Kurzfazit: Für alle, die sich bewerben und ein Anschreiben wollen, das nach ihnen klingt statt nach allen anderen. Du schreibst zuerst deine eigenen Belege auf, Claude formuliert daraus den Entwurf, und du überarbeitest ihn selbst. Nach 30 Minuten steht dein selbst gegengelesenes Anschreiben, nach 60 das fertige PDF, im kostenlosen Plan für 0 USD. Die ehrliche Grenze: Claude kann Lücken mit erfundenen Stärken füllen, deshalb verbieten die Prompts das, und ein Konto gibt es erst ab 18.
Wer nur die Stellenanzeige in einen Chat kopiert, bekommt einen Text, dessen einzige konkrete Grundlage diese Anzeige ist. Die lesen alle anderen Bewerbenden auch. Diese Anleitung dreht die Reihenfolge um: erst deine Fakten, dann der Entwurf, dann deine eigene Überarbeitung. Die 30 Minuten sind Stufe 1, die 60 Minuten die ganze Anleitung mit Feinschliff, PDF und Datenschutz.
Was das kostet
| Baustein | Preis | Ehrliche Grenze |
|---|---|---|
| Claude Free | 0 USD | Sitzungslimit, das sich alle fünf Stunden zurücksetzt, die Zahl der Nachrichten schwankt mit der Auslastung. Modelle Sonnet und Haiku. Nutzung erst ab 18 Jahren |
| Claude Pro (nicht nötig) | 20 USD pro Monat, bei Jahreszahlung 17 USD pro Monat (200 USD im Voraus), jeweils zuzüglich Steuern | Mehr Nutzung, hier nicht nötig |
| ChatGPT Free (Alternative) | 0 € | “Unbegrenzte Textchats mit GPT-5.6 Luna”, aber “Eingeschränkte Nachrichten mit Uploads”, in Free und Go zeigt OpenAI seit August 2026 auch in Deutschland Anzeigen |
| LibreOffice Writer für das PDF | 0 € | Muss auf deinem Rechner installiert sein, jedes andere Textprogramm mit PDF-Export tut es auch |
Quellen: claude.com/pricing, die Claude-Hilfe Get started with Claude zu Sitzungslimit und Mindestalter, die deutsche ChatGPT-Preisseite, die OpenAI-Hilfe zu Werbung, OpenAIs Ankündigung zur Werbung in Europa vom 18. August 2026 und de.libreoffice.org, alle abgerufen am 17. September 2026. Bezahlte ChatGPT-Pläne brauchst du für diese Anleitung nicht. Relevant ist hier nur das Claude-Sitzungslimit: Eine feste Nachrichtenzahl nennt Anthropic nicht, die Anleitung braucht fünf Prompts.
Stufe 1: Anfänger, dein Anschreiben in 30 Minuten
Was du brauchst
- Die Stellenanzeige als Text, kopiert aus dem Browser
- Einen Texteditor für das Faktenblatt, etwa Editor unter Windows oder TextEdit auf dem Mac
- Ein kostenloses Konto auf claude.ai, dafür musst du mindestens 18 sein. Leg das Konto vorher an, die Registrierung steckt nicht in den 30 Minuten. Bist du jünger, nimm ChatGPT mit denselben Prompts: laut OpenAI-Nutzungsbedingungen ab 13 Jahren oder dem Mindestalter deines Landes und unter 18 nur mit Erlaubnis deiner Eltern.
Schritt 1: Das Faktenblatt, bevor du die KI öffnest (10 Minuten)
Claude weiß über dich nur, was du hineingibst, alles andere müsste es erfinden. Fülle diese Vorlage im Texteditor in Stichpunkten aus, Tippfehler sind egal.
Stelle: [Jobtitel] bei [Firma]
Warum diese Firma: [ein Grund, den du selbst nachgeprüft hast]
Beleg 1: [Situation] / [was du konkret getan hast] / [was dabei herauskam]
Beleg 2: [wie Beleg 1]
Beleg 3: [wie Beleg 1]
Was ich laut Anzeige nicht mitbringe: [ehrlich, eine Zeile]
Frühester Eintritt: [Datum oder Kündigungsfrist]
So schreibe ich: [zwei, drei Sätze aus einer echten E-Mail von dir, ohne Namen]
Ein Beleg ist kein Adjektiv. “Ich bin organisiert” ist keiner. “Ich habe die Dienstpläne für zwölf Leute übernommen, seitdem gibt es keine Doppelbuchungen mehr” ist einer. Schreib nur auf, was stimmt, und nur Zahlen, die du kennst.
Kein Name, keine Adresse, kein Geburtsdatum ins Faktenblatt. Die kommen erst in Stufe 3 dazu, auf deinem Rechner.
Schritt 2: Claude im Inkognito-Chat öffnen (2 Minuten)
Melde dich auf claude.ai an und starte einen neuen Chat außerhalb eines Projekts. Ein Klick auf das Geister-Symbol oben rechts schaltet den Inkognito-Chat ein, erkennbar am schwarzen Rahmen. Laut Claude-Hilfe zu Inkognito-Chats landen solche Chats weder im Verlauf noch im Training, Anthropic bewahrt sie aber 30 Tage auf.
Der Haken: Ein geschlossener Inkognito-Chat lässt sich nicht wieder öffnen. Kopier jedes Ergebnis sofort in deine Datei.
Schritt 3: Anzeige gegen deine Fakten prüfen lassen (8 Minuten)
Setz Anzeige und Faktenblatt ein und schick den Prompt ab. Ein Anschreiben kommt absichtlich noch nicht.
Deine Antworten kommen in Stichpunkten in den nächsten Prompt. Fällt dir nichts Wahres ein, schreib genau das: Eine ehrliche Lücke schlägt eine erfundene Stärke.
Schritt 4: Den Entwurf schreiben lassen (7 Minuten)
So sieht ein guter Entwurf aus: höchstens 250 Wörter, der erste Satz erzählt etwas, das nur du erlebt hast, und wo dir ein Beleg fehlte, steht (FEHLT: …) statt einer schön formulierten Behauptung. Taucht eine Zahl oder ein Programm auf, das du nie genannt hast, ist das Fehler Nummer eins aus Stufe 2.
Kopier den Text jetzt in deine Datei.
Schritt 5: Einmal laut lesen (3 Minuten)
Lies den Entwurf in deiner Datei einmal laut. Jeden Satz, den du so im Vorstellungsgespräch nie sagen würdest, streichst oder kürzt du selbst, ohne Claude.
Das ist dein erstes Anschreiben: Es beginnt mit deinem eigenen Erlebnis, steht auf deinen Fakten statt auf der Anzeige, folgt deinem Textbeispiel und hat deinen ersten eigenen Durchgang hinter sich. Was darin noch austauschbar klingt, nimmst du dir in Stufe 2 vor.
Stufe 2: Fortgeschritten, den Allerwelts-Klang rausnehmen
Ein Entwurf aus eigenen Fakten klingt schon weniger beliebig. Den Rest erledigst du selbst, Claude hilft ab hier nur noch als Prüfer, am besten im selben Inkognito-Chat, solange er offen ist, weil Claude dort die Anzeige noch kennt.
Austauschbare Sätze finden lassen
Jetzt kommt die eine Regel dieser Stufe: Jeden markierten Satz schreibst du selbst neu oder streichst ihn. Lässt du Claude umformulieren, klingt der neue Satz wieder nach Claude. Beantworte die Frage aus der Liste in deinen Worten, und die Antwort ist fast immer schon der bessere Satz. Genauso mit jeder (FEHLT: …)-Markierung: mit etwas Wahrem füllen oder den Satz streichen.
Danach wiederholst du den Lies-laut-Test aus Schritt 5 mit deiner überarbeiteten Fassung.
Nur Fehler korrigieren, nicht umschreiben
Steht deine Fassung, darf Claude noch einmal ran, aber nur an die Fehler. Die Liste statt des ganzen Textes zeigt dir jede Änderung einzeln.
Die drei Fehler, die dir garantiert begegnen
- Claude erfindet etwas. Symptom: Im Entwurf stehen “sehr gute Excel-Kenntnisse” oder “15 Prozent mehr Umsatz”, obwohl du das nie geschrieben hast. Ursache: Sprachmodelle neigen dazu, Lücken mit Plausiblem zu füllen. Lösung: Streich die Aussage und schick hinterher “Liste jede Aussage in diesem Text, die nicht in meinem Faktenblatt oder meinen Antworten steht. Nur die Liste.” Was auf dieser Liste steht, bleibt nur, wenn es stimmt und du es im Gespräch erklären kannst.
- Die Floskeln kommen zurück. Symptom: Trotz Verbotsliste steht da “mit großer Begeisterung” oder “wertvoller Beitrag”. Ursache: Eine Verbotsliste trifft bestenfalls die genannten Wörter, nicht ihre Verwandten. Lösung: den Satz selbst ersetzen, durch den Beleg, der die Begeisterung zeigen würde. Nicht Claude um eine neue Variante bitten.
- Der Text erzählt den Lebenslauf nach. Symptom: Absatz für Absatz eine Station nach der anderen, chronologisch. Ursache: zu viele Belege oder ein eingefügter Lebenslauf. Lösung: höchstens drei Belege, je einer pro wichtigster Anforderung. Der Lebenslauf liegt der Bewerbung ohnehin bei.
Stufe 3: Experte, als PDF speichern und das Gespräch vorbereiten
Briefkopf auf deinem Rechner, nicht im Chat
Öffne LibreOffice Writer oder dein Textprogramm. Schreib Name, Anschrift, Telefonnummer, E-Mail, Datum und die Anschrift der Firma direkt dort hinein, füge darunter Betreff und Brieftext ein und ersetze NAME durch deinen Namen. So stehen dein Name und deine Kontaktdaten in keinem einzigen Prompt.
In LibreOffice speicherst du das PDF über Datei, Exportieren als, Als PDF exportieren…, so beschreibt es die LibreOffice-Hilfe (abgerufen am 17. September 2026). In anderen Textprogrammen suchst du im Menü Datei nach der Möglichkeit, als PDF zu speichern oder zu exportieren.
Nenn die Datei eindeutig, zum Beispiel Anschreiben_Nachname_Firma.pdf, und öffne das PDF einmal selbst: Umlaute korrekt, nichts auf eine zweite Seite gerutscht, keine (FEHLT: …)-Markierung mehr im Text.
Was dich im Gespräch zu deinem Anschreiben erwartet
Jeder Beleg im Anschreiben ist eine Einladung zur Nachfrage. Bereite dich darauf vor, in einem neuen Inkognito-Chat.
Die Antworten schreibst du selbst, in Stichpunkten, in dieselbe Datei wie dein Faktenblatt. Beim nächsten Anschreiben beginnst du wieder mit dem Starter-Prompt in einem neuen Chat, mit neuer Anzeige und einem Faktenblatt, in dem Stelle, Firmengrund und Lücke zur neuen Firma passen. Nimm nie das alte Anschreiben als Vorlage: Ein stehengebliebener Firmenname aus der letzten Bewerbung verrät sofort, dass du kopiert hast.
Was nicht in den Chat gehört
- Kein vollständiger Lebenslauf. Technisch kannst du ihn über das ”+” unten links im Eingabefeld hochladen, laut Claude-Hilfe zum Datei-Upload gehen unter anderem PDF und DOCX. Nötig ist es für diese Anleitung nicht. Wenn doch, dann nur die Stationen, ohne Anschrift, Geburtsdatum, Telefonnummer und Foto.
- Keine Zeugnisse und keine Namen von Dritten, also weder frühere Vorgesetzte noch Referenzen.
- Training prüfen, wenn du normale Chats nutzt. Ob Anthropic deine Chats zum Training nutzen darf, legst du mit dem Schalter zur Modellverbesserung fest. Je nach Sprache der Oberfläche heißt der Weg dorthin Einstellungen, Datenschutz (deutsche Anleitung von Anthropic) oder Settings, Privacy (englische Anleitung). Ist er an, können deine Daten laut Speicherrichtlinie bis zu 5 Jahre de-identifiziert in Trainingsdaten bleiben. Gelöschte Chats verschwinden sofort aus dem Verlauf und binnen 30 Tagen aus den Backend-Systemen.
Claude oder ChatGPT
Alle Prompts dieser Anleitung sind reine Textprompts, du kannst sie unverändert in ChatGPT Free einfügen. Den Chat ohne Verlauf startest du dort über den Knopf oben rechts in einem neuen Chat, den die OpenAI-Hilfe zu temporären Chats “Temporary” nennt: kein Training, bis zu 30 Tage Aufbewahrung, und laut Hilfe zu Werbung keine Anzeigen, auch in Deutschland nicht, wo OpenAI in Free und Go seit August 2026 welche zeigt. Mehr auf unseren Toolseiten zu Claude und ChatGPT.
Häufige Fragen zu Anschreiben mit KI
Ist es okay, ein Anschreiben mit KI zu schreiben?
Ja, solange jede Aussage stimmt und von dir kommt. Die KI formuliert, du verantwortest den Inhalt, und alles, was im Anschreiben steht, musst du im Gespräch erklären können. Sagt die Stellenanzeige etwas zur Nutzung von KI, gilt das.
Erkennen Personaler, dass mein Anschreiben mit KI geschrieben ist?
Per Software nicht verlässlich, sagt zumindest OpenAI. Auf die Frage, ob KI-Detektoren funktionieren, antwortet die OpenAI-Hilfe: “In short, not in our experience.” Der eigene Detektor habe Shakespeare als KI-Text eingestuft. Zu Prüfwerkzeugen anderer Anbieter äußert sich OpenAI ausdrücklich nicht. Ob ein Unternehmen trotzdem ein Prüfwerkzeug einsetzt, siehst du von außen nicht. Beeinflussen kannst du, ob dein Text austauschbar klingt.
Kann ich ein Anschreiben mit KI kostenlos erstellen?
Ja. Claude Free kostet 0 USD, das Sitzungslimit setzt sich alle fünf Stunden zurück, und für das PDF reicht das kostenlose LibreOffice.
Darf ich meinen Lebenslauf bei Claude hochladen?
Technisch ja, empfehlenswert ist es nicht. Für diese Anleitung reicht das Faktenblatt ohne Namen und Anschrift. Wenn du hochlädst, dann eine gekürzte Fassung ohne Kontaktdaten, Geburtsdatum und Foto.
Claude oder ChatGPT, womit schreibe ich die Bewerbung besser?
Für diese Anleitung keins von beiden: Du kopierst dieselben Prompts unverändert in Claude oder ChatGPT. Bist du unter 18, etwa für eine Ausbildung, bleibt von beiden nur ChatGPT: Claude verlangt 18 Jahre, OpenAI verlangt laut seinen EU-Nutzungsbedingungen mindestens 13 Jahre oder das Mindestalter, das dein Land für die Einwilligung vorsieht, und unter 18 die Erlaubnis deiner Eltern. Werbung blendet OpenAI laut Hilfe zu Werbung bei Konten, die es als unter 18 erkennt, nicht ein.
Kann ich dasselbe Anschreiben für mehrere Bewerbungen nutzen?
Nein, deine Belege und dein Textbeispiel schon. Jede Anzeige setzt andere Schwerpunkte, deshalb füllst du Stelle, Firmengrund und Lücke im Faktenblatt pro Anzeige neu aus und beginnst mit dem Starter-Prompt.
Dein nächster Schritt
Das Prinzip trägt weit über Bewerbungen hinaus: Die KI bekommt zuerst deine Fakten und erst dann die Aufgabe, und die letzte Fassung schreibst du selbst. So klingt ein Text nach dir, egal ob Anschreiben, Motivationsschreiben oder die Mail an den Vermieter.
Dein Anschreiben ist 30 Minuten entfernt. Schreib dein Faktenblatt, öffne claude.ai und schick den Starter-Prompt ab.
- Dein Arbeitszeugnis mit ChatGPT prüfen ist der Schritt davor: Bevor du dich neu bewirbst, solltest du wissen, welche Note in den Formeln deines alten Zeugnisses steckt.
- Dein erster ChatGPT-Prompt, der funktioniert erklärt, warum Rolle, Kontext und Format in einem Prompt so viel ausmachen, und das hilft bei jedem Entwurf.
- Deine erste eigene Website mit Claude baut dir eine persönliche Seite, deren Adresse du im Anschreiben und im Lebenslauf angeben kannst.
- Auf unserer Toolseite zu Claude findest du Pläne, Grenzen und Alternativen im Überblick.
Wie gut kennst du Anschreiben mit KI?
10 Fragen, vom Faktenblatt über die typischen Fehler bis zum Datenschutz. Wer mindestens 8 richtig beantwortet, bekommt ein Zertifikat zum Teilen.