Bestandskunden: wer braucht heute eine Nachricht?
KI analysiert den Bestandskundenkalender und erstellt personalisierte Anlass-Nachrichten: bei auslaufenden Policen, Lebensereignissen und regulatorischen Änderungen.
Das Problem
Die meisten Makler kontaktieren Bestandskunden nur reaktiv. Dabei sind Lebensereignisse (Umzug, Kind, Rente) die stärksten Anlässe für Neuabschlüsse, aber nur wer erinnert, bekommt den Auftrag.
Die Lösung
Makler exportiert Bestandsliste. Ein LLM (Large Language Model) analysiert Kundendaten und Anlässe und erstellt personalisierte Anlass-Nachrichten für alle Kunden mit Kontaktanlass in diesem Monat.
Der Nutzen
2–3 Min. statt 20–30 Min. pro personalisierter Nachricht; 20–50 Kunden/Monat statt 5–10.
Einschätzung auf einen Blick
Es ist Dienstagmorgen, 9:15 Uhr.
Bestandskundin Marlene Neumann, 62, geht in drei Monaten in Rente. Ihr Makler Stefan Richter weiß das, steht irgendwo in der Akte, eingetragen vor zwei Jahren, als Marlene zum ersten Mal über die Rente gesprochen hat. Drei Versicherungen laufen weiter, obwohl sie jetzt grundlegend neu bewertet werden müssten. Die Berufsunfähigkeitsversicherung zum Beispiel: Sie endet nicht automatisch mit dem Renteneintritt, sondern läuft bis zum vereinbarten Endalter weiter, wenn niemand sie kündigt. Nur hat sie ohne Erwerbseinkommen kaum noch einen Zweck. Genau das ist der Beratungsanlass, und genau darüber spricht niemand. Aber was ist mit dem Krankenzusatz? Mit der Pflegezusatzversicherung, die sie nie abgeschlossen hat? Mit dem Depot, das sie nach der Pensionierung aufbauen will?
Marlene denkt: Stefan wird sich schon melden, wenn was wichtig ist. Er kennt sie seit sechs Jahren.
Stefan denkt: Er hat diese Woche vierzig Kunden-Stunden, drei neue Anfragen, zwei Schadenfälle. Marlene Neumann läuft stabil.
Drei Monate später schließt Marlene eine Pflegezusatzversicherung bei einem anderen Anbieter ab. Auf Empfehlung ihrer Freundin. Sie hat Stefan nicht gefragt, sie wollte ihn nicht “stören”.
Stefan erfährt davon nie.
Für Unternehmen
Nicht nur lesen, umsetzen.
Wir setzen Anwendungsfälle wie diesen mit euch um oder trainieren euer Team darauf. Das Erstgespräch kostet nichts.
Das echte Ausmaß des Problems
Marlene Neumanns Geschichte ist keine Ausnahme. Sie ist die Regel.
Dass ein Bestandskunde leichter abschließt als ein Fremder, wird dir jeder Vertriebsleiter bestätigen. Die Zahl, mit der das üblicherweise belegt wird, hat allerdings zwei Väter, und frühere Fassungen dieser Seite haben beide vermischt. Bain & Company hat untersucht, dass Neukundengewinnung ein Vielfaches der Bestandspflege kostet und dass wenige Prozentpunkte mehr Kundenbindung den Gewinn stark heben. Die oft zitierte „fünf- bis siebenfach höhere Abschlusswahrscheinlichkeit” stammt dagegen aus einer anderen Quelle, dem Marketing-Metrics-Standardwerk, und beschreibt die Abschlussquote bei Bestandskunden gegenüber kalten Kontakten. Zwei verschiedene Aussagen, und „5 bis 7” gilt sauber nur für die erste.
An der Richtung ändert das nichts: Trotzdem investieren die meisten Maklerbüros den Großteil ihrer Akquise-Energie in Neukundenwerbung statt in systematische Bestandspflege.
Der Grund ist nicht Gleichgültigkeit, es ist Kapazität. Rechne es nach, aber ehrlich: Einen Kunden im CRM auf Kontaktanlässe durchzusehen dauert fünf bis zehn Minuten, eine personalisierte Nachricht dazu 20 bis 30. Bei 200 Bestandskunden und einer Durchsicht je Quartal sind das rund 20 bis 35 Stunden nur für das Sichten, plus die Nachrichten für die Fälle, bei denen wirklich etwas ansteht. Frühere Fassungen dieser Seite setzten hier eine Stunde je Kunde an und kamen auf 200 Stunden im Quartal; das ist eine Zahl, die niemandem nützt, weil sie niemand glaubt. Die realistischen 20 bis 35 Stunden reichen als Argument völlig, denn auch die finden neben dem Tagesgeschäft nicht statt.
Die stärksten Auslöser für neue Versicherungsabschlüsse sind Lebensereignisse. Das ist Vertriebserfahrung, keine Statistik; die früher hier angeführten „DIHK-Daten zu Versicherungsabschlüssen” ließen sich nicht auffinden und sind gestrichen. Die Liste bleibt trotzdem richtig:
- Wohneigentumskauf, Hausrat, Wohngebäude, Bauherrenhaftpflicht, Grundschutz
- Kind bekommen, Risikolebensversicherung, Berufsunfähigkeit, Kranken-Zusatz, Schulranzen-Versicherung
- Heirat, gegenseitige Absicherung, Lebensversicherung, Hausrat-Erweiterung
- Renteneintritt, BU endet oder wird angepasst, Pflegezusatz, Krankentagegeld
Das Problem: Diese Ereignisse passieren im Leben des Kunden, nicht am Schreibtisch des Maklers. Wer nicht aktiv nachfragt, erfährt davon per Zufall oder gar nicht.
Das Paradox: Makler, die Bestandskunden systematisch begleiten, verlieren deutlich seltener an günstigere Direktversicherer oder Vergleichsplattformen. Der regelmäßige Kontakt schafft Vertrauen, das kein Preisvergleich unterbieten kann.
Mit vs. ohne KI, ein ehrlicher Vergleich
| Kennzahl | Ohne KI-Unterstützung | Mit KI-Unterstützung |
|---|---|---|
| Bestandspflege-Frequenz | Reaktiv, wenn Kunde anruft | Proaktiv, monatlich geplante Kontakte |
| Zeit pro personalisierter Nachricht | 20–30 Min. | 2–3 Min. |
| Anzahl kontaktierter Kunden pro Monat | 5–10 (Kapazitätsgrenze) | 20–50 (je nach Bestandsgröße) |
| Qualität der Ansprache | Gut, aber abhängig von Zeit | Konsistent strukturiert |
| Verpasste Anlässe (Renteneintritt, Kind) | Viele, werden übersehen | Wenige, systematisch erfasst |
| Cross-Selling-Rate | Sporadisch, zufallsabhängig | Systematisch, messbar |
Einschätzung auf einen Blick
Zeitersparnis, hoch (4/5) Manuelle Bestandspflege kostet 20–30 Minuten pro personalisierter Nachricht. Mit KI: 2–3 Minuten. Wer 20 Kunden im Monat kontaktiert, spart 5–8 Stunden. Der größere Effekt ist aber die systematische Abdeckung: Anlässe, die bisher vergessen wurden, werden jetzt erfasst.
Kosteneinsparung, mittel (3/5) Bestandskunden-Cross-Selling ist deutlich kostengünstiger als Neukundenakquise, kein Lead-Kauf, kein Kaltakquise-Aufwand. Die Einsparung ist real, aber indirekt: gesparte Neukundenakquisekosten gegen gewonnene Bestandsumsätze.
Schnelle Umsetzung, hoch (4/5) Ein Prompt + CRM-Export + eine Stunde Setup, das reicht für den Einstieg. Kein IT-Projekt. Ein Punkt Abzug, weil du erstens eine strukturierte Kundenliste brauchst und zweitens Zeit, die Anlass-Spalten zu pflegen. Wer heute anfängt, braucht 2 Stunden Vorbereitung.
ROI-Sicherheit, mittel (3/5) Die Cross-Selling-Rate ist messbar, aber sie hängt davon ab, wie gut deine Bestandsdaten sind, wie relevant deine Anlässe sind und wie gut du die Nachricht formulierst. Ein Makler mit gepflegtem CRM sieht klaren ROI. Wer aus chaotischen Daten arbeitet, sieht weniger. Drei Punkte, weil die Erfolgschance nicht garantiert ist.
Skalierbarkeit, sehr hoch (5/5) Ein Makler mit 50 Bestandskunden profitiert genauso wie einer mit 500, der Aufwand pro Nachricht ist gleich. Wächst der Bestand, wächst der Vorteil proportional. Stärkste Bewertung in dieser Kategorie.
Richtwerte, stark abhängig von Bestandsgröße, CRM-Qualität und Pflegefrequenz.
Was die KI konkret macht
Der Workflow ist in drei Schritte aufgeteilt:
Schritt 1, Bestandsliste exportieren und Anlässe markieren. Du exportierst aus deinem CRM oder deiner Kundenliste eine einfache Tabelle: Name (oder Kundennummer), Geburtsjahr, bekannte Lebensereignisse, Policen-Ablaufdaten, letzter Kontakt. In einer einfachen Excel-Liste funktioniert das auch ohne CRM. Du markierst die Kunden mit Kontaktanlass im kommenden Monat.
Schritt 2, KI erstellt personalisierte Nachrichten im Batch. Du gibst der Generative KI die Liste der Kunden mit Anlass und relevanten Infos. Der Prompt unten weist die KI an, für jeden Kunden eine individuelle Ansprache-Nachricht zu erstellen, je nach Anlass anders: Renteneintritt, Kind, auslaufende Police, runder Geburtstag.
Schritt 3, Du prüfst, personalisierst, schickst. Die KI liefert Entwürfe, du liest drüber, passt wo nötig an, und schickst sie ab. Du entscheidest, ob E-Mail, Brief oder Telefonat der richtige Kanal ist.
Der rechtliche Rahmen, was erlaubt ist
E-Mail-Werbung an Bestandskunden: Nach § 7 Abs. 3 UWG ist E-Mail-Werbung an Bestandskunden ohne gesonderte Einwilligung zulässig, wenn vier Bedingungen zusammenkommen, und frühere Fassungen dieser Seite nannten nur drei, davon eine falsch:
- Du hast die E-Mail-Adresse im Zusammenhang mit dem Verkauf einer Leistung vom Kunden selbst erhalten.
- Du wirbst für eigene ähnliche Waren oder Dienstleistungen.
- Der Kunde hat der Verwendung nicht widersprochen.
- Du weist ihn bei der Erhebung und bei jeder einzelnen Verwendung klar auf sein Widerspruchsrecht hin. Nicht nur einmal beim Erstabschluss.
Die Bedingung „keine Kaltakquise” gibt es in § 7 Abs. 3 UWG nicht. Praktisch heikel ist vor allem Nummer 2: Eine Pflegezusatzversicherung ist einem Kfz-Vertrag nicht ähnlich. Wer quer durch die Sparten anspricht, verlässt den sicheren Bereich von § 7 Abs. 3 und braucht eine Einwilligung, oder greift zu Brief und Telefon, für die diese Norm nicht gilt.
DSGVO: Bestandsdaten für personalisierte Beratung zu nutzen ist rechtlich zulässig, es ist Teil der Vertragserfüllung und des berechtigten Interesses. Wenn du diese Daten in KI-Tools eingibst, brauchst du entweder einen AVV mit dem Anbieter oder du pseudonymisierst vorher (Kundennummer statt Name).
Faustregel: Wenn du die Nachricht als persönlicher Beratungsanstoß formulierst (nicht als Werbeanzeige), bist du auf der sicheren Seite.
Dies ist keine Rechtsberatung. Im Zweifel die konkrete Konstellation mit einem Anwalt für Wettbewerbs- oder Datenschutzrecht klären.
Konkrete Werkzeuge, was wann passt
ChatGPT , für den manuellen Batch-Workflow Du gibst die Kundenliste in Textform in den Prompt, drei bis fünf Kunden auf einmal, jeder mit Anlass und relevanten Infos. ChatGPT erstellt für jeden eine individuelle Nachricht. Für kleine Bestände (bis 100 Kunden) und monatliche Batch-Läufe die pragmatische Lösung. Plus-Plan empfohlen für längere Prompts (23 €/Monat); der kostenlose Plan zeigt in Deutschland seit August 2026 Werbung.
Claude , wenn Ton und Formulierung besonders wichtig sind Claude formuliert längere Texte oft natürlicher und mit weniger Wiederholungen. Für Bestandskundennachrichten, die wirklich wie persönliche Post klingen sollen, und nicht wie generierte Texte, ist der Vergleich lohnenswert.
Wann welcher Ansatz
- Einstieg, einfache Batch-Erstellung → ChatGPT Plus
- Höhere Textqualität, AVV vorhanden → Claude Business
- Große Bestände (500+) → dedizierte Makler-Software mit Bestandsanalyse evaluieren; lass dir Referenzen und ein Testkonto geben, bevor du unterschreibst
Datenschutz und Datenhaltung
Das ist der datenschutzsensitivste der drei Versicherungsmakler-Anwendungsfälle, weil du mit echten Kundendaten arbeitest.
Was du in den Prompt eingibst: Namen (oder Kundennummern), Geburtsjahre, bekannte Lebensereignisse (Kind, Renteneintritt), Vertragsarten. Das sind personenbezogene Daten nach DSGVO Art. 4.
Was das bedeutet: Du brauchst eine Rechtsgrundlage für die KI-Verarbeitung. Zwei sichere Wege:
Option 1, Pseudonymisierung. Statt “Marlene Neumann, geb. 1962, geht in Rente” verwendest du “Kunde K-287, weiblich, Jahrgang 1962, Renteneintritt Q3 2026”. Die KI erstellt eine personalisierte Nachricht auf Basis dieser Daten, du fügst den richtigen Namen und die Anrede danach manuell ein.
Option 2, AVV abschließen. OpenAI ( ChatGPT ) und Anthropic ( Claude ) stellen Auftragsverarbeitungsverträge für Geschäftskunden bereit. Mit AVV darfst du auch vollständige Kundendaten verarbeiten. Für Maklerbüros, die diese Funktion regelmäßig nutzen, die sauberere Lösung.
Ohne AVV: Pseudonymisierung ist der pragmatische Weg für den Einstieg, kostet 5 Minuten Extra-Arbeit pro Batch.
Was es kostet, realistisch gerechnet
Einrichtungskosten Einmalig: 1–2 Stunden. Kundenliste aufbereiten, Anlass-Spalten anlegen, ersten Prompt testen.
Laufende Kosten
- ChatGPT Plus: 23 €/Monat
- Zeitaufwand: 2–3 Stunden pro Monat für Batch-Erstellung und Versand, und das ist der größere Posten
Was du dagegenrechnen kannst
Ein Versicherungsmakler mit 200 Bestandskunden, der 20 davon im Monat proaktiv anspricht. Hier zuerst der Rechenfehler, der in früheren Fassungen dieser Seite stand, damit du ihn nicht übernimmst: Dort hieß es „Jahresprämie 300 Euro, Provision 20 Prozent, macht 120 Euro je Abschluss”. 300 mal 20 Prozent sind 60 Euro, nicht 120. Die ganze Rechnung war damit doppelt so groß wie sie sein darf.
So sieht sie richtig aus:
- Konversion: Wie viele von zwanzig Kontakten zu einem Abschluss führen, weiß niemand vorher. Rechnen wir illustrativ mit einem bis zwei.
- Sachversicherung (Hausrat, Haftpflicht, Kfz): 300 Euro Jahresprämie, 15 bis 25 Prozent Courtage, also 45 bis 75 Euro im Jahr je Vertrag, und zwar wiederkehrend, solange der Vertrag läuft. Bei anderthalb Abschlüssen im Monat sind das 18 Verträge im Jahr und damit 810 bis 1.350 Euro wiederkehrende Jahrescourtage, die sich über zwölf Monate aufbaut, nicht sofort da ist.
- Leben und Kranken (Pflegezusatz, BU, Risikoleben, also genau die Fälle aus der Geschichte am Anfang): Hier liegt die Abschlusscourtage um ein Vielfaches höher, dafür einmalig und mit mehrjähriger Stornohaftung. Ein einziger solcher Abschluss kann die Jahresrechnung dieses Anwendungsfalls allein tragen. Die alte Rechnung hat ausgerechnet dieses Geschäft unterschlagen und stattdessen mit Hausrat gerechnet.
Dagegen: 23 Euro Werkzeugkosten und zwei bis drei Stunden im Monat. Die Stunden sind der eigentliche Preis; bewertet mit dem, was eine Maklerstunde sonst einbringt, sind sie mehr wert als die Software.
Ehrliche Einschätzung: Ob sich das rechnet, entscheidet die Konversionsrate, und die kennst nur du, nachdem du sie ein halbes Jahr gemessen hast. Bei einem Abschluss auf zwanzig Kontakte trägt sich die Sache in der Sachversicherung knapp und im Vorsorgegeschäft deutlich. Bei null Abschlüssen hast du zwei bis drei Stunden im Monat in Kundenbindung investiert, und auch das ist nicht nichts.
Klingt das nach eurem Alltag? Ob sich dieser Use Case bei euch rechnet, klären wir im Erstgespräch: 30 Minuten, kostenlos.
Erstgespräch anfragenDrei typische Einstiegsfehler
1. Ohne strukturierte Kundenliste starten. Wenn du die Anlässe nicht systematisch erfasst hast, kann die KI nichts personalisieren. Sie braucht einen Anlass pro Kunde, “kein aktueller Anlass” führt zu einer generischen Nachricht, die niemanden beeindruckt. Erst eine einfache Kundenliste in Excel anlegen (Name, Vertrag, Geburtsjahr, bekannte Ereignisse), dann KI darüber laufen lassen.
2. Zu viele Kunden auf einmal ansprechen. Wenn du 50 Kunden auf einmal mit einer KI-Nachricht anschreibst, klingt es schnell wie ein Rundschreiben. Die Stärke des Ansatzes ist Personalisierung, 10–15 Kunden pro Batch mit echtem Anlass sind besser als 50 mit generischem “Ich wollte mich mal melden”. Weniger Kunden, relevanteren Anlass, höhere Antwortrate.
3. Die KI-Nachricht unverändert verschicken. KI-generierte Texte klingen manchmal leicht formell oder verwenden Formulierungen, die nicht zu dir passen. Lies jede Nachricht, bevor du sie schickst. Ein Satz anpassen reicht meist, aber der macht den Unterschied zwischen “klingt wie Thomas” und “klingt wie ein Autoresponder”.
Und der Fehler, der langfristig am meisten kostet: Die Bestandspflege läuft einen Monat, dann wird sie vom Tagesgeschäft verdrängt und pausiert drei Monate. Wenn du danach wieder anfängst, ist der Faden zu mehreren Kunden verloren. Lösung: Fester Termin im Kalender, erster Montag im Monat, zwei Stunden Bestandspflege. Das ist die einzige Routine, die funktioniert.
Was mit der Einführung wirklich passiert, und was nicht
Der erste Monat ist am aufwändigsten, weil du die Kundenliste aufbauen musst. Ab Monat zwei läuft es.
Typisches Muster: In den ersten zwei Monaten findest du durch die systematische Durchsicht Kunden, bei denen du denkst “Oh, der ist schon seit zwei Jahren nicht mehr kontaktiert worden, das muss ich nachholen”. Das ist unangenehm, aber nützlich: Du findest Kunden, bevor sie woanders abschließen.
Was wirklich hilft:
Fang mit den Kunden an, die du ohnehin als nächstes kontaktieren wolltest. Nicht mit einer vollständigen Bestandsanalyse, das dauert zu lange und wird verschoben. Drei Kunden mit klarem Anlass (Renteneintritt nächsten Monat, auslaufende Police, Kind im letzten Jahr), eine Stunde Arbeit, drei Nachrichten verschicken. Dann prüfen, ob eine Antwort kommt.
Was nicht passiert: Du wirst nicht sofort einen Rücklauf von 50 Prozent sehen. Bestandspflege baut Vertrauen über Zeit, nicht über einen Monat. Wer nach drei Monaten keine sichtbaren Ergebnisse sieht, hat oft das Problem, dass die Anlässe nicht relevant genug sind oder die Nachrichten zu generisch formuliert sind. Dann Prompt anpassen, nicht aufgeben.
Realistischer Zeitplan mit Risikohinweisen
| Phase | Dauer | Was passiert | Typisches Risiko |
|---|---|---|---|
| Bestandsliste aufbauen | Tag 1–2, 2–4 Std. | CRM-Export oder Excel aufräumen, Anlass-Spalten anlegen | Daten unvollständig, viele Felder leer → generische Nachrichten statt personalisierter |
| Ersten Batch testen | Woche 1 | 5–10 Kunden mit klarem Anlass ansprechen | Tonfall noch nicht auf eigenen Stil abgestimmt |
| Routine aufbauen | Wochen 2–4 | Monatlicher Batch-Termin im Kalender | Tagesgeschäft verdrängt den Batch, Termin explizit blockieren |
| Wirkungsmessung | Ab Monat 3 | Antwortrate und Abschlüsse aus Bestandspflege verfolgen | Kausalität schwer nachweisbar wenn nicht systematisch gemessen |
Häufige Einwände, und was dahintersteckt
„Meine Kunden wollen nicht mit Werbung bombardiert werden.” Der Unterschied liegt in der Relevanz. “Frau Neumann, Sie gehen bald in Rente, haben Sie schon überlegt, was mit Ihrer BU passiert?” ist kein Werbebombardement. Das ist eine fachliche Frage, die zeigt, dass du ihre Situation kennst. Kunden empfinden das als Service, nicht als Akquise, wenn der Anlass stimmt.
„Das klingt nach Massennachrichten.” Nur wenn du es als Massennachricht schreibst. Der Prompt unten erzeugt individuelle Nachrichten, die den spezifischen Anlass des Kunden adressieren. Wer jede Nachricht einmal liest und einen Satz anpasst, hat eine persönliche Ansprache, nicht ein Massen-Mailing.
„Ich hab kein CRM.” Eine Excel-Liste mit fünf Spalten reicht für den Einstieg. Name, Vertrag, Geburtsjahr, letzter Kontakt, bekannte Ereignisse. Das ist dein CRM für diesen Use Case. Wer danach merkt, dass es funktioniert, kann in ein echtes CRM investieren.
Woran du merkst, dass das zu dir passt
- Du hast mehr als 50 Bestandskunden, von denen die Mehrheit länger als ein Jahr nicht proaktiv kontaktiert wurde
- Du verlierst gelegentlich Bestandskunden, die woanders einen Vertrag abschließen, ohne dich zu fragen
- Du hast eine irgendwie strukturierte Kundenliste, Excel, CRM, auch wenn sie nicht perfekt gepflegt ist
- Du möchtest Bestandspflege machen, schaffst es aber aufgrund des Tagesgeschäfts nicht regelmäßig
Wann es sich (noch) nicht lohnt, drei harte Ausschlusskriterien:
-
Weniger als 30 Bestandskunden. Bei sehr kleinem Bestand kennst du jeden Kunden persönlich und weißt, wann du ihn zuletzt gesprochen hast. Der systematische Batch-Ansatz ist unverhältnismäßig, du rufst einfach an.
-
Keine strukturierte Kundenliste vorhanden. Wenn du nicht weißt, welche Verträge deine Kunden haben und wann Anlässe auftreten, kann die KI nicht personalisieren. Erst die Liste anlegen, selbst eine einfache Excel-Tabelle reicht, dann KI draufbauen.
-
Keine DSGVO-konforme Datenverarbeitung möglich. Wenn dein Büro keine Möglichkeit hat, einen AVV abzuschließen, oder du nicht pseudonymisieren kannst (weil dein Workflow das nicht erlaubt), dann tue das zuerst. DSGVO-Verstöße beim Verarbeiten von Kundendaten in KI-Tools können teuer werden.
Das kannst du heute noch tun
Öffne deine Kundenliste, Excel, CRM, Aktenordner, egal. Such drei Kunden heraus, bei denen du weißt: Die stehen vor einem Lebensereignis oder eine Police läuft bald ab.
Öffne ChatGPT oder Claude . Nutze den Prompt unten. Gib die Daten für diese drei Kunden ein und schau, was herauskommt. Dann prüf die Nachrichten und schick eine davon heute noch.
Das ist der Test, der dir sagt, ob der Ansatz für dein Büro funktioniert.
Mitarbeiter:in
KI-Assistent
Quellen & Methodik
- Bain & Company (Forschung zu Kundenloyalität): Neukundengewinnung kostet ein Vielfaches der Bestandspflege, und wenige Prozentpunkte mehr Kundenbindung heben den Gewinn deutlich. Die davon getrennte Aussage zur „fünf- bis siebenfach höheren Abschlusswahrscheinlichkeit” stammt nicht von Bain, sondern geht auf das Standardwerk Marketing Metrics zurück. Frühere Fassungen dieser Seite haben beides Bain zugeschrieben.
- Gestrichen, weil nicht auffindbar: die „DIHK-Daten zu Versicherungsabschlüssen”. Die Liste der Lebensereignisse steht weiterhin im Text, jetzt als Vertriebserfahrung gekennzeichnet.
- § 7 Abs. 3 UWG: Ausnahme für E-Mail-Werbung an Bestandskunden. Vier Voraussetzungen, darunter der Hinweis auf das Widerspruchsrecht bei jeder Verwendung und die Beschränkung auf eigene ähnliche Leistungen. Die früher hier genannte Bedingung „kein Kaltakquise-Charakter” steht nicht im Gesetz.
- asscompact.de (2024): “Zwischen DSGVO und KI: Datenschutz als Daueraufgabe im Maklerbüro”, Anforderungen an DSGVO-konformen KI-Einsatz im Maklerbüro, inkl. AVV-Pflicht bei Verarbeitung personenbezogener Daten.
- vfm-Gruppe, April 2025: Branchenvalidierung, dass KI-gestützte Dokumentation und Kundenpflege für Versicherungsmakler praktikabel ist. vfm.de/presse/
- Preisangaben ChatGPT, Claude: abgeglichen mit unseren Toolseiten ChatGPT und Claude. ChatGPT Plus kostet 23 Euro im Monat.
- Courtagesätze: In der Sachversicherung sind 15 bis 25 Prozent der Jahresprämie als wiederkehrende Bestandscourtage üblich; in Leben und Kranken gelten andere, einmalige Abschlusscourtagen mit mehrjähriger Stornohaftung. Konkrete Sätze stehen in deinen Courtagevereinbarungen, nicht in einer Statistik.
Willst du wissen, wie du deine Kundenliste für den ersten Batch-Durchlauf aufbereitest? Meld dich, wir schauen es uns gemeinsam an, in 30 Minuten.
Produktansatz
ChatGPT/Claude direkt, kein SetupBatch-Workflow mit CRM-ExportMakler-CRM mit KI-Modul (Anbieter vor dem Kauf im Testbetrieb prüfen)
Wissen ist der erste Schritt. Der zweite kostet Zeit.
Du kannst das alles selbst umsetzen. Realistisch sind das ein paar Wochen Einarbeitung, einige Fehlversuche bei Datenschutz und Toolauswahl und das Risiko, dass es im Alltag deiner Versicherungsmakler doch nicht greift. Oder wir gehen es gemeinsam an: In 30 Minuten finden wir den einen Use Case, der bei dir zuerst Wirkung zeigt. Kostenlos, ohne Verkaufsgespräch.