KI-Gruppenüberwachung in der Schweinehaltung
Akustische Sensoren und Stallkameras mit KI-Verhaltensanalyse überwachen Schweine auf Gruppenebene und melden Husten, Unruhe und untypisches Verhalten je Abteil, oft bevor klinische Symptome sichtbar sind.
- Problem
- In Schweinehaltungsanlagen mit 500–2.000 Tieren ist Einzeltierbeobachtung strukturell unmöglich, Atemwegserkrankungen wie PRRS und APP breiten sich aus, bevor sie erkannt werden.
- KI-Lösung
- Akustiksensoren mit CNN-basierter Hustenklassifikation analysieren Geräusche je Abteil, Decken-Kameras erkennen per Computer Vision untypisches Gruppenverhalten, KI-Modelle geben Gruppen-Alerts statt Einzeltier-Monitoring, passend zur Schweinehaltungsrealität.
- Typischer Nutzen
- Auffällige Abteile werden gemeldet, bevor die ganze Gruppe krank ist, und der Tierarzt kann früher und gezielter behandeln. Wie viel Behandlungskosten und Antibiotika das spart, ist nicht unabhängig belegt; die Monatsgebühr je Abteil spielt sich nur ein, wenn die Atemwegskosten des Betriebs deutlich darüber liegen.
- Setup-Zeit
- 4–6 Wochen bis erste Abteil-Alerts
- Kosteneinschätzung
- 3.000–17.000 € Einrichtung, 400–1.200 €/Monat
Donnerstag, 6:40 Uhr. Peter Weiß geht durch seine Mastschweinanlage in der Grafschaft Bentheim, 800 Tiere in 16 Abteilen. Er öffnet die erste Abteilstür und schaut rein: Schweine fressen, bewegen sich, alles wirkt normal. Er geht weiter. Elf Minuten für alle 16 Abteile. Kein Tier fällt auf.
Was Peter nicht hört: In Abteil 9 husten drei Tiere seit gestern Abend häufiger als sonst, 28 Hustenereignisse pro Stunde statt des Normwerts von 4. Die Gruppe ist noch vollständig aktiv, keine klinischen Symptome. Aber das Muster ist bekannt: Beginn einer APP-Atemwegserkrankung.
In vier Tagen werden die ersten Tiere apathisch. Der Tierarzt wird die ganze Gruppe behandeln müssen, 50 Tiere im Abteil, 7 Tage Behandlung, Wartezeiten. Kosten: 2.800 Euro. Hätte er heute Morgen einen Alert bekommen, wären 15–20 betroffene Tiere frühzeitig isoliert und gezielt behandelt worden. Kosten: 320 Euro.
Zehn Minuten Stallrunde sind die einzige Erkennungsgrundlage, und sie sind gegen 28 Hustenereignisse pro Stunde und Nacht strukturell blind.
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Das echte Ausmaß des Problems
Deutsche Schweinehaltungsbetriebe mit 500–2.000 Tieren stehen vor einem strukturellen Beobachtungsproblem: Einzeltiermonitoring, wie es in der Milchviehhaltung mit Ohrmarken-Sensoren funktioniert, ist bei Schweinen kaum praktikabel. Schweine sind Gruppentiere, und Erkrankungen breiten sich in der Gruppe aus, nicht beim Einzeltier.
Akustische Hustenanalyse soll Atemwegserkrankungen wie PRRS (Porcines Reproduktives und Respiratorisches Syndrom) und APP (Actinobacillus pleuropneumoniae) früher anzeigen, als die Stallrunde sie bemerkt. Wie viele Stunden früher, nennen Anbieter; eine unabhängige Messung dazu, die wir belegen können, haben wir nicht gefunden. Zwei Unterschiede sind für jede Rechnung wichtig:
- PRRS ist eine Viruserkrankung. Gegen das Virus selbst hilft kein Antibiotikum, behandelt werden bakterielle Folgeinfektionen, vorgebeugt wird über Impfung und Hygiene. Früher erkannt heißt hier vor allem: früher mit dem Tierarzt handeln, nicht automatisch billiger behandeln.
- APP ist bakteriell. Hier kann eine frühere, gezieltere Behandlung nach tierärztlicher Entscheidung tatsächlich Arznei und Verluste sparen.
Was ein Ausbruch bei dir kostet, steht in deinen Unterlagen: Tierarzt, Arznei, Verluste und längere Mast beim letzten Ausbruch. Diese Summe ist die Obergrenze dessen, was ein Frühwarnsystem je Ausbruch überhaupt beeinflussen kann.
Schwanzbeißen ist ein zweites akutes Problem: Verhaltensstörungen in der Gruppe eskalieren rasch, von einzelnen Tieren mit Wunden zu Ausbrüchen, die zu Tierverlust und Bestandssperrung führen. Kamerabasierte Computer-Vision-Systeme erkennen untypische Gruppenverteilung und frühe Verhaltensanzeichen, bevor der erste Schaden sichtbar ist.
Die EU hat sich in der Farm-to-Fork-Strategie (2020) das Ziel gesetzt, den Verkauf antimikrobieller Mittel für Nutztiere und Aquakultur bis 2030 um 50 Prozent zu senken. In der Schweinehaltung macht der Gruppenbehandlungs-Ansatz das schwer, solange Erkrankungen erst erkannt werden, wenn die ganze Gruppe betroffen ist.
Mit vs. ohne KI, ein ehrlicher Vergleich
| Kennzahl | Ohne KI-Monitoring | Mit Akustik- und Vision-Monitoring |
|---|---|---|
| Erkennungszeitpunkt PRRS/APP | 72–96 Std. nach Beginn (klinisch sichtbar) | 24–48 Std. nach Beginn (Husten-Muster) |
| Behandlungsansatz | Gruppenbehandlung ganzes Abteil | Gezielte Früh-Behandlung der Erstbefälle |
| Antibiotikaeinsatz je Erkrankungsereignis | 100 % der Gruppe, 7+ Tage | 15–30 % der Gruppe, kürzer (tierärztliche Entscheidung) |
| Erkennung Schwanzbeißen | Nach erstem sichtbaren Schaden | Anomale Gruppenverteilung 6–12 Std. früher |
| Täglicher Kontrollaufwand | Alle Abteile täglich begehen | Alle Abteile weiter täglich (§ 4 TierSchNutztV), gemeldete Abteile gründlicher |
| Mortalität bei PRRS-Ausbruch | 3–8 % typisch | 1–3 % mit frühzeitiger Eingrenzung |
Für die rechte Spalte gibt es keine unabhängige Messung, die wir belegen können; es sind Annahmen. Ob sie bei dir eintreten, zeigt der Vergleich deiner Tierarzt-, Arznei- und Verlustzahlen vor und nach der Einführung (siehe Fehler 5).
Einschätzung auf einen Blick
Zeitersparnis, niedrig (2/5) Die tägliche Runde bleibt: Nach § 4 TierSchNutztV muss das Befinden der Tiere mindestens einmal täglich durch direkte Inaugenscheinnahme geprüft werden. Das System ersetzt diese Runde nicht, es sagt dir, in welchem Abteil du genauer hinschauen solltest. Zeit sparst du kaum, du setzt sie besser ein. Der Hauptwert liegt in der Erkennungsqualität.
Kosteneinsparung, niedrig (2/5) Behandlungskosten bei Atemwegserkrankungen sind direkt messbar, die Ersparnis durch frühere Behandlung ist aber nicht unabhängig belegt, und bei PRRS hilft kein Antibiotikum gegen das Virus. Dagegen steht eine Monatsgebühr je Abteil, die jedes Jahr anfällt. In der Rechnung weiter unten kostet das System mehr, als es spart. Es rechnet sich nur in Betrieben, deren Atemwegskosten die Jahresgebühr deutlich übersteigen.
Schnelle Umsetzung, mittel (3/5) Kamerainstallation und Akustik-Sensoren sind in 1–2 Tagen montiert. Das gruppenbasierte Modell braucht keine 4-wöchige Einzeltier-Kalibrierung, Gruppen-Baseline ist in 1–2 Wochen aufgebaut. Schneller als Einzeltier-Systeme, aber keine sofortige Inbetriebnahme.
ROI-Sicherheit, hoch (4/5) Behandlungskosten pro Erkrankungsereignis sind buchhalterisch messbar. Wer eine Tierarztkostenübersicht der letzten 12 Monate hat, kann sofort ausrechnen, ob das System sich rechnet. Einschränkung: In Jahren ohne starken Erkrankungsdruck ist der messbare Nutzen geringer.
Skalierbarkeit, mittel (3/5) Ein Mikrofon oder eine Kamera pro Abteil, und die Gebühr wird je Abteil berechnet. Die Kosten wachsen also linear mit der Abteilzahl, von 8 auf 24 Abteile verdreifachen sie sich. Besser als Einzeltier-Sensorsysteme, wo jedes Tier eigene Hardware braucht, aber ohne Skaleneffekt.
Richtwerte, stark abhängig von Bestandsgröße, Erkrankungshistorie und Abteilstruktur des Stalls.
Was das System konkret macht
Akustische Hustenanalyse: Mikrofone unter der Stalldecke erfassen das Akustikbild des Abteils kontinuierlich. Das KI-Modell unterscheidet zwischen normalen Atemgeräuschen und Husten-Mustern, die auf Atemwegserkrankungen hinweisen. Die entscheidende Metrik ist nicht ein einzelner Husten, sondern die Hustenfrequenz über 24-Stunden-Fenster verglichen mit der abteilspezifischen Baseline. Erhöhte Hustenfrequenz erscheint als Alert, oft bevor klinische Symptome sichtbar sind.
Das System lernt die Baseline je Abteil in der ersten Woche. Die Baseline gilt für die Gruppe als Ganzes: Wie viel Husten ist für dieses Abteil, diese Belegungsphase, diese Jahreszeit normal? Abweichungen von dieser Gruppenbaseline lösen den Alert aus.
Computer Vision für Verhaltensüberwachung: Eine Kamera an der Decke pro Abteil erfasst die Schweine in Vogelperspektive. Das KI-Modell analysiert automatisch:
- Verteilungsmuster: Klumpen sich Tiere ungewöhnlich zusammen oder meiden sie bestimmte Bereiche?
- Aktivitätsniveau: Liegt die Gruppe untypisch viel? Ist die Fressplatz-Auslastung gesunken?
- Schwanzbeißen-Vorboten: Untypische Interaktionsmuster, bevor die ersten Wunden entstehen
Gruppen-Alert-App: Alerts werden auf Abteil-Ebene ausgegeben: „Abteil 9: Hustenfrequenz +180 % gegenüber 7-Tage-Baseline. Letzte 6 Stunden steigend. Empfehlung: tierärztliche Kontrolle.” Der Stallleiter öffnet die App, sieht welches Abteil betroffen ist, und schaut dort bei der täglichen Runde gründlicher hin. Die Runde durch alle Abteile bleibt Pflicht.
Konkrete Werkzeuge, was wann passt
SoundTalks (Belgien, in Deutschland erhältlich): Spezialisiert auf Atemwegsmonitoring bei Schweinen, inzwischen Teil von Boehringer Ingelheim. Decken-Mikrofone werten Hustengeräusche je Abteil aus. Öffentliche Preise nennt SoundTalks nicht; wir rechnen unten mit 50 bis 80 Euro je Abteil und Monat als Annahme. Lass dir ein Angebot für deine Abteilzahl machen, bevor du rechnest.
Nedap Livestock Management (für Sauen und Aufzucht): Niederländisches System für die Sauenhaltung: Transponder-basierte Einzeltier-Erkennung an Futterstationen kombiniert mit Verhaltensanalyse. Besonders relevant für Sauenbetriebe, wo Einzeltier-Verfolgung wirtschaftlich ist. Gut etabliert in Deutschland.
Kamerabasierte Systeme: Computer Vision für Gruppenverhalten, Fressaktivität und Bewegungsmuster, keine Hardware am Tier. VetVise aus Hannover bietet sein Kamerasystem laut unserer Toolseite für Geflügel- und Schweinehaltung an. Stärker bei Verhaltens- und Wohlfahrtsmonitoring als bei frühen Atemwegszeichen. Frag jeden Anbieter nach Referenzbetrieben in der Schweinemast, nicht nur nach Geflügel.
Wann welcher Ansatz:
- Mastschweinhaltung mit Atemwegsrisiko → SoundTalks
- Sauenhaltung mit Einzeltier-Erkennung → Nedap
- Wohlfahrt-Monitoring und Schwanzbeißen → kamerabasierte Systeme
Datenschutz und Datenhaltung
Tiergesundheitsdaten sind keine personenbezogenen Daten. Die DSGVO greift nur, wenn Behandlungsdaten mit Mitarbeiterprofilen verknüpft werden.
Die HI-Tier-Datenbank (Herkunftssicherungs- und Informationssystem Tiere, BLE) für Schweine verlangt Meldungen zu Tierbewegungen. KI-Monitoring-Systeme ersetzen diese Pflichten nicht.
Lass dir von SoundTalks und Nedap vor Vertragsschluss schriftlich geben, wo die Daten gespeichert werden, und schließe einen AVV ab, sobald Mitarbeiterdaten berührt sind.
Wenn Stallkameras Mitarbeiter erfassen können, gilt Beschäftigtendatenschutz, und wo ein Betriebsrat besteht, hat er ein Mitbestimmungsrecht. Kameras sollten primär auf Tiere ausgerichtet sein.
Förderung: Ob Sensorik und Kameras über die Agrarinvestitionsförderung (AFP) deines Bundeslands förderfähig sind und zu welchem Satz, unterscheidet sich je Land und Förderperiode. Frag bei der Bewilligungsstelle, bevor du bestellst; ein Förderantrag nach dem Kauf wird in der Regel abgelehnt.
Was es kostet, realistisch gerechnet
Alle Beträge in diesem Abschnitt sind Annahmen dieser Seite, die Anbieter veröffentlichen keine Preise. Hol dir ein Angebot für deine Abteilzahl und setz es in die Rechnung ein.
Einstieg, Akustisches Monitoring (SoundTalks, 8 Abteile):
- Hardware (Mikrofone): 3.000–5.000 Euro einmalig
- SaaS-Gebühr: 400–640 Euro/Monat (50–80 Euro/Abteil)
- Erstes Jahr Gesamtkosten: 7.800–12.680 Euro
- Ab Jahr 2: 4.800–7.680 Euro/Jahr laufend
Erweiterung mit Kamera-Vision:
- Kameras: 500–1.500 Euro/Abteil (inkl. Montage)
- Bei 8 Abteilen: 4.000–12.000 Euro Einmalinvestition
ROI-Szenario für 1.000 Mastschweine (20 Abteile): Ausgangslage: 2 Ausbrüche von Atemwegserkrankungen im Jahr, ø Kosten 8.000 Euro je Ausbruch = 16.000 Euro Jahresbelastung. Angenommen, eine frühere tierärztliche Behandlung senkt die Kosten je Ausbruch auf 3.500 Euro: 9.000 Euro im Jahr gespart. Das ist optimistisch, denn bei PRRS wirkt kein Antibiotikum gegen das Virus; die Annahme passt eher zu bakteriellen Erkrankungen wie APP. Dagegen stehen 20 Abteile mal 50 bis 80 Euro, also 1.000 bis 1.600 Euro im Monat oder 12.000 bis 19.200 Euro im Jahr, dazu die Hardware. Eine AFP-Förderung senkt nur die Hardware, nicht die Monatsgebühr. Das System kostet in diesem Szenario jedes Jahr 3.000 bis 10.200 Euro mehr, als es spart, einen Break-even gibt es nicht. Erst bei drei Ausbrüchen im Jahr mit derselben Ersparnis (13.500 Euro) reicht es knapp für die Gebühr am unteren Ende. Wer es versuchen will, startet mit einem Pilot in den vier, fünf Abteilen mit der höchsten Erkrankungshistorie und vergleicht nach einem Jahr deren Tierarzt- und Verlustzahlen mit den übrigen.
Typische Einstiegsfehler
Fehler 1, Akustikqualität im Stall nicht vorab geprüft Lüftungsanlagen, Fressgitter und Beton-Hallenhall erzeugen Hintergrundgeräusche, die die Hustenerkennungsgenauigkeit mindern können. Vor dem Kauf: Hersteller-Demo im eigenen Stall unter Betriebsbedingungen anfordern, nicht nur aus dem Prospekt kaufen.
Fehler 2, Zu wenige Alerts als Systemversagen gedeutet In gesunden Saisons gibt es kaum Alerts, in erkrankungsarmen Perioden kann es wochenlang still bleiben. Das ist ein Erfolg, kein Systemfehler. Wer nach drei stillen Wochen das System abschaltet, verliert genau dann den Schutz, wenn er ihn braucht. Abhilfe: Hustenfrequenz-Basislinie monatlich im Dashboard kontrollieren und bestätigen, dass das System Daten erfasst.
Fehler 3, Alerts nicht mit dem Tierarzt besprochen Das System gibt Abteil-Alerts, keine Diagnosen. Wenn Alerts nie zu einer Tierarzt-Konsultation führen, hat das System keinen Nutzen, Behandlungskosten bleiben auf dem Niveau reaktiver Gruppenbehandlung (2.500–3.000 Euro/Abteil statt 300–400 Euro bei Früherkennung). Die Reaktionskette muss vorab definiert sein: Alert +100 % Hustenfrequenz → App-Notiz + Tierarztanruf am selben Tag; Alert +200 % → sofortige Konsultation. Ohne schriftliche Regel verpufft der Frühwarneffekt.
Fehler 4, System nach Einführungsphase vernachlässigt Die häufigste Ursache für langfristig sinkenden Nutzen: Das System läuft, aber niemand schaut mehr in die App. Alerts kommen, werden nicht bearbeitet, irgendwann werden sie ignoriert. Lösung: feste tägliche 5-Minuten-App-Kontrolle und quartalsweises Feedbackgespräch mit dem Tierarzt.
Fehler 5, Keine Erkrankungskosten-Baseline vor der Einführung Ohne Tierarztkosten-Dokumentation der letzten 12 Monate nach Erkrankungstyp ist kein ROI-Vergleich möglich. Mindestens eine Saison Kosten-Baseline dokumentieren, bevor das System eingeführt wird.
Was mit der Einführung wirklich passiert
Die ersten zwei Wochen sind unspektakulär. Das Mikrofon hängt unter der Decke, die App wird eingerichtet, die Baseline läuft auf. Keine Alerts, kein sichtbarer Unterschied zum Alltag.
Der Wendepunkt kommt mit dem ersten echten Alert: Das System meldet Abteil 12 mit erhöhter Hustenaktivität. Der Stallleiter geht hin, findet drei Tiere mit Nasenausfluss und leichter Apathie. Tierarzt, frühe Behandlung, 15 Tiere bekommen ein Antibiotikum, nicht 50. Das Erlebnis verändert die Einstellung sofort.
Nach drei bis vier Monaten ist die App Morgenroutine, vor der Stallrunde, nicht statt ihr. Ob die Tierarztrechnungen sinken, zeigt erst der Jahresvergleich mit der Kosten-Baseline (Fehler 5). Wenn nicht, ist das eine ehrliche Antwort auf die Frage, ob sich das System für deinen Betrieb lohnt.
Realistischer Zeitplan mit Risikohinweisen
| Phase | Dauer | Was passiert | Typisches Risiko |
|---|---|---|---|
| Systemauswahl und Demo | Woche 1–4 | Erkrankungshistorie auswerten, Hersteller-Demo im eigenen Stall anfragen, Förderantrag prüfen | Demo nicht im eigenen Stall, Akustikbedingungen unbekannt |
| Hardware-Installation | Woche 3–6 | Mikrofone und Kameras montieren, Netzwerk konfigurieren, App einrichten | Netzwerkversorgung im Stall unzureichend, LTE-Router als Fallback einplanen |
| Baseline-Phase | Woche 6–8 | System lernt normale Hustenfrequenz je Abteil | Zu kurze Baseline-Phase führt zu vielen Fehlalarmen in gesunden Herden |
| Routinebetrieb | Ab Woche 8 | Tägliche App-Kontrolle, Alerts mit Tierarzt besprechen, Behandlungsergebnisse dokumentieren | Feedback-Loop fehlt, System lernt nicht, ob Alerts korrekt waren |
| Jahresbilanz | Nach 12 Monaten | Tierarztkosten vor/nach vergleichen, AFP-Förderantrag für Hardware abrechnen | Keine Kosten-Baseline vor Einführung, ROI nicht messbar |
Häufige Einwände, und was dahintersteckt
„Meine Stallrunden reichen, ich erkenne Krankheit früh genug.” Das stimmt für Betriebe mit 80–150 Tieren und täglichem Einzelkontakt. Es stimmt nicht für Anlagen mit 600+ Mastschweinen und 10–15 Minuten Kontrollzeit je Durchgang. Subklinische PRRS-Anzeichen, leicht erhöhte Hustenfrequenz, marginale Fressreduktion, sind mit dem menschlichen Ohr im Stallbetrieb nicht zuverlässig erkennbar. Das System schließt die Lücken, die strukturell entstehen.
„Das ist zu teuer für meinen Betrieb.” Oft ja. Bei 8 bis 10 Abteilen kostet das System 4.800 bis 9.600 Euro im Jahr (8 bis 10 Abteile mal 50 bis 80 Euro mal 12 Monate). Verhindern kann es einen Ausbruch nicht, nur früher sichtbar machen; im Szenario oben spart das 4.500 Euro je Ausbruch. Du brauchst also ein bis zwei Ausbrüche im Jahr, damit die Gebühr hereinkommt. Entscheidend ist nicht die Tierzahl, sondern ob deine jährlichen Atemwegskosten deutlich über der Jahresgebühr liegen.
„Wir haben kein WLAN im Stall.” Die meisten Akustiksysteme funktionieren auch über LTE-Router oder LoRaWAN-Gateways. Konnektivitätsprüfung vor dem Kauf beim Hersteller anfordern, in der Regel lösbar ohne aufwendige Stallverkabelung.
Woran du merkst, dass das zu dir passt
Dieser Anwendungsfall passt, wenn du:
- mehr als 300 Mastschweine oder 100 Sauen hältst
- Atemwegserkrankungen als wiederkehrendes Problem kennst (PRRS, APP, Grippe)
- deine jährlichen Kosten für Atemwegserkrankungen (Tierarzt, Arznei, Verluste) deutlich über der Jahresgebühr für deine Abteilzahl liegen, bei 8 Abteilen also über 4.800 bis 7.680 Euro
- bereit bist, täglich 5 Minuten für die App-Kontrolle zusätzlich zur Stallrunde einzuplanen
Das passt (noch) nicht, wenn du:
- weniger als 300 Mastschweine hältst, das Kosten-Nutzen-Verhältnis ist dann zu eng
- bisher kaum Atemwegserkrankungen in deiner Herde hattest, ohne Erkrankungsrisiko kein relevanter Nutzen
- deinen Betrieb in den nächsten 2 Jahren aufgibst oder grundlegend umstrukturierst
- keine Bereitschaft hast, Alerts konsequent nachzugehen, dann bleibt das System ungenutzt
Das kannst du heute noch tun
Erstelle eine Übersicht der Tierarztkosten der letzten 12 Monate, aufgeschlüsselt nach Erkrankungstyp wenn möglich (Atemwege, Lahmheit, Reproduktion). Vergleiche die Atemwegskosten mit der Jahresgebühr für deine Abteilzahl (bei 50 bis 80 Euro je Abteil und Monat sind das 600 bis 960 Euro je Abteil und Jahr). Liegen die Kosten deutlich darüber, lohnt sich eine Demo-Anfrage bei SoundTalks oder einem ähnlichen Anbieter; liegen sie darunter, kann das System seine Gebühr nicht einspielen.
Mitarbeiter:in
KI-Assistent
Quellen & Methodik
- EU-Farm-to-Fork-Strategie, Mitteilung der Kommission COM(2020) 381 (eur-lex.europa.eu): Ziel, die Gesamtverkäufe antimikrobieller Mittel für Nutztiere und Aquakultur bis 2030 um 50 % zu verringern.
- § 4 Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung (gesetze-im-internet.de): Befinden der Tiere mindestens einmal täglich durch direkte Inaugenscheinnahme prüfen.
- SoundTalks: keine öffentlichen Preise. Die 50–80 Euro je Abteil und Monat sind eine Annahme dieser Seite.
- Nedap Livestock Management Produktdokumentation (2024): Sauenhaltungs-Transponder, Einzeltier-Erkennung an Futterstationen.
- Rechenweg: Ausbruchskosten, Ersparnis je Ausbruch und Hardwarepreise im ROI-Szenario sind Annahmen, keine Messwerte. Nachprüfen lässt sich die Rechnung mit deiner eigenen Tierarzt- und Verlustbilanz vor und nach der Einführung.
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