. September 2026). Mails von Kundschaft mit Namen und Adresse lässt du deshalb aus der Wissensdatei, als Vorsichtsregel, ohne Rechtsberatung.
Claude-Projekte oder ChatGPT-Projekte
ChatGPT-Projekte gibt es im kostenlosen Plan unbegrenzt, mit höchstens 5 Dateien pro Projekt, und du kannst sie teilen (Projects in ChatGPT, abgerufen am 17. September 2026). Soll ein Assistent mehreren Menschen gehören, nimm ChatGPT. Brauchst du einen privaten Assistenten mit mehr als fünf Wissensdateien, bleib bei Claude.
Häufige Fragen zu Claude-Projekten
Sind Claude-Projekte kostenlos?
Ja. Im kostenlosen Plan legst du bis zu 5 Projekte an. Ab Claude Pro für 20 USD im Monat fällt diese Grenze weg.
Kann ich noch einen Custom GPT erstellen?
Für private Konten beantwortet OpenAI das selbst widersprüchlich. Laut OpenAI-Hilfe-Artikel können Free, Go, Plus und Pro keine neuen GPTs erstellen oder veröffentlichen, die ChatGPT-Preisseite führte “Create & share GPTs” für Go, Plus und Pro am 17. September 2026 dagegen als verfügbar. Unstrittig ist: OpenAI hat am 11. September 2026 angekündigt, Custom GPTs in allen Plänen auslaufen zu lassen, bestehende bleiben bis dahin nutzbar. Einen neuen Assistenten baust du deshalb besser als Projekt, in Claude oder in ChatGPT.
Sind Claude-Projekte eine gute Alternative zu Custom GPTs?
Ja, für einen privaten Assistenten. Ein Claude-Projekt bleibt in Free, Pro und Max privat, einen GPT konntest du dagegen auch anderen geben. Ein GPT nimmt bis zu 20 Dateien mit je 512 MB auf. Ein Claude-Projekt nimmt beliebig viele Dateien mit je 30 MB, im kostenlosen Plan aber nur so viel Inhalt, wie ins Kontextfenster passt.
Wie schreibe ich gute Anweisungen für ein Claude-Projekt?
Kurz und allgemein. Anthropic empfiehlt, in den Projektanweisungen Rolle, Kontext und Leitlinien festzuhalten und aufgabenspezifische Anweisungen in den Chat zu schreiben. Formuliere Regeln prüfbar, etwa als Satzzahl, statt als Adjektiv.
Kann ich ein Claude-Projekt mit anderen teilen?
Nein, nicht in Free, Pro oder Max. Projekte teilen geht laut Hilfe-Center nur in Team- und Enterprise-Plänen.
Gibt es so etwas auch bei ChatGPT oder Gemini?
Ja. ChatGPT-Projekte gibt es laut OpenAI in allen Plänen, im kostenlosen mit 5 Dateien pro Projekt. Bei Gemini heißen eigene Assistenten Gems. Wie du einen baust, zeigt Stufe 3 von Gemini in Gmail und Docs.
Dein nächster Schritt
Das Prinzip reicht weit über E-Mails hinaus: Regeln in die Anweisungen, Fakten in die Dateien, die Aufgabe in den Chat. Nach demselben Muster baust du einen Lern-Coach mit deinem Vorlesungsskript oder einen Assistenten für Vereinsnachrichten.
Dein eigener KI-Assistent ist 15 Minuten entfernt. Öffne claude.ai/projects, leg dein erstes Projekt an und kopiere den Starter-Prompt aus Stufe 1 in die Projektanweisungen.
- Dein erster ChatGPT-Prompt, der funktioniert, weil gute Projektanweisungen nach denselben Regeln funktionieren wie gute Prompts.
- Dein erstes Browser-Spiel mit Claude, weil es mit demselben kostenlosen Konto läuft.
Pläne und Datenschutz im Detail: unsere Bewertung von Claude und die ChatGPT-Toolseite.
Wie gut kennst du Claude-Projekte?
10 Fragen, von den drei Fächern eines Projekts bis zum Umzug deines Custom GPT. Wer mindestens 8 richtig beantwortet, bekommt ein Zertifikat zum Teilen.